Akzeptiere dich, bevor du aufbrichst!
Stell dir vor, du stehst morgens vor dem Spiegel in einer kleinen Wohnung in Regensburg. Der Nebel hängt noch über der Donau, das Licht ist bleich, fast zögerlich. Du schaust dir in die Augen und spürst sofort den alten, vertrauten Stich: Da ist jemand, der dir nicht gefällt. Nicht genug. Nicht richtig. Noch nicht fertig. Und genau in diesem Moment entscheidet sich, ob der Tag ein weiterer Versuch wird, jemand anderes zu werden – oder der erste Tag, an dem du aufhörst zu verhandeln.
Du bist nicht allein damit.
In den letzten Jahren habe ich mit Hunderten von Menschen gesprochen – in Coachings, in stillen Zoom-Gesprächen um 22 Uhr, in Live-Sessions, in langen E-Mails um drei Uhr morgens. Fast immer kommt irgendwann der Satz: „Wenn ich erst … dann kann ich mich endlich akzeptieren.“ Wenn ich erst zehn Kilo weniger wiege. Wenn ich endlich den Job gewechselt habe. Wenn ich eine Beziehung habe, die vorzeigbar ist. Wenn ich finanziell sicher bin. Wenn ich bewiesen habe, dass ich es wert bin.
Die Wahrheit ist bitter und zugleich befreiend: Dieser Deal funktioniert nie.
Selbstakzeptanz ist kein Preis, den man sich irgendwann verdient. Sie ist die Startbahn.
Inhaltsverzeichnis
- Warum Selbstablehnung der teuerste Kredit ist, den du je aufnimmst
- Der neurobiologische Trick, mit dem dein Gehirn dich klein hält
- Die drei unsichtbaren Verträge, die fast jeder mit sich selbst unterschreibt
- Wie sich echte Akzeptanz körperlich anfühlt (und warum sie sich zuerst fremd anfühlt)
- Die Geschichte von Hanna aus Graz und Jonas aus Kiel
- Der gefährliche Sweet Spot zwischen Akzeptanz und Stillstand
- Eine sehr praktische 4-Stufen-Übung, die du heute Abend machen kannst
- Der Trend aus Kalifornien, der gerade leise nach Mitteleuropa sickert
- Tabelle: Was sich konkret verändert, wenn du dich zuerst annimmst
- Frage-Antwort-Runde: Die häufigsten Einwände und was wirklich dahintersteckt
- Abschlussgedanke
Warum Selbstablehnung der teuerste Kredit ist, den du je aufnimmst
Selbstablehnung ist keine Emotion. Sie ist ein Geschäftsmodell.
Du leihst dir täglich Energie, Klarheit, Mut und Lebenszeit – und zahlst dafür horrende Zinsen in Form von Grübeleien, Vergleichen, übertriebenem Perfektionismus, People-Pleasing, Selbstsabotage und diffuser Erschöpfung.
Eine Frau namens Hanna, Mitte 30, Steuerberaterin in Graz, formulierte es einmal so: „Ich habe zwölf Jahre lang jeden Tag Überstunden gemacht, um mir selbst zu beweisen, dass ich trotz meiner Körperform gut genug bin. Am Ende hatte ich eine Burnout-Diagnose, 42.000 Euro Gehalt mehr – und immer noch das Gefühl, nicht zu genügen.“
Der Körper hat mitgezahlt. Cortisol chronisch erhöht. Schilddrüse runtergefahren. Schlaf zerstört. Immunsystem geschwächt. Das ist kein Zufall. Das ist Mathematik.
Der neurobiologische Trick, mit dem dein Gehirn dich klein hält
Dein Gehirn ist ein Konservierungsapparat. Es liebt bekannte Zustände – auch wenn sie schmerzhaft sind.
Solange du dich selbst ablehnst, bleibt das Belohnungssystem in einem Dauer-Notfallmodus. Du jagst ständig kleine Dopamin-Happen (Likes, Lob, Beförderung, Kompliment, Waage zeigt minus 800 g), aber das tiefe, langsame Oxytocin- und Serotonin-System, das echte Selbstwert von innen erzeugt, bleibt unterversorgt.
Eine interessante Beobachtung aus der Neuropsychologie der letzten Jahre: Menschen, die sich selbst stärker akzeptieren, zeigen im fMRT eine deutlich geringere Aktivität im anterioren cingulären Cortex (der „Fehlermelder“) und gleichzeitig stärkere Verbindungen zwischen präfrontalem Cortex und Insula – genau die Netzwerke, die für Selbstmitgefühl und emotionale Regulation zuständig sind.
Kurz gesagt: Wer sich annimmt, feuert nicht ständig den Feueralarm im Kopf ab. Das spart immense Energie.
