Mein Glück atmet in meiner Brust
In manchen Nächten, wenn der Regen gegen die Scheiben schlägt wie ein ungeduldiges Kind, das endlich gehört werden will, setze ich mich ans Fenster und frage mich, warum so viele Menschen ihr Glück noch immer wie ein verlorenes Gepäckstück behandeln – als etwas, das man irgendwo abgegeben hat und das vielleicht irgendwann von einem anderen Menschen mit nach Hause genommen wurde.
Es ist nicht so, dass das Glück ein scheues Reh wäre, das man nur mit ganz viel Geduld und richtiger Körpersprache anlocken kann. Es ist eher ein großer, schwerer, etwas unbeholfener Hund, der die meiste Zeit neben dir liegt, leise schnarcht und darauf wartet, dass du endlich die Leine nimmst und sagst: „Komm, wir gehen.“
Inhaltsverzeichnis
- Das unsichtbare Halsband
- Der Tag, an dem Marta den Kaffee verschüttete
- Warum wir glauben, Glück müsse verdient werden
- Die kleine, fiese Diebstahl-Mechanik des Alltags
- Wenn die eigene Biografie gegen dich arbeitet
- Der Moment, in dem man aufhört zu verhandeln
- Glück als radikale Entscheidung gegen die Schwerkraft
- Wie man einen inneren Wachposten entlässt
- Die Kunst, Freude nicht sofort zu entwerten
- Was bleibt, wenn alles andere wegbricht
- Abschied vom Wärter in uns
- Ein letzter Blick zurück – und dann vorwärts
Das unsichtbare Halsband
Stell dir vor, du trägst seit deinem zehnten Lebensjahr ein Halsband, das niemand sieht. Es ist aus demselben Material wie Schuldgefühle, elterliche Erwartungen, Lehrer-Kommentare in Zeugnissen und der Satz „Sei doch mal realistisch“. Das Halsband hat keine Schnalle. Es hat auch keinen Namen. Aber es zieht sich jedes Mal enger, wenn du etwas tust, das sich nach purem, unverdientem Wohlbefinden anfühlt.
Marta war 37, arbeitete als Qualitätsprüferin in einem mittelständischen Betrieb für Präzisionswerkzeuge in der Nähe von Braunschweig und hatte dieses Halsband so perfekt internalisiert, dass sie es für ihre eigene Wirbelsäule hielt. Eines Morgens – ein Dienstag im Spätherbst, der Himmel die Farbe von nassem Zeitungspapier – goss sie sich einen doppelten Espresso ein, der eigentlich viel zu teuer war für einen normalen Dienstag, und verschüttete ihn über ihre linke Hand.
Der Schmerz kam sofort, scharf und hell wie ein kleiner Blitz. Aber was sie viel mehr erschreckte als die Verbrennung war das Gefühl, das gleichzeitig hochkroch: eine winzige, verräterische Freude. „Es tut weh“, dachte sie, „und trotzdem fühlt es sich lebendig an.“
Sie starrte auf die roten Flecken auf ihrer Haut und begriff zum ersten Mal bewusst, dass sie sich fast schämte, weil der Moment nicht nur schmerzhaft, sondern auch intensiv war.
Der Tag, an dem Marta den Kaffee verschüttete
An diesem Dienstag passierte nichts Weltbewegendes. Kein Unfall. Keine Kündigung. Keine große Liebe. Nur ein verschütteter Kaffee, eine leichte Verbrennung und der Nachhall eines Gedankens, der sich nicht mehr wegschieben ließ:
„Ich habe gerade etwas gespürt. Und es war nicht nur schlecht.“
Sie fuhr nicht sofort zum Arzt. Stattdessen setzte sie sich in der kleinen Kantine ans Fenster, hielt die Hand unter kaltes Wasser und begann, sich zu erinnern. Nicht an die großen Katastrophen – die gab es kaum. Sondern an die kleinen Verbote, die sie sich selbst auferlegt hatte.
„Du darfst nicht zu lange glücklich sein, sonst kommt der Absturz.“ „Wenn du dich freust, merkst du später den Verlust doppelt.“ „Anderen geht es schlechter – was bildest du dir ein?“
Sie hatte diese Sätze nie laut ausgesprochen. Sie waren wie Hintergrundrauschen, das man erst wahrnimmt, wenn es plötzlich weg ist.
