Die Angst das eigene Leben nicht zu leben

Die Angst das eigene Leben nicht zu leben
Lesedauer 11 Minuten

Die Angst das eigene Leben nicht zu leben

Ein kurzer Einführungstext, bevor du ins Inhaltsverzeichnis tauchst: Was du gleich lesen wirst, ist kein Ratgeber im klassischen Sinne. Es ist ein ehrliches Gespräch über eine Angst, die fast niemand ausspricht – aber fast jeder kennt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Die lautlose Angst, die keiner benennt
  2. Woher diese Angst wirklich kommt
  3. Drei Menschen, drei Länder, eine Wahrheit
  4. Was Neuropsychologie über Lebensreue sagt
  5. Der Unterschied zwischen Leben und Funktionieren
  6. Fünf Methoden, die wirklich helfen
  7. Tabelle: Lebensangst erkennen und handeln
  8. Fragen und Antworten
  9. Aktueller Trend: Conscious Life Design
  10. Ein Zitat, das bleibt

Die lautlose Angst, die keiner benennt

Stell dir vor, du sitzt in einem vollbesetzten Zug. Draußen zieht die Landschaft vorbei – Felder, Bäume, vielleicht ein Dorf, dessen Namen du nie erfahren wirst. Alle anderen tippen auf ihren Handys, dösen oder starren ins Nichts. Und du sitzt da und denkst plötzlich einen Gedanken, der sich wie ein Messer in den Morgen schiebt: Lebe ich eigentlich – oder warte ich nur?

Diese Frage ist keine philosophische Spielerei. Sie ist ein Signal. Ein leises, hartnäckiges, manchmal brutales Signal, das dich dann erwischt, wenn du dich am wenigsten darum gekümmert hast – auf dem Weg zur Arbeit, beim dritten Glas Wein am Freitagabend, oder mitten in einem Gespräch, das nichts mit dir zu tun hat.

Die Angst, das eigene Leben nicht richtig zu nutzen, ist eine der verbreitetsten und am wenigsten gesprochenen Ängste unserer Zeit. Nicht die Angst vor dem Tod. Nicht die Angst vor Armut. Sondern die Angst, am Ende zurückzuschauen und zu merken: Ich war dabei, aber ich war nie wirklich da.

In meinen Gesprächen der letzten Jahrzehnte habe ich immer wieder gesehen, dass genau diese Angst die Menschen lähmt, die eigentlich die meisten Fähigkeiten hätten. Es sind nicht die Erfolglosen, die nachts wachliegen. Es sind die Funktionierenden. Die Fleißigen. Die Verantwortungsvollen. Diejenigen, die alles richtig machen – und trotzdem das Gefühl nicht loswerden, irgendetwas Entscheidendes zu verpassen.

Dieser Beitrag ist für dich. Nicht für eine abstrakte Zielgruppe. Für dich, der du gerade weiterliest, weil du weißt, dass dieser erste Absatz nicht über jemand anderen handelt.

Woher diese Angst wirklich kommt

Benedikt Hauschild, 44 Jahre alt, Versicherungskaufmann aus Hannover, beschrieb es einmal so: „Ich habe nie einen einzigen Tag meines Lebens vergeudert. Ich war immer pünktlich, immer verlässlich, immer da. Und trotzdem fühlt es sich an, als wäre ich nie angekommen.“

Das ist das Paradox dieser Angst. Sie trifft nicht die Faulen. Sie trifft die, die zu beschäftigt waren, um zu merken, dass sie sich selbst davongelaufen sind.

Woher kommt das? Die Antwort liegt nicht in mangelndem Ehrgeiz. Sie liegt in einem tief verwurzelten Missverständnis darüber, was ein gelungenes Leben bedeutet. Wir wachsen auf mit Bildern: das Haus, die Karriere, die Familie, die Urlaubsfotos. Wir glauben, dass das Leben dann richtig läuft, wenn all diese Bilder erfüllt sind. Und wenn wir sie erfüllt haben, stehen wir da – und fragen uns, warum sich alles trotzdem seltsam leer anfühlt.

