Selbstsicherheit: Das Letzte, was Maschinen stehlen können

Selbstsicherheit: Das Letzte, was Maschinen stehlen können
Lesedauer 6 Minuten

Selbstsicherheit: Das Letzte, was Maschinen stehlen können

Der Regen schlägt waagerecht gegen die Fensterfront eines alten Kontorhauses in Bremen-Überseestadt. Drinnen sitzt eine Frau Ende dreißig, fingert an einem fast leeren Pappbecher herum, in dem noch ein Rest kalter Flat White schwappt. Sie heißt Fenja Lammers. Sie arbeitet seit neun Jahren als Prozessingenieurin in einem mittelständischen Betrieb für Spezialmaschinenbau – der Art Betrieb, der früher stolz „Hidden Champion“ genannt wurde und heute vor allem mit Lieferketten-Alpträumen und Fachkräfte-Abwanderung kämpft.

Sie starrt auf den Bildschirm. Eine Mail vom Vorstand: „KI-gestützte Automatisierungsphase 2 – bitte bis Ende Q2 alle manuellen Prüfschritte dokumentieren, die übernommen werden können.“ Darunter der Satz, der sie seit drei Wochen wach hält: „Persönliche Weiterentwicklung wird zunehmend durch technologiebasierte Kompetenz ersetzt.“

Fenja denkt nicht „ich verliere meinen Job“. Sie denkt: „Ich verliere den Teil von mir, der weiß, dass ich gut bin, auch wenn niemand Applaus klatscht.“

Inhaltsverzeichnis

Der Regen, die Stille und die Frage, die bleibt Was Selbstsicherheit wirklich ist – und was sie gerade nicht Die vier Diebe, die heute besonders leise arbeiten Geschichte 1 – Der Moment, in dem Marek aufhörte, sich zu entschuldigen Geschichte 2 – Wie Alina in einer Grazer Kellerwohnung ihren Wert wiederfand Übung 1: Der 7-Sekunden-Reset (sofort anwendbar) Übung 2: Die „Anti-Vergleichs-Kamera“ – ein Perspektivwechsel Übung 3: Das Protokoll der stillen Siege (4 Wochen Tracken) Was aktuelle Neuropsychologie leise nahelegt Der Trend, der gerade aus Nordamerika herüberkommt Tabelle: Welcher Dieb stiehlt bei dir am meisten? Fragen & Antworten – die Leser fragen, Fenja & Marek antworten Abschluss – ein kleiner, sehr konkreter Pakt mit dir selbst

Der Regen, die Stille und die Frage, die bleibt

Manche Menschen glauben, Selbstsicherheit sei etwas, das man hat oder nicht hat – wie eine Augenfarbe oder die Fähigkeit, auf dem Fahrrad zu stehen. Das ist ein Irrtum.

Selbstsicherheit ist ein Muskel. Und genau wie jeder andere Muskel kann er atrophiert werden – durch ständiges Vergleichen, durch das Gefühl „jemand anderes könnte das besser“, durch den leisen Satz „wenn die KI das in zwei Jahren kann, was bin dann eigentlich noch ich wert?“.

Was Selbstsicherheit wirklich ist – und was sie gerade nicht

Selbstsicherheit ist nicht

  • Lautsein
  • Immer recht haben
  • Keine Angst spüren

Selbstsicherheit ist das leise Wissen: „Auch wenn ich gerade zittere, auch wenn ich Fehler gemacht habe, auch wenn morgen eine Maschine meine Arbeit schneller erledigen kann – ich bin trotzdem ein wertvolles, einmaliges Wesen mit eigener Würde.“

Und genau dieses Wissen wird in den letzten Jahren von vier sehr effektiven Dieben attackiert:

  1. Der algorithmische Vergleichszwang
  2. Die Entpersonalisierung durch Automatisierung
  3. Die Dauer-Inszenierung im Netz
  4. Die schwindende Erfahrung von handfester Meisterschaft

Geschichte 1 – Der Moment, in dem Marek aufhörte, sich zu entschuldigen

Marek Krawczyk, 41, Schichtleiter in einem sächsischen Werk für Präzisionsdreh- und Frästeile. Drei Jahre hintereinander „Mitarbeiter des Jahres“ – bis die neue CNC-Zelle mit KI-gestützter Werkzeugwegoptimierung eingefahren wurde. Plötzlich war er nicht mehr der, der die Maschinen „fühlen“ konnte. Er war der, der die KI-Eingaben kontrollierte.

