Sich selbst zum Sieger erklären – still und endgültig
In der kleinen Küche in Flensburg, wo der Wind vom Fördeufer schon um vier Uhr früh durch die undichten Fensterritzen pfeift, sitzt ein Mann Ende vierzig und starrt auf seine Hände. Die Hände eines früheren Industriemechanikers, der jetzt in einer Logistikhalle Nachtschichten schiebt, damit die Pakete pünktlich in Richtung Süden rollen. Die Knöchel sind breiter geworden, die Haut rissig von jahrelangem Kontakt mit kaltem Metall und scharfen Kanten. Er hat sich gerade einen doppelten Espresso gemacht – nicht aus einer teuren Maschine, sondern aus einem alten, verbeulten Kocher, der schon bessere Tage gesehen hat. Der bittere Dampf steigt auf und vermischt sich mit dem Geruch von feuchtem Salz, das der Wind hereinträgt.
Er fragt sich nicht mehr, warum er nie befördert wurde. Er fragt sich auch nicht mehr, warum die Kollegen, die lauter reden konnten, die besseren Plätze bekamen. Stattdessen fragt er sich etwas anderes, etwas, das ihn in den letzten Monaten nicht mehr losgelassen hat:
Wann habe ich eigentlich das letzte Mal entschieden, dass ich gewonnen habe – und zwar ohne dass irgendjemand anderes zustimmen musste?
Inhaltsverzeichnis
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Der unsichtbare Schiedsrichter in unserem Kopf
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Die ersten Male, in denen wir uns selbst disqualifiziert haben
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Der gefährliche Moment, in dem Applaus zur Droge wird
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Innere Siegeskriterien bauen – ohne Punktevergabe
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Die Anatomie eines stillen Triumphs
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Drei Arten, sich selbst zu betrügen – und wie man aufhört
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Der Tag, an dem du aufhörst zu verhandeln
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Was bleibt, wenn niemand zuschaut
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Ein kleines, radikales Experiment für die nächsten 30 Tage
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Wenn der innere Kommentator verstummt
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Abschluss: Die Haltung des stillen Gewinners
Der unsichtbare Schiedsrichter in unserem Kopf
Die meisten Menschen tragen einen imaginären Preisrichter mit sich herum. Er sitzt nicht auf der Tribüne, er sitzt hinter den Augen. Seine Stimme klingt manchmal wie die des Vaters, manchmal wie die der Ex-Partnerin, manchmal wie ein enttäuschter Lehrer aus der zehnten Klasse, manchmal einfach wie ein anonymer Social-Media-Kommentar von vor sieben Jahren, den man nie wieder gefunden hat, der aber trotzdem noch in den Knochen nistet.
Dieser Schiedsrichter hat eine sehr einfache Regel: Du darfst dich erst dann Sieger nennen, wenn ein anderer es sagt. Am besten mehrere andere. Am besten laut. Am besten öffentlich.
Das Problem dabei ist nicht der Wunsch nach Anerkennung – der ist menschlich und gesund. Das Problem ist die totale Übertragung der Hoheitsgewalt. Du gibst das Urteil über dein Leben ab. Du gibst ab, wann du genug getan hast. Du gibst ab, wann du stolz sein darfst.
Und genau in diesem Moment beginnt die schleichende Entmündigung.
Die ersten Male, in denen wir uns selbst disqualifiziert haben
Es fängt meistens harmlos an.
Mit 14 Jahren gewinnst du den Vorlesewettbewerb in der Kreissparkasse. Deine Mutter umarmt dich, dein Vater nickt einmal kurz – das war’s. Keine große Feier. Kein Foto in der Lokalzeitung. Du spürst: Das zählt nicht richtig.