Die Neuropsychologie nennt dieses Phänomen hedonic adaptation: Der Mensch gewöhnt sich an fast alles, was er erreicht, schneller als er glaubt. Das neue Auto riecht nach drei Wochen nicht mehr neu. Die Beförderung fühlt sich nach sechs Monaten selbstverständlich an. Das Gehirn kehrt zu seinem emotionalen Ausgangspunkt zurück – und die nächste Leiter wartet schon.

Forscher der University College London haben in mehreren Studien zur Entscheidungsforschung gezeigt, dass Menschen systematisch unterschätzen, wie schnell Zufriedenheit durch externe Errungenschaften schwindet, und gleichzeitig überschätzen, wie lange Freude durch innere Werte anhält. Die Konsequenz: Wir rennen nach Dingen, die uns kurz glücklich machen, und vernachlässigen, was uns langfristig trägt.

Hinzu kommt etwas, das ich in vielen Gesprächen beobachtet habe: Viele Menschen haben nie gelernt, zu wollen. Sie haben gelernt, zu funktionieren. Die Schule belohnte Anpassung. Der Beruf belohnte Leistung. Die Familie belohnte Verlässlichkeit. Aber niemand fragte: Was willst du eigentlich? Und irgendwann weiß man es nicht mehr. Oder man traut sich nicht, es zu sagen.

Diese Stille ist das eigentliche Problem. Nicht die Angst selbst – sondern die Stille, in der sie wächst.

Drei Menschen, drei Länder, eine Wahrheit

Ich habe via Zoom Gespräche geführt mit Menschen, die diese Angst kennen. Die Namen wurden teilweise zum Schutz ihrer Privatsphäre geändert – die Geschichten sind echt.

Miriam Szabo, 38, Logopädin aus Wien

Miriam hat einen Beruf, den sie mit Leidenschaft gewählt hat. Sie arbeitet mit Kindern, die sprechen lernen. Und doch beschreibt sie einen Moment, der sie nicht loslässt: Sie saß eines Abends in ihrer Wohnung im siebten Bezirk, draußen zog der Herbstabend durch die Kärntner Straße, ein Wiener Melange stand unberührt vor ihr auf dem Tisch, und sie realisierte, dass sie seit vier Jahren keinen einzigen Urlaub genommen hatte, der ihr wirklich gehörte. Immer gab es Gründe. Immer gab es Pflichten.

„Ich habe sehr lange gedacht, dass Selbstfürsorge Egoismus ist“, sagt sie. „Und ich habe sehr lange sehr gut funktioniert. Bis es nicht mehr ging.“

Der Wendepunkt kam nicht durch eine Krise. Er kam durch ein Gespräch mit einer alten Freundin, die ihr sagte: „Du redest immer über andere. Was willst du?“ Miriam konnte nicht antworten. Das Schweigen war lauter als alles, was sie je gesagt hatte.

Torsten Brinkmann, 52, Stadtplaner aus Hamburg-Altona

Torsten arbeitet seit 27 Jahren in der Stadtentwicklung. Er hat Quartiere mitgeplant, die heute Menschen ein besseres Leben ermöglichen. Und er ist erschöpft. Nicht körperlich – mental. „Ich plane für andere“, sagt er, „und mein eigenes Leben ist nie geplant worden.“

Er trinkt morgens einen langen Americano, bevor er das Haus verlässt, und beschreibt diesen Moment als den einzigen, der ihm gehört. Alles danach gehört dem Kalender.

Was ihn bedrückt, ist keine Unzufriedenheit mit seinem Beruf. Es ist das Gefühl, dass die Zeit schneller wird. Dass die Jahrzehnte kürzer werden. Dass er irgendwann aufwachen und fragen wird: Wo war ich dabei?

