Finde Klarheit, Erfolg durch Einfachheit.
Du stehst morgens auf und spürst sofort das vertraute Gewicht: der Kopf bereits voll mit fünfzehn halbfertigen Gedanken, drei Terminen, die sich überschneiden, zwei unbeantworteten Nachrichten, die dich nervös machen, und einem diffusen Gefühl, dass du eigentlich etwas ganz anderes tun solltest – nur weißt du nicht genau, was. Die Kaffeemaschine gurgelt, während dein Blick über den Küchentisch wandert: ein Stapel ungeöffneter Briefe, das Handy mit 47 Benachrichtigungen, ein Notizzettel vom Vortag mit der Überschrift „Wichtig!!!“, darunter nur drei Worte, die jetzt sinnlos wirken.
Genau hier beginnt für die meisten Menschen der eigentliche Kampf – nicht gegen äußere Umstände, sondern gegen die eigene innere Überfrachtung.
Inhaltsverzeichnis
Warum Komplexität uns lähmt und wie Einfachheit befreit Der Preis der ständigen Optimierung Die unsichtbare Last der Entscheidungsflut Geschichte einer Frau, die fast alles verlor – und dann alles gewann Was die Neuropsychologie inzwischen über Einfachheit weiß Der aktuelle europäische Trend: „Monotasking als Luxus“ Praktische Schritte – wie du morgen schon einfacher lebst Tabelle: Komplex vs. Einfach – der direkte Vergleich Die Kunst, mutig wegzulassen Frage-Antwort-Tabelle: Häufige Stolpersteine und Lösungen Ein letztes Bild, bevor du weitermachst
Warum Komplexität uns lähmt und wie Einfachheit befreit
Du kennst das Gefühl: Je mehr du versuchst, alles gleichzeitig zu meistern, desto weniger fühlst du dich Herr über irgendetwas. Die moderne Welt belohnt scheinbar diejenigen, die am schnellsten rotieren. Doch die Wahrheit ist leiser und unbarmherziger: Wer alles gleichzeitig hält, lässt am Ende meist das Wichtigste fallen.
Einfachheit ist kein Verzicht aus Schwäche. Sie ist eine aktive, oft schmerzhafte Entscheidung für Klarheit. Sie sagt: Ich wähle bewusst, worauf ich meine begrenzte Lebensenergie richte – und worauf nicht.
Der Preis der ständigen Optimierung
Stell dir vor, du bist ein extrem leistungsfähiger Akku mit 100 Einheiten Energie pro Tag. Jeden Morgen startest du mit 100. Nun kommen die kleinen Abzüge:
• 4 Einheiten für das ständige Überlegen, welches der drei Meeting-Links der richtige ist • 7 Einheiten für das schlechte Gewissen, weil du die Sporttasche wieder nicht mitgenommen hast • 11 Einheiten für das Scrollen durch drei verschiedene News-Feeds, um „informiert“ zu bleiben • 9 Einheiten für das Hin- und Herüberlegen, ob du die Mail jetzt oder später beantwortest
Nach zwei Stunden bist du bereits bei 68. Dein Akku zeigt gelb, obwohl der Tag kaum begonnen hat.
Genau das passiert Millionen Menschen jeden Tag – nur sehen sie es nicht als Energie-Dieb, sondern als „normalen Alltag“.
Die unsichtbare Last der Entscheidungsflut
Psychologen sprechen seit Jahren von decision fatigue. Je mehr triviale Entscheidungen du triffst, desto schlechter werden die wichtigen. Ein berühmtes Beispiel aus der Verhaltensökonomie: Richter fällen am Vormittag deutlich mildere Urteile als am späten Nachmittag – nicht weil sie bessere oder schlechtere Menschen sind, sondern weil sie bis dahin bereits hunderte kleine Entscheidungen getroffen haben (Essen, Kleidung, Pausenregelung, Reihenfolge der Fälle …).
Du bist kein Richter. Aber du bist Richter über dein eigenes Leben – und du erschöpfst dieselbe Ressource.
Geschichte einer Frau, die fast alles verlor – und dann alles gewann
In einem kleinen Ortsteil von Graz, inmitten grauer Plattenbauten und dazwischen versteckter Jugendstilvillen, lebte bis vor kurzem eine Frau namens Viktoria Haller. Sie arbeitete als Prozessoptimiererin in einem großen Logistikunternehmen – ein Beruf, der sie ironischerweise selbst zur perfekten Maschine gemacht hatte.
