Was sagst du deinem verletzten Kind jetzt?
Wenn du heute Nacht die Augen schließt und plötzlich spürst, dass da jemand neben dir atmet – klein, still, mit angezogenen Knien und viel zu großen Ängsten in einem viel zu kleinen Körper – wen siehst du dann wirklich?
Nicht das Kind von früher auf dem Foto mit abstehenden Ohren und schiefem Pony. Sondern das Kind, das gerade jetzt, in diesem Moment, in dir lebt. Das Kind, das immer noch auf dieselbe Antwort wartet. Das Kind, das du nie laut gefragt hast: „War ich genug?“
Die meisten Menschen denken, innere-Kind-Arbeit bedeute, man müsse zurückreisen in die 1980er oder 1990er, eine Zeitkapsel öffnen, alte Wunden mit heutigen Worten versorgen. Das stimmt nur zur Hälfte.
Das innere Kind ist kein Museumsstück. Es ist ein lebendiges, atmendes Wesen, das im Hier und Jetzt neben dir sitzt – auf der Bettkante, im Fahrersitz, vor dem Bildschirm, beim Zähneputzen. Es hat die gleichen Trigger wie damals. Es zieht immer noch den Kopf ein, wenn jemand die Stimme erhebt. Es hält immer noch die Luft an, wenn Lob kommt, weil es gelernt hat, dass Lob meistens der Vorbote von Enttäuschung ist. Und es fragt dich jede Nacht dasselbe:
„Bleibst du diesmal?“
Inhaltsverzeichnis
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Einleitung: Das „innere Kind“ und unsere Vorstellung davon
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Das falsche Bild vom inneren Kind
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Das heutige Gesicht des inneren Kindes
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Folgen der Vernachlässigung
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Fazit: Warum wir unser inneres Kind neu wahrnehmen müssen
Deshalb fühlt sich fast jeder Versuch, „mit dem inneren Kind zu sprechen“, zunächst unecht an. Weil wir nicht das Kind meinen, das wirklich da ist.
Das Kind, das heute neben dir sitzt
Stell dir vor, du öffnest um 2:37 Uhr die Augen, weil dein Herz plötzlich zu schnell schlägt. Neben dir – nicht räumlich, sondern direkt unter dem Brustbein – sitzt ein Mädchen oder Junge, vielleicht neun, vielleicht elf, vielleicht dreizehn Jahre alt. Die Knie hochgezogen. Die Arme um die Schienbeine geschlungen. Barfuß. In einem Schlafshirt, das schon lange zu klein ist.
Dieses Kind riecht nach dem Waschmittel deiner Mutter, nach nassem Asphalt vor der Schule, nach dem Innenfutter deiner ersten Winterjacke. Es hat deine Augen. Aber der Blick ist älter als du jetzt bist.
Was dieses Kind am meisten braucht, ist nicht die große Versöhnungsszene am Strand von Sagres. Nicht das dramatische „Es tut mir leid, dass ich dich allein gelassen habe“. Sondern einen einzigen, nüchternen, fast banale Satz, der endlich die Wahrheit ausspricht, die seit Jahrzehnten in der Luft hängt:
„Ich sehe dich. Auch heute noch. Und ich bleibe.“
Mehr nicht.
Warum die meisten Dialoge scheitern
Die meisten Menschen versuchen, das Kind zu trösten. Sie sagen Dinge wie:
„Du warst immer genug.“ „Es war nicht deine Schuld.“ „Du darfst jetzt endlich spielen.“
Das Kind hört das – und glaubt kein Wort.
Weil das Kind nicht dumm ist. Es hat gesehen, wie du dich jahrelang verbogen hast, um geliebt zu werden. Es hat mitgezählt, wie oft du „Ja“ gesagt hast, obwohl alles in dir „Nein“ schrie. Es kennt die Nächte, in denen du dich selbst fertiggemacht hast, weil du wieder einmal nicht perfekt warst.
