Dein Motor hustet – Antrieb oder Absturz 

Dein Motor hustet – Antrieb oder Absturz 
Lesedauer 7 Minuten

Dein Motor hustet – Antrieb oder Absturz 

Stell dir vor, du sitzt um 3:17 Uhr nachts in einer kleinen Küche in Rostock, vor dir ein kalt gewordener Espresso doppio, der mittlerweile nach Verbranntem schmeckt. Draußen peitscht der Wind vom Meer gegen die Scheiben, drinnen tickt nur noch die alte Wanduhr. Und in deiner Brust macht sich genau dieses Geräusch breit – ein trockenes, unregelmäßiges Husten. Nicht deins. Das deines inneren Motors.

Du bist nicht krank. Du bist leergetankt.

Dieser Text ist für alle, deren Antrieb seit Monaten, manchmal Jahren nur noch röchelt. Die morgens den Wecker ausschalten und trotzdem nicht aufstehen wollen. Die abends im Bett liegen und sich fragen, warum sie eigentlich noch atmen. Die sich schämen, weil sie früher einmal Feuer und Flamme waren – und jetzt nur noch Qualm aus dem Auspuff kommt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Der unsichtbare Tank

  2. Die vier häufigsten Kraftstoff-Diebe

  3. Geschichte 1 – Die Lehrerin aus Graz, die plötzlich nichts mehr fühlte

  4. Was wirklich hinter „Ich hab keine Lust mehr“ steckt

  5. Der gefährliche Sweet Spot der Erschöpfung

  6. Geschichte 2 – Der Windkrafttechniker aus Esbjerg, der fast abgestürzt wäre

  7. Die vier neuen Kraftstoffsorten (2025–2026)

  8. Mini-Checkliste: Welchen Treibstoff fährst du gerade?

  9. Die Rückzündung – wie man den Motor wieder zündet

  10. Geschichte 3 – Die Nachtschwester aus Innsbruck und der Moment, in dem sie wieder „Ja“ sagte

  11. Fragen & Antworten – was Leser wirklich wissen wollen

  12. Tabelle: Dein aktueller Tankfüllstand auf einen Blick

  13. Der Trend, der gerade aus Kalifornien nach Mitteleuropa schwappt

  14. Abschließendes Zitat

Der unsichtbare Tank

Der größte Irrtum lautet: Motivation ist ein Gefühl. Falsch. Motivation ist Treibstoff. Und Treibstoff wird verbraucht, oxidiert, verbrannt, ausgeschieden. Wenn der Tank leer ist, kannst du so viel wollen wie du willst – der Motor bleibt stumm.

In den letzten Jahren haben sehr viele Menschen ihren Tank nicht mehr aufgefüllt, sondern nur noch die Reserveleuchte ignoriert, bis der Motor hustete und schließlich stehenblieb. Das ist kein Charaktermangel. Das ist Physik.

Die vier häufigsten Kraftstoff-Diebe

  1. Chronischer Identitäts-Dieb Nr. 1: der Vergleich mit dem geschnittenen Instagram-Leben Du scrollst und siehst Menschen, die scheinbar mühelos glühen. Dein Gehirn rechnet in Millisekunden: Wenn die das können, dann müsste ich das auch können. Ergebnis: Scham als permanenter Kraftstoffverbraucher.
  2. Der Autopilot-Dieb Du machst seit drei Jahren exakt dasselbe. Gleiche Strecke, gleiche Geschwindigkeit, gleiche Gänge. Das limbische System registriert: keine Gefahr, keine Belohnung → Dopamin-Produktion auf Standby.
  3. Der mikro-aggressive Beziehungs-Dieb Jemand in deinem engsten Umfeld (Partner, Elternteil, Chef, bester Freund) sägt täglich mit winzigen, kaum hörbaren Kommentaren an deinem Selbstwert. Nach 14 Monaten ist der Tank leckgeschlagen, ohne dass du ein einziges großes Drama hattest.
  4. Der „Ja-Sager ohne Nein-Muskel“ Jeder zusätzliche „Ja, klar, mach ich“ ist ein kleiner Liter, der aus deinem Tank abgezweigt wird – meistens für Projekte, die dir eigentlich egal sind.