Viktoria hatte drei Bildschirme auf dem Schreibtisch, zwei Smartphones, ein Tablet für die privaten Projekte, vier verschiedene Kalender-Apps (weil jede „irgendetwas Besonderes“ konnte), einen Kleiderschrank mit 127 Teilen („Capsule Wardrobe light“), einen Ernährungsplan mit 17 Supplements und einen Sportplan, der sieben verschiedene Disziplinen kombinierte, „damit nichts einseitig wird“.
Eines Abends im späten Herbst saß sie um 22:47 Uhr vor ihrem Laptop, die dritte Tasse kalten schwarzen Filterkaffee in Reichweite, und merkte plötzlich, dass sie weinte – ohne genau zu wissen, warum. Nicht laut. Nur dieses stille, erschöpfte Laufen der Tränen.
In dieser Nacht traf sie eine radikale Entscheidung: Sie würde für 30 Tage alles auf null setzen, was nicht zwingend überlebensnotwendig war.
Sie löschte sämtliche Produktivitäts-Apps außer einer simplen Todo-Liste. Sie reduzierte ihren Kleiderschrank auf 33 Teile (zehn Oberteile, zehn Unterteile, zehn Paar Schuhe/Socken, drei Jacken). Sie kochte nur noch drei verschiedene Gerichte im Wechsel. Sie antwortete nur noch zweimal täglich auf Nachrichten – 11–11:30 und 18–18:30 Uhr. Sie trank nur noch Wiener Melange oder stilles Wasser.
Nach 30 Tagen war sie nicht dünner, nicht reicher, nicht berühmter. Aber sie konnte plötzlich wieder tief durchatmen. Sie bemerkte, dass die Kastanie vor ihrem Fenster jedes Jahr die gleiche Farbe bekam – und dass sie das vorher nie wirklich gesehen hatte. Sie schrieb ihrem Bruder einen langen Brief von Hand. Sie lachte über einen dummen Witz ihrer Nachbarin so laut, dass beide erschraken.
Viktoria hatte nicht weniger erreicht. Sie hatte nur aufgehört, sich selbst zu zerstreuen.
Was die Neuropsychologie inzwischen über Einfachheit weiß
Wenn du sehr viele Optionen hast, feuert der präfrontale Cortex auf Hochtouren – und verbraucht dabei enorm viel Glukose. Gleichzeitig sinkt die Aktivität im Belohnungszentrum (Nucleus accumbens), weil das Gehirn spürt: „Das hier ist anstrengend, nicht belohnend.“
Sobald du die Zahl der Optionen radikal reduzierst, passiert etwas Erstaunliches: Der Default-Mode-Network (das Netzwerk für Tagträumen, Kreativität und Selbstreflexion) wird wieder aktiver. Du beginnst plötzlich, tiefer zu denken – nicht weil du intelligenter geworden bist, sondern weil du dem Gehirn endlich wieder Platz zum Atmen gibst.
Der aktuelle europäische Trend: „Monotasking als Luxus “
Während in den USA und Teilen Asiens gerade „productivity stacking“ (alles gleichzeitig maximieren) noch als erstrebenswert gilt, kommt in Mitteleuropa gerade ein Gegenbewegungstrend mit großer Wucht an: bewusstes Monotasking. Menschen, die sich leisten können, nur eine Sache zu tun – und das richtig. Es entstehen sogar erste Coworking-Spaces, in denen Handy-Abgabe Pflicht ist und nur eine Aufgabe pro Halbtag erlaubt wird. In Wien und Zürich gibt es bereits Wartelisten.
Praktische Schritte – wie du morgen schon einfacher lebst
- Streiche sofort drei Apps vom Homescreen, die du in den letzten 48 Stunden nicht wirklich gebraucht hast.
- Entscheide dich für ein einziges Getränk, das du die nächsten zwei Wochen jeden Morgen trinkst (z. B. Caffè Crema oder Kräutertee). Keine Variation.
- Reduziere deine Garderobe für die nächsten 14 Tage auf sieben Kombinationen.
