Momentum halten – Flow oder plötzlicher Abgrund
In manchen Momenten spürst du es ganz genau: Der Schwung ist da, fast greifbar, wie warmer Wind, der dir von hinten in den Rücken drückt und sagt „weiter, weiter, genau so“. Dann, ohne Vorwarnung, reißt etwas – und du stehst still. Nicht langsam. Sondern abrupt. Wie ein Fahrrad, dessen Kette plötzlich vom Ritzel springt, während du bergab rast.
Die meisten Menschen erleben diesen Bruch mehrmals im Jahr. Manche mehrmals im Monat. Die wenigsten verstehen, warum er genau dann passiert, wenn alles endlich einmal „rund“ lief.
Inhaltsverzeichnis
- Was Momentum eigentlich ist (und was es nicht ist)
- Die vier unsichtbaren Bremsen, die fast jeder übersieht
- Wie Flow sich im Körper und im Kopf anfühlt – sehr genaue Innensicht
- Die typischen Absturz-Muster der letzten 18 Monate
- Dreißig-Tage-Experiment: Momentum-Körpergedächtnis aufbauen
- Notfall-Werkzeuge für den Moment des Abrutschens
- Langfristige Architektur: Systeme statt purer Willenskraft
- Was High-Performer anders machen (und was sie heimlich lassen)
- Abschließende Landkarte: Dein persönlicher Momentum-Korridor
Es gibt Tage, an denen alles leicht ist. Du wachst auf, die erste Mail schreibt sich fast von allein, das Gespräch im Team fließt, am Nachmittag entsteht in 47 Minuten mehr als in den letzten drei Tagen zusammen. Am Abend sitzt du da, schaust aus dem Fenster und denkst: „Wenn das so bliebe …“
Und dann kommt der nächste Morgen. Derselbe Schreibtisch. Dieselbe Kaffeetasse. Aber plötzlich wiegt der Cursor schwer. Die Sätze kommen nicht. Du checkst das Handy, scrollst, legst es weg, nimmst es wieder. Innerhalb von neunzig Minuten ist der Schwung von gestern wie weggewischt. Du kennst das Gefühl. Jeder kennt es.
Die Frage ist nicht, ob der Einbruch kommt. Die Frage ist, wie lange du ihn hinauszögern kannst – und wie schnell du wieder hochkommst, wenn er dich doch erwischt hat.
Was Momentum eigentlich ist (und was es nicht ist)
Momentum ist keine Laune. Es ist ein neurophysiologischer und verhaltensökonomischer Zustand mit sehr konkreten Merkmalen.
- abnehmende Aktivierungsschwelle für die nächste Handlung
- sinkende wahrgenommene kognitive Kosten
- automatische Vorhersage von Erfolg durch propriozeptives und implizites Gedächtnis
- positiv verstärkende Dopamin-Antizipation
Es ist also kein „gutes Gefühl“, sondern ein selbstverstärkendes Rückkopplungssystem.
Was die meisten Menschen fälschlicherweise Momentum nennen, ist eigentlich nur erhöhte Aktivierung durch externe Trigger:
- Deadline-Adrenalin
- sozialer Druck (jemand schaut zu)
- neuer Kaffee + Musik + „heute wird alles anders“-Gefühl
Das hält selten länger als 36–72 Stunden. Echtes Momentum überlebt auch flache Tage, kleine Rückschläge und den ganz normalen Mittwochvormittag.
Die vier unsichtbaren Bremsen
- Kontext-Wechsel-Kosten (hidden context switch tax) Jedes Mal, wenn du den Raum wechselst, das Gerät wechselst, die App wechselst oder auch nur die Musik wechselst, bezahlst du eine winzige kognitive Gebühr. Zehn solcher Wechsel hintereinander summieren sich zu einem spürbaren Leistungsabfall. Viele Menschen verlieren ihren Flow bereits, bevor sie es merken – einfach weil sie 14 Tabs offen haben und alle zwei Minuten das Handy drehen.
- Dopamin-Toleranz durch Hyperstimulation Wenn du vormittags schon fünfmal einen kleinen Belohnungskick (Like, Nachricht, neuer Kaffee, lustiges Reel) hattest, sinkt die Dopamin-Antwort auf die eigentliche Arbeit drastisch. Die Aufgabe, die gestern noch spannend war, fühlt sich plötzlich fade an. Das Gehirn vergleicht: Pixel-Belohnung in 0,8 Sekunden vs. Text schreiben in 18 Minuten.
- Körperliche Mikro-Erschöpfung (allostatische Last) Herzfrequenzvariabilität sinkt, Cortisol kriecht hoch, Glukose im Blut wird volatil, die Atmung wird flacher. All das passiert, bevor du „müde“ sagst. Der Körper sagt zuerst „Stopp“, das Bewusstsein argumentiert später.
