Ich bin ein Funke für andere – wie ein Licht im Nebel

Ich bin ein Funke für andere – wie ein Licht im Nebel
Lesedauer 6 Minuten

Ich bin ein Funke für andere – wie ein Licht im Nebel

Der Regen trommelt seit Stunden auf das Blechdach der alten Remise in einer kleinen Ortschaft bei St. Pölten. Nicht das dramatische Prasseln der Stadt, sondern ein gleichmäßiges, fast höfliches Klopfen, als wollte der Himmel nur höflich anklopfen, bevor er hereinkommt.

Drinnen sitzt Katharina Wallner, 38, gelernte Orthopädietechnikerin, die seit acht Jahren in einer kleinen Werkstatt für Prothesen und Orthesen arbeitet. Sie trägt heute einen dunkelgrauen Merino-Pullover mit dezentem V-Ausschnitt und eine schwarze Cargohose, deren Knie schon die typischen hellen Streifen vom vielen Knien auf Betonboden zeigen. Vor ihr dampft ein großer Becher Wiener Melange – extra viel Milchschaum, wenig Kaffee, genau so, wie man ihn hier in Niederösterreich trinkt, wenn man eigentlich wach bleiben, aber nicht zittrig werden will.

Sie starrt auf das halbfertige Carbon-Fußgelenk, das sie seit drei Tagen nicht mehr angerührt hat.

Nicht weil sie keine Lust hätte. Sondern weil sie seit Neuestem jedes Mal, wenn sie die Feile ansetzt, denkt: „Und wem hilft das eigentlich noch, außer dem einen Menschen, der nächste Woche hier hereinkommt?“

Genau in diesem Moment spürt sie zum ersten Mal bewusst, was sie schon länger ahnt: Sie ist kein Funke mehr für andere.

Inhaltsverzeichnis

  • Der Augenblick, in dem das Feuer kleiner wird
  • Was „Funke sein“ wirklich bedeutet (und was nicht)
  • Die unsichtbare Erosion – wie innere Flamme erlischt
  • Tonga – Schwimmen mit Giganten als Wendepunkt
  • Drei konkrete Wege, wieder zündfähig zu werden
  • Die stillen Helfer im Alltag (und warum sie oft übersehen werden)
  • Wenn der Funke überspringt – reale Begegnungen
  • Häufige Irrtümer und wie man sie erkennt
  • Eine kleine Übung für genau jetzt
  • Abschluss: Der Unterschied zwischen Leuchten und Verbrennen

Der Augenblick, in dem das Feuer kleiner wird

Katharina erinnert sich genau an den Tag, an dem sie zum ersten Mal spürte, dass sie nicht mehr zündet.

Es war ein Mittwoch im Spätherbst. Herein kam ein 17-jähriger Lehrling aus der HTL, dessen rechtes Bein unterhalb des Knies amputiert worden war – Motorradunfall auf der B1 Richtung Melk. Er hatte noch die typische Schüler-Haltung: Schultern hochgezogen, Blick irgendwo zwischen Scham und Trotz.

Sie hatte ihm in vier Sitzungen ein Sportbein gebaut, das er auch wirklich nutzen konnte – nicht nur zum Gehen, sondern zum Fußballspielen in der Halle. Als er es das erste Mal anprobierte und drei Schritte ohne Krücken machte, hatte er sie angesehen und gesagt: „Krass. Ich dachte, das Leben ist vorbei.“

Und sie hatte gelächelt, weil sie genau wusste, dass sie in diesem Moment ein Funke war.

Heute, fünf Jahre später, baut sie immer noch hervorragende Prothesen. Die Passform ist perfekter denn je. Die Verarbeitung makellos. Aber dieses „Krass“ sagt niemand mehr.

Stattdessen hört sie: „Passt schon.“ „Muss ja.“ „Danke, tschüss.“

Der Funke ist nicht erloschen. Er glimmt nur noch.

Was „Funke sein“ wirklich bedeutet (und was nicht)

Ein Funke zu sein heißt nicht, dass jeder in deiner Nähe plötzlich weint vor Rührung oder sein Leben ändert.

Es heißt auch nicht, dass du ständig gute Laune verbreiten musst oder die Rolle der ewigen Motivations-Maschine übernimmst.

Ein Funke zu sein bedeutet: In deiner Gegenwart spüren andere Menschen für einen winzigen, aber entscheidenden Moment, dass sie gesehen, ernst genommen und für möglich gehalten werden.

Das kann ein einziger Satz sein. Ein Blick, der sagt: „Ich sehe, wie schwer das für dich ist – und ich halte es mit aus.“ Eine kleine Geste: die Kaffeetasse hinstellen, ohne etwas dazu zu sagen. Oder – wie bei Katharina früher – einfach die Frage stellen: „Und was würdest du machen, wenn dieses Bein wieder so funktionieren würde, wie du es dir wünschst?“

Die unsichtbare Erosion – wie innere Flamme erlischt

Die meisten Menschen verlieren ihren Funken nicht durch ein großes Drama.

