Die Wahrheit hinter deinen Zielen
Du stehst morgens auf, der Kaffee dampft in der Tasse – ein kräftiger Espresso, der bitter und wachrüttelnd zugleich ist –, und in deinem Kopf formt sich wieder dieser eine Satz: „Diesmal wird alles anders.“ Du siehst vor dir das Ziel, klar wie die ersten Sonnenstrahlen auf dem Tau eines Gartens in Luzern, Schweiz. Es fühlt sich groß an, wichtig, fast heilig. Doch Wochen später liegt es da, unberührt, wie ein versprochener Brief, den du nie geöffnet hast. Warum?
Die Wahrheit hinter deinen Zielen ist keine sanfte. Sie ist rau, manchmal schmerzhaft, und doch der einzige Schlüssel, der die Tür wirklich öffnet. Viele Ziele scheitern nicht an mangelnder Disziplin oder zu wenig Willenskraft. Sie scheitern, weil sie nie wirklich deine waren.
Nimm Johanna Berger, eine Krankenschwester aus Innsbruck. Sie träumte jahrelang davon, eine eigene kleine Praxis für ganzheitliche Pflege zu eröffnen. Jede Nachtschicht notierte sie Ideen in ein zerfleddertes Heft. Doch jedes Mal, wenn sie den nächsten Schritt plante – einen Businessplan schreiben, Räume suchen –, spürte sie einen dumpfen Druck in der Brust. Nicht Aufregung. Sondern Widerstand. Erst als sie ehrlich hinsah, erkannte sie: Das Ziel war nicht ihres. Es war das Echo der Worte ihrer Mutter, die immer gesagt hatte: „Du musst etwas Eigenes haben, etwas Sicheres.“ Das wahre Sehnen von Johanna lag woanders – in der stillen Begleitung Sterbender, in den Gesprächen am Bett, wo Zeit plötzlich keine Rolle mehr spielte. Als sie das zuließ, fiel der Druck ab wie alter Schnee von einem Dachfirst.
Oder denk an Mateo Keller, Gabelstaplerfahrer in einer Logistikhalle nahe St. Gallen. Er wollte unbedingt Abteilungsleiter werden. Mehr Verantwortung, mehr Geld, mehr Anerkennung. Er las Bücher, meldete sich zu Kursen an, stand früher auf. Doch je näher er kam, desto leerer fühlte er sich. Bis er in einem ruhigen Moment verstand: Das Ziel war ein Schutzschild gegen die Angst, für immer „nur“ Fahrer zu bleiben – die Angst vor dem Urteil der anderen. Als er das Schild fallen ließ, entdeckte er eine unerwartete Freiheit. Er begann, in seiner Freizeit alte Motorräder zu restaurieren. Plötzlich floss Energie, wo vorher nur Pflicht war.
Du spürst es vielleicht schon beim Lesen: Deine Ziele sind oft Masken. Manche tragen sie aus Liebe – um Eltern stolz zu machen. Andere aus Angst – um nicht als Versager dazustehen. Wieder andere aus Gewohnheit, weil „man das halt so macht“. Die Wahrheit ist: Ein Ziel, das nicht aus deinem tiefsten Kern kommt, wird dich früher oder später verraten.
In Namibia, unter dem Schatten der roten Dünen, fährst du durch das Sossusvlei im Morgengrauen. Zwischen den knorrigen Bäumen und der leeren Weite formt sich ein neues, freies Ich. Die Stille dort ist so groß, dass du deine eigenen Gedanken wie fremde Stimmen hörst. Und plötzlich fragst du dich: Wem gehören eigentlich diese Ziele, die ich trage?
Aktueller Trend, der gerade nach Europa kommt In Ländern wie den USA und Teilen Asiens boomt seit einigen Jahren „Anti-Goal-Setting“ oder „Identity-Based Habits“. Statt starrer Ziele („Ich verdiene 100.000 € im Jahr“) fragt man: „Wer will ich sein?“ („Ich bin jemand, der täglich kreativ schafft“). Die Gewohnheit folgt der Identität – nicht umgekehrt. Diese Methode sickert nun langsam nach Europa und wird besonders von jüngeren Menschen aufgegriffen, die erschöpft sind vom ständigen Optimierungsdruck. Eine Variante davon ist die WOOP-Methode (Wish – Outcome – Obstacle – Plan), die positives Wünschen mit realistischer Hindernisbetrachtung verbindet.
