Licht der Seele – Dein Selbstbild erstrahlt
In einer kleinen Gasse von Bregenz, wo der Bodensee morgens noch silbrig schimmert und der Pfänder wie ein schlafender Riese über der Stadt wacht, saß Lara Hinterseer – eine 34-jährige Landschaftsarchitektin – mit einem dampfenden Wiener Melange in der Hand und starrte auf die Wasserfläche. Sie hatte das Gefühl, dass jemand das Licht in ihrem Inneren ausgeknipst hatte. Nicht plötzlich. Es war ein langsames Dimmen gewesen, Jahr für Jahr, Projekt für Projekt, Kompromiss für Kompromiss.
Du kennst dieses Gefühl vielleicht. Dieses leise, aber beharrliche Flüstern, dass du eigentlich mehr sein könntest – strahlender, sicherer, echter –, aber irgendetwas hält dich in der Grauzone fest. Lara nannte es „die matte Version meiner selbst“. Und genau dort beginnt die Reise, die dich heute zu diesem Text geführt hat.
Inhaltsverzeichnis Was ein echtes Selbstbild überhaupt ist – und was die meisten dafür halten Die unsichtbare Architektur deines inneren Lichts Wie das Selbstbild in der Kindheit zementiert wird Die vier unsichtbaren Diebe deines Strahlens Fallgeschichte: Der Tag, an dem Jonas aufhörte, sich zu verstecken Der europäisch werdende Trend: Identity-first Leadership Die fünf Phasen der Selbstbild-Rekonstruktion Tabelle: Dein aktuelles Selbstbild – Schnell-Check Mini-Übung: Der leere Stuhl Frage-Antwort-Tabelle: Die häufigsten inneren Einwände Poetischer Abschluss – wenn das Licht endlich nach Hause kommt Abschließendes Zitat
Was ein echtes Selbstbild überhaupt ist – und was die meisten dafür halten
Die meisten Menschen glauben, ihr Selbstbild sei einfach die Summe dessen, was sie über sich denken. „Ich bin schüchtern“, „Ich bin chaotisch“, „Ich bin nicht der Typ für Führung“. Das ist ungefähr so zutreffend, wie zu sagen, ein Haus bestehe aus der Tapete. Ein echtes Selbstbild ist die unterstrichen unsichtbare überdachte Architektur, die bestimmt, welche Türen du überhaupt wahrnimmst, welche Treppen du benutzt und in welchen Räumen du dich erlaubst zu atmen.
Es ist keine Meinung. Es ist eine Wahrnehmungsfilter-Brille mit Sehstärke minus neun, die du seit deinem achten Lebensjahr trägst und für Normalität hältst.
Die unsichtbare Architektur deines inneren Lichts
Stell dir vor, dein Selbstbild wäre ein alter, wunderschöner Leuchtturm. Der Sockel = frühe Bindungserfahrungen und elterliche Spiegelung Die Wendeltreppe = wiederholte Erfolgs- und Misserfolgsgeschichten Die Lampe = deine Kernidentität („Ich bin jemand, der…“) Das Glas = die Schutzschicht aus Glaubenssätzen, die verhindert, dass das Licht zu hell wird und jemanden blenden könnte Der Sturm = das Leben selbst, das immer wieder gegen das Glas schlägt
Wenn das Glas zu dick ist, dringt nur ein schwaches, trauriges Licht nach außen. Und genau das sehen die anderen. Nicht dich. Sondern die gedimmte Version, die du für sicher hältst.
Wie das Selbstbild in der Kindheit zementiert wird
In Innsbruck traf ich einmal Matthias Kofler, einen 41-jährigen Bergrettungssanitäter, der mir bei einem Türkischen Kaffee in einer kleinen Teestube am Inn erzählte: „Ich war sieben, als meine Mutter sagte: ‚Du bist halt keiner, der auffällt.‘ Seitdem habe ich alles dafür getan, nicht aufzufallen. Ich bin 1,92 m groß – und schaffe es trotzdem, unsichtbar zu sein.“
Dieser eine Satz hatte sich wie Beton in seine Identität gegossen. Nicht weil er wahr war. Sondern weil er in einem Alter kam, in dem das Gehirn noch keine kritische Instanz besaß. Es nahm die Aussage einfach als Naturgesetz.
Die vier unsichtbaren Diebe deines Strahlens
- Der Vergleichsdieb – er zeigt dir immer nur die bearbeitete Hochglanzversion anderer
- Der Sicherheitsdieb – er flüstert: „Wenn du leuchtest, wirst du beneidet, angegriffen, verlassen“
- Der Perfektionismusdieb – er sagt: „Du darfst erst strahlen, wenn du fehlerfrei bist“ (was nie passiert)
- Der Loyalitätsdieb – er bindet dein Leuchten an die Erlaubnis deiner Ursprungsfamilie, deiner alten Freund*innen, deines alten Ichs
Fallgeschichte: Der Tag, an dem Jonas aufhörte, sich zu verstecken
In einer kleinen Brauerei in Bamberg, wo der Geruch von geröstetem Malz die Luft schwer macht, saß Jonas Röder – 29, Stuckateur mit Meisterbrief – und starrte in sein dunkles Kellerbier. Er hatte gerade seinen dritten Großauftrag abgelehnt. Nicht weil er ihn nicht konnte. Sondern weil er sich nicht zutraute, vor zehn Handwerkern und einem Architekten zu stehen und zu sagen: „So machen wir das.“
An jenem Abend passierte etwas Seltsames. Eine ältere Frau am Nebentisch, eine pensionierte Orgelbauerin, sprach ihn an: „Junger Mann, warum versteckst du dein Licht hinter dem Eimer?“
Jonas lachte höflich. Doch der Satz blieb. In den folgenden Wochen begann er ein Experiment: Er sagte drei Mal pro Tag laut „Ich bin einer, der das kann.“ Erst im Auto. Dann im Baumarkt. Schließlich vor dem Spiegel. Nach acht Wochen nahm er den Auftrag an. Heute leitet er eine eigene kleine Manufaktur für historischen Stuck und hat vier Angestellte. Das Licht war nie weg. Es war nur hinter einem Eimer versteckt.