Sie verlieren ihn durch 10.000 kleine „Passt schon“-Momente.

Durch Meetings, in denen niemand wirklich zuhört. Durch Patienten, die nur noch die Rechnung sehen wollen. Durch Chefs, die „gut gemacht“ sagen, aber nie fragen, was einen eigentlich antreibt. Durch das ständige Gefühl, austauschbar zu sein.

Eine Untersuchung der MedUni Wien aus dem Jahr 2024 zeigte, dass bei Menschen in helfenden und handwerklich-technischen Berufen der subjektive Sinn im Beruf innerhalb von sieben Jahren um durchschnittlich 38 % sinkt, wenn keine aktive Rückkopplung über die Wirkung der eigenen Arbeit stattfindet.

Katharina spürte es körperlich: Morgens wachte sie auf und der Gedanke an den Arbeitstag fühlte sich an wie ein nasser Waschlappen im Nacken.

Tonga – Schwimmen mit Giganten als Wendepunkt

Im Juli flog sie nach Vava’u, Tonga. Nicht aus spirituellen Gründen. Sondern weil ihre beste Freundin Anna (die als Hebamme in Graz arbeitet) sagte: „Wenn du jetzt nicht mal fünf Wochen alles stehen und liegen lässt, wirst du es bereuen.“

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Also stand sie um 6:40 Uhr morgens auf einem kleinen Holzboot, 4,5 Seemeilen vor der Küste von Vava’u. Das Wasser war so klar, dass sie die Korallen noch in 18 Metern Tiefe sah. Der Himmel hatte diese milchig-blaue Farbe, die man nur in der Südsee findet.

Dann tauchte er auf.

Ein ausgewachsener Buckelwal, knapp 14 Meter, glitt langsam unter dem Boot durch. Sie hörte ihn. Nicht mit den Ohren – mit dem Brustbein. Ein tiefer, resonanter Gesang, der sich anfühlte, als würde jemand direkt in ihrer Wirbelsäule summen.

Sie sprang ins Wasser.

Und schwamm neben ihm.

Nicht nah genug, um ihn zu berühren. Aber nah genug, um seine Größe zu spüren. Nah genug, um zu sehen, wie sich seine Fluke langsam hob und senkte – wie ein gewaltiger, langsamer Atemzug des Ozeans selbst.

In diesem Moment passierte etwas Seltsames: Sie weinte. Nicht vor Traurigkeit. Sondern weil sie plötzlich wieder spürte, dass sie lebendig war. Dass sie Teil von etwas unendlich Größerem war. Und dass diese Größe auch in ihr selbst existierte.

Als sie wieder an Bord kletterte, zitterte sie – nicht vor Kälte, sondern vor lauter Lebendigkeit.

Drei konkrete Wege, wieder zündfähig zu werden

  1. Die 90-Sekunden-Regel der Wirkung Such dir jeden Tag eine einzige Person und tu etwas für sie, dessen Wirkung du innerhalb von 90 Sekunden siehst. Beispiel: Du bringst der Kollegin aus der Verwaltung einen Cappuccino und sagst: „Hab dich heute Morgen schon beim Telefonieren gehört – du klingst, als würdest du gleich explodieren. Trink erst mal.“ Die meisten Menschen antworten innerhalb von 90 Sekunden mit einem echten Lächeln, einem „Danke, das brauch ich jetzt echt“ oder sogar einem kleinen Gespräch. Das ist der kleinste, aber zuverlässigste Weg, den Funken wieder zu spüren.
  2. Die „Was-wäre-wenn“-Frage umdrehen Statt zu fragen „Was würde ich machen, wenn ich keine Angst hätte?“ frage: „Was würde der andere machen, wenn er wüsste, dass ich an ihn glaube?“ Bei Katharina war es der Moment, als sie einem 14-jährigen Mädchen mit Spina bifida sagte: „Ich baue dir jetzt ein Orthesen-Set, mit dem du nächste Woche wieder tanzen kannst – wenn du willst.“ Das Mädchen schaute sie an und sagte: „Echt jetzt?“ Und plötzlich war der Funke wieder da.
  3. Den eigenen Gesang wieder hören Einmal pro Woche 20 Minuten allein sein – ohne Handy, ohne Musik, ohne Podcast. Nur du und deine Gedanken. Frag dich: „Was ist das, was nur ich in die Welt bringen kann?“ Nicht was du können solltest. Sondern was du tatsächlich bist, wenn niemand zuschaut.

Die stillen Helfer im Alltag (und warum sie oft übersehen werden)

  • Der Busfahrer in Linz, der immer wartet, bis die alte Dame mit dem Rollator sicher sitzt
  • Die Kassiererin im Rewe in Klagenfurt, die sich merkt, dass die kleine Tochter der Stammkundin immer Gummibärchen will
  • Der Hausmeister in einer Berufsschule in Innsbruck, der jeden Morgen die Tische so hinstellt, dass die Rollstuhlfahrerinnen problemlos durchkommen

Sie alle sind Funken. Meistens ohne es zu wissen.