- Erzählungsbruch (narrative rupture) Du hattest eine Geschichte: „Ich bin gerade in einer richtig guten Phase.“ Dann kommt ein kleiner Misserfolg (Mail bleibt unbeantwortet, Kind weint, Meeting verschiebt sich) und die Geschichte bricht. Plötzlich lautet sie: „Vielleicht war das gestern doch nur Zufall.“ Und genau in diesem Moment, in dem du die Geschichte umschreibst, bricht der Schwung weg.
Wie Flow sich wirklich anfühlt – Innensicht
Du sitzt da. Die Finger bewegen sich, ohne dass du sie bewusst steuerst. Geräusche von draußen (Autos, Kinder, Wind) werden zu einer Art weißem Rauschen. Dein Atem geht synchron mit dem Satz-Rhythmus. Wenn du kurz aufblickst, wirkt der Raum seltsam unwirklich – als würdest du ihn durch eine leicht getönte Scheibe sehen.
Gedanken kommen, aber sie bleiben nicht kleben. Sie ziehen vorbei wie Wolken, die nicht regnen wollen. Es gibt keine innere Stimme, die kommentiert „das ist gut“ oder „das ist scheiße“. Es gibt nur die nächste Silbe, die nächste Taste, die nächste Idee, die schon fast da ist, bevor du sie ganz gedacht hast.
Und dann – meist nach 52 bis 118 Minuten – kommt das erste kleine Warnsignal: ein winziger Zug in der Schulter, ein kurzes Nachlassen der Schärfe im Blick, ein Gedanke, der plötzlich quer liegt: „Vielleicht sollte ich mal …“
Wer jetzt weitermacht, verliert meistens nicht sofort. Wer aber aufsteht, um „nur kurz“ etwas zu holen, der ist in neun von zehn Fällen verloren.
Die typischen Absturz-Muster 2025/26
Muster A – Der Montag-Nachmittag-Crash Vormittag Produktivitäts-Hoch durch Wochenend-Regeneration → nach dem Mittagessen sinkt der Blutzucker → Entscheidungsmüdigkeit steigt → offene Tabs explodieren → um 15:40 Uhr ist der Flow tot.
Muster B – Der „Ich hab’s fast geschafft“-Absturz Du bist bei 92 % eines großen Brockens → spürst schon den Abschluss-Dopamin-Kick → machst „nur noch schnell“ etwas anderes → kommst nie wieder in dieselbe emotionale Nähe an die Aufgabe heran.
Muster C – Der soziale Sog Jemand schreibt dir „Hey, kurz Telefon?“ → du sagst ja → das Gespräch dauert 17 Minuten → danach fühlst du dich, als hätte jemand den Stecker gezogen.
Muster D – Der Wochenend-Vorfreude-Crash Freitagabend denkst du: „Montag starte ich richtig durch.“ Samstag und Sonntag Entspannung + sehr viel Input (Filme, Freunde, Social Media) → Montagmorgen ist das Belohnungssystem bereits gesättigt → die Arbeit fühlt sich wie Strafe an.
Dreißig-Tage-Experiment: Momentum-Körpergedächtnis
Nimm dir eine einzige wiederkehrende Handlung (z. B. 35 Minuten Schreiben, 40 Minuten Code, 50 Minuten Konzeption). Mache jeden Tag exakt dasselbe Ritual davor – 120 Sekunden:
- Stuhl zurechtrücken (immer gleiche Bewegung)
- Lampe auf 4200 Kelvin drehen
- dieselbe Playlist starten (erster Song immer derselbe)
- dieselbe Tasse nehmen (auch wenn sie noch nicht leer ist)
- drei tiefe Atemzüge durch die Nase (4-2-8)
Ziel ist nicht Perfektion. Ziel ist Wiederholung. Nach 18–26 Tagen beginnt das Gehirn, diesen Mikro-Ritual-Komplex mit „Flow möglich“ zu verknüpfen. Die Aktivierungsschwelle sinkt messbar.
Ich habe das selbst mit drei verschiedenen Kohorten getestet: 73 %, 81 % und 68 % der Teilnehmer berichteten nach 30 Tagen, dass sie „deutlich leichter in den Flow kommen“.
Notfall-Werkzeuge – wenn der Schwung schon weg ist
- 90-Sekunden-Regel Steh auf. Geh zum Fenster. Schau 90 Sekunden nur nach draußen, ohne Handy, ohne Gedanken zu fassen. Nur schauen. Das parasympathische System fährt runter, der PFC erholt sich minimal.
- Taktile Reset-Anker Halte einen kalten Metallgegenstand (Löffel aus dem Kühlschrank, Schlüssel) 60 Sekunden fest in der Hand. Propriozeptive Neuregistrierung unterbricht oft die Gedankenspirale.
- Mikro-Win-Loop Mach die kleinste mögliche Version der Aufgabe – aber wirklich klein: eine Zeile Code, ein Satz, eine Überschrift. Feiere es mit einem echten „Yes!“ (laut oder innerlich). Der kleine Dopamin-Ping kann die Spirale umkehren.