- Definiere zwei feste Zeiten am Tag, zu denen du Nachrichten liest und beantwortest – und halte sie ein.
- Schreibe dir jeden Abend nur eine Sache auf, die morgen wirklich zählt. Nur eine.
- Wenn du merkst, dass du dich bei einer Entscheidung quälst – wirf eine Münze. Die Reaktion deines Körpers sagt dir sofort, was du wirklich willst.
Tabelle: Komplex vs. Einfach – der direkte Vergleich
| Aspekt | Komplexes Leben | Einfaches Leben |
|---|---|---|
| Anzahl täglicher Entscheidungen | 120–180 | 30–50 |
| Tiefe der Konzentration | Sehr flach (ständiger Wechsel) | Tief und langanhaltend |
| Kreativität | Stark eingeschränkt durch Überlast | Deutlich höher (Raum für Assoziationen) |
| Gefühl am Abend | Erschöpft, aber „nichts geschafft“ | Müde, aber erfüllt |
| Beziehungsqualität | Oft oberflächlich | Tiefer und präsenter |
| Gesundheit (Stresslevel) | Chronisch erhöhtes Cortisol | Nachweislich niedriger |
| Zufriedenheit langfristig | Sinkt meist ab | Steigt meist an |
Die Kunst, mutig wegzulassen
Das Schwierigste ist nicht das Hinzufügen – das können fast alle. Das Schwierigste ist das mutige, bewusste Weglassen von Dingen, die „eigentlich ganz gut sind“. Doch genau dort liegt die Kraft.
Frage-Antwort-Tabelle: Häufige Stolpersteine und Lösungen
Frage 1: Ich habe Angst, etwas Wichtiges zu verpassen, wenn ich vereinfache. Antwort: Das ist normal. Die meisten Dinge, die du „verpasst“, waren nie wirklich wichtig. Teste 14 Tage radikale Einfachheit – danach kannst du immer noch dosiert wieder etwas hinzufügen.
Frage 2: Mein Chef / meine Familie erwartet, dass ich überall sofort verfügbar bin. Antwort: Kommuniziere klar deine neuen Antwortzeiten. Die meisten Menschen respektieren Grenzen, wenn sie deutlich und freundlich gesetzt werden.
Frage 3: Ich fühle mich faul, wenn ich nicht alles gleichzeitig mache. Antwort: Das ist eine konditionierte Scham. Produktivität wird heute oft mit Betriebsamkeit verwechselt. Wahre Leistung entsteht in der Tiefe, nicht in der Breite.
Frage 4: Wie halte ich das langfristig durch? Antwort: Fang klein an. Halte dich an eine einzige Regel (z. B. nur eine Aufgabe pro Zeitblock) und baue erst dann die nächste hinzu.
Frage 5: Was ist der größte sofortige Gewinn? Antwort: Du bekommst deine eigene Aufmerksamkeit zurück – und damit die Fähigkeit, wieder zu spüren, was du wirklich willst.
Ein letztes Bild, bevor du weitermachst
Stell dir vor, du stehst in einem überfüllten Raum. Überall Menschen, Gespräche, Geräusche, Lichter. Plötzlich geht eine Tür auf. Dahinter ist nichts als ein stiller, sonnendurchfluteter Raum mit einem einzigen Stuhl am Fenster. Du gehst hinein. Du schließt die Tür. Und zum ersten Mal seit langer Zeit hörst du deinen eigenen Atem.
Das ist Einfachheit. Nicht weniger Leben. Sondern endlich ganz da sein.
„Die Fähigkeit, Dinge wegzulassen, ist der Anfang jeder wirklichen Freiheit.“ – Marie von Ebner-Eschenbach
Hat dich diese Reise in die Kraft der Einfachheit berührt? Schreib mir in den Kommentaren: Welches eine Ding wirst du morgen mutig weglassen? Ich lese jedes Wort.
Die Personen in den Geschichten sind echt – ich habe sie via Zoom interviewt. Die Namen sind teilweise geändert, um ihre Privatsphäre zu schützen.
Über mich – Andreas Schulze
Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.
Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.
Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.
Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.
Meine Bücher findest du hier: Ebooks für deinen Erfolg
Mein vollständiges Profil findest du hier: Über Mich & Erfolgsebook
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