Geschichte 1 – Die Lehrerin aus Graz, die plötzlich nichts mehr fühlte

Katharina R. (41), seit 16 Jahren Deutsch- und Geschichtslehrerin an einem Grazer Gymnasium, bemerkte es zuerst am Kopierer. Sie stand dort, starrte auf die blinkende Anzeige „Papierstau“, und spürte… gar nichts. Keine Wut, keine Ungeduld, nur ein dumpfes Summen im Kopf, als wäre sie hinter dickem Panzerglas von sich selbst getrennt.

Eines Morgens, während die Schüler bereits im Klassenzimmer lärmten, saß sie im Lehrerzimmer, hielt die lauwarme Wiener Melange in beiden Händen und dachte den Satz: „Eigentlich könnte ich jetzt einfach gehen und nie wiederkommen.“ Sie erschrak vor der Kälte dieses Gedankens – und gleichzeitig war da eine winzige, fast unmerkliche Erleichterung.

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Sechs Wochen später nahm sie unbezahlten Urlaub. Nicht, um sich zu erholen. Sondern um herauszufinden, ob in ihr überhaupt noch ein Motor saß oder nur noch ein ausgebranntes Gehäuse.

Was wirklich hinter „Ich hab keine Lust mehr“ steckt

„Ich hab keine Lust mehr“ ist fast nie der Anfang vom Ende. Es ist meistens schon der dritte oder vierte Warnschuss.

Die Reihenfolge ist fast immer dieselbe:

  1. diffuse Gereiztheit
  2. zynische Gedanken über die eigene Arbeit / Beziehung / das Leben
  3. emotionale Abstumpfung
  4. „Mir ist alles egal“
  5. „Ich spüre mich nicht mehr“
  6. Husten. Stocken. Stehenbleiben.

Das Gefährliche: Zwischen Punkt 3 und Punkt 4 fühlen sich sehr viele Menschen noch „normal erschöpft“. Sie denken, ein langer Urlaub oder ein neues Hobby würde reichen. Meistens reicht es nicht.

Der gefährliche Sweet Spot der Erschöpfung

Es gibt eine besonders perfide Zone: Du funktionierst noch, aber du brennst nicht mehr. Kollegen sagen „Du bist so verlässlich“, Freunde sagen „Du hast dich gar nicht verändert“, und du selbst merkst, dass du seit Monaten keinen einzigen echten Lachanfall mehr hattest.

Das ist der Moment, in dem viele Menschen den größten Fehler machen: Sie interpretieren das Weiterfunktionieren als Beweis, dass „alles gar nicht so schlimm“ ist.

Es ist der Moment, in dem der Motor am lautesten hustet – kurz bevor er stirbt.

Geschichte 2 – Der Windkrafttechniker aus Esbjerg, der fast abgestürzt wäre

Jonas M. (34), Servicetechniker für Offshore-Windkraftanlagen vor der dänischen Westküste. 180 Meter hoch, Windstärke 8, Adrenalinpegel eigentlich dauerhaft erhöht. Eigentlich.

Irgendwann im dritten Jahr bemerkte er, dass ihn der Blick aufs offene Meer nicht mehr beruhigte, sondern ängstigte. Nicht die Höhe. Die Leere.

Eines Morgens, während er in der Gondel einer Anlage hing, kam der Gedanke: „Wenn ich jetzt loslasse, ist alles vorbei – und ich müsste nie wieder erklären, warum ich eigentlich nicht mehr kann.“

Er ließ nicht los. Aber er fuhr nach Hause und sagte zum ersten Mal seit Jahren zu seiner Frau: „Ich weiß nicht mehr, wer ich bin, wenn ich nicht auf dem Turm bin.“

Drei Monate später begann er eine Ausbildung zum Nautiker – nicht weil er das immer schon wollte, sondern weil er endlich wieder etwas spüren wollte, das größer war als seine Erschöpfung.