Eines Morgens um 5:40 Uhr, dritte Schicht fast rum, sagt der Azubi: „Chef, die KI hat den Zyklus um 14 % verkürzt. Wir liegen jetzt unter Takt.“ Marek nickt nur. Später im Pausenraum, alleine mit seinem Energy-Drink, flüstert er zum ersten Mal laut: „Ich bin hier überflüssig geworden.“

An diesem Tag passiert etwas Entscheidendes.

Er fährt nicht nach Hause. Er fährt auf den Parkplatz hinter der alten Brikettfabrik, stellt den Motor ab, lässt das Fenster runter und atmet den Geruch von feuchtem Kohlestaub und Diesel ein. Dann sagt er – zum ersten Mal seit Jahren ohne „sorry“, ohne „vielleicht“, ohne „wenn ich ehrlich bin“:

Siehe auch  Disziplin beginnt, wo Ausreden enden.

„Ich bin immer noch der, der 17 Jahre lang jede Maschine repariert hat, bevor sie kaputtging. Ich bin immer noch der, der weiß, wann ein Lager zittert, bevor es kracht. Und das kann keine KI riechen. Das kann keine KI hören. Das kann keine KI fühlen.“

Von diesem Moment an hört Marek auf, sich für seine Existenz zu entschuldigen.

Geschichte 2 – Wie Alina in einer Grazer Kellerwohnung ihren Wert wiederfand

Alina Tiefenbach, 29, diplomierte Restauratorin für zeitgenössische Skulptur. Seit zwei Jahren scannt eine 3D-Scanning- und KI-Rekonstruktionssoftware ihre Arbeitsobjekte schneller, als sie Pinseln anrühren kann. Die Kundengespräche beginnen inzwischen oft mit: „Können Sie das nicht einfach digital wiederherstellen lassen?“

Eines Abends sitzt sie in ihrer winzigen Altbau-Kellerwohnung in Graz-Lend, trinkt kalten Kräutertee aus einer angeschlagenen Tasse und weint – nicht aus Selbstmitleid, sondern aus Wut auf sich selbst, weil sie sich so klein fühlt.

Dann macht sie etwas Radikales.

Sie nimmt ihr Telefon, filmt ihre Hände beim Schichten von Gesso auf eine beschädigte Acrylplastik. Nur die Hände. Kein Gesicht. Kein Kommentar. Nur 47 Sekunden lang das Geräusch des Pinsels, das leise Knirschen der Farbe, das Atmen.

Sie lädt das Video hoch – ohne Caption, ohne Hashtag. In den nächsten drei Tagen kommen 187 Kommentare. Die meisten lauten: „Endlich sieht man mal wieder, dass da ein Mensch dahintersteckt.“

Von diesem Tag an nennt Alina ihre Arbeit nicht mehr „Restaurierung“. Sie nennt sie „menschliche Spurensicherung“.

Übung 1: Der 7-Sekunden-Reset (sofort anwendbar)

Wenn du das nächste Mal spürst, dass dich jemand oder etwas kleiner macht (eine Mail, ein Kommentar, ein Algorithmus, ein Kollege), mach Folgendes – dauert wirklich nur sieben Sekunden:

  1. Atme einmal tief durch die Nase ein (4 Sekunden halten).
  2. Sag innerlich oder flüsternd: „Ich bin hier. Ich bin echt. Ich bleibe.“
  3. Spür deine Fußsohlen auf dem Boden.
  4. Atme langsam durch den Mund aus.

Das ist kein Eso-Quatsch. Das ist eine Mini-Intervention, die den Sympathikus beruhigt und den Cortex wieder ans Reden bringt.

Übung 2: Die Anti-Vergleichs-Kamera

Nimm dein Handy. Öffne die Kamera-App. Richte sie auf etwas ganz Banales in deinem direkten Umfeld (Kaffeetasse, abgewetzter Bürostuhl, deine eigene Hand, die Regenrinne draußen). Mach ein Foto – aber nur von einem winzigen Ausschnitt. Zoom so nah ran, dass niemand mehr erkennt, was es ist.