Warum wir glauben, Glück müsse verdient werden
Die meisten von uns haben eine unsichtbare Waage im Kopf. Auf der einen Schale liegt, was wir tun (Arbeit, Disziplin, Hilfsbereitschaft, Verzicht). Auf der anderen Schale liegt, was wir uns erlauben dürfen (Ruhe, Genuss, Leichtigkeit, Vergnügen).
Die Waage darf nie kippen. Wenn die rechte Schale zu schwer wird, schieben wir sofort etwas auf die linke: Schuld, Sorge, ein schlechtes Gewissen, einen Streit, eine Erinnerung an etwas, das wir falsch gemacht haben.
Das ist keine bewusste Strategie. Es ist ein uraltes, sehr effizientes Überlebensprogramm. Glück war in der Evolution ein riskanter Luxus. Wer zu lange auf der Wiese lag und Gras kaute, wurde gefressen.
Heute werden wir nicht mehr von Säbelzahntigern gefressen. Stattdessen fressen wir uns selbst.
Die kleine, fiese Diebstahl-Mechanik des Alltags
Jeden Tag passieren winzige Diebstähle.
Du wachst auf und denkst drei Sekunden lang: „Heute könnte ein guter Tag werden.“ Sofort schiebt sich ein Gedanke davor: „Aber gestern war scheiße, und morgen wird es wahrscheinlich wieder scheiße.“
Du bekommst ein Kompliment. Sofort denkst du: „Der will was von mir.“ Oder: „Warte ab, bis er mich richtig kennt.“
Du sitzt in der Mittagspause in einem Sonnenstrahl und fühlst dich für sieben Sekunden wohl. Genau in diesem Moment klingelt das Telefon, und die Stimme deines Chefs sagt: „Können Sie mal kurz…?“
Das sind keine großen Tragödien. Das sind kleine, präzise ausgeführte Diebstähle. Und der Dieb bist du.
Wenn die eigene Biografie gegen dich arbeitet
Manche Menschen haben eine Kindheit, die wie ein gut geschriebener Vertrag gegen Glück formuliert ist.
„Wenn du dich freust, wird es dir weggenommen.“ „Wenn du laut lachst, kommst du in Teufels Küche.“ „Wenn du etwas willst, bist du egoistisch.“
Marta erinnerte sich an ihre Großmutter, die immer sagte: „Kind, man darf das Leben nicht zu sehr lieben, sonst fordert es am Ende einen höheren Preis.“ Sie sagte es mit einem Lächeln, aber das Lächeln war schief und müde, als hätte sie den Preis schon bezahlt.
Jahrzehnte später stand Marta in ihrer kleinen Wohnung in der Braunschweiger Südstadt, sah auf die nasse Straße hinunter und begriff, dass sie den Vertrag noch immer unterschrieb – jeden Tag neu.
Der Moment, in dem man aufhört zu verhandeln
Es gibt einen Augenblick – meistens ist er unspektakulär –, in dem man aufhört zu verhandeln.
Man sitzt nicht auf einem Berggipfel. Man gewinnt keinen Lottoschein. Man steht einfach in der Küche, hält eine Tasse Tee in der Hand und denkt plötzlich:
„Ich verhandle nicht mehr. Ich habe genug Jahre damit verbracht, mein Glück gegen imaginäre Schulden aufzuwiegen. Ab jetzt gehört es mir. Punkt.“
Das ist kein dramatischer Entschluss. Es ist eher ein leises Auflegen des Telefonhörers. Die Vergangenheit ruft weiter an. Man geht einfach nicht mehr ran.
Glück als radikale Entscheidung gegen die Schwerkraft
Glück ist keine Belohnung. Es ist eine Haltung zur Schwerkraft.
Die Schwerkraft sagt: Alles fällt irgendwann herunter. Freude auch. Liebe auch. Gesundheit auch.
Und du sagst: „Mag sein. Aber bis es herunterfällt, lebe ich es voll aus.“
Das ist radikal. Weil es bedeutet, dass du aufhörst, dich für die Zukunft zu strafen, bevor sie überhaupt eingetreten ist.
Wie man einen inneren Wachposten entlässt
Der innere Wachposten hat einen Job: verhindern, dass du verletzt wirst. Er ist loyal. Er ist tapfer. Er ist erschöpft.