Mit 19 machst du dein erstes Praktikum in einer kleinen Werbeagentur in Kiel. Der Chef sagt am letzten Tag: „Du hast was.“ Du fühlst dich für drei Stunden wie ein König. Dann kommt die Abschlussbesprechung und du hörst die Worte „leider kein Budget für eine Festanstellung“. Sofort schaltet sich der innere Kommentator ein: „War ja klar. War ja nur ein Praktikum. Zählt nicht.“
Mit 27 schaffst du es, nach drei gescheiterten Bewerbungsrunden endlich in eine Festanstellung in der Produktionsplanung eines mittelständischen Unternehmens in Neumünster zu kommen. Du hältst genau 14 Monate durch, bevor die Erschöpfung dich ausknockt. Du kündigst. Im Freundeskreis heißt es: „Na ja, war ja nur ein Job.“ Du nimmst das Urteil an.
Jedes Mal, wenn niemand Blumen bringt, niemand applaudiert, niemand „Respekt!“ schreibt, entscheidest du mit: zählt nicht.
Irgendwann hast du so oft „zählt nicht“ gesagt, dass dein Nervensystem es glaubt.
Der gefährliche Moment, in dem Applaus zur Droge wird
Es gibt Menschen, die jahrelang nur dann etwas tun, wenn sie sicher sind, dass es gesehen wird.
Sie posten ihren Sportausflug erst, nachdem sie gelaufen sind – nicht vorher. Sie schreiben die Seminararbeit erst, wenn sie wissen, dass der Dozent sie loben wird. Sie kochen nur dann aufwendig, wenn Gäste kommen.
Das ist keine Faulheit. Das ist Abhängigkeit.
Der Organismus lernt: Dopamin wird nur noch ausgeschüttet, wenn ein externes Signal „gut gemacht“ sendet. Ohne dieses Signal bleibt das Belohnungssystem kalt. Das Ergebnis ist eine seltsame innere Leere, selbst nach objektiv großen Erfolgen.
Eine Frau, die ich vor einigen Jahren in einem Coaching-Prozess begleiten durfte (nennen wir sie Johanna), hatte in fünf Jahren 14 Gehaltserhöhungen und drei Beförderungen bekommen. Öffentlich galt sie als „aufstrebend“. Privat sagte sie mir irgendwann mit fast tonloser Stimme:
„Ich habe keine Ahnung, ob ich das überhaupt gut kann. Ich weiß nur, dass die anderen es gut finden.“
Sie war süchtig nach dem externen Echo. Als das Echo leiser wurde (neue Geschäftsführung, andere Prioritäten), brach sie zusammen.
Nicht weil sie versagt hatte – sie hatte nicht versagt. Sondern weil sie nie gelernt hatte, sich selbst die Erlaubnis zu geben, stolz zu sein.
Innere Siegeskriterien bauen – ohne Punktevergabe
Hier beginnt die eigentliche Arbeit.
Du musst ein eigenes Regelwerk schreiben. Nicht für andere, sondern für dich allein.
Fragen, die helfen können:
Was muss geschehen, damit ich heute Abend sagen kann: „Ich habe heute gewonnen“? Darf dieser Sieg klein sein? Darf er unsichtbar sein? Darf er nur aus einem einzigen Gedanken bestehen?
Beispiele für private Siegeskriterien, die ich in den letzten Jahren bei verschiedenen Menschen erlebt habe:
„Ich habe heute Morgen meinem Sohn zugehört, ohne aufs Handy zu schauen.“ „Ich habe die unangenehme E-Mail endlich abgeschickt, statt sie weiter vor mir herzuschieben.“ „Ich bin 40 Minuten spazieren gegangen, obwohl ich mich wie Blei fühlte.“ „Ich habe nein gesagt, ohne mich danach zu rechtfertigen.“ „Ich habe 25 Minuten am Stück konzentriert gearbeitet, ohne zwischendurch in den Browser zu flüchten.“
Das sind keine großen Heldentaten. Aber sie sind deine Heldentaten.
Und genau deshalb zählen sie.
Die Anatomie eines stillen Triumphs
Stell dir vor, du stehst um 5:40 Uhr auf. Es ist Januar. Draußen ist es noch stockdunkel. Der Radiowecker spielt leise norddeutschen Platt. Du machst dir einen langen Tee (kein fancy Matcha, einfach Schwarztee aus dem Aldi-Beutel), setzt dich an den kleinen Küchentisch und schreibst drei Sätze in ein abgegriffenes Notizbuch:
Heute habe ich gewonnen, weil ich • nicht zurückgeschrieben habe, als die Ex wieder alte Wunden aufgerissen hat • stattdessen die Laufschuhe angezogen und 6 Kilometer durch den eisigen Wind gelaufen bin • danach geduscht und mir gesagt habe: Das reicht für heute.
