Das innere Kind ruft leise heim
Inhaltsverzeichnis
-
Der Moment, in dem die Maske fällt
-
Die erste Spur – ein Geruch, der nicht vergeht
-
Warum wir das Kind so gründlich vergraben haben
-
Die Sprache, die nur das Kind noch spricht
-
Ein unsichtbarer Vertrag mit der Erwachsenenwelt
-
Der erste vorsichtige Blick zurück
-
Wenn Scham zur Mauer wird
-
Die Kunst, ohne Erlaubnis zu spielen
-
Ein fremder Junge in einem fremden Land
-
Die Brücke aus dem Schweigen
-
Wie das Kind uns rettet, wenn wir es am wenigsten erwarten
-
Der alltägliche Mut, kindlich zu sein
-
Was bleibt, wenn die Angst geht
-
Abschied von der perfekten Fassade
-
Nach Hause kommen – ohne Karte
Der Moment, in dem die Maske fällt
Du stehst in der Schlange an der Kasse im Bioladen in Hannover-Kirchrode, hältst einen Becher Sojadrink in der Hand und plötzlich – ohne Vorwarnung – steigt dir der Geruch von frisch gemähtem Gras in die Nase. Nicht von draußen. Von innen. Deine Lungen füllen sich mit Sommer 1987, mit barfuß über die Wiese rennen, mit dem Gefühl, dass die Welt erst beginnt, wenn du lachst. Deine Kehle wird eng. Du bist 42. Die Kassiererin fragt „Tüte?“. Du nickst mechanisch. Aber etwas in dir hat sich gerade umgedreht wie ein Tier, das lange geschlafen hat.
Das war kein nostalgischer Anfall. Das war ein Hilferuf.
Die erste Spur – ein Geruch, der nicht vergeht
Gerüche sind die einzigen Zeitmaschinen, die keine Batterie brauchen. Eine alte Frau in einem Linienbus in Graz erzählte einmal, sie habe nach 38 Jahren wieder den Duft von Lindenblüten in der Straßenbahn gerochen – und plötzlich war sie wieder sieben und hatte Angst vorm Zahnarzt. Sie begann zu weinen, mitten im Berufsverkehr. Niemand hat sie getröstet. Alle taten so, als sähen sie es nicht. Wir haben verlernt, solche Momente ernst zu nehmen.
Doch genau dort liegt der Eingang.
Warum wir das Kind so gründlich vergraben haben
Wir haben es nicht aus Bosheit getan. Wir haben es aus Notwehr getan.
Der kleine Junge, der jeden Käfer mit Namen begrüßte, wurde irgendwann ausgelacht. Das Mädchen, das stundenlang mit einer leeren Streichholzschachtel als Raumschiff spielte, bekam zu hören: „Sei doch mal ernst.“ Irgendwann haben wir beide verstanden: Wenn du dich zeigst, wirst du verletzt. Also haben wir den Vertrag unterschrieben. Unsichtbar. Ohne Blut. Nur mit Schweigen.
Heute tragen wir die Unterschrift immer noch – in der Art, wie wir „eigentlich“ sagen, wenn wir etwas wirklich wollen. In der Art, wie wir uns entschuldigen, wenn wir lachen. In der Art, wie wir uns klein machen, sobald jemand die Stimme hebt.
Die Sprache, die nur das Kind noch spricht
Das Kind spricht in Ausrufen. In Farben. In „Guck mal!“ und „Nochmal!“ und „Warum nicht?“ Es hat keine PowerPoint-Folien. Keine Agenda. Keine Absicherungssätze wie „unter dem Vorbehalt, dass…“.
Wenn du dem Kind wieder zuhörst, merkst du: Es benutzt nur vier Satzbauarten:
- Ich will…
- Das ist schön!
- Guck mal, was ich kann!
- Warum darf ich nicht…?
Das sind keine Kinder-Sätze. Das sind Ur-Sätze. Die Sprache vor der Zensur.
Ein unsichtbarer Vertrag mit der Erwachsenenwelt
Der Vertrag lautet ungefähr so:
„Ich verspreche, nie wieder laut zu träumen, wenn du mir im Gegenzug Sicherheit gibst. Ich werde pünktlich, angepasst und nützlich sein. Ich werde meine Sehnsucht in Excel-Tabellen pressen und meine Wut in Ironie umleiten. Im Gegenzug wirst du mich nicht mehr verlassen.“
Die Erwachsenenwelt hat ihren Teil gehalten. Wir sind nicht verlassen worden. Wir haben uns selbst verlassen.
Der erste vorsichtige Blick zurück
Es beginnt meist unspektakulär.
