Die Kunst, sich selbst zu führen

Die Kunst, sich selbst zu führen
Lesedauer 6 Minuten

Die Kunst, sich selbst zu führen

In manchen Nächten, wenn der Wind über die flachen Felder Ostfrieslands streicht und die Sterne sich im dunklen Kanal spiegeln, spürst du plötzlich, dass niemand mehr kommt, der dir sagt, wohin du jetzt gehen sollst. Kein Chef. Keine Mutter. Kein Partner. Nur du, das leise Klopfen deines Herzens und die Frage, die sich nicht mehr wegschieben lässt: Wohin eigentlich?

Inhaltsverzeichnis

  • Was Selbstführung wirklich bedeutet
  • Warum wir so oft die Verantwortung abgeben
  • Die vier unsichtbaren Ketten der Fremdsteuerung
  • Der innere Kompass – wie er entsteht und warum er verstummen kann
  • Erste Übung: Die 7-Minuten-Positionsbestimmung
  • Zweite Übung: Das Nein-Training mit Rückgrat
  • Dritte Übung: Entscheidungen wie ein Regisseur treffen
  • Vierte Übung: Den inneren Kritiker in den Zeugenstand rufen
  • Fünfte Übung: Lebensenergie-Bilanz – wo fließt sie wirklich hin?
  • Sechste Übung: Das Jahresgespräch mit dir selbst
  • Die gefährlichsten Selbstführungs-Mythen im deutschsprachigen Raum
  • Wie Selbstführung in verschiedenen Lebensrealitäten aussieht
  • Aktueller Trend: „Internal locus of control“ kehrt aus Asien zurück
  • Fragen & Antworten zum Thema
  • Abschließender Gedanke

Was Selbstführung wirklich bedeutet

Selbstführung ist kein Management-Seminar-Vokabel. Es ist die Entscheidung, die Verantwortung für die eigene innere Ausrichtung nicht länger an andere zu delegieren. Nicht an den Vorgesetzten, nicht an den Partner, nicht an die Algorithmen, nicht einmal an die eigene Vergangenheit. Es bedeutet, dass du derjenige bist, der den Kurs vorgibt – auch dann, wenn der Kurs durch Nebel führt.

Warum wir so oft die Verantwortung abgeben

Die meisten Menschen geben die Steuerung ab, weil es bequemer ist. In einer mittelständischen Maschinenbaufirma in Solingen sitzt eine 38-jährige Konstrukteurin namens Hanna Tillmann und wartet seit sieben Jahren darauf, dass die Geschäftsleitung endlich erkennt, wie viel Potenzial in ihr steckt. Sie wartet. Sie passt sich an. Sie optimiert ihre Excel-Tabellen. Und jedes Jahr wird sie unsichtbarer.

In einer Grazer Kinderarztpraxis erzählt mir eine junge Fachärztin namens Lene Baumgartner, sie könne einfach nicht „Nein“ sagen, wenn die Kollegen sie wieder einmal bitten, den Nachtdienst zu übernehmen. Nicht weil sie so nett wäre – sondern weil sie tief drinnen glaubt, dass sie nur dann geliebt und gebraucht wird, wenn sie sich opfert.

In einem kleinen IT-Dienstleister in St. Gallen sitzt ein 29-jähriger DevOps-Engineer namens Levin Marti und scrollt sich abends durch Stellenanzeigen, obwohl er genau weiß, dass er den Job, den er gerade macht, eigentlich hasst. Er bleibt. Weil Kündigen wie Verrat an der eigenen Sicherheit wirkt.

Das Muster ist überall dasselbe: Wir geben die Führung ab, um Sicherheit, Zugehörigkeit oder Anerkennung zu kaufen. Der Preis ist hoch. Wir werden zu Mitläufern unseres eigenen Lebens.

Die vier unsichtbaren Ketten der Fremdsteuerung

  1. Die Kette der guten Meinung Du tust etwas, weil du dir vorstellst, wie stolz jemand anders auf dich wäre. Meistens ist diese Person längst tot oder interessiert sich gar nicht mehr.
  2. Die Kette der vermeintlichen Alternativlosigkeit „Ich habe doch gar keine andere Wahl.“ – Dieser Satz wiegt schwerer als jede Eisenkette.
  3. Die Kette der Gewohnheit Nach acht Jahren im gleichen Trott fühlt sich jede Veränderung wie ein Verrat an der eigenen Biografie an.
  4. Die Kette der Angst vor dem leeren Raum Wenn niemand mehr sagt, was du tun sollst, starrst du in die Stille – und die Stille starrt zurück.
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Der innere Kompass – wie er entsteht und warum er verstummen kann

Der Kompass entsteht in den Momenten, in denen du spürst: Das hier fühlt sich richtig an, auch wenn niemand applaudiert. Er verstummt, wenn du jahrelang gegen dieses Gefühl handelst, bis es nur noch ein leises Kratzen im Hinterkopf ist.

