Achtsamkeit im Wahnsinn – die Superkraft im Schatten
Der Regen trommelt seit Stunden gegen die Fenster der kleinen Wohnung über der alten Werft in Brake an der Unterweser. Es ist nicht das romantische Prasseln aus Filmen. Es ist ein hartes, gleichmäßiges, industrielles Hämmern, das sich anfühlt, als würde jemand mit einem Presslufthammer auf deinen Schädel zielen – nur langsamer. Und genau in diesem Moment, während der Wasserkessel pfeift und der Geruch von billigem Ostfriesentee (der mit dem viel zu langen Ziehzeit-Ritual) die Küche füllt, passiert etwas, das viele Menschen ihr Leben lang verpassen: Du merkst plötzlich, dass du bereits seit sieben Minuten komplett abwesend bist.
Nicht abgelenkt. Nicht gestresst. Sondern einfach nicht da.
Der Verstand hat den Autopiloten auf „Katastrophen-Simulation in Dauerschleife“ gestellt, während der Körper brav weiteratmet und der Tee überzieht.
Inhaltsverzeichnis
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Der unsichtbare Krieg um deine Aufmerksamkeit
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Warum der Geist fast immer im Verlustgeschäft ist
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Die eine Sekunde, die alles verändert
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Panik ist ein schlechter Regisseur – Präsenz übernimmt die Kamera
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Alltags-Übung 1: Der 7-Sekunden-Reset im Schichtwechsel
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Alltags-Übung 2: Geräusch-Lawine statt Gedanken-Lawine
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Alltags-Übung 3: Der bittere Geschmack als Rettungsanker
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Alltags-Übung 4: Körper-Scan während der Rotphase
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Alltags-Übung 5: Das „Und jetzt?“-Spiel in der Mittagspause
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Die versteckte Mathematik der Achtsamkeit (und warum sie unfair ist)
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Wenn die Methode plötzlich nicht mehr süß klingt
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Was jetzt wirklich zählt – und was nur noch Lärm ist
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Abschließende Mini-Tabelle: Dein persönlicher 3-Stufen-Sofort-Check
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Fragen & Antworten – die Leser fragen, ich antworte direkt
Der unsichtbare Krieg um deine Aufmerksamkeit
Du stehst in der Kassenschlange bei Rewe, hinter dir hustet jemand feucht, vor dir tippt eine Frau mit langen künstlichen Nägeln ungeduldig auf das Laufband, das Piepen des Scanners geht im Dauer-Tik-Tak des Werbe-Monitors unter – und in deinem Kopf läuft parallel ein komplett anderer Film: die Mail vom Chef gestern um 19:42 Uhr, die noch unbeantwortet im Posteingang liegt, die Rechnung von den Handwerkern, die plötzlich 1400 € mehr verlangen, das Telefonat mit deiner Mutter, das du seit drei Tagen vor dir herschiebst, und irgendwie dazwischen die diffuse Angst, dass das alles in den nächsten achtzehn Monaten nicht mehr zusammenhalten könnte.
Und während dieser innere Film läuft, hast du exakt 0,0 Sekunden wirklich wahrgenommen, dass die Kassiererin dich schon zweimal gefragt hat, ob du eine Tüte möchtest.
Das ist keine Zerstreutheit. Das ist systematische Abwesenheit vom eigenen Leben.
Warum der Geist fast immer im Verlustgeschäft ist
Der durchschnittliche Mensch verbringt nach neueren Erhebungen etwa 47 % seiner Wachzeit mit Gedanken, die nichts mit dem zu tun haben, was er gerade tut. Fast die Hälfte des Lebens also in einer Art mentalem Hintergrundrauschen – und das meiste davon ist unangenehm bis quälend.
Das Problem ist nicht die Ablenkung an sich. Das Problem ist, dass wir fast ausschließlich dann abschweifen, wenn die Gegenwart unangenehm ist – und wir dann in eine noch unangenehmere simulierte Zukunft oder Vergangenheit flüchten.
Es ist ein denkbar schlechtes Geschäft.
Die eine Sekunde, die alles verändert
Es gibt einen winzigen Moment – meist zwischen 0,8 und 1,4 Sekunden –, in dem du die Wahl hast:
- weitermachen mit dem vertrauten Drama-Loop
- oder einfach nur registrieren, was gerade tatsächlich passiert.
