Erfolgsmotor zünden – oder Motor aus
Der Regen prasselt auf die Blechdächer der alten Werfthallen in Bremerhaven, ein monotones, fast hypnotisches Geräusch. In der kleinen Imbissbude am Kai sitzt eine Frau Ende dreißig, die Kapuze des grauen Hoodies halb über die Augen gezogen, und starrt in einen Pappbecher mit Filterkaffee, der längst kalt geworden ist. Sie heißt Lena Martens. Sie arbeitet seit elf Jahren als Prozessleiterin in der Containerlogistik – Schichtdienst, permanent wechselnde Teams, ständiger Termindruck. Vor drei Wochen hat sie zum dritten Mal in zwei Jahren den Satz gehört: „Wir müssen uns von dir trennen.“ Diesmal war es endgültig.
Sie spürt keinen großen Schmerz mehr. Nur eine Art taube Leere, die sich wie feuchter Nebel in der Brust ausbreitet.
Gleichzeitig sitzt zwei Tische weiter ein Mann, der gerade seinen dritten Americano bestellt hat. Jannik Behrens, 42, selbstständiger Instandhaltungstechniker für Windkraftanlagen auf See. Er hat heute frei, weil der Hubschrauber wegen Starkwind nicht starten konnte. Auf seinem Handy scrollt er durch Stellenanzeigen, die alle dasselbe verlangen: „Hohe Belastbarkeit“, „Flexibilität“, „Bereitschaft zu unregelmäßigen Einsätzen“.
Beide wissen in diesem Moment nicht voneinander – und doch leben sie dieselbe Grundmelodie: der Motor stottert, die Drehzahl fällt, das Warnlämpchen blinkt schon seit Monaten.
Inhaltsverzeichnis
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Der innere Motor – was er wirklich antreibt
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Die vier häufigsten Bremsklötze (und wie sie sich anfühlen)
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Mechanismus 1 – Die unsichtbare Kupplung: innere Erlaubnis
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Mechanismus 2 – Der verstopfte Vergaser: chronische Entscheidungsüberlastung
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Mechanismus 3 – Der defekte Zündverteiler: fehlende Rückmeldungsschleife
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Mechanismus 4 – Der Kraftstofffilter aus Blei: toxische Loyalität
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Zündfunken aus dem Nichts – fünf ungewöhnliche Startmethoden
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Die gefährliche Illusion des „großen Hebels“
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Werkstatt-Tagebuch: was in den letzten 14 Monaten wirklich geholfen hat
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Tabelle: Dein aktueller Motorbetriebszustand (Selbstcheck)
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Fragen & Antworten – was Leser häufig schreiben
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Ein sehr aktueller europäischer Ansatz, der gerade aus Kanada herüberschwappt
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Abschließender Satz, der bleiben soll
Der innere Motor – was er wirklich antreibt
Der Erfolgsmotor ist kein Raketentriebwerk. Er ist ein alter, wettergegerbter Dieselmotor mit mechanischer Einspritzpumpe. Er läuft erstaunlich lange mit miesem Kraftstoff, solange nur drei Dinge stimmen:
- genügend Kompression (innere Überzeugung, dass es sich überhaupt lohnt),
- rechtzeitige Zündung (Entscheidungsmomente werden nicht endlos vertagt),
- Abgasrückführung funktioniert (Erfolge und Misserfolge werden wirklich wahrgenommen und verarbeitet).
Sobald eines dieser drei Elemente ausfällt, beginnt der Motor zu nageln, zu qualmen, irgendwann abzuwürgen.
Die vier häufigsten Bremsklötze (und wie sie sich anfühlen)
1. Die unsichtbare Kupplung: innere Erlaubnis
Du darfst nicht schneller fahren als die anderen aus deinem alten Viertel, aus deiner Ausbildungsgruppe, aus deiner Familie. Es fühlt sich nicht wie ein Verbot an – es fühlt sich an wie Schwerkraft. Lena Martens hat das so beschrieben: „Wenn ich eine Gehaltserhöhung von 18 % gefordert hätte, hätte sich das angefühlt, als würde ich meiner Mutter ins Gesicht schlagen.“
2. Der verstopfte Vergaser: chronische Entscheidungsüberlastung
Zwischen 7:12 Uhr und 8:43 Uhr musst du entscheiden: welches Pausenbrot, welche Route, welche Mail zuerst, welcher Tonfall bei dem Kollegen, der schon wieder krank ist, welche Datei zuerst bearbeiten, ob du heute Abend noch Sport machst oder nur noch Netflix. Irgendwann geht der Vergaser auf Reserve – und dann läuft gar nichts mehr.
