Kapitel 55: Der Aufstieg von Rom

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Kapitel 55: Der Aufstieg von Rom

Das Artefakt in Lyras Hand flimmerte erneut auf, als der gewohnte Sog sie in die Ströme der Zeit zog. Die Luft um sie herum war von einer seltsamen, elektrischen Spannung durchzogen, als sie sich erneut in der Zeitlinie bewegten. Diesmal war es anders – der Lichtschimmer war intensiver, die Reise schneller, als ob die Zeit sich selbst gegen sie stemmte.

Als der Strudel der Zeit abebbte, fanden sie sich auf einer steilen Hügelspitze wieder. Vor ihnen erstreckte sich das weitläufige, strahlende Rom. Die Pracht dieser Stadt war überwältigend – mächtige Säulen, goldene Tempel und imposante Paläste, die in der Sonne glitzerten. Doch nicht alles war friedlich. Ein unsichtbarer Schatten lag über der Stadt. Der Kampf um die Vorherrschaft in der Mittelmeerwelt hatte begonnen.

„Rom, das Jahr 63 v. Chr.“, sagte Solan leise, als er die Szene erfasste. „Das Imperium steht an der Schwelle eines neuen Zeitalters, doch die dunklen Mächte werden nicht ruhen.“

Lyra konnte die Bedeutung dieses Moments fühlen. „Götter, Völker, Armeen… Diese Zeit ist ein Schmelztiegel. Und die Schatten, sie sind immer noch hier.“

„Wenn wir den Lauf der Geschichte ändern wollen, müssen wir den Schatten dort treffen, wo sie am stärksten sind“, sagte Kai und zog sein Schwert, das sich nun in eine römische Gladius verwandelt hatte, passend zu der Zeit.

„Wir müssen uns der Geschichte stellen“, erwiderte Myria Dunkelmond und streckte die Hände aus, um Nebel zu weben, der die Gruppe in einen Schleier aus Dunkelheit hüllte, der sie vor neugierigen Blicken schützte. „Aber nicht ohne vorher eine Verbündete zu finden.“

Seraphine Veyra trat nach vorne, die Hände auf den Kopf gelegt, als ob sie in die Zukunft blickte. „Ich sehe ein Bild… Rom steht vor einer Entscheidung, einem Wendepunkt. Julius Caesar, ein Mann der Ambitionen, wird bald seine Macht ausspielen. Doch er wird nicht allein sein. Andere, noch ungenannte Kräfte, werden auf ihn einwirken.“

„Das klingt nicht gut“, murmelte Kai. „Wir müssen sicherstellen, dass dieser Weg nicht mit den Schatten der Dunkelheit gespickt wird.“

Om 25

„Vor allem, weil der Schatten in den Reihen der römischen Herrscher selbst lauert“, fügte Solan hinzu. „Jeder dieser großen Männer hat seine eigenen Geheimnisse, und es gibt einen, der das Imperium von innen heraus zerschmettern will: Gaius Verres, der Gouverneur Siziliens. Er ist ein unaufhaltbarer Gegner der Republik, ein Spieler im Spiel der dunklen Mächte.“

Die Gruppe trat näher an die Stadt, die Geräusche des Marktes und die Hektik des Straßenlebens waren kaum zu überhören. Doch als sie in die Gassen von Rom vordrangen, bemerkten sie sofort die unheimliche Präsenz der Schatten. Sie schlichen sich durch die engen Gassen und dunklen Ecken, als ob sie bereits in den verborgenen Falten der Geschichte lebten.

