Die Kunst, sich selbst still zu feiern
Wenn du morgens vor dem Badezimmerspiegel stehst und dein Blick kurz an dir hängen bleibt – nicht prüfend, nicht kritisierend, sondern einfach nur da –, und du spürst, wie eine winzige, fast peinliche Wärme in der Brust hochsteigt, dann bist du bereits mittendrin in dem, worüber ich heute schreiben möchte.
Die meisten Menschen haben verlernt, sich selbst anzuschauen, ohne sofort ein inneres Gericht einzuberufen. Der Bauch ist zu weich, die Haare zu dünn, die Falten zu tief, die Leistung zu mittelmäßig, die Disziplin zu wackelig, die Erfolge zu klein. Das Urteil fällt automatisch, reflexartig, kostenlos und meist vernichtend. Sich selbst zu feiern fühlt sich dagegen an wie ein Akt des Ungehorsams gegenüber dieser jahrzehntelang trainierten inneren Staatsanwaltschaft.
Inhaltsverzeichnis
- Warum Selbstfeiern nichts mit Narzissmus zu tun hat
- Der Preis der permanenten Selbstkritik
- Die kleinen, unscheinbaren Siege, die wir übersehen
- Wie sich Scham und Stolz im Körper anfühlen
- Drei Wege, sich selbst zu ehren, ohne sich lächerlich zu machen
- Die leise Revolution des „Das reicht für heute“
- Wenn andere Menschen dein Licht spiegeln
- Abschied von der Warteschleife „Wenn ich erst …“
- Eine Übung für den Übergang in den Abend
Warum Selbstfeiern nichts mit Narzissmus zu tun hat
Narzissmus braucht Publikum. Er lebt vom Applaus, von der Bewunderung, vom ständigen Vergleich nach oben. Wer sich selbst feiert, braucht niemanden, der zuschaut. Es ist ein intimer, fast verschämter Akt. Man schließt die Tür, dreht das Licht etwas herunter und sagt sich leise: „Das hast du heute wirklich gut gemacht.“ Kein Publikum, kein Instagram-Post, kein „Like“. Nur ein kurzer Moment der Anerkennung zwischen dir und dir.
Viele verwechseln Selbstmitgefühl mit Selbstbetrachtung. Selbstmitgefühl ist wichtig, aber es bleibt meist im Reparaturmodus: „Es ist okay, dass es mir schlecht geht.“ Selbstfeiern hingegen geht aktiv in den Genussmodus: „Es ist schön, dass ich das geschafft habe.“ Beides gehört zusammen, doch das zweite wird in unserer Kultur systematisch unterdrückt.
Der Preis der permanenten Selbstkritik
Wer sich nie genug findet, zahlt einen hohen physiologischen und seelischen Preis. Der Cortisolspiegel bleibt chronisch erhöht, die Erholungsphasen werden kürzer, der Schlaf flacher, die Freude matter. Man lebt in einem dauerhaften Alarmzustand gegenüber dem eigenen Wert. Das ist keine Übertreibung – es ist messbar. Menschen, die sich regelmäßig selbst anerkennen (auch für kleine Dinge), zeigen nachweislich niedrigere Entzündungswerte, besseren Blutdruck und eine höhere Resilienz gegenüber Stress.
Aber vor allem verliert man die Fähigkeit, Freude zu spüren. Freude braucht einen kurzen Moment der Erlaubnis. Wenn diese Erlaubnis grundsätzlich verweigert wird, verdorrt die Freude wie eine Pflanze ohne Licht.
Die kleinen, unscheinbaren Siege, die wir übersehen
Heute Morgen hast du • das Bett gemacht, obwohl du keine Lust hattest, • die E-Mails nicht sofort geöffnet, sondern erst geduscht, • dem Kollegen ein ehrliches „Gute Arbeit“ geschickt statt nur „Danke“, • die Treppe statt den Aufzug genommen, • fünf Minuten mit dem Kind gespielt, ohne aufs Handy zu schauen, • „Nein“ gesagt, ohne dich danach zu rechtfertigen, • die Pflanze gegossen, die schon halb vertrocknet war.
Jeder dieser Augenblicke ist ein kleiner, unscheinbarer Akt von Würde. Niemand klatscht. Niemand schreibt einen Artikel darüber. Und genau deshalb sind sie so wertvoll – weil du sie nur für dich tust.
Wie sich Scham und Stolz im Körper anfühlen
Scham zieht zusammen. Schultern nach vorne, Blick nach unten, Atem flach, Kehle eng, Wärme im Gesicht, aber kalt im Bauch. Stolz hingegen dehnt aus. Brust weit, Schultern zurück, Atem tiefer, Wärme steigt von der Mitte nach oben, manchmal prickelt es sogar in den Fingerspitzen. Die meisten Menschen kennen das zweite Gefühl kaum noch, weil sie es sich verboten haben.
Versuch einmal, absichtlich stolz zu sein – nur für 15 Sekunden. Stell dich hin, heb das Kinn ein wenig, atme tief in den Bauch und sag dir laut (oder leise): „Ich habe heute etwas Wichtiges geschafft.“ Beobachte, was passiert. Die meisten spüren sofort den Impuls, das Gefühl wegzulachen oder kleinzureden. Genau an dieser Stelle beginnt die Arbeit.