3. Der defekte Zündverteiler: fehlende Rückmeldungsschleife
Du bekommst nie zu hören, ob das, was du tust, überhaupt ankommt. Die Chefin nickt nur stumm, die Kollegen schreiben „Top!“ unter jede Nachricht, der Kunde sagt „passt schon“. Kein echtes Feedback = keine neue Zündimpulse. Der Motor dreht leer.
4. Der Kraftstofffilter aus Blei: toxische Loyalität
Du bleibst aus Prinzip, weil du „kein Typ bist, der hinschmeißt“. Du bleibst, weil die Firma „damals an mich geglaubt hat“. Du bleibst, weil du nicht derjenige sein willst, der das sinkende Schiff als Erster verlässt. Das Blei im Filter macht den Kraftstoff schwer und träge.
Mechanismus 1 – Die unsichtbare Kupplung lösen
Der radikalste Schritt ist oft der banalste: die Erlaubnis laut aussprechen.
Nimm ein Blatt Papier. Schreibe oben hin:
„Es ist mir erlaubt, …“
und dann zehn Sätze, die sich fast verboten anfühlen.
Beispiele, die ich in den letzten Jahren von Menschen gehört habe:
- Es ist mir erlaubt, mehr zu verdienen als mein großer Bruder.
- Es ist mir erlaubt, den Job zu kündigen, obwohl ich noch kein neues Angebot habe.
- Es ist mir erlaubt, montags um 9:30 Uhr noch im Bett zu liegen, wenn ich die Nachtschicht hinter mir habe.
- Es ist mir erlaubt, meine Eltern zu enttäuschen.
Lies die Sätze laut vor – am besten im Auto oder unter der Dusche. Die meisten Menschen lachen nervös nach dem dritten Satz. Das ist ein gutes Zeichen.
Mechanismus 2 – Den Vergaser reinigen
Entscheidungsfasten für 72 Stunden.
Regel: Jede Entscheidung, die weniger als 200 € oder weniger als 48 Stunden Konsequenz hat, wird sofort und ohne Nachdenken getroffen.
Beispiele:
- Welches Shirt? Erstes, das du in die Hand nimmst.
- Welcher Kaffee? Der erste, den der Barista vorschlägt.
- Antworten auf WhatsApp? Maximal zwei Sätze, sofort senden.
Nach drei Tagen berichten fast alle: „Mein Kopf fühlt sich plötzlich leer und gleichzeitig klar an.“
Mechanismus 3 – Zündkerzen wechseln (Rückmeldungsschleife schließen)
Such dir eine Person, die ehrlich, aber nicht destruktiv ist. Bitte sie um einen 15-Minuten-Termin alle drei Wochen mit genau einer Frage:
„Was ist das eine Ding, das ich in den letzten drei Wochen deutlich besser oder deutlich schlechter gemacht habe als sonst?“
Nur eine Frage. Nur eine Antwort. Keine Diskussion.
Jannik Behrens macht das inzwischen mit einem alten Ausbilder, der inzwischen Rentner ist. Er sagt: „Zum ersten Mal seit Jahren weiß ich wieder, ob ich gut oder scheiße war.“
Mechanismus 4 – Den Bleifilter ausbauen
Toxische Loyalität erkennst du daran, dass du beim Gedanken ans Gehen mehr Schuld als Erleichterung spürst.
Probebohrung: Schreib eine Kündigung, die du niemals abschicken musst. Lies sie dir selbst laut vor. Wie fühlt sich der Körper an?
Wenn die Schultern nach unten fallen und du zum ersten Mal seit Monaten frei atmest – dann ist der Filter verstopft.
Zündfunken aus dem Nichts – fünf ungewöhnliche Startmethoden
- Die 7-Tage-Fremdscham-Challenge Mach sieben Tage lang bewusst das, wofür du dich normalerweise schämen würdest (laut singen im Auto, die Chefin nach Gehalt fragen, im Fitnessstudio fragen, wie ein Gerät geht). Die Schamkurve fällt rapide – und mit ihr viele innere Bremsen.
- Reverse Engineering des schlechtesten Tages Nimm deinen beschissensten Tag der letzten drei Monate. Schreibe rückwärts auf, welche Entscheidung genau den Tag in den Keller geschickt hat. Dann schreibe die gegenteilige Entscheidung auf und probiere sie einmal bewusst aus.
