Wo Ausreden enden, beginnt Exzellenz.
Stell dir vor, du stehst morgens vor dem Spiegel und das Gesicht, das dich anschaut, flüstert dir leise zu: „Heute nicht. Nicht heute.“ Die Worte sind weich, vertraut, fast zärtlich – und genau deshalb so gefährlich. Sie haben sich über Jahre in deine Knochen geschlichen wie feiner Nebel, der irgendwann zur Wand wird. Du kennst das Gefühl. Jeder kennt es. Und doch gibt es Menschen, die an genau diesem Punkt etwas tun, das die meisten nie wagen: Sie drehen sich um, schauen dem Nebel direkt ins Gesicht und sagen laut: „Genug.“
Exzellenz beginnt nicht mit Talent. Sie beginnt mit dem Tod einer Ausrede.
In diesem Beitrag begleitest du Menschen aus ganz unterschiedlichen Ecken des deutschsprachigen Raums – und darüber hinaus –, die genau diesen Moment erlebt haben. Keine Superhelden. Keine Menschen mit unendlicher Willenskraft von Geburt an. Sondern Menschen wie du und ich, die irgendwann einfach nicht mehr konnten, wie es war.
Inhaltsverzeichnis
- Der unsichtbare Preis jeder Ausrede
- Wie Ausreden eigentlich entstehen (und warum sie so klebrig sind)
- Der Schwellenmoment – wenn der Körper schneller entscheidet als der Kopf
- Vier Menschen, vier Tode einer Ausrede
- Die Anatomie des ersten Schritts ohne Sicherheitsnetz
- Warum Disziplin überschätzt wird – und was stattdessen trägt
- Der versteckte Turbo: öffentliche Rechenschaft
- Ein aktueller Trend, der gerade aus Übersee nach Europa überschwappt
- Tabelle: Die häufigsten Ausreden und ihr tatsächlicher Kern
- Frage-Antwort-Runde: Was Leser wirklich wissen wollen
- Abschlussgedanke
Der unsichtbare Preis jeder Ausrede
Jede Ausrede kostet mehr als nur einen Tag. Sie kostet Vertrauen – in dich selbst. Und dieses Vertrauen ist wie Kapital: Es wächst langsam und verschwindet schnell.
Wenn du dir sagst „Ich fange Montag an“, dann hast du nicht nur sieben Tage verschoben. Du hast deinem Nervensystem beigebracht: „Meine Worte wiegen nichts.“ Das Gehirn merkt sich das. Es lernt, dass du bluffst. Und beim nächsten Mal, wenn du dir etwas Großes vornimmst, senkt es automatisch den Einsatz – weil es weiß, dass du sowieso kneifst.
In Norddeutschland, irgendwo zwischen Flensburg und Greifswald, saß eines Morgens eine Frau namens Fenja Torrens in ihrer kleinen Dachwohnung in Stralsund. Sie ist Zollbeamtin im Schichtdienst und seit acht Jahren Raucherin. Jeden Morgen dasselbe Ritual: Zigarette auf dem Balkon, Blick über die Altstadt, der Wind riecht nach Hafen und nassem Kopfsteinpflaster. Und jedes Mal der Gedanke: „Heute ist der letzte Tag.“ Acht Jahre lang.
Bis zu dem Morgen, an dem sie die Zigarette anzündete – und sofort wieder ausdrückte. Nicht aus Überzeugung. Sondern weil sie plötzlich spürte, wie lächerlich die ganze Inszenierung war. Sie weinte nicht. Sie schrie nicht. Sie ging einfach in die Küche, goss den kalten Kaffee weg und sagte laut: „Ich lüge mich nicht länger an.“
Das war’s. Kein großer Plan. Kein Nikotinpflaster-Marathon. Nur dieser eine Satz.