„Was, wenn wir den Ursprung dieser Schatten direkt im Herzen Roms finden?“ fragte Selena Arinthal, ihre Hände auf ihren Stab gelegt, der in dieser Zeit wie ein einfacher, aber mächtiger römischer Lichtstab aussah. „Wenn wir die Quelle der Dunkelheit zerstören, könnten wir die Zukunft von Rom selbst verändern.“

„Es ist ein riskantes Unterfangen“, sagte Myria. „Doch der Weg führt uns genau dorthin.“

Sira Valeris, die sich während des Gesprächs in einen schlanken Panther verwandelt hatte, sprang geschmeidig in die Dunkelheit und schnüffelte an den Wänden. „Die Dunkelheit ist überall, aber die Quelle ist näher als wir denken.“

„Wir müssen Gaius Verres finden“, sagte Lyra entschlossen. „Wenn er wirklich mit den Schatten in Verbindung steht, dann wird er unser Schlüssel sein.“

Der Weg führte sie zu einem prächtigen Palast am Rand von Rom, der für den Gouverneur selbst bestimmt war. Als sie das Gebäude betraten, bemerkten sie, dass die Wände mit dunklen Ranken bewachsen waren, die sich wie lebendig durch die Marmoroberflächen windeten.

„Es wird nicht einfach, hier einzudringen“, sagte Kai, als er die Wachen vor dem Eingang betrachtete.

„Wir brauchen keinen Plan B“, antwortete Myria, als sie den Nebel erneut einsetzte und die Wachen mit einem Schleier der Illusionen verschwimmen ließ. „Vorwärts.“

Im Inneren des Palastes fanden sie, was sie suchten – Gaius Verres, der in einem Raum voller Schriften und geheimen Dokumenten saß. Doch etwas war nicht in Ordnung. Die Luft war schwer, und als sie sich ihm näherten, blickte er auf und grinste finster.

„Ich wusste, dass ihr kommen würdet“, sagte Verres mit einer Stimme, die so kalt war, dass sie den Raum durchdrang. „Ihr habt euch zu spät eingemischt. Die Schatten haben schon längst den wahren Herrscher Roms gewählt.“

Es war Mephos, der dunkle Regent, der im Schatten stand und seine Macht wie eine Welle über sie brachte. „Ihr glaubt, die Geschichte zu kontrollieren? Ihr seid Narren, die sich in den Falten der Zeit verlieren. Der wahre Kampf ist nicht hier, sondern dort, wo die Schatten das gesamte Imperium verschlingen.“

Die Gruppe stürzte sich erneut in den Kampf. Myria und Seraphine leiteten die Verteidigung, während Selena das Licht in mächtigen Blitzen sammelte und Kai mit seinem Schwert versuchte, den dunklen Regent zu konfrontieren.

„Das Artefakt!“ rief Lyra. „Wir müssen es wieder aktivieren!“

Sie hob das Artefakt an ihren Hals, das in einer Silberkette lag und nun zu einem antiken römischen Anhänger geworden war. Es pulsierte mit Energie, und als sie es auf die Dunkelheit richtete, begann die Zeitlinie zu flimmern. Der Raum verwirrte sich, als die Fäden der Realität begannen, sich zu entwirren. Mephos schrie auf, als seine Verbindung zu den Schatten aufbrach, und sein Körper zerfiel in Nichts.

„Nicht einmal die Dunkelheit kann sich ewig gegen das Licht stellen“, flüsterte Lyra, als das Artefakt in ihren Händen erstrahlte.

Als der letzte Schatten verschwand, sahen sie sich um. Rom war immer noch da, die glänzenden Säulen und die hohen Mauern, doch ein Gefühl der Veränderung lag in der Luft. Vielleicht hatten sie das Imperium vor dem drohenden Untergang bewahrt. Vielleicht war es ihre Aufgabe, weiter zu kämpfen – gegen die Dunkelheit, gegen die Schatten, die die Geschichte zu verzerren versuchten.

„Es ist noch nicht vorbei“, sagte Kai, der langsam seine Rüstung ablegte und in die Ferne blickte. „Es gibt noch so viel, was wir tun müssen.“

„Und wir werden es tun, gemeinsam“, sagte Solan. „Denn die Zeit ist nicht das Ende, sondern der Beginn.“

„Und wir sind nicht die Retter der Geschichte“, fügte Myria hinzu, „sondern die Wächter der Zukunft.“

Lyra nickte. Das Abenteuer, das durch die Zeit führte, war noch lange nicht vorbei. Und die nächste Reise stand bereits bevor.

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