Die Kunst, sich selbst nicht aufzugeben

Die Kunst, sich selbst nicht aufzugeben
Lesedauer 4 Minuten

Die Kunst, sich selbst nicht aufzugeben

In diesem Beitrag möchte ich dich einladen, gemeinsam mit mir in eine Welt einzutauchen, die du vielleicht längst vergessen hast – die Welt deiner eigenen stillen Widerstandskraft. Kein Motivations-Gedöns, keine PowerPoint-Hymnen, sondern ehrliche, manchmal raue, manchmal zärtliche Begegnungen mit Menschen, die weitermachen, obwohl alles in ihnen schreit: „Es reicht jetzt.“

Inhaltsverzeichnis

  • Warum wir uns so oft selbst verraten
  • Der Moment, in dem der Körper ehrlicher spricht als der Kopf
  • Drei unsichtbare Ketten, die fast jeder trägt
  • Wie Hanna aus Flensburg trotzdem weiterging
  • Der japanische Import-Trend „Kintsugi für die Seele“
  • Praktische Mini-Intervention: 7-Atem-Pause
  • Häufige innere Einwände und wie man sie überhört
  • Was bleibt, wenn alles andere wegbricht

Warum wir uns so oft selbst verraten

Du kennst das Gefühl: Der Wecker klingelt um 5:40 Uhr. Du hast dir vorgenommen, joggen zu gehen. Stattdessen drehst du dich um, ziehst die Decke höher und flüsterst dir zu: „Morgen ganz bestimmt.“ Das ist keine Faulheit. Das ist Verrat an einem früheren Ich, das noch geglaubt hat.

Die meisten Menschen verraten sich nicht mit großem Knall. Sie tun es in winzigen, unhörbaren Transaktionen: fünf Minuten mehr Scrollen statt fünf Minuten Journaling, ein „Ist schon okay“ statt einem klaren „Nein, das mache ich nicht mit“, ein „Ich bin eben so“ statt einem „Ich könnte mich ändern“.

Eine sehr häufige innere Transaktion lautet: Sicherheit vor Lebendigkeit. Das limbische System gewinnt fast immer gegen den präfrontalen Kortex, wenn der Cortisol-Spiegel bereits mittelhoch ist.

Der Moment, in dem der Körper ehrlicher spricht als der Kopf

Stell dir vor, du sitzt in einem stickigen Besprechungsraum in Hannover-Mitte. Die Luft riecht nach abgestandenem Kaffee und warmem Druckerpapier. Dein Chef sagt zum dritten Mal: „Das ist jetzt aber wirklich der finale Termin.“ Dein Solarplexus zieht sich zusammen wie eine nasse Faust. Dein Atem wird flacher. Deine Schultern steigen Richtung Ohren.

Der Körper hat längst abgestimmt. Der Kopf schreibt noch Protokoll.

Viele von uns haben verlernt, diese somatischen Abstimmungen ernst zu nehmen. Dabei ist der Körper der einzige Teil von uns, der niemals lügen kann.

Drei unsichtbare Ketten, die fast jeder trägt

  1. Die Kette der guten Tochter / des guten Sohnes „Ich darf niemanden enttäuschen“ → Lebenslang verschobene eigene Wünsche.
  2. Die Kette des fleißigen Mädchens / Jungen „Nur wenn ich mehr leiste als alle anderen, bin ich genug“ → chronische Erschöpfung als Ausweis von Wert.
  3. Die Kette des tapferen Erwachsenen „Andere haben es viel schlimmer, also reiß dich zusammen“ → abgespaltene Traurigkeit, Wut, Erschöpfung.

Jede dieser Ketten hat eine unsichtbare Gravur: „Wenn ich jetzt loslasse, falle ich ins Bodenlose.“

Wie Hanna aus Flensburg trotzdem weiterging

Hanna (38) arbeitet seit elf Jahren im selben Logistikunternehmen in Flensburg. Frühschicht, 4:15 Uhr aufstehen, immer dieselbe Strecke über die A7, immer dieselbe Playlist. Eines Morgens – Nebel liegt so dick über dem Fördeufer, dass man die gegenüberliegende Seite nicht sieht – bleibt sie einfach im Auto sitzen.

