Glück beginnt im Jetzt – erkenne es!
Stell dir vor, dein Atem stockt für einen winzigen Moment – nicht vor Schreck, sondern weil die Welt plötzlich scharf wird. Die Tasse in deiner Hand ist warm, der Kaffee duftet nach gerösteten Haselnüssen und einem Hauch von Karamell, und genau in diesem Sekundenbruchteil spürst du: Alles, was du je gesucht hast, ist bereits da. Nicht morgen. Nicht wenn du endlich die Beförderung hast, die Wohnung renoviert ist oder der Ex sich entschuldigt hat. Sondern genau jetzt, während der Dampf aufsteigt und dein Herz einen Schlag lang lauter schlägt als der Verkehr draußen.
Die meisten Menschen leben in einem permanenten übermorgen-Modus. Sie vertrödeln das Jetzt mit der mentalen Buchführung dessen, was noch fehlt. Glück wird zur Zielgeraden – und je näher man kommt, desto weiter scheint sie sich zu entfernen. Doch was wäre, wenn das Glück gar kein Ziel ist, sondern der Untergrund, auf dem du gerade stehst?
Die Täuschung der vertagten Freude
Viele von uns haben gelernt, Glück an Bedingungen zu knüpfen. „Wenn ich erst einmal…“, sagen wir uns, „dann werde ich endlich glücklich sein.“ Psychologisch betrachtet ist das ein raffinierter Selbstschutzmechanismus: Solange das Glück in der Zukunft liegt, kann es uns im Hier und Jetzt nicht enttäuscht werden. Gleichzeitig raubt uns genau diese Haltung die Fähigkeit, die bereits vorhandenen kleinen Vollkommenheiten wahrzunehmen.
Nimm Hanna, 34, Stationsleitung in einer großen Rehaklinik in Regensburg. Jeden Morgen um 6:40 Uhr steht sie im Schwesternzimmer, hört das monotone Piepen der Monitore, riecht Desinfektionsmittel und abgestandenen Kaffee aus der Thermoskanne. Sie hasst diesen Moment. Sie hasst, dass sie wieder nicht geschlafen hat, dass der Dienstplan wieder einmal ungerecht ist, dass sie seit Monaten keinen richtigen Urlaub hatte. Und doch – als sie an jenem grauen Novembermorgen einmal bewusst stehen bleibt, die Augen schließt und nur atmet, spürt sie plötzlich die Wärme ihrer eigenen Handflächen, das leise Summen der Neonröhre, das Gefühl, lebendig zu sein. Für drei Sekunden ist da nichts außer diesem Atemzug. Und in diesen drei Sekunden ist sie glücklich. Nicht trotz des Chaos. Sondern mitten drin.
Warum das Gehirn das Jetzt meidet
Unser präfrontaler Cortex ist ein Meister der Simulation. Er malt uns permanent bessere oder schlimmere Zukünfte aus – evolutionär sinnvoll, um Gefahren abzuwenden und Chancen zu ergreifen. Das Problem: Er malt so überzeugend, dass das limbische System die Gegenwart als blass und uninteressant abtut. Neuere Erkenntnisse aus der Neuropsychologie zeigen, dass Menschen, die regelmäßig achtsamkeitsbasierte Übungen machen, eine messbar dickere Insula und einen aktiveren anterioren cingulären Cortex entwickeln – genau die Hirnregionen, die für die bewusste Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments zuständig sind.
Das bedeutet nicht, dass du ab sofort stundenlang auf eine Kerzenflamme starren musst. Es bedeutet, dass du dein Gehirn umtrainieren kannst, das Jetzt nicht mehr automatisch als langweilige Übergangsphase zu entwerten.