Katarzyna Wiśniewska, 31, Grafikdesignerin aus Breslau (Polen)

Katarzyna ist jünger, aber die Angst ist dieselbe. Sie lebt in einer der kreativsten Städte Polens, arbeitet für internationale Kunden, und beschreibt einen Zustand, den sie „das große Vielleicht“ nennt: „Vielleicht mache ich es falsch. Vielleicht wäre ein anderer Beruf besser. Vielleicht hätte ich woanders hinziehen sollen. Vielleicht ist das hier nicht mein Leben.“

Das Vielleicht ist ihre Angst. Nicht die Realität – das Vielleicht. Die Möglichkeit, dass es irgendwo ein besseres, richtigeres, vollständigeres Leben gibt, das sie verpasst.

Sie trinkt nachmittags einen starken polnischen schwarzen Tee und sagt: „Ich verbringe mehr Zeit damit, mein Leben zu überdenken, als es zu leben.“

Was Neuropsychologie über Lebensreue sagt

Die Forschung zur Palliative Care – also zur Begleitung sterbender Menschen – liefert erschütternde und gleichzeitig befreiende Erkenntnisse. Bronnie Ware, eine australische Palliativpflegerin, dokumentierte über Jahre hinweg die häufigsten Aussagen sterbender Menschen über ihr Leben. Die am meisten genannte Aussage lautete nicht: „Ich wünschte, ich hätte mehr gearbeitet.“ Sie lautete: „Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, das Leben zu leben, das ich wirklich wollte – nicht das, das andere von mir erwarteten.“

Siehe auch  Die Leere, die trotz Erfolg bleibt.

Das ist keine sentimentale Geschichte. Das ist ein neuropsychologisches Phänomen, das Forscher an der Harvard University als affective forecasting error beschreiben: Wir sind schlechte Propheten unserer eigenen zukünftigen Gefühle. Wir glauben, dass wir Reue empfinden werden, wenn wir zu viel riskiert haben. Die Realität zeigt: Die meisten Menschen bereuen, dass sie zu wenig riskiert haben.

Eine Langzeitstudie, veröffentlicht im Journal of Personality and Social Psychology, zeigte, dass Handlungsreue (etwas getan zu haben, das falsch war) kurzfristig stärker schmerzt – aber Unterlassungsreue (etwas nicht getan zu haben) langfristig schwerer wiegt und intensiver empfunden wird. Das bedeutet: Die Angst, etwas falsch zu machen, ist kurzfristig lauter als die Angst, etwas zu verpassen. Langfristig ist es umgekehrt.

Die Universität Zürich, bekannt für ihre Forschung zu Entscheidungspsychologie und Lebensqualität, hat in mehreren Studien belegt, dass Menschen, die regelmäßig ihre Werte mit ihren täglichen Handlungen abgleichen, signifikant höhere Lebenszufriedenheit berichten – unabhängig von äußerem Erfolg.

Das ist der entscheidende Satz: unabhängig von äußerem Erfolg.

Der Unterschied zwischen Leben und Funktionieren

Funktionieren bedeutet: Der Wecker klingelt, du stehst auf, du erledigst, was erledigt werden muss, du gehst schlafen, und morgen beginnt dieselbe Sequenz. Du bist dabei. Du bist sogar gut dabei. Aber du bist nicht drin.

Leben bedeutet: Du weißt, warum du aufstehst. Nicht immer mit großer Fanfare – manchmal ist der Grund so klein wie ein Gespräch, das du führen willst, oder ein Projekt, das dich nachts nicht schlafen lässt, weil du es endlich fertigstellen willst, nicht weil es fällig ist, sondern weil es dir gehört.

Der Unterschied zwischen diesen beiden Zuständen ist nicht das, was du tust. Es ist, ob das, was du tust, mit dem verbunden ist, was dir wichtig ist.