Motor aus. Hände am Lenkrad. Tränen laufen, ohne dass sie weint. Sie denkt: „Wenn ich jetzt da reingehe, ist das der Rest meines Lebens.“

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Sie steigt nicht aus.

Stattdessen fährt sie weiter – Richtung Dänemark, über die alte Grenzbrücke. Parkt an einem kleinen Strand bei Sønderhav. Barfuß über kaltes Gras. Setzt sich auf einen Stein. Atmet zum ersten Mal seit Jahren wirklich tief ein.

Später sagt sie: „Ich habe nicht gekündigt. Ich habe nur aufgehört, so zu tun, als wäre das normal.“

Sechs Monate später macht sie eine Ausbildung zur systemischen Beraterin – nebenbei, langsam, mit 50-Prozent-Stelle. Sie sagt: „Ich habe gelernt, dass Weitermachen nicht immer bedeutet, im selben Trott weiterzulaufen.“

Der japanische Import-Trend „Kintsugi für die Seele“

Seit etwa drei Jahren sickert ein Konzept langsam aus japanischen Selbsthilfe- und Therapiekreisen nach Mitteleuropa: Kintsugi als innere Haltung.

Man zerbricht nicht „trotz“ der Bruchstellen – man wird durch sie wertvoller, weil Gold durch die Risse fließt.

Praktisch heißt das: Statt die Narben zu verstecken, benennst du sie liebevoll. „Das ist die Stelle, an der ich gelernt habe, dass ich nicht alles allein tragen muss.“ „Hier hat mich jemand verlassen – und ich habe überlebt.“

Das ist kein positiver Toxic-Mist. Es ist ehrliche Alchemie.

Praktische Mini-Intervention: 7-Atem-Pause

Wenn du spürst, dass du dich gerade selbst verrätst (du sagst Ja, obwohl alles in dir Nein schreit):

  1. Stopp. Wirklich stehenbleiben.
  2. 7 bewusste Atemzüge durch die Nase – länger aus als ein.
  3. Frage deinen Körper leise: „Was brauchst du jetzt wirklich?“
  4. Warte die erste ehrliche Antwort ab (meist kommt sie zwischen Atemzug 4 und 5).
  5. Handle nur nach dieser Antwort – oder verschiebe die Entscheidung bewusst auf später.

Das ist keine Wunderwaffe. Aber es ist ein winziger, wiederholbarer Akt der Treue dir selbst gegenüber.

Häufige innere Einwände und wie man sie überhört

  • „Das können sich andere leisten, ich nicht.“ → Meistens geht es um Prioritäten, nicht um Geld.
  • „Wenn ich jetzt Nein sage, bin ich egoistisch.“ → Egoismus wäre, sich selbst jahrelang zu opfern und dann vor Erschöpfung zusammenzubrechen.
  • „Ich bin schon zu alt / zu spät dran.“ → Das Leben zählt nicht die Jahre, sondern die Momente, in denen du dich getraut hast.

Was bleibt, wenn alles andere wegbricht

Am Ende bleibt meist nur eine einzige Frage:

„Habe ich mich selbst ernst genommen?“

Nicht: Habe ich genug erreicht. Nicht: Habe ich allen gefallen. Sondern: Habe ich mich selbst ernst genommen?

Wenn die Antwort Ja lautet – auch nur in einzelnen, kleinen Momenten –, dann hast du nicht verloren.

Dann hast du angefangen zu gewinnen.

Zitat

„Man muss nicht immer stark sein. Manchmal muss man nur lange genug nicht aufgeben.“ – Unbekannt

Hat dir der Text heute irgendwo wehgetan oder Hoffnung gemacht? Schreib mir gerne in die Kommentare: An welcher Stelle hast du heute schon „nein“ zu dir selbst gesagt – und wie hat sich das angefühlt? Teil ihn mit jemandem, der gerade denkt, er müsste allein durchhalten.

Über mich – Andreas Schulze

Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.

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Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.

Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.

Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.

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