Erste Übung: Die 7-Minuten-Positionsbestimmung

Setz dich mit einem Blatt Papier und einem Stift hin. Kein Handy. Kein Laptop. Stelle dir vor, dein Leben wäre ein Schiff und du stehst gerade am Ruder.

Schreibe sieben Minuten lang ohne abzusetzen auf folgende Fragen:

  • Wo befinde ich mich gerade wirklich? (nicht die Adresse – die innere Koordinate)
  • Welche Richtung habe ich in den letzten 12 Monaten eingeschlagen?
  • Welche Richtung fühlt sich lebendig an – auch wenn sie Angst macht?

Danach lies dir den Text laut vor. Oft hörst du erst beim Vorlesen, was du dir selbst nicht eingestehen wolltest.

Zweite Übung: Das Nein-Training mit Rückgrat

Wähle drei Situationen pro Woche, in denen du normalerweise „Ja“ sagen würdest, obwohl alles in dir „Nein“ schreit.

Sag stattdessen:

„Danke für das Vertrauen. Ich kann das gerade nicht übernehmen, weil …“

Und dann nenne den wahren Grund – nicht die höfliche Ausrede. Das Training ist erst erfolgreich, wenn du hinterher keine Magenschmerzen mehr hast, sondern ein leises Stolzgefühl.

Dritte Übung: Entscheidungen wie ein Regisseur treffen

Bei jeder größeren Entscheidung stelle dir vor, du drehst einen Film über dein Leben.

Frage:

  • Welche Szene will ich als nächstes drehen?
  • Welcher Tonfall, welche Beleuchtung, welche Musik passt dazu?
  • Wer soll in dieser Szene vorkommen – und wer hat Hausverbot?

Diese Perspektive nimmt den Druck heraus, „richtig“ entscheiden zu müssen. Du entscheidest nur, welche Geschichte du als Nächstes erzählen willst.

Vierte Übung: Den inneren Kritiker in den Zeugenstand rufen

Setz zwei Stühle gegenüber. Einer ist dein innerer Richter, der andere dein Verteidiger.

Lass den Richter zuerst sprechen – alles, was er dir seit Jahren vorwirft.

Danach setzt du dich auf den Verteidiger-Stuhl und antwortest. Laut. Ausführlich. Ohne dich zu rechtfertigen – sondern indem du beschreibst, was du alles schon geschafft hast, obwohl der Richter dir ständig gesagt hat, dass du es nie schaffen wirst.

Die meisten Menschen weinen an dieser Stelle. Nicht vor Schwäche. Sondern vor Erleichterung.

Fünfte Übung: Lebensenergie-Bilanz – wo fließt sie wirklich hin?

Nimm ein DIN-A3-Blatt. Zeichne einen großen Kreis.

Teile den Kreis in sechs Segmente: Arbeit, Partnerschaft, Familie/Freunde, Körper, Geist/Seele, Alleinsein.

Fülle jedes Segment mit einem Prozentsatz (Summe muss 100 % ergeben).

Dann male in jedes Segment kleine Pfeile: grüne Pfeile = Energie kommt rein, rote Pfeile = Energie fließt raus.

Wenn mehr als 50 % der Energie durch rote Pfeile abfließt – weißt du, wo der Hebel angesetzt werden muss.

Sechste Übung: Das Jahresgespräch mit dir selbst

Einmal im Jahr (am besten zwischen Weihnachten und Neujahr) setzt du dich mit dir selbst zum Gespräch.

Du brauchst:

  • einen ruhigen Ort
  • ein gutes Getränk (viele schwören auf einen starken Schwarztee mit Kandis)
  • zwei Stunden Zeit

Fragen, die du dir stellst:

  • Was war mein mutigster Moment dieses Jahr?
  • Wo habe ich mich am meisten verraten?
  • Welche Lüge habe ich mir selbst am längsten erzählt?
  • Wofür bin ich dankbar, obwohl es wehgetan hat?
  • Was will die zukünftige Version von mir, dass ich jetzt tue?
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Schreibe die Antworten auf. Verschließe sie. Lies sie erst im nächsten Jahr wieder.