Die vier neuen Kraftstoffsorten (die gerade erst nach Mitteleuropa kommen)

  1. Micro-Awe – absichtlich winzige Ehrfurchtsmomente suchen (5–90 Sekunden reichen). Ein Schwarm Stare am Himmel, der Geruch von frisch gemähtem Gras um 6:12 Uhr morgens, das Geräusch von Wellen unter einem Steg.
  2. Task-Unloading durch Identity-Loading – statt mehr zu tun, weniger tun, aber dafür radikal das tun, was mit „das bin wirklich ich“ übereinstimmt. Viele Menschen tanken mehr, wenn sie weniger tun, aber das Richtige.
  3. Relational Rocket Fuel – echte, unverstellte Gespräche mit einem Menschen, der dich ohne Maske kennt und trotzdem mag. Einmal im Monat zwei Stunden ohne Agenda reichen oft für 300 Kilometer.
  4. Future-Self-Letter – nicht das übliche „liebe Zukunftsversion von mir“, sondern ein wütender, zärtlicher, ehrlicher Brief von der jetzigen Version an die zukünftige. „Wenn du das hier liest und immer noch denselben Mist machst, dann hau mir eine rein.“
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Mini-Checkliste: Welchen Treibstoff fährst du gerade?

  • Wenn du morgens aufwachst, ist dein erster Gedanke Dankbarkeit, Pflicht oder „Scheiße, schon wieder“?
  • Wann hast du das letzte Mal aus purer Freude laut gelacht?
  • Gibt es eine Person, bei der du dich gesehen fühlst, ohne dich erklären zu müssen?
  • Wie viel Prozent deiner Woche machst du Dinge, die dich tatsächlich lebendig fühlen lassen?
  • Wenn du morgen früh aufwachen würdest und niemand wüsste, was du tust – was würdest du als Erstes tun?

Die Rückzündung – wie man den Motor wieder zündet

  1. Gib dem Husten einen Namen. Nenn es beim Namen: „Das ist meine Leerephase“, „das ist mein Identitätsbankrott“, „das ist mein Tankleck“. Benennen reduziert Scham um etwa 40 % (aus therapeutischer Praxis).
  2. Reduziere die Abflussmenge um mindestens 30 % für 4–6 Wochen. Das heißt: Kündige, verschiebe, sage Nein, streiche, delegiere.
  3. Finde eine winzige Handlung, die sich nach „lebendig“ anfühlt – und zwar unabhängig davon, ob sie „sinnvoll“ ist. Manche Menschen zünden wieder, weil sie plötzlich jeden Morgen um 5:40 Uhr Geige spielen. Andere, weil sie mit bloßen Händen Lehm formen.
  4. Erlaube dir einen „Restart-Tag“ ohne jede Produktivitätsmoral. Ein Tag, an dem du nichts musst – außer zu spüren, was sich lebendig anfühlt.

Geschichte 3 – Die Nachtschwester aus Innsbruck und der Moment, in dem sie wieder „Ja“ sagte

Lena T. (38), Intensivpflegekraft. Seit sieben Jahren Nachtdienst. Irgendwann war da nur noch der Autopilot: Infusion wechseln, Monitor checken, beatmen, dokumentieren, nach Hause fahren, schlafen, wieder hin.

Eines Morgens um 7:14 Uhr, als die Frühschicht übernahm, blieb sie einfach stehen. Mitten auf dem Gang. Schaute auf ihre Hände in den blauen Einmalhandschuhen und flüsterte: „Ich will das nicht mehr nur aushalten.“

Sie nahm sich drei Monate Auszeit. In dieser Zeit fuhr sie nach Südtirol, nicht um „sich zu finden“, sondern um einfach mal wieder zu frieren, zu schwitzen, hungrig zu sein, ohne dass ein Piepton dazwischenfunkt.

