Wer du bist, wiegt Tonnen schwerer als dein Lebenslauf
Der Regen prasselt auf die Blechdächer eines kleinen Gewerbegebietes am Rand von Neumünster. Drinnen, in einer ehemaligen Lagerhalle, die jetzt Co-Working und Fahrradwerkstatt zugleich ist, sitzt eine Frau Ende dreißig vor einem Laptop, dessen Bildschirm sie seit zwanzig Minuten nicht mehr wirklich sieht. Sie heißt Fenja Petersen. Früher stand in ihrem Lebenslauf „Projektleiterin Supply-Chain-Optimierung“ – heute steht dort nur noch „Fenja“. Und genau das ist der Punkt, an dem alles kippt.
Inhaltsverzeichnis
- Warum der Lebenslauf zur Falle wird
- Die Identitätskraft – was sie wirklich ist
- Drei Menschen, drei Länder, ein Muster
- Wie man die eigene Identität bewusst umbaut
- Die unsichtbaren Kosten des Rollen-Karussell
- Praktische Schritte – was du heute tun kannst
- Häufige Irrtümer und wie man sie durchschaut
- Abschließende Checkliste & Reflexionsfragen
Du spürst es vielleicht schon länger: Dieser Lebenslauf, den du so sorgfältig polierst, fühlt sich zunehmend wie ein fremder Anzug an. Er passt noch, aber er atmet nicht mit dir. Er erzählt, was du gemacht hast – nicht, wer du geworden bist.
Warum der Lebenslauf zur Falle wird
Der klassische Lebenslauf ist ein Dokument der Vergangenheit, das als Schlüssel zur Zukunft verkauft wird. Er listet Stationen auf, als wären sie Perlen an einer Kette. Doch in Wirklichkeit ist er eher ein Käfig aus Erwartungen anderer Leute. Personaler suchen nach Mustern, die Risiko minimieren. Du hingegen suchst nach einem Leben, das nicht nur funktioniert, sondern dich nicht langsam erstickt.
In den letzten Jahren hat sich eine leise, aber mächtige Verschiebung vollzogen. Immer mehr Menschen – besonders in den Dreißigern und frühen Vierzigern – bemerken, dass sie sich für einen Titel verbiegen, der sie innerlich aushöhlt. Eine sehr bekannte Coaching-Methode nennt das inzwischen „Identitäts-Dissoziation durch berufliche Rollensprache“.
Die Identitätskraft – was sie wirklich ist
Identitätskraft ist die Summe aus allem, was bleibt, wenn man dir den Job, den Titel, das Gehalt und die Visitenkarte wegnimmt. Es ist das, was du in einem stillen Moment am Küchentisch bist, wenn niemand zuschaut. Es ist die Art, wie du mit Frustration umgehst, wofür dein Lachen echt ist, was dich nachts wach hält – aus Sehnsucht, nicht aus Angst.
Sie wirkt wie ein innerer Kompass, der auch dann noch Richtung gibt, wenn alle äußeren Landkarten ungültig geworden sind.
Drei Menschen, drei Länder, ein Muster
Fall 1 – Rasmus, 41, ehemaliger Key-Account-Manager aus Graz
Rasmus hatte achtzehn Jahre lang „Key-Account“ im Titel. Eines Morgens, nach einem besonders brutalen Review-Meeting, stand er im Badezimmer, starrte in den Spiegel und fragte sich: „Wer zum Teufel bin ich eigentlich, wenn ich das hier nicht mehr mache?“ Er kündigte, ohne Plan B. Sechs Monate später leitete er in einem kleinen steirischen Bergdorf eine Werkstatt für Upcycling-Möbel. Er sagt: „Ich bin immer noch jemand, der Strukturen liebt. Nur jetzt baue ich sie aus altem Holz statt aus Excel-Tabellen.“
Fall 2 – Mira, 36, frühere Unternehmensberaterin aus Basel
Mira verließ eine Big-Four-Beratung mit einem goldenen Handschlag und einem Gefühl, als hätte sie die letzten zehn Jahre in einer fremden Sprache gelebt. Sie fing an, in einem Gemeinschaftsgarten in Liestal Gemüse anzubauen und gleichzeitig systemische Aufstellungsarbeit für Privatpersonen anzubieten. Ihre Klienten kommen inzwischen aus der ganzen Nordwestschweiz. Sie sagt: „Ich habe gemerkt, dass ich Menschen immer schon geholfen habe, sich selbst wiederzufinden – nur früher habe ich es mit PowerPoint gemacht.“
Fall 3 – Juri, 44, ehemaliger Schichtleiter Chemiepark aus Gelsenkirchen
Juri hatte 19 Jahre Schichtdienst hinter sich. Eines Tages brach er auf der Arbeit zusammen – nicht körperlich, sondern innerlich. Diagnose: schwere Erschöpfungsdepression. Nach der Reha begann er, in einer kleinen Manufaktur für handgebundene Notizbücher zu arbeiten. Er sagt: „Ich dachte immer, ich bin nur der, der die Anlage am Laufen hält. Jetzt merke ich: Ich bin jemand, der Dinge mit Sorgfalt schön machen kann.“
Alle drei haben etwas gemeinsam: Sobald sie aufhörten, sich primär über die Berufsrolle zu definieren, wurde der innere Raum plötzlich riesig.
