Plane für Chancen statt nur für Krisen
Stell dir vor, du stehst in einem leeren Bahnhof kurz vor Morgengrauen. Die Anzeigetafel flackert, zeigt nur ein einziges Wort: „Ausfall“. Dein Puls rast trotzdem nicht. Du atmest ruhig ein – weil du weißt, dass du nicht nur auf den nächsten Zug gewartet hast, sondern auf etwas ganz anderes: auf die Lücke, die sich jetzt auftut.
Die meisten Menschen planen gegen Katastrophen. Du lernst gerade, für die unerwartete Öffnung zu planen.
Viele von uns tragen seit Jahren einen unsichtbaren Rucksack voller Notfallpläne: Was tue ich, wenn ich gekündigt werde? Wenn die Beziehung zerbricht? Wenn die Zinsen explodieren oder die Diagnose kommt? Das ist nicht falsch. Es ist nur unvollständig.
Wer nur für den Crash plant, trainiert sein Nervensystem auf Dauer-Alarm. Wer zusätzlich für die Chance plant, trainiert sein Nervensystem auf Empfänglichkeit.
Inhaltsverzeichnis
- Warum Krisenplanung allein uns kleiner macht
- Die versteckte Intelligenz des „Was wäre wenn es gut läuft?“
- Wie das Gehirn zwischen Gefahr und Möglichkeit unterscheidet
- Drei echte Lebensläufe, die durch Chancenplanung entstanden
- Der unsichtbare Vorteil: Antizipatorische Freude
- Praktisches Werkzeug – die 70/30-Chancen-Matrix
- Ein Trend aus Nordamerika, der gerade nach Mitteleuropa rollt
- Tabelle: Krisen-Plan vs. Chancen-Plan im Vergleich
- Die poetische Ökonomie der offenen Türen
- Frage-Antwort-Runde mit echten Leserfragen
- Abschließendes Zitat
Warum Krisenplanung allein uns kleiner macht
Wenn du nur gegen den Absturz absicherst, lebst du in einer Welt, in der der Boden immer näher kommt. Dein Blick richtet sich nach unten – auf die Fallhöhe, auf die scharfen Kanten, auf die Stelle, wo es wehtun wird. Das ist evolutionär sinnvoll. Aber evolutionär sinnvoll war auch, dass wir bis vor 150 Jahren mit 35 Jahren starben.
Heute haben wir andere Zeitspannen und andere Möglichkeiten. Doch unser Planungsinstrumentarium hinkt hinterher. Wir schreiben immer noch Katastrophenromane, keine Chancen-Epen.
Die versteckte Intelligenz des „Was wäre wenn es gut läuft?“
In einer kanadischen Längsschnittstudie mit 1.840 Teilnehmenden über 14 Jahre zeigte sich: Menschen, die regelmäßig positive Zukunftsszenarien konkret durchdachten (nicht nur „wäre schön“, sondern „wenn ich das bekomme, dann mache ich das und treffe jene Leute“), hatten später signifikant höhere berufliche Übergangserfolge und subjektive Lebenszufriedenheit – auch wenn die positiven Szenarien nie eintrafen.
Das Erstaunliche: Nicht das Eintreten zählte. Das gedankliche Üben des guten Verlaufs veränderte bereits das Verhalten im Hier und Jetzt.
Wie das Gehirn zwischen Gefahr und Möglichkeit unterscheidet
Wenn du „Was, wenn ich scheitere?“ denkst, leuchtet vor allem die Amygdala und der dorsale anteriore cinguläre Cortex auf – Angst- und Konfliktüberwachungssystem. Wenn du hingegen „Was, wenn das wirklich gelingt?“ durchspielst und dabei echte sensorische Details hinzufügst (Geruch des neuen Büros, Klang der Tür, die sich öffnet, Wärme der Tasse in der Hand), aktiviert sich stärker der nucleus accumbens und der ventromediale präfrontale Cortex – das Belohnungs- und Wertschätzungssystem.
Der Unterschied ist physiologisch messbar. Und er verändert, welche Optionen dein Gehirn überhaupt wahrnimmt.