In diesem winzigen Fenster liegt die gesamte Superkraft.
Man nennt es metakognitive Awareness oder schlicht „das Gewahrsein des Gewahrseins“. Klingt sperrig. Fühlt sich aber an wie das plötzliche Aufwachen aus einem Albtraum, nur dass du nicht schreist, sondern leise lächelst, weil du merkst: „Oh. Ich habe gerade wieder den ganzen Film im Kopf gespielt. Und nichts davon ist jetzt gerade wirklich passiert.“
Panik ist ein schlechter Regisseur – Präsenz übernimmt die Kamera
Stell dir vor, Panik wäre ein Filmregisseur. Er hat nur ein Genre: Katastrophe. Er schneidet immer zu schnell, die Musik ist zu laut, die Farben sind zu grell, die Schauspieler schreien permanent.
Präsenz hingegen ist ein Dokumentarfilmer der alten Schule. Er filmt in Echtzeit. Er benutzt natürliches Licht. Er lässt Pausen. Er zeigt dir den rostigen Wasserhahn, das Zittern deiner eigenen Finger, den Geruch von nassem Asphalt, der durch das gekippte Fenster kommt – und plötzlich wirkt das alles nicht mehr bedrohlich, sondern einfach nur wirklich.
Alltags-Übung 1: Der 7-Sekunden-Reset im Schichtwechsel
Du bist Lagerist in der Nachtschicht bei einem Automobilzulieferer in Osnabrück. Um 5:55 Uhr blinkt die Pausenampel grün. Du ziehst die Handschuhe aus, gehst Richtung Sozialraum.
Genau jetzt machst du die Übung:
- Bleib stehen.
- Atme einmal tief durch die Nase ein – langsam bis 4.
- Halte kurz.
- Atme durch den Mund aus – langsam bis 7.
- Während du ausatmest, sage innerlich (oder flüsternd): „Jetzt. Hier.“
- Öffne die Augen etwas weiter und benenne drei Dinge, die du siehst, hörst, spürst. Beispiel: „Grauer Betonboden. Quietschen der Gabelstaplerreifen. Kühle Metalltür unter den Fingern.“
Dauer: 7–12 Sekunden. Wirkung: Du kommst aus dem mentalen Hamsterrad zurück in die Fabrikhalle – und zwar freiwillig.
Alltags-Übung 2: Geräusch-Lawine statt Gedanken-Lawine
Du sitzt im Zug von Wien nach Graz, die Durchsage quäkt, jemand isst gegenüber laut eine Leberkässemmel, das Handy neben dir spielt Werbeclips ohne Kopfhörer.
Statt gegen die Geräusche zu kämpfen, machst du das Gegenteil:
Du schließt kurz die Augen und sagst dir: „Okay, jetzt kommt alles rein.“
Dann lässt du die Geräusche wie eine Welle über dich hinwegrollen – ohne sie zu bewerten, ohne sie zu benennen, einfach nur hören.
Nach 30–60 Sekunden öffnest du die Augen wieder.
Fast immer passiert dasselbe: Die Lautstärke im Kopf nimmt rapide ab. Weil du aufgehört hast, gegen die Außenwelt zu kämpfen, hat dein Nervensystem keine Energie mehr, um gleichzeitig gegen die Innenwelt zu kämpfen.
Alltags-Übung 3: Der bittere Geschmack als Rettungsanker
Du trinkst gerade einen sehr dunklen Espresso aus der kleinen, angeschlagenen Tasse in der Teeküche der Kanzlei in Innsbruck.
Statt ihn nur hinunterzukippen, machst du Folgendes:
- Nimm einen kleinen Schluck.
- Lass den Kaffee auf der Zunge liegen, bis die Bitterkeit richtig spürbar wird.
- Frage dich ganz nüchtern: „Wo genau spüre ich diese Bitterkeit jetzt?“ (Zunge hinten? Gaumen? Rachen? Wärme im Brustbein?)
- Bleib bei dieser Empfindung, bis sie sich verändert oder du den nächsten Schluck nimmst.
Das ist einer der schnellsten Wege zurück ins Hier und Jetzt – weil Geschmack eine der wenigen Empfindungen ist, die fast unmöglich zu simulieren sind. Der Verstand kann dir keine virtuelle Bitterkeit vorgaukeln.