Jetzt frag dich: „Wenn ich das Bild jemandem zeige und sage ‘Das bin ich heute’, würde er es glauben?“

Meistens lautet die Antwort: Nein. Weil wir im Normalmodus immer das ganze Bild zeigen – mit allen Makeln, mit allen Vergleichsflächen. Wenn wir aber nur einen winzigen, ehrlichen Ausschnitt zeigen, wird plötzlich klar: Es gibt keine Konkurrenz um diesen einen Quadratzentimeter. Der gehört nur mir.

Übung 3: Das Protokoll der stillen Siege (4 Wochen Tracken)

Leg dir ein kleines Notizbuch oder eine Notiz im Handy an. Jeden Abend schreibst du eine Sache auf, die du heute gemacht hast – und die eine Maschine (noch) nicht ersetzen kann.

Beispiele von echten Menschen der letzten Monate:

  • „Ich habe dem Azubi erklärt, warum das Teil vibriert, obwohl die Messwerte okay sind.“
  • „Ich habe meiner Kollegin zugehört, obwohl ich selbst Deadline hatte.“
  • „Ich habe gelacht, als der Fehlerbericht absurd war.“
  • „Ich habe die Pflanze im Fensterbrett gedreht, damit sie wieder Licht bekommt.“

Nach vier Wochen liest du die Liste durch. Die meisten Menschen weinen an dieser Stelle – vor Erleichterung.

Was aktuelle Neuropsychologie leise nahelegt

Die Fähigkeit, sich selbst als wertvoll zu erleben, hängt stark mit der Aktivität im medialen präfrontalen Cortex und im posterioren cingulären Cortex zusammen – also mit dem Netzwerk, das für Selbstwert und Identität zuständig ist. Wenn wir permanent externalen Vergleichsreizen ausgesetzt sind (Likes, Rankings, Automatisierungs-Storys), wird genau dieses Netzwerk herunterreguliert.

Siehe auch  Entdecke die Version deiner Selbst.

Kurz gesagt: Je mehr wir uns mit Maschinen vergleichen, desto weniger spüren wir uns selbst.

Der Trend, der gerade aus Nordamerika herüberkommt

In den USA und Kanada heißt er „Human-First Documentation“. Mitarbeiter filmen oder schreiben bewusst Momente, in denen menschliche Intuition, Empathie oder Erfahrungswissen entscheidend war – und archivieren sie firmenintern. Nicht als Rechtfertigung, sondern als bewusste Erinnerung: Hier war ein Mensch unverzichtbar.

Erste deutsche Mittelständler testen das gerade – noch sehr leise.

Tabelle: Welcher Dieb stiehlt bei dir am meisten?

Dieb Wie er sich anfühlt Typische Gedanken Gegenmittel (sofort)
Algorithmischer Vergleichszwang Enge Brust, schneller Puls Alle anderen sind weiter / schöner / erfolgreicher 7-Sekunden-Reset
Entpersonalisierung durch KI dumpfes Gefühl von Überflüssigkeit Was bleibt von mir, wenn das eine Maschine kann? Protokoll der stillen Siege
Dauer-Inszenierung im Netz innere Leere nach jedem Scrollen Mein Leben ist langweilig dagegen Anti-Vergleichs-Kamera
Schwund handfester Meisterschaft leise Trauer um das, was man einmal konnte Früher war ich gut – heute bin ich nur noch User bewusstes Benennen der eigenen Spur

Fragen & Antworten – die Leser fragen, Fenja & Marek antworten

1. Wie bleibt man selbstbewusst, wenn die eigene Arbeit zunehmend automatisiert wird? Fenja: Indem du dir bewusst machst, dass Automatisierung Geschwindigkeit bringt – aber niemals die Geschichte, warum etwas wichtig ist.

2. Hilft positives Denken wirklich oder ist das nur Selbstbetrug? Marek: Positives Denken allein hilft nicht. Aber positives Bezeugen – also das, was du tatsächlich geleistet hast – wirkt wie ein Gegengift.

3. Was mache ich, wenn ich mich ständig mit Jüngeren vergleiche, die mit KI aufgewachsen sind? Fenja: Du vergleichst Äpfel mit Bratwurst. Die haben keine 15 Jahre Narben an den Händen. Du schon.