Wie Ausreden eigentlich entstehen (und warum sie so klebrig sind)
Ausreden sind keine Lügen, die du dir selbst erzählst. Sie sind Schutzgeschichten. Dein limbisches System schreibt sie, damit du nicht mit der vollen Wucht der Scham oder Angst konfrontiert wirst, die entstünde, wenn du ehrlich zugäbest: „Ich habe Angst zu scheitern. Ich traue mir nicht zu. Ich fühle mich nicht genug.“
Und weil diese Geschichten vom ältesten Teil deines Gehirns geschrieben werden, klingen sie verdammt überzeugend.
„Ich habe keine Zeit“ → übersetzt: „Ich habe Angst, dass es nichts bringt und ich dann noch enttäuschter bin.“ „Ich bin zu alt dafür“ → übersetzt: „Ich habe Angst, dass die Jungen mich auslachen.“ „Ich muss erst noch …“ → übersetzt: „Ich will mich nicht dem Schmerz aussetzen, den Veränderung bedeutet.“
Der Schwellenmoment – wenn der Körper schneller entscheidet als der Kopf
In der Neuropsychologie nennt man das „somatic marker“-Prinzip: Dein Körper speichert emotionale Erfahrungen als körperliche Signaturen. Wenn du oft genug ausweichst, entsteht eine körperliche Abneigung gegen den ersten Schritt – Herzrasen, Enge im Brustkorb, flache Atmung. Aber manchmal kippt genau diese körperliche Reaktion plötzlich um. Der Körper sagt: „Lieber der Schmerz der Veränderung als der Schmerz des Stillstands.“
Genau in diesem Kippmoment beginnt Exzellenz.
Vier Menschen, vier Tode einer Ausrede
- In Wuppertal lebt Thore Kaspari, 41, Gabelstaplerfahrer in einem Logistikzentrum. Er wollte seit zehn Jahren ein eigenes kleines Transportunternehmen gründen. Ausrede: „Ich kenne mich mit Buchhaltung nicht aus.“ Eines Abends, nach 14 Stunden Schicht, setzte er sich mit einem Bier an den Küchentisch und buchte – ohne Plan – einen Online-Kurs für Existenzgründer. Nicht weil er plötzlich mutig war. Sondern weil er den Gedanken nicht mehr ertrug, in fünf Jahren immer noch dieselbe Geschichte zu erzählen.
- In Innsbruck begegnet man Lene Haller, 29, Intensivpflegekraft. Sie träumte davon, Kinderbücher zu schreiben. Ausrede: „Ich habe nach der Nachtschicht keinen klaren Kopf mehr.“ Eines Morgens, nach einer besonders harten Schicht, setzte sie sich mit zitternden Händen an den Laptop und schrieb die erste Seite. Nur eine. Sie sagt heute: „Ich habe nicht geglaubt, dass ich es kann. Ich habe nur nicht mehr geglaubt, dass ich es nicht kann.“
- In St. Gallen lebt Dario Fumagalli (sein Großvater kam aus dem Tessin), 36, Gleisbautechniker bei der SBB. Er wollte seit Jahren Gitarren bauen. Ausrede: „Ich habe keinen Platz für eine Werkstatt.“ Im Frühjahr 2025 räumte er seinen Abstellraum aus, stellte eine Hobelbank rein und begann. Der erste Klangkörper war schief. Er lachte laut – zum ersten Mal seit Jahren über sich selbst.
- In Flensburg trifft man auf Jule Matthiesen, 34, Verkäuferin in einem Bioladen. Sie wollte immer Tänzerin werden, hörte aber mit 19 auf, weil „man davon nicht leben kann“. Im letzten Winter sah sie in einem Schaufenster ein Plakat für einen Erwachsenen-Tanzkurs. Sie ging hin – in Jogginghose und alten Turnschuhen. Heute tanzt sie dreimal pro Woche. Nicht professionell. Aber lebendig.
Die Anatomie des ersten Schritts ohne Sicherheitsnetz
Der erste echte Schritt hat fast nie Strategie. Er hat meistens nur eines: Unerträglichkeit.
Du musst den Punkt erreichen, an dem die Vorstellung, für immer so weiterzumachen, schlimmer ist als die Angst vor dem Scheitern.
