Du bist genug, genau so wie du bist

Du bist genug, genau so wie du bist
Lesedauer 5 Minuten

Du bist genug, genau so wie du bist

In Momenten, in denen alles zu laut wird, die Erwartungen wie nasse Wintermäntel auf den Schultern lasten und selbst der kleinste Spiegel dich anklagend anschaut – da passiert etwas sehr Kleines und gleichzeitig sehr Großes: Du darfst für drei Sekunden aufhören, besser zu werden.

Kein neuer Morgenroutine-Hack. Kein Journaling-Track-23. Kein „5 Dinge, die erfolgreiche Menschen um 4:37 Uhr schon erledigt haben“. Nur die leise, fast peinliche Erlaubnis, einmal nicht zu optimieren.

Inhaltsverzeichnis

  • Warum wir uns dauernd selbst umerziehen wollen
  • Der Preis des ständigen „Noch-nicht-genug“-Gefühls
  • Der Moment, in dem alles kippt – drei wahre Miniaturen
  • Was das Nervensystem wirklich braucht (und nicht will)
  • Die Kunst, sich selbst nicht mehr zu briefen
  • Sechs unspektakuläre Wege, heute schon aufzuhören, sich zu reparieren
  • Wenn Mitgefühl plötzlich peinlich wird
  • Was bleibt, wenn der innere Kritiker endlich die Klappe hält
  • Abschließende kleine Übung (ohne Arbeitsblatt und ohne Timer)

Warum wir uns dauernd selbst umerziehen wollen

Wir leben in einer Kultur, die Selbstoptimierung zur moralischen Pflicht erklärt hat. Nicht mehr zu wachsen gilt als Stillstand – und Stillstand als moralisches Versagen. Deshalb fühlt sich „Ich bin heute einfach mal so, wie ich bin“ für viele Menschen seltsam verboten an, fast wie Diebstahl an der eigenen Biografie.

Der Satz „Du bist genug“ klingt erst süß, dann hohl, dann bedrohlich. Weil er impliziert, dass man aufhören könnte zu kämpfen. Und aufhören zu kämpfen fühlt sich nach Verrat an – vor allem, wenn man seit der Pubertät lernt, dass Liebe, Anerkennung und Sicherheit hart erarbeitet werden müssen.

Der Preis des ständigen „Noch-nicht-genug“-Gefühls

Der Körper zahlt zuerst. Herzrasen beim Öffnen von Feedback-Mails. Schulterhochziehen, sobald jemand „Du hast aber viel erreicht“ sagt (weil es sich immer wie versteckte Kritik anhört: „…für deine Verhältnisse“). Nachts um 02:47 die Decke wegtreten und sich fragen, ob man eigentlich existenzberechtigt ist, wenn man heute nur 0,8 statt 1,3 Projekte vorangebracht hat.

Eine nervöse Erschöpfung breitet sich aus, die man erst bemerkt, wenn sie einen Namen bekommt: chronischer Selbstwert-Kampfmodus.

Der Moment, in dem alles kippt – drei wahre Miniaturen

1. Die Fliesenlegerin aus Flensburg Hanna (38) verlegt seit siebzehn Jahren Fliesen. Gestern Abend, nach einem Zehn-Stunden-Tag in einer Altbauwohnung in der Angelburger Straße, setzt sie sich auf die noch nicht verfugte Toilette, schaut auf ihre kaputten Handflächen und denkt plötzlich: „Ich hab heute niemanden enttäuscht. Und ich muss morgen auch niemanden enttäuschen.“ Zum ersten Mal seit der Berufsschule weint sie nicht vor Erschöpfung, sondern vor Erleichterung. Sie erzählt später: „Ich hab gemerkt, dass ich existiere, auch wenn die Fugen nicht perfekt sind.“

2. Der Krankenpfleger aus Innsbruck Lukas (29) arbeitet Nachtdienst in der Neurologie. Um 3:20 Uhr sitzt er im Pausenraum, trinkt kalten Kräutertee aus der Thermoskanne und scrollt durch Instagram-Accounts von Menschen, die um diese Uhrzeit gerade Yoga im Sonnenaufgang machen. Plötzlich denkt er: „Die dürfen das. Und ich darf hier sitzen und müde sein und trotzdem wertvoll.“ Er löscht die App nicht. Er legt nur das Handy mit dem Display nach unten. Das war vor acht Monaten. Seitdem hat er keinen einzigen Self-Improvement-Post mehr gespeichert.