- Mikro-Kündigungen Kündige für 24 Stunden eine Loyalität: kein Blick auf die Firmen-WhatsApp-Gruppe, kein Mitdenken über das nächste Meeting, kein Vorgriff auf Montag. Die Erleichterung ist oft schockierend groß.
- Der 90-Minuten-Reset Jeden Freitag von 16:30 bis 18:00 Uhr: Telefon aus, Laptop zu, rausgehen, egal wohin. Kein Ziel, kein Podcast, kein Schrittzähler. Nur laufen. Die meisten Menschen berichten, dass ihnen in diesen 90 Minuten mehr gute Ideen kommen als im ganzen Rest der Woche.
- Die „Was würde der Typ tun, den ich am meisten beneide?“-Frage Nimm eine Person, die du insgeheim beneidest. Frag dich bei jeder größeren Entscheidung: „Was würde die Person jetzt tun?“ Dann tu es – nur einmal. Oft reicht ein einziges Mal, um die alte Bahn zu verlassen.
Die gefährliche Illusion des „großen Hebels“
Viele warten auf das eine Ereignis: die perfekte Stelle, den großen Kunden, den Lotto-Gewinn, den Burnout, der sie endlich zwingt. Das ist, als würde man auf einen neuen Motor warten, statt den alten zu reparieren.
Der Motor springt fast nie durch einen riesigen Hebel an. Er springt an durch viele kleine Zündfunken, die synchron zünden.
Werkstatt-Tagebuch: was in den letzten 14 Monaten wirklich geholfen hat
- Eine Frau aus der Nachtschicht in Wolfsburg hat ihren Chef gefragt, ob sie zwei Wochen komplett frei nehmen darf, um „mal Luft zu holen“. Er hat Ja gesagt. Sie ist danach nicht zurückgekommen – aber nicht aus Trotz, sondern weil sie während der zwei Wochen gemerkt hat, was sie wirklich will.
- Ein Mann aus dem Ruhrgebiet, 38, Industriemechaniker, hat angefangen, jeden Abend um 20:15 Uhr Geige zu spielen – obwohl er es seit der Grundschule nicht mehr getan hatte. Innerhalb von fünf Monaten hat er den Mut gefunden, sich auf eine Stelle in Norwegen zu bewerben.
- Eine alleinerziehende Mutter aus Rostock hat sich erlaubt, einmal pro Woche um 17 Uhr Feierabend zu machen – auch wenn dann nicht alles erledigt war. Die Welt ist nicht untergegangen.
Tabelle: Dein aktueller Motorbetriebszustand (Selbstcheck)
| Symptom | Betriebszustand | Wahrscheinliche Ursache | Erster kleiner Eingriff |
|---|---|---|---|
| Montags schon mittwochmüde | Leerlauf | Fehlende Zündimpulse | 90-Minuten-Reset jeden Freitag |
| Freitagabend nur noch Erleichterung | Überhitzung | Toxische Loyalität | Eine Mikro-Kündigung testen |
| Keine Lust, aber schlechtes Gewissen | Kupplung rutscht | Fehlende innere Erlaubnis | „Es ist mir erlaubt“-Liste laut lesen |
| Alles egal, Hauptsache ruhig | Kraftstoffmangel | Chronische Entscheidungsüberlastung | 72-Stunden-Entscheidungsfasten |
| Lob fühlt sich unwirklich an | Zündverteiler defekt | Keine Rückmeldungsschleife | 15-Minuten-ehrliches Feedback alle 3 Wochen |
Fragen & Antworten – was Leser häufig schreiben
1. Ich weiß, dass ich gehen sollte – aber ich kann es nicht. Was stimmt mit mir nicht? Meistens nichts. Dein Nervensystem hat sich an die bekannte Hölle gewöhnt. Das Unbekannte fühlt sich gefährlicher an als das Bekannte Elend. Das ist Biologie, kein Charakterfehler.
2. Ich habe schon drei Therapien hinter mir – nichts hilft langfristig. Bin ich ein hoffnungsloser Fall? Nein. Therapie repariert oft die Vergangenheit. Der Motor braucht aber auch neue Zündkerzen im Jetzt. Kombiniere beides.
3. Wie merke ich, dass ich wirklich am Limit bin und nicht nur jammer? Wenn du beim Gedanken ans Montagmorgen weinst, ohne dass ein konkreter Anlass vorliegt – dann ist es kein Jammern mehr.