Irgendwann musst du ihn zu dir rufen und sagen:
„Danke. Du hast mich viele Jahre beschützt. Aber ab heute übernehme ich die Nachtschicht selbst. Du darfst schlafen.“
Er wird nicht sofort gehen. Er wird testen, ob du es ernst meinst. Er wird dir Szenarien schicken: Erinnerungen, Ängste, Worst-Case-Gedanken.
Deine Aufgabe ist nicht, ihn zu bekämpfen. Deine Aufgabe ist, ihn müde zu lächeln und zu sagen: „Ich weiß. Ich hab’s verstanden. Trotzdem gehe ich jetzt spazieren.“
Die Kunst, Freude nicht sofort zu entwerten
Freude entwerten ist ein Reflex, den fast jeder von uns beherrscht.
Man hat einen schönen Abend. Sofort denkt man: „Das war aber auch dringend nötig.“ Oder: „Mal sehen, wie lange das hält.“
Man fühlt sich energiegeladen. Sofort denkt man: „Bestimmt kommt bald der Einbruch.“
Das ist keine Schwäche. Das ist ein altes Schutzprogramm.
Man kann es umprogrammieren, indem man die Entwertung laut anspricht, sobald sie kommt.
„Ah, da ist wieder der Gedanke, dass ich das nicht verdient habe.“ „Okay. Danke fürs Melden. Und jetzt genieße ich trotzdem weiter.“
Es klingt banal. Es wirkt trotzdem.
Was bleibt, wenn alles andere wegbricht
Manchmal muss erst etwas zerbrechen, damit man sieht, was unzerbrechlich ist.
Bei Marta war es die Ehe. Nicht laut, nicht dramatisch. Einfach ein leises Auseinanderdriften, bis nur noch Höflichkeit übrig war.
Als sie auszog, nahm sie nur zwei Koffer mit. Und plötzlich war da Raum. Viel Raum.
In diesen Raum zog nicht sofort ein neuer Mensch ein. Es zog Stille ein. Und in der Stille hörte sie zum ersten Mal seit Jahren ihre eigene Stimme, die sagte:
„Ich bin noch da. Und ich will leben.“
Abschied vom Wärter in uns
Der Wärter in uns ist kein Bösewicht. Er ist ein alter Angestellter, der viel zu lange Überstunden gemacht hat.
Man muss ihn nicht feuern. Man muss ihm nur kündigen – freundlich, mit Abfindung in Form von Dankbarkeit.
Und dann geht man hinaus. Ohne Erlaubnis. Ohne schlechtes Gewissen. Mit einer Tasse Kaffee in der Hand, die man diesmal nicht verschüttet.
Zitat
„Die meisten Menschen sterben nicht an gebrochenem Herzen. Sie sterben an gebrochenem Mut.“ — Erich Fried
Hat dir der Text etwas in Bewegung gesetzt? Dann schreib mir gern in die Kommentare: Welchen kleinen, verbotenen Glücksmoment hast du dir heute schon erlaubt – und wie hat sich das angefühlt? Teil ihn mit jemandem, der gerade glaubt, er müsse erst „fertig werden“, bevor er glücklich sein darf.
Über mich – Andreas Schulze
Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.
Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.
Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.
Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.
Meine Bücher findest du hier: Ebooks für deinen Erfolg
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Willkommen auf meiner Seite – und in deiner Erfolgsgeschichte.

Alles, was du liebst, wird vergehen.
Menschen. Momente. Gefühle.
Auch du.
Niemand sagt dir das gern ins Gesicht.
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Es ist ein Countdown.
Rein rechnerisch hast du etwa 625.000 bis 700.000 Stunden auf dieser Welt.
Nicht mehr. Nicht weniger.
Ein Großteil davon verschwindet im Schlaf.
Ein weiterer Teil in Terminen, Pflichten, Ablenkung.
Und plötzlich stehst du da und denkst:
Wo ist all die Zeit geblieben?
Das Licht wird nicht langsam dunkler.
Es geht einfach aus.
Genau deshalb ist Zeit das Wertvollste, was du besitzt –
und gleichzeitig das, was die meisten Menschen am achtlosesten verlieren.
Alles, was du liebst, ist endlich.
Darum ist „später“ eine gefährliche Lüge.
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aber fast jeder irgendwann fühlt:
Eines Tages wachst du auf –
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Wenn du begreifst, dass du nur dieses eine Leben hast,
willst du nicht länger funktionieren.
Du willst fühlen.
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