Alltags-Übung 4: Körper-Scan während der Rotphase
Du stehst an der Ampel in Flensburg, es regnet schräg, der Wind kommt von Nordwest, deine rechte Wade ist kalt, weil das Hosenbein hochgerutscht ist.
Nutze die erzwungene Wartezeit:
Beginne oben am Scheitel und wandere langsam mit der Aufmerksamkeit durch den Körper bis zu den Zehen. Nenne innerlich jedes Körperteil, das du spürst – ohne zu bewerten.
Kopf – Nacken – Schultern – Brust – Bauch – Becken – Oberschenkel – Knie – Waden – Knöchel – Füße.
Bis die Ampel grün wird, bist du meist wieder vollständig im Körper angekommen – und nicht mehr im Gedankenkarussell.
Alltags-Übung 5: Das „Und jetzt?“-Spiel in der Mittagspause
Du sitzt in der Kantine, der Teller ist halb leer, das Handy liegt neben dir, du scrollst schon wieder.
Dann sagst du dir einmal ganz leise:
„Und jetzt?“
Und wartest wirklich auf die Antwort, die aus dem Körper kommt.
Meistens ist die Antwort erschreckend banal und gleichzeitig revolutionär:
- „Ich bin satt.“
- „Ich muss aufs Klo.“
- „Meine Schultern sind hochgezogen.“
- „Ich habe Durst.“
- „Ich will eigentlich nur fünf Minuten nichts denken.“
Und genau diese kleine, ehrliche Antwort ist oft der Anfang vom Ende des inneren Autopiloten.
Die versteckte Mathematik der Achtsamkeit (und warum sie unfair ist)
Wenn du nur 1 % deines Tages (ca. 10 Minuten) wirklich präsent verbringst, summiert sich das auf etwa 60 Stunden pro Jahr.
Das sind zweieinhalb Tage, an denen du tatsächlich gelebt hast – statt nur durchgelebt zu werden.
Und das Unfaire daran: Diese 1 % fühlen sich oft wertvoller an als die anderen 99 % zusammen.
Wenn die Methode plötzlich nicht mehr süß klingt
Es kommt der Moment, in dem Achtsamkeit nicht mehr nach Wellness klingt, sondern nach harter Disziplin.
Wenn der Geist schreit: „Ich will aber nicht spüren, wie scheiße ich mich gerade fühle!“
Dann ist genau das der entscheidende Punkt.
Denn Präsenz heißt nicht „alles schön finden“. Präsenz heißt „alles sein lassen, was gerade da ist“ – auch das Hässliche, das Enge, das Verzweifelte.
Und seltsamerweise löst genau dieses radikale Annehmen oft mehr Spannung auf als jeder positive Gedanke.
Was jetzt wirklich zählt – und was nur noch Lärm ist
Am Ende bleibt meist nur eine Handvoll Dinge übrig:
- Wie warm oder kalt deine Hände gerade sind
- Wie dein Atem durch die Nase ein- und ausströmt
- Welche Farbe der Himmel hinter dem Fenster hat
- Ob dein Herz schneller oder langsamer schlägt als vor zehn Minuten
- Der Geschmack des letzten Bissens im Mund
Alles andere ist – mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit – nur Lärm.
Abschließende Mini-Tabelle: Dein persönlicher 3-Stufen-Sofort-Check
| Stufe | Frage | Was du sofort machst | Typische Wirkung nach 15–40 Sekunden |
|---|---|---|---|
| 1 | Wo sind meine Hände gerade? | Beide Hände bewusst spüren, bewegen | Körper kehrt zurück |
| 2 | Wie atme ich genau jetzt? | Eine volle Atmung bewusst verlangsamen | Gedanken werden langsamer |
| 3 | Was ist das Nächste, das ich wirklich tun muss? | Nur die nächste winzige Handlung benennen | Handlungsdruck sinkt dramatisch |
Fragen & Antworten – die Leser fragen, ich antworte direkt
1. Funktioniert das auch, wenn ich gerade einen richtig schlechten Tag habe? Ja – gerade dann besonders gut. Je schlechter der Tag, desto wichtiger ist der Unterschied zwischen dem, was wirklich passiert, und dem, was der Kopf daraus macht.
2. Ich halte es keine 10 Sekunden aus, ohne abzuschweifen. Bin ich kaputt? Nein. Du bist normal. Der Geist ist ein undisziplinierter Hund. Das Training besteht genau darin, ihn immer wieder sanft zurückzurufen.