4. Alle sagen „Mach doch was Neues“ – aber was, wenn ich gar nicht weiß, was ich will? Dann fang nicht mit dem „Was“, sondern mit dem „Wie nicht mehr“. Schreib auf, was du auf keinen Fall mehr willst. Das grenzt den Raum schon stark ein.
5. Kann man den Motor eigentlich wieder auf null setzen? Ja. Viele tun es durch einen radikalen Ortswechsel, einen Sabbatical oder eine Kündigung ohne Netz. Aber die meisten schaffen es auch mit kleinen, konsequenten Zündfunken.
Ein sehr aktueller europäischer Ansatz, der gerade aus Kanada herüberschwappt
„Job-crafting light“ – Mitarbeitende gestalten ihren Job für 90 Tage aktiv um, ohne die Stelle zu wechseln. Konkret: 20 % der Arbeitszeit dürfen sie für Aufgaben verwenden, die sie wirklich interessieren, auch wenn diese nicht im Stellenprofil stehen. Erste Pilotprojekte in den Niederlanden und Skandinavien zeigen sinkende Fehlzeiten und steigende Bewerberzahlen.
Zum Schluss
Der Motor springt nicht durch einen perfekten Plan. Er springt an, weil irgendwann jemand den Schlüssel umdreht – auch wenn die Batterie fast leer ist, der Starter stottert und der Auspuff qualmt.
Dreh den Schlüssel. Heute. Jetzt.
Hat dir der Text ein kleines Stück Mut gegeben? Schreib mir gerne in die Kommentare: Welchen kleinen Zündfunken hast du heute schon gezündet – und wie hat es sich angefühlt? Teil den Beitrag mit jemandem, dessen Motor auch schon lange nur noch tuckert.
Über mich – Andreas Schulze
Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.
Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.
Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.
Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.
Meine Bücher findest du hier: Ebooks für deinen Erfolg
Mein vollständiges Profil findest du hier: Über Mich & Erfolgsebook
Willkommen auf meiner Seite – und in deiner Erfolgsgeschichte.

Alles, was du liebst, wird vergehen.
Menschen. Momente. Gefühle.
Auch du.
Niemand sagt dir das gern ins Gesicht.
Aber dein Leben ist kein unendlicher Raum.
Es ist ein Countdown.
Rein rechnerisch hast du etwa 625.000 bis 700.000 Stunden auf dieser Welt.
Nicht mehr. Nicht weniger.
Ein Großteil davon verschwindet im Schlaf.
Ein weiterer Teil in Terminen, Pflichten, Ablenkung.
Und plötzlich stehst du da und denkst:
Wo ist all die Zeit geblieben?
Das Licht wird nicht langsam dunkler.
Es geht einfach aus.
Genau deshalb ist Zeit das Wertvollste, was du besitzt –
und gleichzeitig das, was die meisten Menschen am achtlosesten verlieren.
Alles, was du liebst, ist endlich.
Darum ist „später“ eine gefährliche Lüge.
Nicht irgendwann.
Nicht wenn es ruhiger wird.
Nicht wenn du mehr Zeit hast.
Jetzt.
Heute.
In diesem Moment.
erfolgsebook.com existiert aus genau einem Grund:
Dir zu helfen, aus begrenzter Lebenszeit ein bewusstes Leben zu machen.
Nicht mit Druck.
Nicht mit leeren Parolen.
Sondern mit Klarheit.
Impulse, die dir zeigen:
– warum Genuss ohne Richtung dich leer zurücklässt
– warum Erfolg ohne Sinn dich trotzdem müde macht
– und wie aus bloßer Existenz ein Leben mit Tiefe wird
Keine Theorien.
Keine Motivationsfloskeln.
Sondern Gedanken, die dich dein Leben neu sehen lassen.
Viele Leser sagen danach:
„Ich renne meiner Zeit nicht mehr hinterher.
Ich entscheide, wofür ich sie einsetze.“
Und dann kommt der Satz, den niemand je hören wollte –
aber fast jeder irgendwann fühlt:
Eines Tages wachst du auf –
und es gibt kein ‚später‘ mehr für das,
was dir wirklich wichtig war.
Wenn du begreifst, dass du nur dieses eine Leben hast,
willst du nicht länger funktionieren.
Du willst fühlen.
Erleben.
Spuren hinterlassen – in deinem Herzen und in dem der Menschen, die du liebst.
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Sondern aus Respekt vor deiner Zeit.
Du kannst deine Stunden nicht vermehren.
Aber du kannst entscheiden,
dass sie Bedeutung haben.
Jede einzelne.
