Kapitel 17: Der Ruf des Pharaos

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Kapitel 17: Der Ruf des Pharaos

Die Gruppe trat in den ägyptischen Raum ein, und sofort spürten sie die drückende Hitze der Sonne, die durch goldene Festeröffnungen in den steinernen Mauern des Raumes schien. Lyra blickte auf, die Wände des Tunnels hatten sich in imposante Hallen verwandelt, die von riesigen, steinernen Säulen gestützt wurden. Hier war es still, bis auf das gelegentliche Knistern von Flammen, die in schmiedeeisernen Kandelabern flackerten. Die Atmosphäre war ehrfurchtgebietend, und der Eindruck von Alter und Macht war allgegenwärtig.

„Das ist Ägypten“, murmelte Kai, „zur Zeit von Echnaton und Nefertiti. Doch etwas fühlt sich anders an. Es ist, als ob dieses Land etwas noch viel älteres verbirgt.“

Solan betrachtete die Wände, auf denen Reliefs und Hieroglyphen in schimmerndem Gold glänzten, und sein Blick war konzentriert. „Es ist nicht nur die Zeit von Echnaton, Kai. Dies ist der Übergang zwischen dem Alten und dem Neuen. Und ich vermute, dass wir Zeugen eines groß angelegten Umbruchs sind – von mehr als nur der Geschichte Ägyptens.“

Lyra zog ihre Hände an sich, als sich ihre Kleidung veränderte. Das grüne Gewand, das sie bisher getragen hatte, verwandelte sich in ein edles, hellbeiges Kleid aus feinstem Leinen. Die weichen Falten des Stoffes ließen sie fast königlich wirken. Ihr Dolch, der in den Händen zuvor noch schimmerte, verwandelte sich nun in ein elegantes Messer, das an ihrem Gürtel baumelte – ein Werkzeug der Ahnen, nicht für den Kampf, sondern für rituelle Zwecke. Der Anhänger um ihren Hals strahlte in einem sanften, goldenen Licht.

„Wirklich beeindruckend“, sagte Kai, als auch er sich seiner neuen Kleidung bewusst wurde. Er trug nun einen schlichten, aber robusten weißen Leinenkilt und eine breite Tunika, die ihn an die Krieger dieser Epoche erinnerte. Seine Armbrust war verschwunden, durch einen eleganten Speer ersetzt, dessen Spitze in der Halle schimmerte.

„Das Labyrinth lässt uns nicht nur die Vergangenheit erleben“, erklärte Kalos, „es passt uns an, als wäre es die natürliche Ordnung. Jeder von euch wird die Essenz der jeweiligen Zeit tragen.“

Om 25

Solan nickte zustimmend, während sein Gewand nun die Form eines alten Gelehrten nahm. Ein violetter Umhang mit goldenen Stickereien legte sich um seine Schultern. Das silberne Amulett an seiner Brust, das er zuvor immer unter seiner Kleidung verborgen getragen hatte, war nun in der Form einer medaillonartigen Kette sichtbar. „Unsere Reise ist keine gewöhnliche Zeitreise“, sagte er, „wir werden uns nicht nur in der Vergangenheit bewegen, sondern auch in den Strömen der Geschichten, die diese Orte überdauern.“

Plötzlich, ohne Vorwarnung, war der Raum von einer seltsamen Energie erfüllt, die in der Luft zu vibrieren schien. Eine eisige Kälte durchbrach die Halle. Vor ihnen erschien eine majestätische Gestalt: eine Frau, aufrechter Gang, mit königlicher Haltung, und ihr Gesicht von einer Maske bedeckt, die nur ihre Augen freigab. Es war Nefertiti, die Königin von Ägypten, deren Schönheit in den alten Erzählungen bis heute verehrt wurde. Doch ihre Augen trugen einen Ausdruck von Weisheit und einer Dunkelheit, die tief aus der Geschichte selbst stammte.

„Wer wagt es, den heiligen Palast der Sonne zu betreten?“ Ihre Stimme klang wie ein Rauschen von Wind über die Wüste. Sie war nicht böse, aber ihr Blick schien unnachgiebig.