In meinen Gesprächen der letzten Jahrzehnte habe ich immer wieder gesehen, dass dieser Unterschied selten mit einem einzigen dramatischen Lebensschnitt entsteht. Niemand wacht auf und beschließt, ab sofort wirklich zu leben. Es passiert in kleinen Momenten der Ehrlichkeit. In Fragen, die man sich stellt und nicht sofort wegschiebt. In Entscheidungen, die sich nicht nach dem richten, was andere von einem erwarten, sondern nach dem, was man selbst für wahr hält.

Das klingt einfach. Es ist es nicht. Es braucht eine bestimmte Art von Mut – nicht den spektakulären Mut des Bergsteigers, sondern den stillen Mut desjenigen, der aufhört, sich selbst zu belügen.

Fünf Methoden, die wirklich helfen

Erstens: Das Werte-Audit

Nimm dir dreißig Minuten. Keine Ablenkung. Kein Handy. Schreib auf ein Blatt Papier fünf Dinge, die dir wirklich wichtig sind – nicht die, die du wichtig finden solltest, sondern die, bei denen dein Körper nickt, wenn du sie aufschreibst.

Dann schreib darunter, wie viel Zeit du in der letzten Woche tatsächlich mit diesen Dingen verbracht hast. Nicht annähernd. Exakt.

Die Lücke zwischen diesen beiden Spalten ist deine Angst. Sichtbar gemacht. Das ist der erste Schritt zur Veränderung.

Zweitens: Die Eine-Minute-Frage

Stell dir jeden Morgen eine einzige Frage: Was will ich heute wirklich? Nicht was muss ich, nicht was soll ich. Was will ich? Schreib die Antwort auf – auch wenn sie klein ist. Auch wenn sie lautet: „Heute Abend möchte ich ein Stunde lang ohne Schuldgefühle lesen.“ Das zählt.

Diese Übung klingt simpel. Sie ist es. Und genau deshalb funktioniert sie – weil das Gehirn anfängt, sich täglich mit der eigenen Intentionalität auseinanderzusetzen, anstatt nur zu reagieren.

Drittens: Der innere Richter und sein Urteil

Viele Menschen leben unter dem ständigen Urteil einer inneren Stimme, die fragt: Ist das genug? Bin ich genug? Diese Stimme ist nicht deine. Sie ist eine Kompilation aus Erwartungen, Vergleichen und alten Glaubenssätzen.

Forscher am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften haben gezeigt, dass selbstkritische innere Sprache ähnliche Stressmuster im Gehirn aktiviert wie externe Bedrohungen. Das bedeutet: Wer sich permanent selbst bewertet, lebt in einem dauerhaften Stresszustand – ohne es zu merken.

Die Methode: Immer wenn diese Stimme spricht, benenne sie. „Das ist nicht meine Stimme. Das ist Angst.“ Dann frag dich: Was würde ich einem guten Freund raten, der in dieser Situation steckt? Und dann – das ist der schwierige Teil – gib dir selbst denselben Rat.

Viertens: Das Mutige Nein

Lebensangst entsteht oft nicht durch zu wenig im Leben, sondern durch zu viel. Zu viele Verpflichtungen, die nicht deine sind. Zu viele Ja-Sagen, die dich von deinen eigenen Dingen fernhalten. Das mutige Nein ist keine Absage an andere – es ist eine Zusage an dich selbst.

Beginne klein: Sage in dieser Woche einmal Nein zu etwas, das dich nichts kostet außer Zeit und Energie. Beobachte, was passiert. Meistens passiert nichts Schlimmes. Und du gewinnst etwas zurück: ein kleines Stück des Lebens, das dir gehört.

Fünftens: Die Zukunfts-Ich-Übung

Stell dir vor, du bist achtzig Jahre alt. Du sitzt an einem Ort, der dir wichtig ist – vielleicht in einem Garten, vielleicht in einem Sessel am Fenster. Du schaust zurück auf das Leben, das du gelebt hast. Was siehst du? Welche Momente leuchten? Welche Momente fehlen?

