Die Seele der DACH-Länder atmet leise
In diesem Beitrag versuche ich, näher an das heranzukommen, was viele Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz – oft ohne es laut auszusprechen – in sich tragen: eine ganz spezifische Mischung aus Sehnsucht nach Tiefe, leiser Scham über die eigene Unzufriedenheit und dem gleichzeitigen Stolz, „es eigentlich doch ganz gut zu haben“. Ich schreibe das als jemand, der in Niedersachsen geboren wurde, der in Hinterhöfen von Osnabrück und später in Bremerhaven gelernt hat, wie schnell ein Satz verletzen oder trösten kann.
Inhaltsverzeichnis
- Die unsichtbare Last der anständigen Mitte
- Wenn „es reicht doch“ zur Handschelle wird
- Der heimliche Vergleich mit den anderen deutschsprachigen Nachbarn
- Augenblicke, in denen die Fassade bröckelt
- Was passiert, wenn man endlich fragt: „Und was will ich eigentlich?“
- Kleine, konkrete Wege aus der unsichtbaren Starre
- Ein Blick über den Tellerrand – was andere Länder gerade anders (oder genauso) machen
Die unsichtbare Last der anständigen Mitte
Du kennst das Gefühl: Du stehst morgens um 6:47 Uhr in der Küche in Hannover-Misburg, der Wasserkocher klickt, draußen fährt der erste Linienbus vorbei, und in dir ist ein Satz, der sich seit Jahren wiederholt wie ein kaputter Plattenspieler: „Eigentlich geht’s mir ja gut.“
Und doch.
Die Rechnung für die neue Waschmaschine liegt auf dem Tisch, der Chef hat wieder „potenzialorientierte Jahresgespräche“ angekündigt, deine Partnerin / dein Partner schaut dich manchmal an, als warte sie / er auf ein Wort, das du nicht findest, und in der Mittagspause scrollst du durch Instagram und siehst Menschen, die scheinbar alles haben – außer deiner stillen, anständigen Erschöpfung.
Wenn „es reicht doch“ zur Handschelle wird
In Österreich nennt man das oft „a bisserl was is immer“. In der Schweiz heißt es eher „mues halt so sii“. In Deutschland sagen sehr viele einfach gar nichts – sie machen weiter.
Eine Frau Mitte vierzig, sagen wir sie heißt Katrin, arbeitet als Qualitätsmanagerin in einem mittelständischen Automobilzulieferer in der Nähe von Ingolstadt. Sie trägt meist dunkelgraue Jersey-Blazer mit dezenten Nadelstreifen, weil sie findet, dass das seriös wirkt, ohne anzugeben. Morgens um 7:12 Uhr steht sie schon am Kopierer, obwohl ihr Vertrag erst um 8 Uhr beginnt – aus Gewohnheit, aus Angst, jemand könnte denken, sie sei nicht engagiert genug.
Abends sitzt sie mit einem Glas Grauburgunder (0,2 l, genau abgemessen) auf dem Balkon in Manching und denkt: „Wenn ich jetzt kündige, gelte ich als undankbar. Wenn ich bleibe, sterbe ich innerlich weiter.“
Das ist keine Übertreibung. Das ist der Alltag von sehr vielen Menschen zwischen Flensburg und Feldkirch.
Der heimliche Vergleich mit den anderen deutschsprachigen Nachbarn
Der Österreicher beneidet insgeheim den Schweizer um die höheren Löhne und die klareren Regeln.
Der Schweizer beneidet den Österreicher um die scheinbare Leichtigkeit, mit der man dort über Gefühle sprechen darf, ohne gleich als wehleidig zu gelten.
Der Deutsche beneidet beide – mal um die Berge, mal um die Seen, mal um die Tatsache, dass in Wien oder Zürich das Leben irgendwie „runder“ aussieht, obwohl es das objektiv natürlich nicht ist.
Und doch: Alle drei Gruppen haben eines gemeinsam. Sie messen sich an einem Ideal der Beherrschtheit, das sie gleichzeitig stolz und einsam macht.
Augenblicke, in denen die Fassade bröckelt
- Ein 53-jähriger Industriemechaniker aus Salzgitter steht plötzlich in der Kantine und fängt an zu weinen, weil der Azubi ihn gefragt hat, ob es ihm gut geht. Er schämt sich sofort dafür.
- Eine 38-jährige Grundschullehrerin aus St. Pölten merkt beim Elternabend, dass sie seit drei Jahren keinen einzigen Abend mehr nur für sich hatte. Sie lächelt weiter, aber ihre Unterlippe zittert.
- Ein 29-jähriger Software-Entwickler aus Zug löscht nachts um 2:34 Uhr sämtliche Karriere-Apps vom Handy und schreibt in die Notizen-App nur drei Worte: „Ich kann nicht mehr.“
Das sind keine Einzelfälle. Das sind die Momente, in denen das System kurz die Luft anhält.
Was passiert, wenn man endlich fragt: „Und was will ich eigentlich?“
Hier beginnt der schwierige, aber oft auch der erste lebendige Teil.
Die meisten Menschen, die ich in den letzten Jahren gesprochen habe (in Hinterzimmern von Brauereien, auf Parkbänken in Innsbruck, in Coworking-Spaces in Winterthur), mussten erst einmal lernen, dass die Frage „Was will ich?“ überhaupt erlaubt ist.
Nicht „Was sollte ich wollen?“ Nicht „Was ist vernünftig?“ Sondern: Was will ich wirklich?
Und dann kommt oft Stille. Lange Stille.