Niemand weiß davon. Niemand liket es. Niemand sagt „stark“.
Und genau deshalb ist es echt.
Drei Arten, sich selbst zu betrügen – und wie man aufhört
- Die „Noch-nicht-genug“-Falle Du erreichst etwas → sofort schiebt sich der Gedanke davor: „Ja, aber wenn ich jetzt noch … dann wäre es wirklich gut.“ Lösung: Setze dir bewusst eine obere Grenze für den Tag. Wenn du sie erreichst, ist Schluss. Punkt.
- Die „Vergleichsspirale“ Du schaust, was andere in deinem Alter schon erreicht haben → sofort fühlst du dich kleiner. Lösung: Vergleiche dich nur mit deinem Ich von vor 365 Tagen. Das ist der einzige faire Vergleich.
- Die „Öffentlichkeitsabhängigkeit“ Du fühlst dich erst dann gut, wenn du es jemandem erzählen kannst. Lösung: Übe das „geheime Feiern“. Sag es nur dir selbst. Laut. Im Spiegel. Oder flüsternd unter der Bettdecke. Aber sag es.
Der Tag, an dem du aufhörst zu verhandeln
Es gibt diesen einen Moment – meistens kommt er nicht mit Pauken und Trompeten, sondern leise und erschöpft – in dem du plötzlich verstehst:
Ich werde nie genug Applaus bekommen, um mich sicher zu fühlen. Also höre ich auf zu verhandeln.
Ich erkläre mich selbst zum Sieger. Nicht weil alles perfekt ist. Nicht weil ich keine Fehler mehr mache. Sondern weil ich mich entschieden habe, dass meine eigene Stimme genügt.
Von diesem Tag an ändert sich etwas Grundlegendes.
Du beginnst, deine Tage nicht mehr nach der Menge des externen Echos zu bewerten, sondern nach deiner eigenen Integrität.
Was bleibt, wenn niemand zuschaut
Wenn niemand zuschaut, bleibt das, was wirklich deins ist.
Die Art, wie du mit dir sprichst, wenn du allein bist. Die Entscheidung, ob du noch eine Runde scrollst oder das Licht ausmachst. Die Geduld, die du deinem eigenen Kind schenkst, obwohl du selbst am Ende bist. Die Ehrlichkeit, mit der du deine Grenzen benennst. Die kleinen, unsichtbaren Akte der Selbstachtung.
Das ist die Substanz, aus der langfristig Selbstwert gemacht wird. Nicht die Likes. Nicht die Gehaltserhöhung. Nicht das Lob der Schwiegermutter.
Ein kleines, radikales Experiment für die nächsten 30 Tage
Jeden Abend, bevor du schlafen gehst, nimm ein kleines Blatt Papier (oder die Notizen-App) und schreibe einen einzigen Satz:
Heute habe ich gewonnen, weil …
Nur ein Satz. Kein Absatz. Keine Rechtfertigung. Kein „aber“.
Beispiele:
Heute habe ich gewonnen, weil ich nach dem Streit nicht sofort zurückgeschrieben habe. Heute habe ich gewonnen, weil ich die Präsentation trotz Lampenfieber durchgezogen habe. Heute habe ich gewonnen, weil ich meinem Körper eine richtige Mahlzeit gegönnt habe statt nur zu naschen. Heute habe ich gewonnen, weil ich eine Grenze gesetzt habe, ohne mich schlecht zu fühlen.
Nach 30 Tagen wirst du etwas bemerken: Dein Nervensystem lernt langsam, dass Sicherheit nicht mehr von außen kommen muss.
Wenn der innere Kommentator verstummt
Irgendwann – es dauert bei manchen drei Monate, bei anderen zwei Jahre – wird die Stimme leiser.