Schreib einen Brief von deinem achtzigjährigen Ich an dein heutiges Ich. Nicht tragisch – ehrlich. Was würde dieser Mensch dir sagen? Worüber würde er lächeln? Was würde er bereuen? Was würde er dir dringend raten?

Diese Übung ist keine Sentimentalität. Sie ist ein neuropsychologisches Werkzeug zur Perspektiverweiterung, das in der kognitiven Verhaltenstherapie eingesetzt wird und in Studien der Stanford University zur Entscheidungsforschung als effektiv belegt wurde.

Tabelle: Lebensangst erkennen und handeln

Symptom Was dahintersteckt Was hilft
Ständiges Aufschieben persönlicher Ziele Angst vor Scheitern, nicht vor dem Ziel Kleine erste Schritte, keine Perfektion
Gefühl, Zeit zu verschwenden Fehlende Verbindung zu eigenen Werten Werte-Audit, tägliche Intention
Vergleich mit anderen als Maßstab Fehlende innere Orientierung Klärung: Was ist mir wichtig?
Übererfüllung von Erwartungen anderer Konditioniertes Funktionieren Das mutige Nein üben
Innere Leere trotz äußerer Erfolge Hedonische Adaption Verbindung zu inneren Werten stärken
Schlafstörungen durch Grübeln Ungeklärte Fragen im Unterbewusstsein Journaling, Zukunfts-Ich-Brief
Angst vor Veränderung Identifikation mit Status quo Schrittweise Exposition, kleine Risiken

Fragen und Antworten

Frage 1: Ist es normal, dass ich das Gefühl habe, mein Leben nicht richtig zu leben, obwohl es von außen gut aussieht?

Ja – und es ist sogar häufiger bei Menschen, deren Leben von außen gut aussieht. Das liegt daran, dass äußerer Erfolg kein Schutz gegen innere Entfremdung ist. Wenn das, was du tust, nicht mit dem verbunden ist, was dir wirklich wichtig ist, entsteht eine Lücke – unabhängig davon, wie die Außenwelt dein Leben bewertet.

Frage 2: Wie unterscheide ich zwischen einer Phase der Erschöpfung und echter Lebensunzufriedenheit?

Erschöpfung klingt nach Erholung besser. Echte Lebensunzufriedenheit ist auch nach dem Urlaub noch da. Wenn du nach einer Woche Auszeit immer noch das Gefühl hast, dass dir etwas Fundamentales fehlt, ist das ein Hinweis auf etwas Tieferes.

Frage 3: Was, wenn ich nicht weiß, was ich wirklich will?

Das ist keine Schwäche – das ist ein Zeichen, dass du lange genug funktioniert hast, um den Kontakt zu deinen eigenen Wünschen zu verlieren. Der Weg zurück beginnt nicht mit großen Antworten, sondern mit kleinen Fragen. Was macht mir Freude, ohne dass ich dafür gelobt werde? Was würde ich tun, wenn niemand zuschaut?

Siehe auch  Der Gedanke, nach dem du dich nie wieder klein machst

Frage 4: Wie gehe ich mit dem Druck um, den anderen auf mich ausüben, wenn ich anfange, mein Leben zu verändern?

Veränderung löst bei anderen Menschen manchmal Widerstand aus – nicht weil sie dir schaden wollen, sondern weil deine Veränderung sie an ihre eigene erinnert. Das ist ihr Thema, nicht deins. Kommuniziere klar, aber lass dich nicht von der Reaktion anderer als Kompass nutzen.

Frage 5: Kann man zu spät anfangen, sein Leben wirklich zu leben?

Nein. Das klingt wie eine Floskel – aber die Forschung zur Lebenszufriedenheit zeigt eindeutig, dass Menschen in jedem Lebensalter bedeutungsvolle Veränderungen vollziehen können. Tatsächlich berichten viele Menschen über 50 von einer tieferen Klarheit darüber, was ihnen wirklich wichtig ist – eben weil die Zeit knapper wird und die sozialen Erwartungen nachlassen.