Die drei unsichtbaren Verträge, die fast jeder mit sich selbst unterschreibt
Vertrag Nr. 1 – Der Wenn-dann-Deal „Ich darf mich erst mögen, wenn …“ Die häufigsten Klauseln: schlanker, reicher, erfolgreicher, ruhiger, witziger, spiritueller, disziplinierter, beliebter.
Vertrag Nr. 2 – Der Vergleichsvertrag „Solange jemand anderes schöner, erfolgreicher, glücklicher aussieht, bin ich nicht erlaubt.“ Das perfide daran: Der Vergleichsmaßstab bewegt sich ständig mit – je besser du wirst, desto höher wandert die Latte.
Vertrag Nr. 3 – Der Bußgeldvertrag „Ich habe damals … deshalb verdiene ich es nicht, glücklich zu sein / mich zu zeigen / Geld zu verdienen / Liebe zu bekommen.“ Kindheitsprägungen, Fehlentscheidungen mit 23, Trennungen, Kündigungen – alles wird zu ewig gültigen Strafbefehlen.
Wie sich echte Akzeptanz körperlich anfühlt (und warum sie sich zuerst fremd anfühlt)
Die meisten Menschen erwarten, dass Selbstakzeptanz sich warm, weich und wie ein Sonnenuntergang anfühlt.
In Wirklichkeit fühlt sie sich anfangs oft an wie: nichts.
Keine Euphorie. Kein Feuerwerk. Sondern eine seltsame, fast unheimliche Stille im Brustkorb. Als wäre plötzlich kein Motor mehr da, der einen antreibt. Kein innerer Richter, der kommentiert. Kein ständiges Ziehen nach außen.
Viele berichten: „Ich dachte, jetzt müsste ich heulen vor Glück. Stattdessen saß ich einfach da und … war da. Ohne Plan. Ohne Kampf. Und das hat mich fast panisch gemacht.“
Das ist normal. Dein Nervensystem hat jahrelang im Sympathikus-Modus gelebt. Plötzlich Parasympathikus-Dominanz – das fühlt sich erst mal wie Kontrollverlust an.
Die Geschichte von Hanna aus Graz und Jonas aus Kiel
Hanna (Steuerberaterin, 36) saß eines Abends in ihrer Küche, starrte auf ein halb gegessenes Stück Käsekuchen und dachte: „Wenn ich das jetzt esse, bin ich morgen wieder ein Versager.“ Dann tat sie etwas, das sie noch nie getan hatte: Sie nahm den Teller, setzte sich ans Fenster, aß langsam und sagte laut zu sich selbst: „Ich bin jetzt eine Frau, die Käsekuchen isst. Und das ist alles, was gerade wahr ist.“
Jonas (Notfallsanitäter, 41) stand nach einer 24-Stunden-Schicht vor dem Badezimmerspiegel. Er sah die hängenden Schultern, die beginnende Glatze, die Narbe am Kinn vom Sturz vor drei Jahren. Statt des üblichen „Alter, wie scheiße du aussiehst“ sagte er leise: „Du hast heute drei Menschen stabilisiert. Du darfst müde sein.“
Beide hatten denselben Wendepunkt: Sie hörten auf, sich selbst vor Gericht zu stellen.
Der gefährliche Sweet Spot zwischen Akzeptanz und Stillstand
Hier liegt die größte Falle.
Manche Menschen verstehen Akzeptanz als „Ich bin halt so, da kann man nichts machen“. Das ist keine Akzeptanz – das ist Resignation mit besserem Marketing.
Echte Akzeptanz sagt: „Ich sehe genau, wo ich jetzt stehe – und ich bin gleichzeitig erlaubt, mich zu entwickeln.“
Sie schließt Veränderung nicht aus. Sie nimmt ihr nur den existenziellen Druck.
Eine sehr praktische 4-Stufen-Übung, die du heute Abend machen kannst
Stufe 1 – Body-Scan ohne Bewertung (3–4 Minuten) Lege dich hin. Schließe die Augen. Gehe langsam durch den Körper. Bei jedem Bereich sagst du innerlich nur den Namen: „Linker Oberschenkel … rechte Schulter … Kiefer …“ Kein „zu dick“, kein „verspannt“. Nur der Name.
Stufe 2 – Der Satz der Erlaubnis (30 Sekunden, laut sprechen) „Ich bin jetzt … [dein Alter] Jahre alt, wiege … Kilo, habe … erreicht und … nicht erreicht. Und das alles darf heute Abend genau so sein.“
Stufe 3 – Die eine freundliche Handlung (beliebig lange) Tu etwas Kleines, das du normalerweise nur tun würdest, wenn du „dünner / erfolgreicher / disziplinierter“ wärst. Iss das Stück Schokolade. Trage das Kleid, das du „eigentlich nicht darfst“. Poste das Foto ohne Filter.