Der Moment, in dem sich alles ändert – drei Miniaturen
In einem kleinen Dorf bei Schärding in Oberösterreich sitzt Elias, 41, Forstwirt und Teilzeit-Drohnenpilot für die Wildbachverbauung. Er liebt seine Arbeit und hasst sie zugleich. An jenem Herbstnachmittag, als der Nebel so dick ist, dass man die Hand vor Augen kaum sieht, steigt er aus dem Wagen, hört nur das Tropfen von den Fichten und den eigenen Atem. Er nimmt die Mütze ab. Kalte Nässe legt sich auf seine Kopfhaut. Und plötzlich – ohne dass er etwas dafür tut – fühlt er sich lebendig. Nicht weil etwas Besonderes passiert. Sondern weil nichts anderes passiert. Nur Nebel, Kälte, Atem, Herzschlag. Er steht da und weint leise, weil er zum ersten Mal seit Jahren spürt, dass er da ist.
In Winterthur, Schweiz, wartet Noemi, 29, Logopädin in einer Frühförderstelle, jeden Mittag zwanzig Minuten auf den Bus. Sie scrollt sonst immer. An diesem Tag entscheidet sie sich anders. Sie setzt sich auf die Bank, schließt die Augen und zählt ihre Atemzüge. Nach acht Atemzügen merkt sie, wie sich ihre Schultern senken. Nach fünfzehn fühlt sie die Sonne auf ihrem Gesicht, obwohl es nur ein blasses Herbstlicht ist. Nach dreißig weiß sie plötzlich wieder, wie sich ihre eigene Haut anfühlt. Der Bus kommt. Sie steigt ein und lächelt die Fahrerin an – einfach so.
In einer kleinen Wohnung in Flensburg sitzt Juri, 38, Gabelstaplerfahrer im Hafen. Er hat seit zwei Jahren Schichtarbeit, Rückenschmerzen und das Gefühl, im Leben den Anschluss verpasst zu haben. Eines Morgens, als er um 4:20 Uhr aufsteht, beschließt er, die ersten fünf Minuten nur zu spüren: die Bettdecke auf der Haut, den Holzboden unter den Füßen, den Geruch von altem Kaffee in der Küche. Fünf Minuten. Mehr nicht. Und doch – als er später im Fahrerhaus sitzt und die ersten Container sieht, fühlt er eine seltsame Leichtigkeit. Das Jetzt hat sich einen winzigen Spalt geöffnet.
Tabelle: Häufige Glücks-Verschieber und ihre Gegenmittel
| Glücks-Verschieber | Typischer Gedanke | Sofort-Gegenmittel (30 Sekunden) |
|---|---|---|
| Wenn ich erst die Schulden los bin | Dann kann ich endlich entspannen | Spüre deine Füße auf dem Boden, atme dreimal tief |
| Wenn ich endlich den Partner finde | Dann bin ich nicht mehr allein | Nenne drei Dinge, die du gerade hörst |
| Wenn ich die Beförderung habe | Dann habe ich es geschafft | Trinke einen Schluck Wasser und schmecke bewusst |
| Wenn ich 10 kg weniger wiege | Dann finde ich mich attraktiv | Streiche sanft über deinen Unterarm |
| Wenn die Kinder aus dem Haus sind | Dann habe ich wieder Zeit für mich | Schließe die Augen und spüre deinen Atem 10× |
Was gerade aus Übersee nach Mitteleuropa kommt: Joy Hacking
Ein Ansatz, der seit etwa zwei Jahren aus kalifornischen Tech- und Achtsamkeitskreisen nach Europa überschwappt, heißt Joy Hacking. Dabei geht es nicht darum, künstlich gute Laune zu erzwingen, sondern winzige, bereits existierende Freude-Momente bewusst zu markieren und zu verstärken – ähnlich wie man bei einem Videospiel Sammelobjekte einsammelt. Konkret: Immer wenn du etwas Angenehmes spürst (Wärme der Tasse, Sonnenstrahl auf der Wange, Lachen eines Kindes), sagst du innerlich „Joy“ oder machst mit Daumen und Zeigefinger ein winziges Klick-Geräusch. Das Gehirn beginnt nach einigen Wochen automatisch häufiger nach solchen Mikro-Joy-Momenten zu suchen. Erste Erfahrungsberichte aus deutschen und österreichischen Kleingruppen zeigen, dass die subjektive Lebenszufriedenheit nach 4–6 Wochen um durchschnittlich 18–24 % steigt.