Das Kind will keine schöne Lüge. Es will die hässliche Wahrheit, die trotzdem liebevoll ist.
Deshalb funktionieren Sätze wie diese oft besser:
„Ich habe dich damals weggeschoben, weil ich selbst nicht wusste, wie man bleibt.“ „Ich habe Angst vor dir gehabt – weil du mich an alles erinnert hast, was ich nicht ändern konnte.“ „Ich habe dich jahrelang ignoriert. Das war feige. Und es tut mir leid.“
Das Kind nickt dann manchmal kaum merklich. Nicht weil es dir sofort vergibt. Sondern weil es endlich nicht mehr allein mit der Wahrheit ist.
Portugal – Wellenreiten der Freiheit (kurze Erinnerung an eine andere Art von Freiheit)
Manchmal muss man erst weit wegfahren, um das Kind wiederzufinden.
Vor einigen Jahren stand ich in Sagres, am südwestlichsten Zipfel Europas. Der Atlantik schlug gegen die Klippen, als wollte er das Land zerreißen. Salz in den Augenbrauen, Sand in den Schuhen, Neoprenanzug, der nach fremdem Schweiß roch.
Ich war damals 41, fühlte mich aber wie 14 – unsicher, überflüssig, ständig in der Angst, den Anschluss zu verlieren.
Ein portugiesischer Surflehrer, vielleicht Mitte 50, sonnenverbranntes Gesicht, Hände wie Schmirgelpapier, sah mich an und sagte nur einen Satz:
„Du kämpfst gegen das Wasser. Hör auf zu kämpfen. Werde Teil der Welle.“
Ich habe damals gelacht – nervös, verlegen. Aber ich habe es versucht.
Und in dem Moment, in dem ich aufhörte, die Welle kontrollieren zu wollen, und mich stattdessen von ihr tragen ließ, war plötzlich das Kind da.
Nicht als Erinnerung. Sondern als Körpergefühl.
Die gleiche Leichtigkeit, die ich mit acht hatte, als ich mit dem Fahrrad den Berg runterraste, ohne Bremse, nur Wind und Angst und Freude gleichzeitig.
Das Kind war nicht in der Vergangenheit. Es war in der Bewegung. In der Hingabe. In der Entscheidung, für einen Moment nichts besser machen zu müssen.
Was das Kind wirklich hören muss – sieben Sätze, die ankommen
- Ich habe dich damals nicht beschützt. Das war ein Fehler. Heute versuche ich es anders.
- Du musst nicht mehr perfekt sein, damit ich dich mag.
- Ich habe oft so getan, als wärst du mir peinlich. Das war gelogen.
- Wenn du wieder Angst bekommst – sag Bescheid. Ich gehe diesmal mit.
- Du darfst wütend auf mich sein. Ich halte das aus.
- Ich weiß nicht immer, wie man dich lieb hat. Aber ich übe jeden Tag.
- Du bist nicht kaputt. Du bist nur lange allein gelassen worden.
Diese Sätze wirken nicht sofort. Manchmal braucht es Wochen, Monate, bis sie einsinken.
Aber sie sind ehrlich. Und Ehrlichkeit ist das Einzige, was das Kind noch respektiert.
Wenn das Kind plötzlich spricht
Manchmal antwortet es.
Nicht mit Worten. Sondern mit Körperzeichen.
- Plötzlicher Kloß im Hals
- Enge im Brustkorb, die sich langsam löst
- Tränen, die ohne Grund kommen und ohne Vorwurf gehen
- Wärme in den Händen
- ein unwillkürliches Lächeln, das sich anfühlt wie Verrat an der alten Traurigkeit
- Atem, der tiefer wird, als hätte jemand ein Fenster aufgestoßen
Das sind die Momente, in denen das Kind sagt:
„Ich höre dich.“
Mehr braucht es nicht.
Ein kleiner, hässlicher, heiliger Alltag
Du stehst in der Küche in Hamburg-Altona. Es ist 6:42 Uhr. Der Wasserkocher pfeift. Du gießt den Kaffee auf – viel zu stark, wie immer.