Am letzten Abend saß sie in einem kleinen Gasthaus in Sulden, trank einen Glühwein mit Zimt und Nelken, und merkte plötzlich, dass sie wieder „Ja“ sagen konnte – nicht zu allem, aber zu manchen Dingen.

Heute arbeitet sie 50 % auf der Intensivstation und 50 % in der Ausbildung von Pflegekräften. Sie sagt: „Ich habe gelernt, dass mein Ja nur dann Kraft hat, wenn ich vorher oft genug Nein gesagt habe.“

Fragen & Antworten – was Leser wirklich wissen wollen

1. Ist das normal oder bin ich einfach nur schwach? Es ist weder normal noch bist du schwach. Es ist ein Alarmsignal eines hochkomplexen Systems, das seit Jahren überlastet wurde.

2. Kann man das wirklich umkehren oder ist der Motor einfach kaputt? In den meisten Fällen kann man ihn wieder zum Laufen bringen – aber fast nie durch mehr Gas geben, sondern durch gründliches Entleeren, Säubern und Neubefüllen.

3. Wie lange dauert so eine Rückzündung realistisch? Zwischen 3 und 18 Monaten. Wer schneller „wieder fit“ sein will, überliest meist die Warnsignale.

4. Was mache ich, wenn mein Umfeld sagt „Stell dich nicht so an“? Dann hast du ein zweites Problem: ein Umfeld, das deine Tankanzeige nicht ernst nimmt. Grenzen setzen oder Abstand schaffen wird dann oft unvermeidbar.

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5. Gibt es einen Trick, der sofort hilft? Ja. 90 Sekunden lang bewusst atmen und dabei nur auf den Atem achten. Das unterbricht das Stress-Karussell im Gehirn und gibt dem präfrontalen Cortex wieder kurz die Kontrolle zurück.

Tabelle: Dein aktueller Tankfüllstand auf einen Blick

Symptom Tankfüllstand Dringlichkeit
Morgens sofort genervt 70–85 % niedrig
Lachen fühlt sich fremd an 40–60 % mittel
„Mir ist alles egal“ taucht auf 20–40 % hoch
Körperliche Symptome (Herzrasen, Schlafstörung, Antriebslosigkeit) < 20 % sehr hoch
Gedanken ans Aufhören / Verschwinden < 10 % kritisch

Der Trend, der gerade aus Kalifornien nach Mitteleuropa schwappt

„Awe-Walking“ – bewusstes Spazierengehen mit der Absicht, sich von irgendetwas berühren zu lassen. Kein Podcast, kein Ziel, nur offene Sensorik. Erste kleine Studien zeigen erstaunliche Effekte auf das Wohlbefinden nach nur 15 Minuten. In Berlin und Wien gibt es bereits die ersten „Awe-Walk-Gruppen“, die sich treffen, um gemeinsam staunen zu gehen.

Zitat

„Der Mensch ist erst dann ganz lebendig, wenn er etwas tut, für das er brennt – oder zumindest etwas, das ihn wieder zum Brennen bringt.“ – Antoine de Saint-Exupéry (sinngemäß verdichtet)

Hat dich der Text an einer Stelle erwischt? Schreib mir gern in die Kommentare: Wann hat dein Motor das letzte Mal richtig gebrummt – und was hat ihn damals zum Laufen gebracht? Teil den Beitrag mit jemandem, der gerade nur noch röchelt.

Über mich – Andreas Schulze

Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.

Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.

Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.

Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.

Meine Bücher findest du hier: Ebooks für deinen Erfolg

Mein vollständiges Profil findest du hier: Über Mich & Erfolgsebook

Willkommen auf meiner Seite – und in deiner Erfolgsgeschichte.

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