Kleine, konkrete Wege aus der unsichtbaren Starre
Hier sind ein paar Dinge, die tatsächlich geholfen haben – ohne großen Coaching-Schnickschnack:
- Die 7-Minuten-Morgenzeile Jeden Morgen, bevor du aufs Handy schaust, schreibst du sieben Minuten lang von Hand auf, was du heute nicht mehr ertragen willst. Keine Lösungsvorschläge. Nur das, was wehtut. Nach drei Wochen wissen viele Menschen plötzlich ganz genau, was sie ändern wollen.
- Der fremde Blick Frag jemanden, der dich wirklich gut kennt (nicht den Partner, sondern z. B. die beste Freundin aus der Schulzeit): „Wenn du mich heute zum ersten Mal treffen würdest – was würdest du denken, dass ich mir insgeheim wünsche?“ Die Antworten sind oft erschreckend treffend.
- Der 48-Stunden-Ausnahmezustand Plane zwei Tage, an denen du bewusst nichts Vernünftiges tust. Kein Sport, kein Weiterbildungsseminar, kein „sich mal wieder sortieren“. Viele Menschen erleben danach zum ersten Mal seit Jahren echte Sehnsucht – und nicht nur Pflichtgefühl.
- Die Eine-Satz-Übung Schreibe einmal pro Woche einen einzigen Satz auf: „Wenn ich morgen früh aufwache und alles darf, dann …“ Lass den Satz unvollendet liegen. Nach vier bis sechs Wochen wird aus dem unvollendeten Satz meist ein ganzer Plan.
Ein Blick über den Tellerrand
In Portugal und in Teilen Spaniens breitet sich gerade eine sehr leise Gegenbewegung aus: Menschen ziehen bewusst in kleinere Städte oder sogar Dörfer, reduzieren ihre Arbeitszeit auf 80–90 % und akzeptieren dafür weniger Konsum. In Skandinavien experimentieren immer mehr Unternehmen mit der 4-Tage-Woche ohne Lohnkürzung – und die Produktivität steigt paradoxerweise oft.
Das sind keine Patentlösungen für den DACH-Raum. Aber sie zeigen: Es ist möglich, die Geschwindigkeit zu wechseln, ohne alles zu verlieren.
Kurzes fiktives Interview – verdichtet aus vielen Gesprächen
Ich habe in den letzten Jahren mit sehr vielen Menschen über genau dieses Thema gesprochen. Hier eine verdichtete Collage aus echten Sätzen (Namen und einige Details geändert):
Frage an eine Frau aus Graz: Was würdest du deinem 28-jährigen Ich heute sagen?
„Ich würde ihr sagen: Hör auf, dich dafür zu schämen, dass du mehr willst als ein sicheres Einkommen und zwei Wochen Urlaub im Jahr. Das ist kein Undank. Das ist Lebendigkeit.“
Frage an einen Mann aus Luzern: Was war der Moment, in dem du gemerkt hast, dass du nicht mehr so weitermachen kannst?
„Ich habe meinen Sohn beim Fußballspiel beobachtet. Er hat sich nach einem Foul einfach hingelegt und geweint – offen, ohne Scham. Und ich habe gedacht: Wann habe ich das letzte Mal erlaubt, dass mich etwas richtig umhaut?“
Frage an eine Frau aus Kiel: Was hilft dir heute am meisten?
„Mich einmal pro Woche mit einer Freundin zu treffen und laut zu sagen: ‚Heute finde ich alles scheiße.‘ Ohne dass gleich jemand eine Lösung parat hat. Einfach nur das laute Aussprechen entlastet unglaublich.“
Zitat zum Schluss
„Man muss nicht alles können. Aber man darf alles fühlen.“ – aus einem Gespräch mit einer 46-jährigen Krankenschwester aus Innsbruck
Hat dir der Text aus der Seele gesprochen oder dich zumindest kurz innehalten lassen? Dann schreib mir gern in den Kommentaren:
An welchem Punkt deines Lebens spürst du gerade am stärksten dieses leise „Eigentlich …“? Und wie fühlt es sich an, wenn du es einmal laut aussprichst?
Teile den Text gerne mit jemandem, der gerade denkt, er sei mit diesem Gefühl allein.
Über mich – Andreas Schulze
Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.
Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.
Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.
Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.
Meine Bücher findest du hier: Ebooks für deinen Erfolg
Mein vollständiges Profil findest du hier: Über Mich & Erfolgsebook
Willkommen auf meiner Seite – und in deiner Erfolgsgeschichte.

Alles, was du liebst, wird vergehen.
Menschen. Momente. Gefühle.
Auch du.
Niemand sagt dir das gern ins Gesicht.
Aber dein Leben ist kein unendlicher Raum.
Es ist ein Countdown.
Rein rechnerisch hast du etwa 625.000 bis 700.000 Stunden auf dieser Welt.
Nicht mehr. Nicht weniger.
Ein Großteil davon verschwindet im Schlaf.
Ein weiterer Teil in Terminen, Pflichten, Ablenkung.
Und plötzlich stehst du da und denkst:
Wo ist all die Zeit geblieben?
Das Licht wird nicht langsam dunkler.
Es geht einfach aus.
Genau deshalb ist Zeit das Wertvollste, was du besitzt –
und gleichzeitig das, was die meisten Menschen am achtlosesten verlieren.
Alles, was du liebst, ist endlich.
Darum ist „später“ eine gefährliche Lüge.
Nicht irgendwann.
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Nicht wenn du mehr Zeit hast.
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Heute.
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Viele Leser sagen danach:
„Ich renne meiner Zeit nicht mehr hinterher.
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Und dann kommt der Satz, den niemand je hören wollte –
aber fast jeder irgendwann fühlt:
Eines Tages wachst du auf –
und es gibt kein ‚später‘ mehr für das,
was dir wirklich wichtig war.
Wenn du begreifst, dass du nur dieses eine Leben hast,
willst du nicht länger funktionieren.
Du willst fühlen.
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