Nicht weil sie verschwindet. Sondern weil sie keine Macht mehr hat.
Du hörst sie noch, aber sie bestimmt nicht mehr, ob du dich als wertvoll empfindest.
An diesem Punkt bist du frei.
Nicht frei von Zweifel. Nicht frei von Rückschlägen. Sondern frei von der Notwendigkeit, dass jemand anderes dir die Erlaubnis gibt, stolz zu sein.
Abschluss: Die Haltung des stillen Gewinners
Der stille Gewinner verhandelt nicht mehr. Er erklärt sich nicht mehr. Er wartet nicht mehr auf den Applaus.
Er weiß, dass der größte Sieg der ist, den niemand sieht – außer ihm selbst.
Und genau deshalb ist er unbesiegbar.
Wenn du das gerade liest und spürst, dass etwas in dir sich bewegt, dann mach heute Abend den ersten Schritt: Schreib den Satz.
Heute habe ich gewonnen, weil …
Und dann leg das Blatt weg. Ohne Foto. Ohne Share. Nur für dich.
Hat dir der Text heute geholfen, auch nur einen Millimeter mehr zu dir selbst zu stehen? Dann schreib mir in den Kommentaren doch bitte genau diesen einen Satz:
„Heute habe ich gewonnen, weil …“
Ich lese jeden einzelnen.
Über mich – Andreas Schulze
Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.
Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.
Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.
Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.
Meine Bücher findest du hier: Ebooks für deinen Erfolg
Mein vollständiges Profil findest du hier: Über Mich & Erfolgsebook
Willkommen auf meiner Seite – und in deiner Erfolgsgeschichte.

Alles, was du liebst, wird vergehen.
Menschen. Momente. Gefühle.
Auch du.
Niemand sagt dir das gern ins Gesicht.
Aber dein Leben ist kein unendlicher Raum.
Es ist ein Countdown.
Rein rechnerisch hast du etwa 625.000 bis 700.000 Stunden auf dieser Welt.
Nicht mehr. Nicht weniger.
Ein Großteil davon verschwindet im Schlaf.
Ein weiterer Teil in Terminen, Pflichten, Ablenkung.
Und plötzlich stehst du da und denkst:
Wo ist all die Zeit geblieben?
Das Licht wird nicht langsam dunkler.
Es geht einfach aus.
Genau deshalb ist Zeit das Wertvollste, was du besitzt –
und gleichzeitig das, was die meisten Menschen am achtlosesten verlieren.
Alles, was du liebst, ist endlich.
Darum ist „später“ eine gefährliche Lüge.
Nicht irgendwann.
Nicht wenn es ruhiger wird.
Nicht wenn du mehr Zeit hast.
Jetzt.
Heute.
In diesem Moment.
erfolgsebook.com existiert aus genau einem Grund:
Dir zu helfen, aus begrenzter Lebenszeit ein bewusstes Leben zu machen.
Nicht mit Druck.
Nicht mit leeren Parolen.
Sondern mit Klarheit.
Impulse, die dir zeigen:
– warum Genuss ohne Richtung dich leer zurücklässt
– warum Erfolg ohne Sinn dich trotzdem müde macht
– und wie aus bloßer Existenz ein Leben mit Tiefe wird
Keine Theorien.
Keine Motivationsfloskeln.
Sondern Gedanken, die dich dein Leben neu sehen lassen.
Viele Leser sagen danach:
„Ich renne meiner Zeit nicht mehr hinterher.
Ich entscheide, wofür ich sie einsetze.“
Und dann kommt der Satz, den niemand je hören wollte –
aber fast jeder irgendwann fühlt:
Eines Tages wachst du auf –
und es gibt kein ‚später‘ mehr für das,
was dir wirklich wichtig war.
Wenn du begreifst, dass du nur dieses eine Leben hast,
willst du nicht länger funktionieren.
Du willst fühlen.
Erleben.
Spuren hinterlassen – in deinem Herzen und in dem der Menschen, die du liebst.
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Du kannst deine Stunden nicht vermehren.
Aber du kannst entscheiden,
dass sie Bedeutung haben.
Jede einzelne.