Neben dir sitzt das Kind. Unsichtbar. Aber du spürst den Druck seiner Schulter an deiner Hüfte.
Du sagst leise, fast beiläufig:
„Ich weiß, dass du immer noch denkst, du bist schuld, dass Papa gegangen ist. Das stimmt nicht. Und ich werde dir das so lange sagen, bis du es mir glaubst.“
Du rührst den Kaffee um. Einmal. Zweimal.
Dann sagst du noch:
„Ich bleibe heute hier. Auch wenn ich müde bin. Auch wenn ich Fehler mache. Ich bleibe.“
Und in dem Moment, in dem du den ersten Schluck nimmst – bitter, heiß, fast schmerzhaft – spürst du, wie sich etwas in dir entspannt. Nicht dramatisch. Nicht wie in Filmen.
Sondern wie ein Muskel, der nach zwanzig Jahren endlich loslässt.
Was jetzt kommt – kein Happy End, sondern ein Anfang
Das Kind wird nicht plötzlich verschwinden. Es wird auch nicht aufhören, dich manchmal anzustarren, als würdest du es jeden Moment wieder verraten.
Aber es wird leiser werden. Es wird seltener schreien. Es wird öfter neben dir sitzen, statt hinter dir zu stehen und dich zu beobachten.
Und irgendwann – vielleicht in einem Jahr, vielleicht in fünf – wirst du merken, dass du nicht mehr ständig erklären musst, warum du okay bist.
Weil das Kind endlich glaubt, dass du es ernst meinst.
Was würdest du deinem inneren Kind heute wirklich sagen?
Nimm dir fünf Minuten. Kein Journal, kein schönes Notizbuch, kein Kerzenlicht. Einfach nur du und die Stille.
Schließ die Augen.
Und sag den einen Satz, den du bisher nie laut ausgesprochen hast.
Laut.
Oder flüsternd.
Oder nur in Gedanken.
Aber sag ihn.
„Ich sehe dich. Ich bleibe. Und du bist genug.“
Mehr braucht es nicht.
Der Rest kommt von allein.
Hat dir dieser Text nahegegangen? Dann schreib mir gerne in die Kommentare: Welchen einen Satz hast du deinem inneren Kind heute gesagt – und wie hat sich das angefühlt? Teil den Text mit jemandem, der gerade das Gefühl hat, das kleine Kind in sich wieder einmal übersehen zu haben.
Über mich – Andreas Schulze
Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.
Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.
Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.
Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.
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Kapitel 7: Neuroplastizität – Programmiere dein Gehirn neu für Erfolg
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Kapitel 9: Resilienz – Steh stärker auf, als du gefallen bist
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Kapitel 13: Die Kunst der Visualisierung – Erschaffe deine Zukunft
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Kapitel 16: Mikrogewohnheiten – Kleine Routinen, gigantische Ergebnisse
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Kapitel 22: Psychologie des Überzeugens – Meistere Kommunikation
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Kapitel 27: Wissenschaft des Schlafes – Höchstleistung beginnt nachts
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Kapitel 31: Kreativität entfesseln – Denke jenseits der Grenzen
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Kapitel 36: Netzwerk der Größe – Menschen, die dich nach oben tragen
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Kapitel 42: Künstliche Intelligenz für deinen Erfolg
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Kapitel 46: Die Kunst des Gebens – Großzügigkeit als Erfolgsfaktor
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Kapitel 53: Dein Quantensprung – Durchbrich das scheinbar Unmögliche
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Kapitel 60: Die Frequenz des Erfolgs – Stimme dich auf Sieg ein
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Kapitel 70: Die Kunst der Pausen – Stärke durch Stille
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Kapitel 72: Magnetische Ausstrahlung – Unaufhaltsame Präsenz
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Kapitel 77: Die Kunst des Atems – Entfessele deine Lebensenergie
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