Eine Frau in Linz, Mitte 30, Abteilungsleiterin in einer Versicherung, kauft sich heimlich Buntstifte. Nicht für die Nichte. Für sich. Sie versteckt sie in der untersten Schublade wie Pornografie. Eines Abends malt sie einen riesigen, schiefen Regenbogen auf ein Blatt Kopierpapier. Sie weint. Nicht aus Trauer. Aus Erleichterung. Das Kind hat sie gefunden.
Ein Mann in Kiel, Schichtleiter in einer Werft, fängt an, in der Mittagspause kleine Boote aus Streichhölzern zu bauen. Er zeigt sie niemandem. Aber er lächelt dabei. Zum ersten Mal seit Jahren lächelt er, ohne dass jemand einen Witz gemacht hat.
Wenn Scham zur Mauer wird
Scham ist der Wächter am Tor. Er sagt: „Wenn du das Kind reinlässt, lachen sie wieder. Sie werden dich für lächerlich halten. Für unreif. Für schwach.“
Und meistens hat er recht. Die ersten Male, in denen du kindlich wirst, lachen tatsächlich welche. Aber nicht alle. Und nicht für immer.
Die Kunst, ohne Erlaubnis zu spielen
Du musst dir keine Erlaubnis holen, wieder zu spielen. Das ist der entscheidende Punkt. Das Kind hat nie um Erlaubnis gebeten. Es hat einfach angefangen.
Heute kannst du das auch.
- Tanze in der Küche, während der Wasserkocher pfeift.
- Male mit Ketchup auf den Tellerrand.
- Ruf laut „Jaaaaaaa!“ wenn dir etwas gelingt, auch wenn niemand da ist.
- Leg dich auf den Boden und schau dir die Zimmerdecke an, als wäre sie der Himmel.
Keiner wird kommen und dir eine Medaille verleihen. Aber etwas in dir wird sich entspannen. Etwas, das seit Jahrzehnten die Luft anhält.
Ein fremder Junge in einem fremden Land
Stell dir vor, du triffst in einem kleinen Café in Lugano einen Deutschen, der seit fünf Jahren dort lebt. Er heißt Nils, ist 39, arbeitet als Windkrafttechniker in den Alpen. Früher war er Controller in Frankfurt. Eines Tages hat er gekündigt, weil er beim Blick aus dem Fenster nur noch Excel-Tabellen sah, obwohl draußen der Luganer See glitzerte.
Jetzt klettert er in 120 Meter Höhe an Windrädern herum. Wenn er abends nach Hause kommt, zieht er die Stiefel aus, setzt sich auf den Balkon und summt Kinderlieder, die er seit der Grundschule nicht mehr gesungen hat. Er sagt: „Ich hab das Gefühl, ich hole jemanden ab, der 30 Jahre lang an der falschen Bushaltestelle gewartet hat.“
Die Brücke aus dem Schweigen
Das Kind spricht nicht über Gefühle. Es zeigt sie.
Wenn es wütend ist, stampft es. Wenn es traurig ist, legt es sich hin und heult in den Teppich. Wenn es liebt, rennt es mit offenen Armen auf dich zu.
Du musst diese Sprache nicht lernen. Du musst sie nur wieder zulassen.
Wie das Kind uns rettet, wenn wir es am wenigsten erwarten
In einer Klinik für Burnout in Bad Tölz erzählte eine Stationsschwester, dass die Patienten, die am längsten brauchen, um wieder zu lachen, meist die sind, die als Kinder am lautesten lachten. Sie haben es verlernt, um zu überleben. Und genau deshalb brauchen sie so lange, um es wieder zu lernen.
Das Kind ist kein Luxus. Es ist der Rettungsring.
Der alltägliche Mut, kindlich zu sein
- Sag „Nein“ ohne Begründung.
- Freu dich laut über einen Schmetterling.
- Weine in der Öffentlichkeit, wenn dir danach ist.
- Frag „Warum?“ auch wenn alle anderen schon aufgegeben haben.
Jedes Mal, wenn du das tust, baust du die Mauer ein Stück weiter ab.
Was bleibt, wenn die Angst geht
Wenn die Scham kleiner wird, bleibt etwas Erstaunliches zurück: Zärtlichkeit. Nicht die weichgespülte Variante. Sondern die rohe, ungeschützte, kindliche Zärtlichkeit gegenüber dir selbst.
Du hörst auf, dich zu entschuldigen, dass du existierst.
Abschied von der perfekten Fassade
Die perfekte Fassade war nie Schutz. Sie war Gefängnis.
Wenn du sie abreißt – nicht mit Gewalt, sondern mit kleinen, täglichen Akten der Ehrlichkeit – dann stehst du plötzlich nackt da. Und merkst: Die Welt geht nicht unter. Sie atmet sogar ein bisschen leichter.