„Wir sind auf der Suche nach dem Wissen der Zeit“, antwortete Lyra mit einer Entschlossenheit, die sie selbst überraschte. „Wir sind gekommen, um die Chronoskala zu entschlüsseln und zu verhindern, dass der Lauf der Geschichte entgleitet.“

Nefertiti schien für einen Moment nachzudenken. „Eure Reise führt euch in Bereiche, die über das Verständnis eines Sterblichen hinausgehen. Ihr müsst bereit sein, euer Leben und eure Wahrnehmung zu verändern. Das Wissen, das ihr sucht, kann nicht ohne Konsequenzen erlangt werden.“

„Wir sind bereit, den Preis zu zahlen“, sagte Solan ruhig, seine Stimme fester, als er selbst es erwartete.

Die Königin nickte, und plötzlich veränderte sich der Raum um sie herum. Die goldenen Wände schienen zu verblassen, und die Hallen wichen einer riesigen Pyramide, die im Zentrum des Raumes auftauchte. Ihr Inneres war ein Labyrinth von steinernen Gängen, und in der Mitte schwebte ein leuchtendes Artefakt. Es war der „Ring der Zeit“, der in einem strahlenden Schein pulsierte.

„Der Ring“, flüsterte Kalos. „Er wird eure Verbindung zur Chronoskala herstellen. Doch der Weg dorthin ist von Prüfungen gesäumt, die jede eurer Ängste und Zweifel hervorrufen werden. Ihr müsst euch den Geistern der Vergangenheit stellen.“

Die Gruppe trat auf die Pyramide zu, als sich die Luft um sie herum plötzlich verdichtete. Jeder von ihnen spürte eine kalte Hand an seinem Inneren, als die Wände des Labyrinths sich erneut verschoben und neue Türen öffneten. Sie führten sie tiefer in das Reich der Zeit.

„Es ist, als ob wir durch eine Ewigkeit schreiten“, murmelte Kai, als die Hallen sich weiter öffneten. „Wie sollen wir wissen, dass wir den richtigen Pfad wählen?“

„Vertraue deinem Instinkt“, sagte Solan. „Die Reise ist nicht nur physisch. Sie ist eine Reise zu deinem innersten Selbst.“

Nefertiti trat zurück, und eine neue Gestalt erschien vor ihnen. Ein Mann in königlicher Rüstung, der wie ein Pharao selbst wirkte. Er war mächtig und imposant – ein König aus den frühesten Tagen der ägyptischen Geschichte. „Kreig“, sagte Kalos leise, „der legendäre König des alten Ägyptens. Er galt als unbesiegbar, bis das Schicksal ihn forderte.“

Der König, der als Konnor bekannt war, sprach mit einer Stimme, die die Stärke der Zeit selbst innehatte. „Ihr sucht Wissen, doch was ist es, das euch antreibt? Wollt ihr die Vergangenheit verstehen oder sie kontrollieren?“

Die Gruppe stand da, unsicher, wie sie antworten sollte. Doch dann, als die Zeit stillzustehen schien, trat Lyra einen Schritt nach vorn. Sie spürte das Gewicht der Geschichte in ihren Händen und wusste, dass der richtige Weg nur durch das Vertrauen in sich selbst und in die anderen zu finden war.

„Wir suchen Antworten“, sagte sie mit fester Stimme. „Antworten, die uns ermöglichen, die Welt zu verändern, ohne sie zu zerstören.“

„Dann nehmt den Ring“, sagte Konnor und trat zur Seite. „Doch seid gewarnt: Ein wahrer Herrscher der Zeit versteht es, mit der Vergangenheit zu leben, ohne in ihr zu verharren. Der Weg wird schwer sein, aber er ist der einzige, den ihr wählen könnt.“

Mit diesen Worten legte sich der Ring der Zeit in Lyras Hand. Es war der Moment, auf den sie so lange hingearbeitet hatten. Doch noch immer lag der größte Test vor ihnen. Der Pfad war lang, und sie wussten, dass sie nur durch die Erkenntnis der Vergangenheit die Zukunft retten konnten. Doch sie waren bereit, die Reise fortzusetzen – Seite an Seite, durch die Tiefen der Geschichte und des Wissens, das in den Tiefen der Zeit verborgen war.

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