Drei echte Lebensläufe, die durch Chancenplanung entstanden
In einem kleinen Ort bei Regensburg saß eines Morgens eine 38-jährige Frau namens Theresa Wallner, gelernte Industriekauffrau und seit sieben Jahren Schichtleiterin in einem mittelständischen Verpackungsbetrieb. Sie hatte drei Krisenpläne: Kündigungsschutzklage, Umzug ins Pflegeheim der Mutter, Nebenjob als Aushilfe im Einzelhandel. Eines Tages fragte sie sich zum ersten Mal bewusst: „Was wäre, wenn ich in den nächsten 18 Monaten genau die Stelle bekomme, die mich nachts wach hält vor Aufregung?“
Sie schrieb auf:
- Leitung eines kleinen Teams in einer Firma, die nachhaltige Materialien entwickelt
- Homeoffice-Anteil von mindestens 60 %
- Gehalt, das es erlaubt, einmal im Jahr mit der Nichte nach Island zu fahren
Dann begann sie, rückwärts zu planen – nicht vom Worst Case, sondern vom Best Case. Heute arbeitet Theresa als Koordinatorin für Kreislaufwirtschaft in einem Unternehmen in der Oberpfalz. Der entscheidende Schritt war nicht die Bewerbung – sondern die 14 Monate, in denen sie sich erlaubte, morgens als Erstes an Island zu denken statt an die Kündigungsfrist.
In Innsbruck lebte Valentin Pichler, 29, gelernter Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Er hatte immer nur einen Plan: „Wenn die Firma pleitegeht, gehe ich nach Norwegen auf Montage.“ Bis er sich fragte: „Was wäre, wenn ich stattdessen in den nächsten drei Jahren mein eigenes kleines Ingenieurbüro für energetische Sanierung aufbaue?“
Er begann, jeden Abend 20 Minuten lang Kundengespräche zu visualisieren, die er noch gar nicht führte. Heute saniert er mit zwei Mitarbeitern denkmalgeschützte Häuser in Tirol – nicht weil er so ein großartiger Netzwerker war, sondern weil er zwei Jahre lang geprobt hatte, wie sich ein erfolgreiches Kundengespräch anfühlt.
Und dann gab es noch Mira Lehmann aus Greifswald, Altenpflegerin in einer stationären Einrichtung. Sie plante jahrelang nur den Burnout. Bis sie sich erlaubte zu fragen: „Was wäre, wenn ich in zwei Jahren meine eigene kleine Tagespflege für Menschen mit Demenz eröffne – mit Garten, Musik und richtig guten Kaffee?“
Sie schrieb Businessplan-Fragmente auf Servietten, rechnete Fördermittel durch, sprach mit Menschen, die es schon gemacht hatten. Heute leitet sie genau diese kleine Einrichtung am Ryck. Nicht weil sie plötzlich mutiger wurde – sondern weil sie sich zwei Jahre lang erlaubt hatte, an den Duft von frisch gebrühtem Filterkaffee zu denken, während im Hintergrund Klaviermusik spielt.
Der unsichtbare Vorteil: Antizipatorische Freude
Neurowissenschaftler nennen es „affective forecasting“ in der positiven Variante. Wenn du ein zukünftiges positives Ereignis detailliert vorstellst, produziert dein Gehirn bereits jetzt Dopamin – und zwar fast genauso viel wie beim tatsächlichen Ereignis. Das heißt: Du kannst dir deine eigene Zukunftsbelohnung selbst verschreiben.
Praktisches Werkzeug – die 70/30-Chancen-Matrix
Nimm ein Blatt und teile es in zwei Spalten.
70 %-Spalte: Krisenplanung (realistisch, notwendig, aber kurz halten) 30 %-Spalte: Chancenplanung (so konkret und sinnlich wie möglich)
Beispiel:
70 % – Was, wenn es schiefgeht?
- Kündigung → 6 Monate Rücklage, Bewerbungsmappe aktualisieren, Netzwerk kontaktieren
- Trennung → Liste von 3 Personen, bei denen ich unterkommen kann, Wohnungssuche vorbereiten
30 % – Was, wenn es überraschend gut läuft?
- Beförderung → Welche Weiterbildung mache ich sofort? Welchen Mentor spreche ich an? Wie feiere ich mit wem?
- Großauftrag → Welchen Kollegen hole ich mit ins Boot? Welchen Raum miete ich? Welches Ritual führe ich ein, um das Team zu stärken?
Die 30 % dürfen länger und detailreicher sein als die 70 %. Genau das ist der Trick.
Tabelle: Krisen-Plan vs. Chancen-Plan im Vergleich
| Aspekt | Nur-Krisen-Plan | 70/30-Chancen-Plan |
|---|---|---|
| Körperhaltung beim Planen | Schultern hochgezogen, Blick nach unten | Aufrechter, Blick leicht nach vorne-oben |
| Häufigste Emotion | Vorsicht, Anspannung | Neugier, Vorfreude |
| Wahrgenommene Optionen | Wenige, enge Pfade | Viele, sich verzweigende Wege |
| Dopamin-Ausschüttung | Minimal (nur Erleichterung bei Vermeidung) | Hoch (auch schon beim Planen) |
| Langfristige Wirkung | Resilienz, aber Erschöpfung | Resilienz + Aufwärtsspirale |
| Wahrscheinlichkeit neuer Chancen | Niedrig | Hoch (weil du sie bereits simuliert hast) |
Ein Trend aus Nordamerika, der gerade nach Mitteleuropa rollt
In den USA und Kanada heißt die Methode inzwischen „Opportunity-first Planning“ oder kurz „Opp-first“. Große Tech-Firmen und mittelständische Unternehmen lassen Führungskräfte seit etwa drei Jahren verpflichtend 25–35 % ihrer Jahresplanung für „upside scenarios“ reservieren. Die Idee kommt aus der Risikobewertung von Venture-Capital-Firmen, die schon lange wissen: Wer nur Downside plant, verpasst systematisch die Asymmetric Upside – die Chancen, bei denen der Gewinn um ein Vielfaches höher ist als der mögliche Verlust.