Zitat
„Man muss sein Leben rückwärts leben, um es vorwärts zu verstehen.“ – Søren Kierkegaard
Frage-Antwort-Tabelle
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Darf man als Erwachsener wirklich wieder kindisch sein? | Ja. Kindisch ist nicht dasselbe wie infantil. Kindisch heißt lebendig, neugierig, spontan. Infantiler ist, wer sich für alles entschuldigt, was er fühlt. |
| Wie merke ich, dass mein inneres Kind sich meldet? | Meist durch plötzliche Körperreaktionen: Lachen ohne Grund, Kloß im Hals bei einem Kinderlied, Lust, barfuß zu laufen, unkontrolliertes „Wow!“ beim Anblick von etwas Schönem. |
| Was, wenn die anderen mich auslachen? | Dann lachen sie über ihre eigene verschüttete Sehnsucht. Du musst nicht mitlachen. Du darfst einfach weiter du sein. |
| Muss ich dafür meine ganze Persönlichkeit umkrempeln? | Nein. Ein Prozent mehr Kind pro Tag reicht. Der Rest kommt von allein. |
| Ist das nicht nur Selbstbetrachtung für privilegierte Menschen? | Nein. Gerade Menschen in harten Jobs – Pflege, Schichtarbeit, Handwerk – brauchen diesen Zugang oft am dringendsten, weil sie am meisten gelernt haben, sich zu verbiegen. |
Aktueller Trend aus Übersee, der langsam nach Europa kommt
In Kanada und Teilen Australiens entstehen sogenannte „Inner-Child-Walks“ – geführte Spaziergänge, bei denen Erwachsene mit einem Therapeuten oder Coach bewusst kindliche Aktivitäten machen: Pfützen springen, Drachen steigen lassen, mit Kreide auf den Gehweg malen. Erste Gruppen gibt es nun auch in Berlin und Utrecht.
Hat dir der Text etwas berührt oder freigesetzt? Schreib mir gern in die Kommentare: Welcher kleine Moment hat heute dein inneres Kind kurz zum Vorschein gebracht? Teile den Beitrag mit jemandem, der gerade sehr ernst ist – vielleicht lächelt er danach wieder wie früher.
Über mich – Andreas Schulze
Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.
Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.
Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.
Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.
Meine Bücher findest du hier: Ebooks für deinen Erfolg
Mein vollständiges Profil findest du hier: Über Mich & Erfolgsebook
Willkommen auf meiner Seite – und in deiner Erfolgsgeschichte.

Alles, was du liebst, wird vergehen.
Menschen. Momente. Gefühle.
Auch du.
Niemand sagt dir das gern ins Gesicht.
Aber dein Leben ist kein unendlicher Raum.
Es ist ein Countdown.
Rein rechnerisch hast du etwa 625.000 bis 700.000 Stunden auf dieser Welt.
Nicht mehr. Nicht weniger.
Ein Großteil davon verschwindet im Schlaf.
Ein weiterer Teil in Terminen, Pflichten, Ablenkung.
Und plötzlich stehst du da und denkst:
Wo ist all die Zeit geblieben?
Das Licht wird nicht langsam dunkler.
Es geht einfach aus.
Genau deshalb ist Zeit das Wertvollste, was du besitzt –
und gleichzeitig das, was die meisten Menschen am achtlosesten verlieren.
Alles, was du liebst, ist endlich.
Darum ist „später“ eine gefährliche Lüge.
Nicht irgendwann.
Nicht wenn es ruhiger wird.
Nicht wenn du mehr Zeit hast.
Jetzt.
Heute.
In diesem Moment.
erfolgsebook.com existiert aus genau einem Grund:
Dir zu helfen, aus begrenzter Lebenszeit ein bewusstes Leben zu machen.
Nicht mit Druck.
Nicht mit leeren Parolen.
Sondern mit Klarheit.
Impulse, die dir zeigen:
– warum Genuss ohne Richtung dich leer zurücklässt
– warum Erfolg ohne Sinn dich trotzdem müde macht
– und wie aus bloßer Existenz ein Leben mit Tiefe wird
Keine Theorien.
Keine Motivationsfloskeln.
Sondern Gedanken, die dich dein Leben neu sehen lassen.
Viele Leser sagen danach:
„Ich renne meiner Zeit nicht mehr hinterher.
Ich entscheide, wofür ich sie einsetze.“
Und dann kommt der Satz, den niemand je hören wollte –
aber fast jeder irgendwann fühlt:
Eines Tages wachst du auf –
und es gibt kein ‚später‘ mehr für das,
was dir wirklich wichtig war.
Wenn du begreifst, dass du nur dieses eine Leben hast,
willst du nicht länger funktionieren.
Du willst fühlen.
Erleben.
Spuren hinterlassen – in deinem Herzen und in dem der Menschen, die du liebst.
Abonniere den Newsletter.
Nicht aus Angst.
Sondern aus Respekt vor deiner Zeit.
Du kannst deine Stunden nicht vermehren.
Aber du kannst entscheiden,
dass sie Bedeutung haben.
Jede einzelne.
