Das verborgene Leuchten in alltäglichen Momenten
In einer Welt, die pausenlos nach dem großen Glück schreit, passiert das Erstaunliche oft unhörbar: Ein Löffel, der in einer Tasse mit frisch aufgebrühtem Earl Grey leise klirrt. Das kurze, fast schüchterne Lächeln der Kassiererin im REWE an der Kasse 7, obwohl sie seit sechs Stunden steht. Der Moment, in dem der Wind durch die noch kahlen Birken am Leineufer bei Göttingen fährt und für genau zwei Sekunden riecht wie Frühling, obwohl Kalender und Wetter-App das Gegenteil behaupten.
Inhaltsverzeichnis
- Warum wir das Große im Kleinen übersehen
- Die neuronale Logik der kleinen Freuden
- Szene 1: Der Busfahrer in Flensburg
- Szene 2: Die Pflegefachkraft in Graz
- Szene 3: Die Datenkuratorin in Thun
- Was passiert, wenn wir absichtlich hinschauen
- Praktische Mini-Interventionen (keine 21-Tage-Challenges)
- Der Trend: Micro-Joy-Tracking aus Japan & Südkorea
- Häufige innere Einwände und wie sie klingen
- Kurze Frage-Antwort-Runde
- Abschließende Notiz
Warum wir das Große im Kleinen übersehen
Das Gehirn ist ein notorischer Snob. Es scannt permanent nach Bedrohungen und nach Status-Signalen – ein Erbe aus der Savanne. Ein Cappuccino mit perfekter Schaumkrone oder fünf Minuten Stille im Treppenhaus nach der Spätschicht registriert es hingegen unter „nicht lebensentscheidend“ und schiebt die Wahrnehmung in den Keller der Aufmerksamkeit.
Dabei wissen wir aus der Praxis (und aus mehreren Längsschnittstudien zur subjektiven Lebenszufriedenheit), dass Menschen, die regelmäßig kleine positive Momente bewusst markieren, langfristig resilienter werden als jene, die nur auf die nächsten drei großen Meilensteine starren.
Die neuronale Logik der kleinen Freuden
Wenn du einen echten, wenn auch winzigen Moment von Wohlgefühl bewusst wahrnimmst und für zwei bis drei Atemzüge darin verharrst, feuert der Nucleus accumbens etwas stärker und der ventromediale präfrontale Cortex bekommt eine kleine Bestätigung: „Sicherheit vorhanden. Weitermachen lohnenswert.“ Das summiert sich. Nicht linear – eher wie Zinseszins auf einem Sparkonto, das niemand sehen will.
Szene 1 – Der Busfahrer in Flensburg
Torben M. (43), Linienbusfahrer auf der 14er-Strecke vom ZOB zum Solitüde-Friedhof, trägt seit drei Jahren immer dasselbe dunkelgraue Fleece. Morgens um 5:12 Uhr, wenn die Scheiben noch beschlagen sind und die Heizung nach verbranntem Staub riecht, macht er dasselbe Ritual: Er stellt den Motor kurz ab, öffnet das Fenster zwei Handbreit, zündet sich keine Zigarette an (er hat vor vier Jahren aufgehört), sondern atmet einmal sehr tief die salzige, kalte Fördeluft ein.
In diesem einen Atemzug ist er nicht der Mann, dessen Rücken nach acht Stunden Schicht wie Beton ist. Nicht der Vater, der gestern wieder mit seinem Sohn wegen der verweigerten Handyzeit gestritten hat. Er ist nur ein Säugetier, das für 4 Sekunden spürt, dass es lebendig ist und am Meer steht.
Er nennt das nicht „Achtsamkeit“. Er nennt es „kurz mal Luft holen“. Aber genau das ist es.
Szene 2 – Die Pflegefachkraft in Graz
Lena S. (31), exam. Gesundheits- und Krankenpflegerin auf der Palliativstation LKH Graz II. Sie trägt seit Neuestem dunkelolivfarbene Scrubs, weil Weiß bei den Flecken zu deprimierend wirkt. Um 3:40 Uhr nachts, wenn die Monitore nur noch leise piepsen und der Gang nach Desinfektionsmittel riecht, geht sie manchmal in die kleine Teeküche, schließt die Tür und gießt sich einen türkischen Mokka auf, den sie viel zu stark macht.
Sie rührt nicht um. Sie schaut nur zu, wie sich der Kaffeesatz langsam nach unten bewegt. In diesen 70 Sekunden ist sie nicht diejenige, die gleich wieder zu Frau H. muss, die seit drei Tagen im Sterben liegt und trotzdem noch jeden Morgen fragt, ob ihre Katze gefüttert wurde. In diesen 70 Sekunden ist sie einfach jemand, der etwas Warmes in den Händen hält und dem der bittere Geruch in der Nase brennt.
Später, wenn sie wieder am Bett sitzt und Frau H. die Hand hält, schmeckt sie den Mokka noch auf der Zunge. Das hält sie wach. Nicht Koffein. Sondern die Erinnerung, dass sie gerade etwas für sich selbst getan hat.
Szene 3 – Die Datenkuratorin in Thun
Nadine K. (28), Datenkuratorin bei einem kantonalen Archiv in Thun. Sie sitzt in einem umgebauten Altstadthaus, dessen Fenster auf den Aare-Ausfluss zeigen. An Tagen, an denen die Digitalisierung sie auffrisst (Pixelrauschen, Metadatenfehler, OCR-Schrott), macht sie um 11:07 Uhr folgendes: Sie geht ans Fenster, öffnet es, lehnt sich hinaus und hört genau 60 Sekunden lang nur dem Wasser zu.