3. Was mache ich, wenn ich merke, dass ich wütend werde, weil ich wieder nicht präsent war? Gar nichts. Du nimmst einfach wahr, dass jetzt auch noch Selbstvorwürfe dazukommen. Und schon bist du wieder einen Schritt näher dran.
4. Ist das nicht einfach nur Ablenkung von den echten Problemen? Nein. Es ist das Gegenteil. Wenn du wirklich präsent bist, siehst du die echten Probleme klarer – und die eingebildeten viel kleiner.
5. Welcher Trend kommt da gerade aus Übersee nach Europa? Eine sehr kurze, aber sehr intensive Variante namens „Micro-Presence Bursts“: Immer wieder 30–60 Sekunden radikale Präsenz, dafür aber 8–15 Mal am Tag. Wird gerade in kalifornischen Tech-Firmen getestet und scheint bei chronisch Überlasteten besser anzuschlagen als lange Meditationen.
Zitat „Du brauchst nicht dein ganzes Leben zu ändern. Du brauchst nur den nächsten Atemzug.“ — Jon Kabat-Zinn (sinngemäß verdichtet)
Hat dir der Text heute auch nur eine einzige winzige Sekunde geschenkt, in der du wirklich da warst? Dann schreib mir in den Kommentaren: Wann war das – und wie hat sich diese Sekunde angefühlt? Teil ihn mit jemandem, der gerade glaubt, er müsse alles gleichzeitig denken und kontrollieren.
Über mich – Andreas Schulze
Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.
Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.
Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.
Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.
Meine Bücher findest du hier: Ebooks für deinen Erfolg
Mein vollständiges Profil findest du hier: Über Mich & Erfolgsebook
Willkommen auf meiner Seite – und in deiner Erfolgsgeschichte.

Alles, was du liebst, wird vergehen.
Menschen. Momente. Gefühle.
Auch du.
Niemand sagt dir das gern ins Gesicht.
Aber dein Leben ist kein unendlicher Raum.
Es ist ein Countdown.
Rein rechnerisch hast du etwa 625.000 bis 700.000 Stunden auf dieser Welt.
Nicht mehr. Nicht weniger.
Ein Großteil davon verschwindet im Schlaf.
Ein weiterer Teil in Terminen, Pflichten, Ablenkung.
Und plötzlich stehst du da und denkst:
Wo ist all die Zeit geblieben?
Das Licht wird nicht langsam dunkler.
Es geht einfach aus.
Genau deshalb ist Zeit das Wertvollste, was du besitzt –
und gleichzeitig das, was die meisten Menschen am achtlosesten verlieren.
Alles, was du liebst, ist endlich.
Darum ist „später“ eine gefährliche Lüge.
Nicht irgendwann.
Nicht wenn es ruhiger wird.
Nicht wenn du mehr Zeit hast.
Jetzt.
Heute.
In diesem Moment.
erfolgsebook.com existiert aus genau einem Grund:
Dir zu helfen, aus begrenzter Lebenszeit ein bewusstes Leben zu machen.
Nicht mit Druck.
Nicht mit leeren Parolen.
Sondern mit Klarheit.
Impulse, die dir zeigen:
– warum Genuss ohne Richtung dich leer zurücklässt
– warum Erfolg ohne Sinn dich trotzdem müde macht
– und wie aus bloßer Existenz ein Leben mit Tiefe wird
Keine Theorien.
Keine Motivationsfloskeln.
Sondern Gedanken, die dich dein Leben neu sehen lassen.
Viele Leser sagen danach:
„Ich renne meiner Zeit nicht mehr hinterher.
Ich entscheide, wofür ich sie einsetze.“
Und dann kommt der Satz, den niemand je hören wollte –
aber fast jeder irgendwann fühlt:
Eines Tages wachst du auf –
und es gibt kein ‚später‘ mehr für das,
was dir wirklich wichtig war.
Wenn du begreifst, dass du nur dieses eine Leben hast,
willst du nicht länger funktionieren.
Du willst fühlen.
Erleben.
Spuren hinterlassen – in deinem Herzen und in dem der Menschen, die du liebst.
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Du kannst deine Stunden nicht vermehren.
Aber du kannst entscheiden,
dass sie Bedeutung haben.
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