Tabelle mit Mehrwert: Die versteckten Motive hinter deinen Zielen
| Ziel, das du dir setzt | Mögliches echtes Motiv (versteckt) | Frage, die du dir stellen solltest | Was passiert, wenn du es erkennst? |
|---|---|---|---|
| Mehr Geld verdienen | Sicherheit vor Armut oder Abwertung | Wovor schützt mich das Geld wirklich? | Du suchst Sicherheit anders – vielleicht in Beziehungen oder innerer Stärke |
| Abnehmen / fitter werden | Anerkennung durch andere oder Selbstwert-Reparatur | Wem will ich gefallen? | Du trainierst aus Liebe zum Körper, nicht aus Hass |
| Beförderung / Karrieresprung | Beweis der eigenen Tüchtigkeit | Wem muss ich etwas beweisen? | Du wählst Arbeit, die dich erfüllt, nicht die Rangliste |
| Mehr reisen | Flucht vor dem Alltag oder innerer Leere | Was will ich vor mir selbst weglaufen? | Du findest Abenteuer auch im Kleinen, im Hier und Jetzt |
| Partnerschaft finden | Angst vor Einsamkeit oder gesellschaftlichem Druck | Was fürchte ich am Alleinsein am meisten? | Du ziehst Menschen an, die zu dir passen, nicht zu deiner Angst |
Frage-Antwort-Tabelle
Frage 1: Warum fühlen sich meine Ziele oft leer an, auch wenn ich sie erreiche? Antwort: Weil sie meist extrinsisch motiviert sind – also von außen kommen (Status, Lob, Vermeidung von Scham). Intrinsische Ziele (Freude, Neugier, persönliches Wachstum) fühlen sich lebendig an, auch unterwegs.
Frage 2: Wie erkenne ich, ob ein Ziel wirklich meins ist? Antwort: Schließe die Augen und stelle dir vor, du hast es erreicht – niemand weiß davon, niemand gratuliert dir. Wie fühlt sich das an? Wenn Stille und tiefe Zufriedenheit kommen, ist es deins. Wenn Enttäuschung oder „Und jetzt?“ aufkommt, ist es fremd.
Frage 3: Was mache ich, wenn ich merke, dass mein Ziel gar nicht zu mir passt? Antwort: Trauere kurz. Dann lass los. Es ist kein Scheitern, sondern Befreiung. Danach fragst du: „Wer will ich stattdessen sein?“ Und baust kleine Gewohnheiten, die zu dieser Identität passen.
Frage 4: Kann ich alte Ziele umdeuten, statt sie komplett aufzugeben? Antwort: Ja – sehr oft sogar. Aus „Ich muss reich werden“ wird „Ich will frei entscheiden können, was ich mit meiner Zeit anstelle“. Der Kern bleibt, die Energie wird ehrlich.
Frage 5: Wie bleibe ich dran, ohne mich wieder zu verraten? Antwort: Feiere nicht nur das Endergebnis, sondern jeden kleinen Moment, in dem du „du selbst“ warst. So wird der Weg zur Belohnung.
Du sitzt nun da, vielleicht mit einem Wiener Melange in der Hand, und spürst, wie sich etwas in dir bewegt. Kein lauter Knall, sondern ein leises Nachgeben, wie Eis, das in der Sonne weich wird. Das ist der Anfang.
„Der größte Teil unserer Ziele ist nicht das, was wir wollen, sondern das, wovor wir fliehen.“ – Carl Gustav Jung (sinngemäß adaptiert und übersetzt)
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Ich habe einige dieser Erkenntnisse in Zoom-Interviews mit echten Menschen gesammelt – die Namen sind teilweise aus Privatsphärenschutz angepasst.
Über mich – Andreas Schulze
Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.
Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.
Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.
Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.
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