Die Aare ist an dieser Stelle schnell und hellgrün. Sie macht ein konstantes, tiefes Rauschen, das sich nie wiederholt und doch immer gleich bleibt. Nadine sagt, dieses Geräusch sei das Einzige in ihrem Job, das garantiert nicht gelogen ist.
Wenn sie sich danach wieder hinsetzt, tippt sie plötzlich schneller. Nicht weil sie motiviert ist. Sondern weil sie für einen Moment erinnert wurde, dass die Welt außerhalb des Bildschirms weiter existiert und dass sie Teil davon ist.
Was passiert, wenn wir absichtlich hinschauen
Die meisten von uns haben verlernt, kleine Freude-Momente bewusst zu verlängern. Wir konsumieren sie im Vorbeigehen wie Fast Food. Doch genau das Verlängern (drei bewusste Atemzüge, ein inneres „Danke“, ein winziger mentaler Screenshot) verändert die Bilanz.
Aktuell kommt aus Japan und Südkorea ein Ansatz herüber, der „Micro-Joy-Tracking“ genannt wird: Man notiert sich pro Tag drei winzige Dinge, die gut waren – maximal 8–12 Wörter pro Eintrag. Keine Dankbarkeits-Essays. Nur Fakten. „Der Busfahrer hat mich gegrüßt.“ „Der Wind roch nach Seegras.“ „Der Kakao war genau richtig heiß.“ Nach sechs Wochen berichten viele Teilnehmer von spürbar weniger Grübeln in Belastungsphasen.
Praktische Mini-Interventionen (keine 21-Tage-Challenges)
- Der 7-Sekunden-Stopp Sobald du etwas Angenehmes bemerkst (Wärme der Tasse, Vogelruf, gutes Lied im Ohr), zähle innerlich langsam bis sieben und bleibe genau dort.
- Der sensorische Anker Wähle einen Alltagsgegenstand (deine Jacke, der Schlüsselanhänger, die Wasserflasche) und entscheide: Wenn ich ihn berühre, halte ich für drei Sekunden inne und nehme wahr, was gerade gut ist.
- Der Mikro-Moment-Screenshot Mach innerlich ein Foto: Farbe, Geruch, Temperatur, Gefühl auf der Haut. Kein echtes Foto. Nur die Absicht, es abzuspeichern.
Kurze Frage-Antwort-Runde
Warum fühlt sich das nicht nach echter Freude an? Weil wir „Freude“ meist mit großen Events gleichsetzen. Die kleinen Momente erzeugen eher sanfte Dopamin-Wellen – sie sind leiser, aber häufiger verfügbar.
Muss ich jeden Tag drei Dinge notieren? Nein. Schon einer pro Tag reicht. Qualität vor Quantität.
Was, wenn ich gerade gar nichts Positives sehe? Dann ist der Moment, in dem du es dir eingestehst („Heute ist echt alles grau“), bereits ein ehrlicher Kontakt mit dir selbst – und damit paradoxerweise schon ein winziger positiver Akt.
Ist das nicht wieder nur Positives Denken 2.0? Nein. Es geht nicht darum, alles schönzureden. Es geht darum, das, was bereits gut ist, nicht länger zu übersehen.
Wie lange dauert es, bis man einen Effekt spürt? Bei den meisten Menschen 10–14 Tage regelmäßiges bewusste Wahrnehmen.
Der aktuelle Trend, der gerade nach Mitteleuropa kommt
In Seoul und Tokio nennen sie es inzwischen „Koko ni Aru Yorokobi“ („Die Freude, die genau hier ist“). Junge Erwachsene teilen in geschlossenen Gruppen nur Ein-Wort- oder Ein-Satz-Momente: „Regengeruch“, „warme Socken“, „der Bus kam pünktlich“. Keine Filter, keine Likes. Nur das Teilen selbst wirkt bereits wie eine kleine kollektive Umarmung.
Hat dir der Text heute irgendwo einen kleinen, fast unsichtbaren Moment gezeigt, den du sonst übersehen hättest? Schreib ihn mir gern in die Kommentare – nur ein Satz, nur für dich und mich. Und wenn es dir guttat, schick ihn an jemanden, der gerade alles grau sieht.
Über mich – Andreas Schulze
Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.
Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.
Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.
Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.
Meine Bücher findest du hier: Ebooks für deinen Erfolg
Mein vollständiges Profil findest du hier: Über Mich & Erfolgsebook
Willkommen auf meiner Seite – und in deiner Erfolgsgeschichte.

Alles, was du liebst, wird vergehen.
Menschen. Momente. Gefühle.
Auch du.
Niemand sagt dir das gern ins Gesicht.
Aber dein Leben ist kein unendlicher Raum.
Es ist ein Countdown.
Rein rechnerisch hast du etwa 625.000 bis 700.000 Stunden auf dieser Welt.
Nicht mehr. Nicht weniger.
Ein Großteil davon verschwindet im Schlaf.
Ein weiterer Teil in Terminen, Pflichten, Ablenkung.
Und plötzlich stehst du da und denkst:
Wo ist all die Zeit geblieben?
Das Licht wird nicht langsam dunkler.
Es geht einfach aus.
Genau deshalb ist Zeit das Wertvollste, was du besitzt –
und gleichzeitig das, was die meisten Menschen am achtlosesten verlieren.
Alles, was du liebst, ist endlich.
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