4. Kann man Selbstsicherheit wirklich trainieren oder ist das angeboren? Marek: Sie ist wie ein Garten. Manche Böden sind fruchtbarer – aber jeder kann jäten, düngen und gießen.

5. Wie erkläre ich meinem Chef, dass ich nicht ersetzbar bin? Fenja: Gar nicht. Zeig es. Mach Fotos. Erzähl Geschichten. Lass die Ergebnisse sprechen.

Abschluss – ein kleiner, sehr konkreter Pakt mit dir selbst

Du musst nicht lauter werden. Du musst nicht schneller werden. Du musst nicht perfekter werden.

Du musst nur eines tun: Aufhören, dich dafür zu entschuldigen, dass du ein fühlendes, atmendes, fehleranfälliges, wunderbares menschliches Wesen bist.

Schreib dir heute Abend einen einzigen Satz auf einen Zettel und kleb ihn an den Badezimmerspiegel:

„Ich bin hier. Und ich bleibe.“

Hat dich der Text heute ein kleines Stück weniger unsichtbar gemacht? Dann schreib mir in den Kommentaren: Welcher der vier Diebe hat dich in letzter Zeit am meisten bestohlen – und was wirst du als Allererstes dagegen unternehmen? Teil den Beitrag genau mit der Person, die du gerade vor deinem inneren Auge siehst und die das jetzt dringend braucht.

Über mich – Andreas Schulze

Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.

Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.

Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.

Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.

Siehe auch  Glück finden trotz Chaos – deine Ruhe 

Meine Bücher findest du hier: Ebooks für deinen Erfolg

Mein vollständiges Profil findest du hier: Über Mich & Erfolgsebook

Willkommen auf meiner Seite – und in deiner Erfolgsgeschichte.

Blog Bilder für schöne Bider (4572)

Alles, was du liebst, wird vergehen.
Menschen. Momente. Gefühle.
Auch du.

Niemand sagt dir das gern ins Gesicht.
Aber dein Leben ist kein unendlicher Raum.
Es ist ein Countdown.

Rein rechnerisch hast du etwa 625.000 bis 700.000 Stunden auf dieser Welt.
Nicht mehr. Nicht weniger.

Ein Großteil davon verschwindet im Schlaf.
Ein weiterer Teil in Terminen, Pflichten, Ablenkung.
Und plötzlich stehst du da und denkst:
Wo ist all die Zeit geblieben?

Das Licht wird nicht langsam dunkler.
Es geht einfach aus.

Genau deshalb ist Zeit das Wertvollste, was du besitzt –
und gleichzeitig das, was die meisten Menschen am achtlosesten verlieren.

Alles, was du liebst, ist endlich.
Darum ist „später“ eine gefährliche Lüge.
Nicht irgendwann.
Nicht wenn es ruhiger wird.
Nicht wenn du mehr Zeit hast.

Jetzt.
Heute.
In diesem Moment.

erfolgsebook.com existiert aus genau einem Grund:
Dir zu helfen, aus begrenzter Lebenszeit ein bewusstes Leben zu machen.

Nicht mit Druck.
Nicht mit leeren Parolen.
Sondern mit Klarheit.

Impulse, die dir zeigen:

– warum Genuss ohne Richtung dich leer zurücklässt
– warum Erfolg ohne Sinn dich trotzdem müde macht
– und wie aus bloßer Existenz ein Leben mit Tiefe wird

Keine Theorien.
Keine Motivationsfloskeln.
Sondern Gedanken, die dich dein Leben neu sehen lassen.

Viele Leser sagen danach:

„Ich renne meiner Zeit nicht mehr hinterher.
Ich entscheide, wofür ich sie einsetze.“

Und dann kommt der Satz, den niemand je hören wollte –
aber fast jeder irgendwann fühlt:

Eines Tages wachst du auf –
und es gibt kein ‚später‘ mehr für das,
was dir wirklich wichtig war.

Wenn du begreifst, dass du nur dieses eine Leben hast,
willst du nicht länger funktionieren.
Du willst fühlen.
Erleben.
Spuren hinterlassen – in deinem Herzen und in dem der Menschen, die du liebst.

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