Siehe auch  Welche Wahrheit in dir will die Welt fluten 

3. Die Alleinerziehende aus Biel Mira (34) steht um 06:12 in der kleinen Küche, hört ihre Tochter im Bad singen und denkt zum ersten Mal seit drei Jahren nicht „Ich sollte mehr Disziplin haben“, sondern „Das ist mein Leben. Und es ist echt.“ Sie fängt an zu lachen – laut, unkontrolliert, mit Tränen. Nicht weil alles perfekt ist. Sondern weil sie endlich aufgehört hat, es perfekt machen zu wollen.

Was das Nervensystem wirklich braucht (und nicht will)

Es will keine neue Gewohnheit. Es will keine 21-Tage-Challenge. Es will vor allem eines: dass die ständige Kampfansage nach innen aufhört.

Wenn das sympathische Nervensystem dauerhaft auf „Gefahr: ungenügend“ steht, sinkt die Variation der Herzfrequenz, die Fähigkeit zur sozialen Verbindung nimmt ab, die Immunantwort wird dysreguliert. Der Körper denkt, er befinde sich immer noch im Kriegszustand – nur dass der Feind diesmal der eigene Wert ist.

Die Kunst, sich selbst nicht mehr zu briefen

Man muss nicht mehr jeden Gedanken vor dem inneren Staatsanwalt rechtfertigen. Man darf einfach existieren, ohne Beweisantritt. Das ist keine Kapitulation. Das ist Souveränität.

Sechs unspektakuläre Wege, heute schon aufzuhören, sich zu reparieren

  • Beim Zähneputzen bewusst nicht im Spiegel die Falten zählen oder die Haltung kritisieren. Stattdessen nur schauen und denken: „Da stehst du. Das reicht.“
  • Wenn der innere Kritiker anfängt zu reden, ihm nicht widersprechen – sondern nur müde sagen: „Ich hab’s gehört. Jetzt Pause.“
  • Eine Sache pro Tag bewusst mittelmäßig machen (z. B. E-Mails nur auf 70 % Qualität beantworten) und danach nicht grübeln.
  • Sich einmal am Tag erlauben, „Ich weiß nicht“ zu sagen, ohne es sofort zu erklären.
  • Sich im Alltag kleine Sätze gönnen: „Das darf heute scheiße sein.“ „Ich muss nicht glänzen.“ „Ich bin trotzdem hier.“
  • Abends fünf Sekunden lang die Hand aufs Brustbein legen und nur atmen – ohne Affirmation, ohne Visualisierung, nur mit dem Gefühl „Ich bin da“.

Wenn Mitgefühl plötzlich peinlich wird

Viele Menschen erleben in den ersten Wochen, in denen sie sich selbst nicht mehr angreifen, ein seltsames Schamgefühl. Als wäre Sanftheit mit sich selbst etwas moralisch Minderwertiges. Als würde man sich „gehen lassen“. Das ist ein Schutzmechanismus: Das alte System meldet Gefahr, weil es Sicherheit nur im Kampf kennt.

Man darf dieses Schamgefühl aushalten. Es geht vorbei. Meistens nach 4–11 Wochen, je nachdem wie lange der innere Richter schon im Dienst war.

Siehe auch  Echte Stärke zeigt sich in stiller Tiefe

Was bleibt, wenn der innere Kritiker endlich die Klappe hält

  • Mehr Energie für echte Beziehungen
  • Weniger Erschöpfung am Abend
  • Die Fähigkeit, Freude zu spüren, ohne sie sofort zu entwerten
  • Ein Körper, der sich wieder sicher genug fühlt, um zu entspannen
  • Eine leise, neue Neugier: Wie fühlt sich das Leben eigentlich an, wenn ich nicht mehr gegen mich selbst kämpfe?