Stufe 4 – Der Nachspür-Satz (vor dem Einschlafen) „Was davon hat sich heute ein kleines bisschen leichter angefühlt?“
Der Trend aus Kalifornien, der gerade leise nach Mitteleuropa sickert
Selbstmitgefühl-Training nach Kristin Neff hat sich weiterentwickelt. Die neue Welle heißt „Compassionate Self-Reparenting“ – eine Mischung aus Teile-Arbeit (IFS), Somatics und klassischem Selbstmitgefühl. Kernidee: Du sprichst mit dem inneren Kind / Teenager / jungen Erwachsenen nicht nur mitfühlend, sondern du gibst ihm aktiv das, was es damals gebraucht hätte – aber jetzt von dir als erwachsener Selbst.
Viele berichten von tieferen körperlichen Entspannungsreaktionen als bei klassischer Achtsamkeit.
Tabelle: Was sich konkret verändert, wenn du dich zuerst annimmst
| Bereich | Vor Akzeptanz | Nach Akzeptanz |
|---|---|---|
| Entscheidungen | Aus Angst / Beweiszwang | Aus Klarheit & Selbstvertrauen |
| Energielevel | Chronische Erschöpfung | 20–40 % mehr Kraft für das, was zählt |
| Beziehungen | People-Pleasing, Abhängigkeit | Ehrlichkeit, echte Nähe |
| Kreativität | Blockiert durch Selbstkritik | Fließender, mutiger |
| Körperwahrnehmung | Ständige Kriegserklärung | Neutral bis freundlich |
| Veränderungswillen | Zwanghaft / rebellisch | Nachhaltig & selbstgewählt |
Frage-Antwort-Runde: Die häufigsten Einwände
1. Wenn ich mich akzeptiere, bleibe ich doch stehen – oder? Nein. Du nimmst nur den existenziellen Druck raus. Danach veränderst du dich oft schneller – weil du nicht mehr gegen dich selbst kämpfst.
2. Wie kann ich mich akzeptieren, wenn ich gerade echt viel falsch mache? Akzeptanz heißt nicht „alles gutheißen“. Sie heißt: „Das habe ich getan. Es gehört jetzt zu meiner Geschichte. Und ich bin trotzdem ein Mensch, der Liebe und Entwicklung verdient.“
3. Was, wenn ich mich hasse? Dann fängt man ganz klein an. Nicht „Ich liebe mich“, sondern „Ich bin gerade ein Mensch, der sich hasst – und auch das darf jetzt da sein.“
4. Ist das nicht Egoismus? Nein. Wer sich selbst nicht annimmt, gibt das Drama unbewusst an andere weiter – Partner, Kinder, Kollegen. Selbstakzeptanz ist der Anfang von Verantwortung.
5. Wie lange dauert das? Die erste Erleichterung kommt oft nach 2–4 Wochen täglicher Praxis. Die tiefe Umprogrammierung braucht 9–18 Monate – aber die Richtung stimmt sofort.
6. Was mache ich an richtig schlechten Tagen? Du sagst dir: „Heute ist so ein Tag. Ich muss ihn nicht schönreden. Ich muss nur durchhalten, bis er vorbeigeht – und ich darf dabei auf meiner Seite sein.“
Eine Frau, die das seit zwei Jahren lebt, sagte kürzlich: „Ich habe aufgehört, mich selbst zu verlassen. Das ist das größte Zuhause, das ich je hatte.“
Zum Schluss ein Gedanke von Viktor Frankl, der selbst durch unvorstellbares Leid gegangen ist:
„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Haltung. In unserer Haltung liegt die Freiheit.“
Du musst nicht perfekt sein. Du musst nur aufhören, dich dafür zu bestrafen, dass du es nicht bist.
Hat dieser Text etwas in dir berührt, verschoben oder klarer gemacht? Schreib mir gerne in die Kommentare, was gerade in dir vorgeht – ich lese jedes Wort. Und wenn du jemanden kennst, der genau jetzt diesen Satz braucht: „Du darfst schon jetzt genug sein“, dann leite ihn weiter.
Über mich – Andreas Schulze
Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.
Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.
Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.
Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.
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Mein vollständiges Profil findest du hier: Über Mich & Erfolgsebook
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Kapitel 9: Resilienz – Steh stärker auf, als du gefallen bist
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Kapitel 13: Die Kunst der Visualisierung – Erschaffe deine Zukunft
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Kapitel 16: Mikrogewohnheiten – Kleine Routinen, gigantische Ergebnisse
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Kapitel 22: Psychologie des Überzeugens – Meistere Kommunikation
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Kapitel 27: Wissenschaft des Schlafes – Höchstleistung beginnt nachts
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Kapitel 31: Kreativität entfesseln – Denke jenseits der Grenzen
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Kapitel 36: Netzwerk der Größe – Menschen, die dich nach oben tragen
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