Wie man die eigene Identität bewusst umbaut
Der Umbau beginnt mit einer radikalen Ehrlichkeitsübung.
Nimm ein Blatt Papier und schreibe oben hin:
Wer bin ich, wenn niemand mich bezahlt?
Dann schreibst du alles auf, was dir einfällt – ohne Zensur, ohne Wertung. Sei konkret. Nicht „ich bin kreativ“, sondern „ich kann drei Stunden lang an einem Fotoausschnitt herumschrauben, bis das Licht genau da sitzt, wo es hingehört“. Nicht „ich bin hilfsbereit“, sondern „wenn jemand weint, bleibe ich sitzen, bis er fertig ist, auch wenn ich den Zug verpasse“.
Diese Liste ist der Rohstoff deiner neuen Identitätskraft.
Die unsichtbaren Kosten des Rollen-Karussell
Wer sich zu lange nur über die Rolle definiert, zahlt einen hohen Preis:
- Chronisches Gefühl, nie genug zu sein
- Entscheidungsschwäche außerhalb des Berufskontexts
- Leere nach dem Feierabend oder nach der Rente
- Beziehungen, die auf Status statt auf Wesen beruhen
Eine interessante Beobachtung aus der Praxis: Menschen, die ihre Identität stark an den Beruf gekoppelt haben, brauchen im Durchschnitt 14–22 Monate, bis sie nach einem freiwilligen oder erzwungenen Rollenwechsel wieder wirklich lebendig wirken.
Praktische Schritte – was du heute tun kannst
- Führe drei Gespräche mit Menschen, die dich schon lange kennen – und frage sie: „Was würdest du sagen, wer ich im Kern bin?“ Notiere wörtlich.
- Streiche aus deinem LinkedIn-Profil und deiner E-Mail-Signatur alle Funktionsbezeichnungen für 30 Tage. Beobachte, wie sich dein Selbstgefühl verändert.
- Reserviere dir einmal pro Woche 90 Minuten, in denen du etwas tust, das keinen Nutzen für andere hat und für das dich niemand bezahlt. Tanzen im Wohnzimmer. Origami falten. Einen Baum zeichnen. Einfach weil es dich lebendig macht.
- Schreibe deinen eigenen „Anti-Lebenslauf“: alles, was du bist, was nirgendwo steht und was du niemals einem Personaler zeigen würdest.
Häufige Irrtümer und wie man sie durchschaut
Irrtum 1: „Wenn ich meinen Job kündige, verliere ich meine Identität.“ Realität: Du verlierst nur die Rolle. Die Identität war schon vorher da – sie war nur überlagert.
Irrtum 2: „Ich muss erst wissen, was ich stattdessen machen will.“ Realität: Meistens kommt die Richtung erst, wenn du aufhörst, dich über die alte Rolle zu definieren.
Irrtum 3: „Das können sich nur privilegierte Menschen leisten.“ Realität: Es kostet zunächst nichts außer Mut und Zeit. Geld kommt später – oft sogar mehr, wenn du endlich authentisch unterwegs bist.