Kleine abschließende Übung (ohne Timer, ohne Arbeitsblatt)

Setz dich irgendwohin, wo du fünf Minuten ungestört bist. Leg eine Hand auf den Bauch, die andere auf die Brust. Atme normal weiter. Sag innerlich – nur einmal, ganz leise – den Satz:

„Ich bin hier. Und das ist schon genug.“

Wiederhole ihn nicht wie ein Mantra. Nur einmal. Und dann lass ihn liegen.

Das war’s.

Hat dir der Text heute auch nur ein einziges Mal das Gefühl gegeben „Vielleicht darf ich wirklich einfach mal da sein“? Dann schreib mir in den Kommentaren: Welcher der kleinen Sätze hat sich am meisten wie Erlaubnis angefühlt – und wie hat sich dein Körper dabei angefühlt? Teil ihn mit jemandem, der gerade wieder einmal alles perfekt machen will.

Über mich – Andreas Schulze

Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.

Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.

Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.

Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.

Meine Bücher findest du hier: Ebooks für deinen Erfolg

Mein vollständiges Profil findest du hier: Über Mich & Erfolgsebook

Willkommen auf meiner Seite – und in deiner Erfolgsgeschichte.

Blog Bilder für schöne Bider (4572)

Alles, was du liebst, wird vergehen.
Menschen. Momente. Gefühle.
Auch du.

Siehe auch  Du bist nicht zu wenig, du bist im Werden.

Niemand sagt dir das gern ins Gesicht.
Aber dein Leben ist kein unendlicher Raum.
Es ist ein Countdown.

Rein rechnerisch hast du etwa 625.000 bis 700.000 Stunden auf dieser Welt.
Nicht mehr. Nicht weniger.

Ein Großteil davon verschwindet im Schlaf.
Ein weiterer Teil in Terminen, Pflichten, Ablenkung.
Und plötzlich stehst du da und denkst:
Wo ist all die Zeit geblieben?

Das Licht wird nicht langsam dunkler.
Es geht einfach aus.

Genau deshalb ist Zeit das Wertvollste, was du besitzt –
und gleichzeitig das, was die meisten Menschen am achtlosesten verlieren.

Alles, was du liebst, ist endlich.
Darum ist „später“ eine gefährliche Lüge.
Nicht irgendwann.
Nicht wenn es ruhiger wird.
Nicht wenn du mehr Zeit hast.

Jetzt.
Heute.
In diesem Moment.

erfolgsebook.com existiert aus genau einem Grund:
Dir zu helfen, aus begrenzter Lebenszeit ein bewusstes Leben zu machen.

Nicht mit Druck.
Nicht mit leeren Parolen.
Sondern mit Klarheit.

Impulse, die dir zeigen:

– warum Genuss ohne Richtung dich leer zurücklässt
– warum Erfolg ohne Sinn dich trotzdem müde macht
– und wie aus bloßer Existenz ein Leben mit Tiefe wird

Keine Theorien.
Keine Motivationsfloskeln.
Sondern Gedanken, die dich dein Leben neu sehen lassen.

Viele Leser sagen danach:

„Ich renne meiner Zeit nicht mehr hinterher.
Ich entscheide, wofür ich sie einsetze.“

Und dann kommt der Satz, den niemand je hören wollte –
aber fast jeder irgendwann fühlt:

Eines Tages wachst du auf –
und es gibt kein ‚später‘ mehr für das,
was dir wirklich wichtig war.

Wenn du begreifst, dass du nur dieses eine Leben hast,
willst du nicht länger funktionieren.
Du willst fühlen.
Erleben.
Spuren hinterlassen – in deinem Herzen und in dem der Menschen, die du liebst.

👉 Abonniere den Newsletter.
Nicht aus Angst.
Sondern aus Respekt vor deiner Zeit.

Du kannst deine Stunden nicht vermehren.
Aber du kannst entscheiden,
dass sie Bedeutung haben.
Jede einzelne.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert