Die Droge namens Funktionieren

Die Droge namens Funktionieren

Die Droge namens Funktionieren

Es gibt einen Moment, kurz bevor die Tür zum Meetingraum aufgeht, in dem manche Menschen eine Sekunde stehen bleiben. Nicht aus Unsicherheit. Sondern um etwas anzuziehen, das man nicht sehen kann. Ein Gesicht, das funktioniert. Danach ist der Anzug perfekt, der Ton ruhig, die Antwort präzise. Und niemand im Raum ahnt, dass diese Person seit Wochen nachts wach liegt und sich fragt, wie lange sie das noch durchhält.

Funktionieren fühlt sich lange nicht wie ein Problem an. Es fühlt sich nach Kompetenz an. Nach Verlässlichkeit. Nach genau der Eigenschaft, die einen überhaupt erst in diese Position gebracht hat. Das ist der Grund, warum kaum jemand rechtzeitig merkt, wann aus einer Stärke eine Abhängigkeit wird.

Inhaltsverzeichnis

  • Wenn die Rolle die Person übernimmt
  • Der innere Antreiber und seine Rechnung
  • Was Abgrenzung wirklich bedeutet
  • Tipp des Tages
  • In den nächsten 10 Minuten
Infografik Die Droge namens Funktionieren
Infografik Die Droge namens Funktionieren

Wenn die Rolle die Person übernimmt

Ärzte, Führungskräfte, Gründerinnen, Anwälte, Pädagoginnen in Leitungsfunktion – so unterschiedlich diese Berufe sind, sie teilen eine stille Regel: Schwäche wird selten mitgeplant. Man darf müde sein, solange es niemand merkt. Man darf zweifeln, solange man trotzdem liefert. Mit der Zeit verschiebt sich etwas. Nicht die Arbeit wird zur Last, sondern die Pause. Ein freier Nachmittag fühlt sich falsch an, fast wie ein Vertrauensbruch gegenüber der eigenen Verantwortung.

Das ist der Kern dessen, was man eine Funktionierens-Sucht nennen könnte: Nicht die Arbeit selbst gibt Halt, sondern das Gefühl, gebraucht zu werden. Und wie bei jeder Sucht wächst die Dosis. Was gestern reichte, um sich stabil zu fühlen, reicht heute nicht mehr.

Woran erkennst du selbst gerade, ob du arbeitest, weil die Sache es verlangt – oder weil du es nicht aushältst, gerade nichts zu leisten?

Der innere Antreiber und seine Rechnung

Der innere Antreiber, der einen jahrelang nach vorne getrieben hat, stellt irgendwann eine Rechnung. Er verlangt nicht nach Geld. Er verlangt nach Anwesenheit – ständiger, wacher, funktionsfähiger Anwesenheit. Das Perfide daran: Er klingt nie wie eine Bedrohung. Er klingt wie Pflichtbewusstsein.

Hier lohnt sich ein unbequemer Perspektivwechsel. Die meisten Menschen in verantwortungsvollen Positionen glauben, sie müssten stark bleiben, damit andere sich auf sie verlassen können. Tatsächlich verlassen sich Menschen selten auf Perfektion. Sie verlassen sich auf Berechenbarkeit, auf Ehrlichkeit, auf jemanden, der auch sagen kann: Heute nicht. Wer das nie zulässt, schützt nicht sein Team, seine Praxis oder sein Unternehmen. Er schützt ein Bild von sich selbst.

Wessen Erwartung erfüllst du in diesem Moment eigentlich – deine eigene, oder eine, die du vor Jahren übernommen hast, ohne sie je zu hinterfragen?

Was Abgrenzung wirklich bedeutet

Echte Abgrenzung beginnt nicht mit einem großen Schnitt, sondern mit kleinen, unspektakulären Momenten der Ehrlichkeit. Das Handy eine Stunde später aufladen. Eine Nachricht erst morgen beantworten, obwohl sie heute noch offen ist. Diese Momente fühlen sich anfangs falsch an – genau das ist das Zeichen, dass sie etwas verändern.

Tipp des Tages Wähle heute eine einzige Aufgabe, die du normalerweise sofort erledigst, sobald sie auftaucht. Verschiebe sie bewusst um 24 Stunden – nicht aus Nachlässigkeit, sondern als Übung. Beobachte, was in dir passiert, während du wartest.

In den nächsten 10 Minuten

  1. Schreibe einen Satz auf, der beginnt mit: „Ich funktioniere gerade, weil …”
  2. Wähle eine Nachricht oder Aufgabe, die du bewusst erst morgen beantwortest.
  3. Lege dein Telefon für die nächsten zehn Minuten außer Reichweite.

Wer aufhört, sich über das Funktionieren zu definieren, verliert nicht an Stärke. Er gewinnt die Fähigkeit zurück, selbst zu entscheiden, wann er sie zeigt.

„Wer immer funktioniert, hat aufgehört zu fragen, ob es ihm gut geht.”

Eine passende Vertiefung zu diesem Thema findest du in Fokus auf dich selbst. Wenn dich der Gedanke, die eigene Aufmerksamkeit wieder auf dich selbst statt nur auf Funktion und Erwartung zu richten, noch weiter beschäftigt, setzt das Buch genau dort an.

Über mich – Andreas Schulze

Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.

Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.

Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.

Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.

Meine Bücher findest du hier: Ebooks für deinen Erfolg

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