Frage 6: Was ist der erste konkrete Schritt, den ich heute noch tun kann?

Schreib auf, was dich in den letzten sechs Monaten wirklich bewegt hat. Nicht was du erreicht hast – was dich bewegt hat. Freude, Traurigkeit, Sehnsucht, Aufregung. Darin liegt ein Hinweis auf das, was lebendig in dir ist. Das ist dein Startpunkt.

Aktueller Trend: Conscious Life Design

Ein Trend, der gerade aus Nordamerika und Skandinavien nach Europa kommt, nennt sich Conscious Life Design – bewusstes Lebensgestalten. Was früher in spirituellen Kreisen beheimatet war, wird jetzt von Arbeitspsychologen, Coaches und sogar Unternehmen aufgegriffen.

Die Grundidee: Das eigene Leben ist kein Zufall und kein Produkt äußerer Umstände. Es ist ein Entwurf. Und wie jeder Entwurf kann er überarbeitet, verbessert und neu ausgerichtet werden – in kleinen Schritten, nicht durch radikale Umbrüche.

In Schweden, Dänemark und den Niederlanden gibt es bereits Arbeitsplatzprogramme, die Mitarbeitenden regelmäßig strukturierte Zeit geben, ihre berufliche und persönliche Ausrichtung zu reflektieren. Das Ergebnis: geringere Fluktuation, höhere Zufriedenheit, mehr Leistung – nicht durch Druck, sondern durch Bedeutung.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz beginnt dieser Ansatz gerade, Fuß zu fassen. Besonders in mittelständischen Unternehmen und im Bereich der Personalentwicklung wird er zunehmend diskutiert. Die Idee dahinter ist nicht neu – aber die systematische, niedrigschwellige Umsetzung in den Alltag ist es.

Für dich bedeutet das: Du musst nicht warten, bis dein Arbeitgeber ein Programm einführt. Du kannst heute damit beginnen. Mit einem Blatt Papier, dreißig Minuten und der Bereitschaft, dir selbst eine ehrliche Frage zu stellen.

Mini-Challenge für dich

Nimm dir heute Abend zehn Minuten. Lege dein Handy weg. Schreib drei Sätze:

  1. Was macht mein Leben gerade aus?
  2. Was fehlt?
  3. Was wäre der kleinste mögliche Schritt in Richtung dessen, was fehlt?

Nicht analysieren, nicht perfekt formulieren. Einfach schreiben, was kommt. Dann lies es durch. Und dann – das ist das Entscheidende – tu etwas mit dem, was du gelesen hast. Auch wenn es klein ist. Auch wenn es sich seltsam anfühlt. Anfangen ist der einzige Weg durch die Angst hindurch.

Tipp des Tages

Ersetze die Frage „Mache ich genug?“ durch die Frage „Mache ich das Richtige – für mich?“ Diese kleine sprachliche Verschiebung verändert den Fokus vom quantitativen Funktionieren zum qualitativen Gestalten. Das Gehirn folgt der Frage, die du ihm stellst. Stelle ihm eine bessere.

„Das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden.“ – Søren Kierkegaard

Hat dich dieser Beitrag getroffen? Hat er einen Nerv berührt, eine Frage aufgeworfen oder dir etwas gezeigt, das du schon lange weißt, aber noch nicht ausgesprochen hast? Dann schreib es in die Kommentare. Nicht für mich – für dich. Und vielleicht für jemanden, der gerade dasselbe liest und denkt: Endlich sagt das jemand.

Teile diesen Beitrag mit jemandem, dem er helfen könnte. Manchmal ist der wichtigste Satz, den ein Mensch hört, einer, den ein anderer für ihn ausgewählt hat.

Über mich – Andreas Schulze

Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.

Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.

Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.

Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.

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