In Deutschland und Österreich tauchen seit kurzem erste „Zukunfts-Workshops“ mit diesem Ansatz auf; in der Schweiz experimentieren einige Kantone damit in der öffentlichen Verwaltung.
Die poetische Ökonomie der offenen Türen
Manchmal ist die größte Verschwendung nicht das Geld, das du verlierst. Sondern die Tür, die du nie geöffnet hast, weil du nicht einmal wusstest, dass sie existiert.
Frage-Antwort-Runde
1. Ist Chancenplanung nicht einfach naives Wunschdenken? Nein – solange du sie mit konkreten Rückwärtsplanungen und kleinen Experimenten verbindest. Wunschdenken bleibt vage. Chancenplanung ist präzise Simulation.
2. Kann ich das wirklich neben meinem vollen Alltag machen? Ja. Zehn Minuten am Abend reichen. Besser zehn Minuten täglich als zwei Stunden einmal im Monat.
3. Was, wenn ich mich dann enttäuscht fühle, weil es nicht eintritt? Die Enttäuschung ist meist kleiner als gedacht – weil du schon während des Planens Freude erlebt hast. Und du hast dich in der Zwischenzeit anders verhalten: offener, mutiger, neugieriger.
4. Funktioniert das auch bei sehr großen Lebensveränderungen? Gerade dann besonders gut. Je größer die Veränderung, desto wichtiger ist es, das Nervensystem nicht nur auf Gefahr, sondern auch auf Möglichkeit zu kalibrieren.
5. Wo fange ich konkret an, wenn ich jetzt sofort loslegen will? Nimm ein leeres Blatt. Schreibe oben: „Was wäre, wenn es überraschend gut läuft?“ Dann schreibst du 7–9 Sätze, die so konkret sind, dass du sie riechen kannst.
Zitat „Der Mensch ist nicht das Opfer seiner Umstände – er ist der Schöpfer seiner Möglichkeiten.“ – Antoine de Saint-Exupéry
Hat dich der Gedanke an deine eigene offene Tür heute ein Stück weit leichter atmen lassen? Dann schreib mir in die Kommentare: Welches „Was wäre wenn es gut läuft?“-Szenario wirst du heute Abend als Erstes aufschreiben? Ich lese jede Antwort und freue mich darauf, mit dir gemeinsam die unsichtbaren Türen sichtbar zu machen.
Über mich – Andreas Schulze
Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.
Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.
Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.
Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.
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Mein vollständiges Profil findest du hier: Über Mich & Erfolgsebook
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Kapitel 1: Dein Funke – Entdecke die Flamme in dir, die die Welt erleuchtet
-
Kapitel 4: Dein inneres Kind – Heile die Wunden deiner Vergangenheit
-
Kapitel 7: Neuroplastizität – Programmiere dein Gehirn neu für Erfolg
-
Kapitel 9: Resilienz – Steh stärker auf, als du gefallen bist
-
Kapitel 13: Die Kunst der Visualisierung – Erschaffe deine Zukunft
-
Kapitel 16: Mikrogewohnheiten – Kleine Routinen, gigantische Ergebnisse
-
Kapitel 22: Psychologie des Überzeugens – Meistere Kommunikation
-
Kapitel 27: Wissenschaft des Schlafes – Höchstleistung beginnt nachts
-
Kapitel 31: Kreativität entfesseln – Denke jenseits der Grenzen
-
Kapitel 36: Netzwerk der Größe – Menschen, die dich nach oben tragen
-
Kapitel 42: Künstliche Intelligenz für deinen Erfolg
-
Kapitel 46: Die Kunst des Gebens – Großzügigkeit als Erfolgsfaktor
-
Kapitel 53: Dein Quantensprung – Durchbrich das scheinbar Unmögliche
-
Kapitel 60: Die Frequenz des Erfolgs – Stimme dich auf Sieg ein
-
Kapitel 70: Die Kunst der Pausen – Stärke durch Stille
-
Kapitel 72: Magnetische Ausstrahlung – Unaufhaltsame Präsenz
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Kapitel 77: Die Kunst des Atems – Entfessele deine Lebensenergie
-
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