Die gefährlichsten Selbstführungs-Mythen im deutschsprachigen Raum

  • „Man muss erst alle anderen glücklich machen, bevor man an sich denkt.“
  • „Wer hart arbeitet, wird irgendwann schon belohnt.“
  • „Selbstführung ist Egoismus mit besserem Marketing.“
  • „Man kann nicht alles haben – irgendwas muss man opfern.“

Jeder dieser Sätze ist ein kulturelles Artefakt. Und jedes Mal, wenn du ihn unreflektiert weitergibst, gibst du ein Stück Steuerung ab.

Wie Selbstführung in verschiedenen Lebensrealitäten aussieht

Eine alleinerziehende Mutter in einem Chemnitzer Plattenbauviertel, die nachts als Pflegehelferin arbeitet, kann Selbstführung genauso leben wie ein 52-jähriger Abteilungsleiter in einer Freiburger Unternehmensberatung. Der Unterschied liegt nicht im Budget oder im Status – sondern darin, ob sie sich erlaubt, die eigenen Werte über die Erwartungen anderer zu stellen.

Aktueller Trend: „Internal locus of control“ kehrt aus Asien zurück

In Südkorea und Japan erleben Techniken, die den inneren Ort der Kontrolle bewusst nach innen verlagern („na-eui jibae“ / 内の支配), seit etwa 2023 einen Boom. Die Methode sickert langsam nach Mitteleuropa: Menschen beginnen, weniger auf externe Validierung zu warten und stattdessen täglich kleine „Souveränitäts-Rituale“ einzubauen. Ein Beispiel: Jeden Morgen drei Dinge notieren, die ausschließlich in der eigenen Hand liegen.

Fragen & Antworten

Muss ich dafür erst meine komplette Lebenssituation ändern? Nein. Selbstführung beginnt im Kopf und in den nächsten fünf Minuten.

Was mache ich, wenn alle um mich herum mich weiterhin klein halten wollen? Du veränderst nicht ihre Meinung. Du veränderst, wie viel Gewicht du ihr gibst.

Kann man Selbstführung verlernen? Ja. Genau wie man Muskeln verliert, wenn man sie nicht benutzt.

Ist das nicht total egoistisch? Nur dann, wenn du anderen aktiv schadest. Ansonsten ist es die Voraussetzung dafür, überhaupt großzügig sein zu können.

Wie merke ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin? Du fühlst dich lebendiger – und gleichzeitig ruhiger. Das Paradoxon löst sich auf.

Abschließender Gedanke

Du musst nicht perfekt führen. Du musst nur aufhören, dich perfekt fremdführen zu lassen.

Hat dieser Text etwas in dir berührt oder zum Grübeln gebracht? Schreib mir gerne in die Kommentare: Welchen kleinen Akt der Selbstführung hast du heute schon gemacht – und wie hat es sich angefühlt? Teil ihn mit jemandem, der gerade spürt, dass er das Steuer längst aus der Hand gegeben hat.

Über mich – Andreas Schulze

Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.

Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.

Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.

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Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.

Meine Bücher findest du hier: Ebooks für deinen Erfolg

Mein vollständiges Profil findest du hier: Über Mich & Erfolgsebook

Willkommen auf meiner Seite – und in deiner Erfolgsgeschichte.

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Blog Bilder für schöne Bider (4572)

Alles, was du liebst, wird vergehen.
Menschen. Momente. Gefühle.
Auch du.

Niemand sagt dir das gern ins Gesicht.
Aber dein Leben ist kein unendlicher Raum.
Es ist ein Countdown.

Rein rechnerisch hast du etwa 625.000 bis 700.000 Stunden auf dieser Welt.
Nicht mehr. Nicht weniger.

Ein Großteil davon verschwindet im Schlaf.
Ein weiterer Teil in Terminen, Pflichten, Ablenkung.
Und plötzlich stehst du da und denkst:
Wo ist all die Zeit geblieben?

Das Licht wird nicht langsam dunkler.
Es geht einfach aus.

Genau deshalb ist Zeit das Wertvollste, was du besitzt –
und gleichzeitig das, was die meisten Menschen am achtlosesten verlieren.

Alles, was du liebst, ist endlich.
Darum ist „später“ eine gefährliche Lüge.
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Viele Leser sagen danach:

„Ich renne meiner Zeit nicht mehr hinterher.
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Und dann kommt der Satz, den niemand je hören wollte –
aber fast jeder irgendwann fühlt:

Eines Tages wachst du auf –
und es gibt kein ‚später‘ mehr für das,
was dir wirklich wichtig war.

Wenn du begreifst, dass du nur dieses eine Leben hast,
willst du nicht länger funktionieren.
Du willst fühlen.
Erleben.
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