Abschließende Checkliste & Reflexionsfragen
☐ Habe ich in den letzten 30 Tagen etwas nur für mich getan, ohne Leistungsdruck? ☐ Kennen meine nächsten fünf Freunde mich jenseits meines Berufs? ☐ Was würde ich heute noch tun, wenn Geld und Meinung der anderen keine Rolle spielten? ☐ Welcher Teil von mir fühlt sich seit Jahren ignoriert an? ☐ Wie würde sich mein Leben anfühlen, wenn ich mich primär über diesen ignorierten Teil definieren würde?
Ein letztes Bild
Stell dir vor, du stehst in zehn Jahren auf einer Lichtung. Jemand fragt dich: „Was machst du eigentlich so?“ Und du lächelst, weil die Frage plötzlich klein wirkt. Du sagst: „Ich bin Fenja. Ich bin Rasmus. Ich bin Mira. Ich bin Juri. Ich bin jemand, der weiß, wer er ist – und der endlich aufgehört hat, sich dafür zu entschuldigen.“
„Sei du selbst. Alle anderen sind bereits vergeben.“ — Oscar Wilde
Hat dir der Text einen kleinen Riss in die alte Fassade gebracht? Schreib mir in den Kommentaren: Welcher Satz hat heute am meisten wehgetan – und warum fühlt sich dieser Schmerz gleichzeitig richtig an? Teile den Beitrag gern mit jemandem, der gerade spürt, dass der Lebenslauf schwerer wiegt als er selbst.
Über mich – Andreas Schulze
Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.
Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.
Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.
Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.
Meine Bücher findest du hier: Ebooks für deinen Erfolg
Mein vollständiges Profil findest du hier: Über Mich & Erfolgsebook
Willkommen auf meiner Seite – und in deiner Erfolgsgeschichte.

Alles, was du liebst, wird vergehen.
Menschen. Momente. Gefühle.
Auch du.
Niemand sagt dir das gern ins Gesicht.
Aber dein Leben ist kein unendlicher Raum.
Es ist ein Countdown.
Rein rechnerisch hast du etwa 625.000 bis 700.000 Stunden auf dieser Welt.
Nicht mehr. Nicht weniger.
Ein Großteil davon verschwindet im Schlaf.
Ein weiterer Teil in Terminen, Pflichten, Ablenkung.
Und plötzlich stehst du da und denkst:
Wo ist all die Zeit geblieben?
Das Licht wird nicht langsam dunkler.
Es geht einfach aus.
Genau deshalb ist Zeit das Wertvollste, was du besitzt –
und gleichzeitig das, was die meisten Menschen am achtlosesten verlieren.
Alles, was du liebst, ist endlich.
Darum ist „später“ eine gefährliche Lüge.
Nicht irgendwann.
Nicht wenn es ruhiger wird.
Nicht wenn du mehr Zeit hast.
Jetzt.
Heute.
In diesem Moment.
erfolgsebook.com existiert aus genau einem Grund:
Dir zu helfen, aus begrenzter Lebenszeit ein bewusstes Leben zu machen.
Nicht mit Druck.
Nicht mit leeren Parolen.
Sondern mit Klarheit.
Impulse, die dir zeigen:
– warum Genuss ohne Richtung dich leer zurücklässt
– warum Erfolg ohne Sinn dich trotzdem müde macht
– und wie aus bloßer Existenz ein Leben mit Tiefe wird
Keine Theorien.
Keine Motivationsfloskeln.
Sondern Gedanken, die dich dein Leben neu sehen lassen.
Viele Leser sagen danach:
„Ich renne meiner Zeit nicht mehr hinterher.
Ich entscheide, wofür ich sie einsetze.“
Und dann kommt der Satz, den niemand je hören wollte –
aber fast jeder irgendwann fühlt:
Eines Tages wachst du auf –
und es gibt kein ‚später‘ mehr für das,
was dir wirklich wichtig war.
Wenn du begreifst, dass du nur dieses eine Leben hast,
willst du nicht länger funktionieren.
Du willst fühlen.
Erleben.
Spuren hinterlassen – in deinem Herzen und in dem der Menschen, die du liebst.
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Nicht aus Angst.
Sondern aus Respekt vor deiner Zeit.
Du kannst deine Stunden nicht vermehren.
Aber du kannst entscheiden,
dass sie Bedeutung haben.
Jede einzelne.