Frage-Antwort-Tabelle
Frage — Ich merke gar nicht, wann ich glücklich bin. Wie soll ich das ändern? Antwort — Fang mit einem 60-Sekunden-Check-in an: Setz dich dreimal am Tag hin und frage dich: „Was spüre ich gerade körperlich?“ Die meisten Menschen entdecken erst über die Körperebene, dass sie eigentlich schon zufrieden sind.
Frage — Aber ich stecke in einer richtig beschissenen Lebensphase. Soll ich da etwa dankbar sein? Antwort — Nein. Du sollst nicht dankbar für den Schmerz sein. Du sollst lernen, dass Schmerz und Freude gleichzeitig existieren können. Der bittere Tee und die Wärme der Tasse gehören beide zum selben Moment.
Frage — Ist das nicht nur positives Denken in neuem Gewand? Antwort — Nein. Positives Denken versucht, die Realität umzudeuten. Hier geht es darum, die Realität präziser wahrzunehmen – inklusive der schwierigen Teile.
Frage — Was mache ich, wenn ich mich ständig ablenken lasse? Antwort — Mach die Ablenkung zum Gegenstand. Wenn du merkst, dass du scrollst, sag innerlich „scrollen“ und spüre, wie sich deine Fingerspitzen auf dem Display anfühlen. Schon die Beobachtung verändert den Automatismus.
Frage — Hält das langfristig? Antwort — Wenn du es zur Gewohnheit machst – ja. Das Gehirn liebt Wiederholung. Nach 8–12 Wochen berichten die meisten von einem neuen Grundgefühl, das stabiler ist als jede Hochstimmung.
Ein Satz, der bleibt
„Glück ist nicht das, was passiert, wenn alles gut ist. Glück ist das, was du spürst, während du atmest – egal, wie laut die Welt gerade schreit.“
Zum Schluss ein Zitat von Rainer Maria Rilke: „Vielleicht sind alle Drachen unseres Lebens Prinzessinnen, die nur darauf warten, uns einmal schön und mutig zu sehen. Vielleicht ist alles Schreckliche im tiefsten Grunde das Hilflose, das von uns Hilfe will.“
Hat dir dieser Text ein kleines Fenster ins Jetzt geöffnet? Dann schreib mir in den Kommentaren: Welcher winzige Moment hat dich heute schon einmal berührt – und hast du ihn wirklich bemerkt?
Über mich – Andreas Schulze
Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.
Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.
Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.
Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.
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Kapitel 22: Psychologie des Überzeugens – Meistere Kommunikation
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Kapitel 27: Wissenschaft des Schlafes – Höchstleistung beginnt nachts
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Kapitel 31: Kreativität entfesseln – Denke jenseits der Grenzen
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Kapitel 36: Netzwerk der Größe – Menschen, die dich nach oben tragen
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Kapitel 42: Künstliche Intelligenz für deinen Erfolg
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Kapitel 46: Die Kunst des Gebens – Großzügigkeit als Erfolgsfaktor
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Kapitel 53: Dein Quantensprung – Durchbrich das scheinbar Unmögliche
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Kapitel 60: Die Frequenz des Erfolgs – Stimme dich auf Sieg ein
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Kapitel 70: Die Kunst der Pausen – Stärke durch Stille
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Kapitel 72: Magnetische Ausstrahlung – Unaufhaltsame Präsenz
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Das ist der Moment
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Die Entscheidung
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Der Wendepunkt
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Was wirst du sehen?
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