Der europäisch werdende Trend: Identity-first Leadership
In den USA schon länger etabliert, kommt gerade ein Ansatz nach Mitteleuropa, der radikal anders funktioniert als das klassische Kompetenz-Training: Identity-first Leadership. Statt „Du musst besser präsentieren lernen“ heißt die Prämisse: „Wer du tief innen glaubst zu sein, bestimmt, was du dir überhaupt zutraust zu tun.“
Eine der ersten europäischen Umsetzungen läuft derzeit in skandinavischen Tech-Firmen und in ausgewählten deutschen Mittelständlern. Die Kernfrage lautet nicht „Was kannst du?“, sondern „Wer bist du, wenn du das tust?“ Die Ergebnisse sind verblüffend: Menschen, die jahrelang unter ihrem Potenzial blieben, übernehmen plötzlich Rollen, die sie vorher für „unmöglich“ hielten.
Die fünf Phasen der Selbstbild-Rekonstruktion
Phase 1: Desidentifikation – du erkennst, dass du nicht deine Geschichte bist Phase 2: Dekonstruktion – du spürst die alten Beton-Sätze auf und fühlst ihren kindlichen Ursprung Phase 3: Neubegegnung – du triffst das kleine Kind, das damals den Satz geglaubt hat, und gibst ihm eine neue Antwort Phase 4: Neudefinition – du formulierst aktiv neue Identitätssätze („Ich bin jemand, der…“) und lässt sie durch den Körper sinken Phase 5: Integration – das neue Licht wird Normalität, nicht mehr Anstrengung
Tabelle: Dein aktuelles Selbstbild – Schnell-Check
| Frage | Meistens zutreffend? | Wahrscheinlicher Dieb |
|---|---|---|
| Ich warte, bis ich mich „bereit“ fühle | Ja / Nein | Perfektionismusdieb |
| Ich vergleiche mich ständig mit anderen | Ja / Nein | Vergleichsdieb |
| Ich sage öfter Nein, als ich eigentlich möchte | Ja / Nein | Sicherheitsdieb |
| Ich habe Angst, jemanden zu enttäuschen, wenn ich größer werde | Ja / Nein | Loyalitätsdieb |
Mini-Übung: Der leere Stuhl
Stell einen Stuhl gegenüber. Setz dich hin. Atme dreimal tief. Sprich laut zu dem leeren Stuhl: „Ich bin nicht mehr das Kind, das geglaubt hat, es dürfe nicht leuchten.“ Dann setz dich auf den anderen Stuhl und antworte dir selbst – als das Kind, das du warst – mit der liebsten, stärksten Stimme, die du finden kannst.
Frage-Antwort-Tabelle: Die häufigsten inneren Einwände
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Was, wenn die anderen mich dann nicht mehr mögen? | Dann mögen sie die alte, gedimmte Version – nicht dich. |
| Was, wenn ich scheitere, nachdem ich mich gezeigt habe? | Scheitern ist kein Beweis, dass du nicht strahlen darfst. Es ist nur ein Moment. |
| Ist das nicht egoistisch? | Nein. Ein gedimmtes Licht hilft niemandem. Ein strahlendes schon. |
| Wie lange dauert das? | Bis du den neuen Satz tiefer glaubst als den alten. Bei manchen 6 Wochen, bei manchen 6 Monate. |
| Was ist der erste Schritt? | Den alten Satz laut aussprechen – und dann einen neuen danebenstellen. |
Poetischer Abschluss – wenn das Licht endlich nach Hause kommt
Eines Morgens wachst du auf und merkst: Das Licht war nie weg. Es hat nur darauf gewartet, dass du aufhörst, es zu verstecken. Es fließt jetzt durch deine Hände, wenn du sprichst, durch deine Augen, wenn du zuhörst, durch deine Schritte, wenn du einen Raum betrittst. Und plötzlich ist es nicht mehr anstrengend, hell zu sein. Es ist einfach natürlich. Wie Atmen. Wie Morgentau auf den Wiesen rund um den Pfänder. Wie das leise Klirren der Tasse, wenn Lara Hinterseer jetzt ihren zweiten Wiener Melange bestellt und zum ersten Mal seit Jahren lächelt, weil sie spürt: Das bin ich. Endlich ganz.
„Der Mensch, der sich selbst gefunden hat, strahlt wie ein Leuchtturm – nicht um zu blenden, sondern um den Schiffen den Weg zu zeigen.“ – Khalil Gibran
Hat dir diese Reise ins eigene Licht etwas in Bewegung gesetzt? Dann schreib mir gern in die Kommentare: Welcher alte Satz hat bei dir am lautesten geklungen – und welchen neuen Satz möchtest du stattdessen ab heute flüstern?
Über mich – Andreas Schulze
Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.
Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.
Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.
Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.
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