Drei Wege, sich selbst zu ehren, ohne sich lächerlich zu machen
- Das abendliche „Danke“-Ritual Nimm dir 90 Sekunden Zeit, bevor du das Licht ausmachst. Nenne drei Dinge, die du heute gut gemacht hast – egal wie klein. Keine Bewertung, nur Feststellung. „Ich habe die Präsentation pünktlich abgegeben. Ich habe meiner Tochter zugehört, ohne sie zu unterbrechen. Ich habe mich hingesetzt und fünf Minuten nichts getan.“ Kein „toll“, kein „super“ – nur die nackte Tatsache. Nach zwei Wochen fühlt sich dieser Moment anders an.
- Der Körper als Zeuge Leg eine Hand auf die Brust, die andere auf den Bauch. Schließe die Augen. Sag dir: „Ich sehe dich. Ich sehe, wie viel du heute getragen hast. Danke.“ Manche Menschen weinen an dieser Stelle. Das ist kein Zeichen von Schwäche – es ist ein Zeichen, dass lange nichts mehr zu diesem Teil von dir gesprochen hat.
- Das sichtbare Symbol Trage für einen Tag etwas, das dich an einen deiner Siege erinnert. Eine Uhr, die du zur Beförderung bekommen hast. Ein Ring, den du dir nach einer schwierigen Trennung gekauft hast. Ein Schal, den du an dem Tag getragen hast, als du endlich gekündigt hast. Jedes Mal, wenn du das Stück berührst oder siehst, sagst du innerlich: „Das habe ich geschafft.“
Die leise Revolution des „Das reicht für heute“
Die meisten Menschen, die sich nie feiern, leben in der ewigen Fortsetzungsgeschichte „Wenn ich erst …“. Wenn ich erst zehn Kilo weniger wiege. Wenn ich erst die Gehaltserhöhung habe. Wenn ich erst die Firma gegründet habe. Wenn ich erst die Kinder aus dem Haus sind. Diese Sätze sind Gefängnisse aus Zukunft.
„Das reicht für heute“ ist der Schlüssel aus diesem Gefängnis. Es ist keine Kapitulation – es ist eine bewusste Entscheidung, dem gegenwärtigen Ich Respekt zu zollen. Du darfst heute schon stolz sein. Nicht auf das Endergebnis, sondern auf den Weg, den du heute gegangen bist.
Wenn andere Menschen dein Licht spiegeln
Manchmal braucht es ein Gegenüber, das dir zeigt, was du übersiehst. Eine Freundin, die sagt: „Weißt du eigentlich, wie stark du warst, als du …?“ Ein Partner, der dich ansieht und leise sagt: „Ich bin stolz auf dich.“ Diese Sätze können sich anfühlen wie ein Stromschlag – weil sie etwas berühren, das du dir selbst verboten hast.
Nimm diese Spiegel an. Widerspreche nicht sofort. Lass den Satz einen Moment wirken. Er ist kein Angriff auf deine Bescheidenheit. Er ist ein Geschenk.
Abschied von der Warteschleife „Wenn ich erst …“
Irgendwann versteht man, dass die Warteschleife nie endet. Es gibt immer ein neues „wenn ich erst“. Die Kunst besteht darin, aus der Schleife auszusteigen, ohne das Streben aufzugeben. Du darfst weiter wachsen – und gleichzeitig schon jetzt feiern, wer du auf dem Weg bist.
Eine Übung für den Übergang in den Abend
Setz dich fünf Minuten lang mit einem Getränk hin – vielleicht ein Kräutertee, vielleicht ein Glas Rotwein, vielleicht einfach Wasser mit Zitrone. Halte das Glas mit beiden Händen. Spüre die Wärme oder Kühle. Atme dreimal tief. Dann sag dir innerlich oder leise:
„Ich habe heute gelebt. Ich habe Fehler gemacht und bin trotzdem weitergelaufen. Ich habe geliebt, so gut ich konnte. Ich habe durchgehalten. Das reicht.“
Mehr braucht es nicht.
Hat dich der Text berührt oder hat er etwas in dir bewegt? Schreib mir gern in die Kommentare: Welcher kleine Sieg von heute würdest du dir heute Abend selbst laut zusprechen? Ich lese jede einzelne Antwort.
Über mich – Andreas Schulze
Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.
Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.
Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.
Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.
Meine Bücher findest du hier: Ebooks für deinen Erfolg
Mein vollständiges Profil findest du hier: Über Mich & Erfolgsebook
Willkommen auf meiner Seite – und in deiner Erfolgsgeschichte.

Alles, was du liebst, wird vergehen.
Menschen. Momente. Gefühle.
Auch du.
Niemand sagt dir das gern ins Gesicht.
Aber dein Leben ist kein unendlicher Raum.
Es ist ein Countdown.
Rein rechnerisch hast du etwa 625.000 bis 700.000 Stunden auf dieser Welt.
Nicht mehr. Nicht weniger.
Ein Großteil davon verschwindet im Schlaf.
Ein weiterer Teil in Terminen, Pflichten, Ablenkung.
Und plötzlich stehst du da und denkst:
Wo ist all die Zeit geblieben?
Das Licht wird nicht langsam dunkler.
Es geht einfach aus.
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