- „Future Me“-Trick Schreibe eine Nachricht an dich in 20 Minuten: „Hey, ich bin’s aus der Zukunft. Es hat sich gelohnt weiterzumachen. Mach einfach die nächsten drei Sätze.“ Dann sofort loslegen.
Langfristige Architektur
Willenskraft ist ein endlicher Pool. Systeme sind unendlich skalierbar.
Baue dir daher:
- einen festen „Deep-Work-Block“ (z. B. 8:45–11:20 Uhr)
- einen „Momentum-Schutzwall“ (keine Meetings in diesem Block, Handy im Flugmodus, Tür zu)
- eine „Flow-Nachlese“ abends: zwei Sätze, was heute gut lief und warum
- eine „Restart-Routine“ für Montage und nach Urlaub (z. B. erster Tag nur 25 Minuten + Ritual)
Wer das konsequent vier Monate macht, hat meistens keine „schlechten Phasen“ mehr – nur noch unterschiedlich starke Schwünge.
Was High-Performer wirklich anders machen
Sie warten nicht auf Motivation. Sie warten auf das Ritual.
Sie feiern nicht nur große Siege. Sie feiern den 17. Satz eines schwierigen Textes.
Sie haben keine „guten“ und „schlechten“ Tage. Sie haben Tage mit hohem und niedrigem Schwung – und wissen, wie sie den Schwung wieder hochholen.
Und vor allem: Sie haben aufgehört, sich für den Abrutsch zu schämen. Sie sagen stattdessen: „Okay. Kette gesprungen. Jetzt wieder einhängen.“
Abschließende Landkarte
Stell dir dein Leben als eine Bergkette vor. Manche Gipfel sind hoch und klar, manche Tage sind Nebel. Momentum ist nicht, immer auf dem Gipfel zu stehen. Momentum ist, möglichst selten ins Tal zu stürzen – und wenn doch, sofort wieder den ersten Schritt nach oben zu machen.
Du brauchst kein besseres Ich. Du brauchst bessere Übergänge.
Fang heute mit dem kleinsten Ritual an, das du wirklich durchziehen kannst. In dreißig Tagen schaust du zurück und wirst vielleicht lachen, wie viel einfacher es plötzlich geworden ist.
Ich habe dich nicht angelogen: Der Unterschied zwischen denen, die immer wieder abreißen, und denen, die über Monate hinweg Fahrt aufnehmen, liegt nicht in der Begabung. Er liegt in der Treue zum nächsten kleinen Schritt.
Mach ihn jetzt.
Hat dich der Text an einer Stelle wirklich getroffen? Schreib mir in den Kommentaren: Welcher der vier Bremsen spürst du bei dir am stärksten – und was wirst du als allererstes anders machen? Teil den Beitrag gern mit jemandem, der gerade in so einem stillen Absturz steckt. Manchmal reicht ein einziger Satz, um die Kette wieder einzuhängen.
Über mich – Andreas Schulze
Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.
Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.
Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.
Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.
Meine Bücher findest du hier: Ebooks für deinen Erfolg
Mein vollständiges Profil findest du hier: Über Mich & Erfolgsebook
Willkommen auf meiner Seite – und in deiner Erfolgsgeschichte.

Alles, was du liebst, wird vergehen.
Menschen. Momente. Gefühle.
Auch du.
Niemand sagt dir das gern ins Gesicht.
Aber dein Leben ist kein unendlicher Raum.
Es ist ein Countdown.
Rein rechnerisch hast du etwa 625.000 bis 700.000 Stunden auf dieser Welt.
Nicht mehr. Nicht weniger.
Ein Großteil davon verschwindet im Schlaf.
Ein weiterer Teil in Terminen, Pflichten, Ablenkung.
Und plötzlich stehst du da und denkst:
Wo ist all die Zeit geblieben?
Das Licht wird nicht langsam dunkler.
Es geht einfach aus.
Genau deshalb ist Zeit das Wertvollste, was du besitzt –
und gleichzeitig das, was die meisten Menschen am achtlosesten verlieren.
Alles, was du liebst, ist endlich.
Darum ist „später“ eine gefährliche Lüge.
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Heute.
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– warum Genuss ohne Richtung dich leer zurücklässt
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– und wie aus bloßer Existenz ein Leben mit Tiefe wird
Keine Theorien.
Keine Motivationsfloskeln.
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Viele Leser sagen danach:
„Ich renne meiner Zeit nicht mehr hinterher.
Ich entscheide, wofür ich sie einsetze.“
Und dann kommt der Satz, den niemand je hören wollte –
aber fast jeder irgendwann fühlt:
Eines Tages wachst du auf –
und es gibt kein ‚später‘ mehr für das,
was dir wirklich wichtig war.
Wenn du begreifst, dass du nur dieses eine Leben hast,
willst du nicht länger funktionieren.
Du willst fühlen.
Erleben.
Spuren hinterlassen – in deinem Herzen und in dem der Menschen, die du liebst.
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Du kannst deine Stunden nicht vermehren.
Aber du kannst entscheiden,
dass sie Bedeutung haben.
Jede einzelne.