Und dann tust du etwas – egal wie klein –, das du vorher nie getan hast.
Warum Disziplin überschätzt wird – und was stattdessen trägt
Disziplin ist der Motor, wenn der Tank schon fast leer ist. Aber der Treibstoff ist fast immer Identität.
Wenn du dich als Mensch siehst, der sein Wort hält, dann brauchst du weniger Willenskraft. Deshalb funktionieren öffentliche Commitments so gut: Sobald du jemandem sagst „Ich mache das“, veränderst du deine Identität minimal – und dein Gehirn arbeitet plötzlich für dich, nicht gegen dich.
Der versteckte Turbo: öffentliche Rechenschaft
In den letzten Jahren kommt ein Ansatz aus den USA und Kanada langsam auch nach Mitteleuropa: „Commitment Contracts“ mit echten Geldstrafen. Du zahlst Geld auf ein Konto, das an eine Organisation geht, die du verabscheust, wenn du dein Ziel verfehlst. Viele berichten von einer Erfolgsquote, die 3–4-mal höher liegt als bei privaten Vorsätzen.
Ein aktueller Trend, der gerade nach Europa kommt
„Identity-based habit stacking“ – du hängst neue Gewohnheiten nicht an alte Routinen, sondern an deine gewünschte Identität. Statt „Ich will laufen gehen“ sagst du „Ich bin jemand, der sich bewegt“. Dann suchst du winzige Handlungen, die diese Identität sofort verkörpern: Laufschuhe anziehen und fünf Minuten gehen. Punkt.
Tabelle: Die häufigsten Ausreden und ihr tatsächlicher Kern
| Ausrede | Oberfläche | Wahrer Kern | Erster möglicher mikro-Schritt |
|---|---|---|---|
| Ich habe keine Zeit | Zeitmangel | Angst vor Bedeutungslosigkeit | 7 Minuten täglich blocken |
| Ich bin zu alt | Altersgrenze | Angst vor Lächerlichkeit | Eine einzige Lektion buchen |
| Ich habe kein Talent | Begabungsmangel | Angst vor Bloßstellung | 30 Tage lang bewusst scheitern |
| Ich muss erst noch … | Perfektionismus | Angst vor dem echten Anfang | Die hässlichste Version sofort starten |
| Ich kann mir das nicht leisten | Finanzen | Angst, Geld für „mich“ auszugeben | 20 € monatlich zweckbinden |
Frage-Antwort-Runde – was Leser wirklich wissen wollen
- Wie merke ich, dass ich mir etwas vormache? Du merkst es daran, dass du die Ausrede mit Wärme erzählst – fast zärtlich. Echte Gründe fühlen sich meist rau und unangenehm an.
- Was mache ich, wenn die Motivation nach drei Tagen weg ist? Du verlässt dich nicht auf Motivation. Du verlässt dich auf das Versprechen, das du dir selbst gegeben hast – und auf die winzige nächste Handlung.
- Kann man das auch ohne Druck schaffen? Ja. Aber es dauert länger. Druck ist ein Brandbeschleuniger – er ist nicht schön, aber effektiv.
- Was, wenn ich wieder rückfällig werde? Dann warst du nicht rückfällig. Du hast nur wieder eine alte Geschichte geglaubt. Steh auf. Sag den Satz noch einmal: „Genug.“
- Wie lange dauert es, bis es sich natürlich anfühlt? Zwischen 47 und 254 Tagen – je nachdem, wie stark die alte Identität war. Aber schon nach 9–14 Tagen spürst du die ersten Risse im alten Selbstbild.
Zitat
„Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst.“ – Brigitte Bardot
Hat dir der Beitrag gefallen? Dann schreib mir in die Kommentare: Welche Ausrede hat dich am längsten gehalten – und was war der Moment, in dem sie gestorben ist? Teile den Text gerne mit jemandem, der gerade an genau dieser unsichtbaren Wand steht.
Über mich – Andreas Schulze
Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.
Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.
Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.
Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.
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