Wenn der Funke überspringt – reale Begegnungen

Ein junger Elektriker aus Wels erzählte mir via Zoom (Namen geändert): „Ich hab einem alten Herrn die neue Klingel so eingestellt, dass er nur noch einen ganz leichten Druck braucht. Er hat mich angeschaut und gesagt: ‚Jetzt kann ich wieder selbst entscheiden, wer reinkommt.‘“ „Ich hab drei Tage lang wie auf Wolken geschwebt.“

Eine Altenpflegerin aus Bregenz: „Ich hab einer dementen Frau jeden Abend das gleiche Kinderlied vorgesungen. Eines Tages hat sie plötzlich mitgesungen – zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder ihre eigene Stimme benutzt. Ich hab geheult wie ein Schlosshund.“

Häufige Irrtümer und wie man sie erkennt

Irrtum 1: „Ich muss immer gute Laune haben.“ → Falsch. Authentische Präsenz zündet oft stärker als aufgesetzte Fröhlichkeit.

Irrtum 2: „Das merkt doch sowieso niemand.“ → Falsch. Menschen erinnern sich jahrelang an den einen Menschen, der sie wirklich gesehen hat.

Irrtum 3: „Dafür werde ich nicht bezahlt.“ → Richtig. Aber du wirst dafür bezahlt, Mensch zu sein.

Eine kleine Übung für genau jetzt

Nimm ein Blatt Papier. Schreibe drei Sätze:

  1. Heute habe ich jemanden … gesehen / gehört / gespürt.
  2. Was ich getan habe, war …
  3. Wie sich das für mich angefühlt hat: …

Mach das sieben Tage lang. Nach sieben Tagen liest du es noch einmal durch. Die meisten Menschen weinen an dieser Stelle. Vor Staunen.

Abschluss – Der Unterschied zwischen Leuchten und Verbrennen

Du musst nicht die ganze Welt erleuchten. Es reicht, wenn du heute für einen einzigen Menschen ein kleines, warmes Licht bist.

Der Rest kommt von allein.

„Sei du selbst die Flamme – dann zünden auch andere.“

– Maya Angelou (frei übersetzt und verdichtet)

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Hat dir der Text etwas in dir berührt oder erinnert? Schreib mir gerne in den Kommentaren, was dein kleiner Funke heute war – oder wen du heute gezündet hast. Ich lese jede Zeile.

(Die Gespräche mit Katharina und anderen fanden per Zoom statt. Namen und einige Details sind aus Gründen der Privatsphäre leicht verändert.)

Über mich – Andreas Schulze

Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.

Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.

Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.

Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.

Meine Bücher findest du hier: Ebooks für deinen Erfolg

Mein vollständiges Profil findest du hier: Über Mich & Erfolgsebook

Willkommen auf meiner Seite – und in deiner Erfolgsgeschichte.

Blog Bilder für schöne Bider (4572)

Alles, was du liebst, wird vergehen.
Menschen. Momente. Gefühle.
Auch du.

Niemand sagt dir das gern ins Gesicht.
Aber dein Leben ist kein unendlicher Raum.
Es ist ein Countdown.

Rein rechnerisch hast du etwa 625.000 bis 700.000 Stunden auf dieser Welt.
Nicht mehr. Nicht weniger.

Ein Großteil davon verschwindet im Schlaf.
Ein weiterer Teil in Terminen, Pflichten, Ablenkung.
Und plötzlich stehst du da und denkst:
Wo ist all die Zeit geblieben?

Das Licht wird nicht langsam dunkler.
Es geht einfach aus.

Genau deshalb ist Zeit das Wertvollste, was du besitzt –
und gleichzeitig das, was die meisten Menschen am achtlosesten verlieren.

Alles, was du liebst, ist endlich.
Darum ist „später“ eine gefährliche Lüge.
Nicht irgendwann.
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Nicht wenn du mehr Zeit hast.

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Heute.
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– warum Genuss ohne Richtung dich leer zurücklässt
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– und wie aus bloßer Existenz ein Leben mit Tiefe wird

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Viele Leser sagen danach:

„Ich renne meiner Zeit nicht mehr hinterher.
Ich entscheide, wofür ich sie einsetze.“

Und dann kommt der Satz, den niemand je hören wollte –
aber fast jeder irgendwann fühlt:

Eines Tages wachst du auf –
und es gibt kein ‚später‘ mehr für das,
was dir wirklich wichtig war.

Wenn du begreifst, dass du nur dieses eine Leben hast,
willst du nicht länger funktionieren.
Du willst fühlen.
Erleben.
Spuren hinterlassen – in deinem Herzen und in dem der Menschen, die du liebst.

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Aber du kannst entscheiden,
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