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Mut beginnt, ohne Erlaubnis zu fragen.

In der klaren, kalten Nacht von Teneriffa, wo der Wind nach Vulkanasche und Salz schmeckt, stehst du am Rand des Pfades und spürst, wie dein Herzschlag lauter wird als das ferne Rauschen des Ozeans. Der Teide ragt schwarz vor dem Sternenhimmel auf, ein schweigender Riese, der seit Jahrtausenden niemandem Erlaubnis erteilt hat, ihn zu besteigen. Und genau dort, in diesem Moment der absoluten Stille vor dem ersten Schritt, beginnt der Mut.

Du bist nicht der Einzige, der in dieser Nacht losgeht. Neben dir steht Lena Berger, 34 Jahre alt, gelernte Orthopädietechnikerin aus Regensburg. Sie hat die letzten acht Jahre damit verbracht, anderen Menschen beim Gehen zu helfen – und hat dabei vergessen, wie es sich anfühlt, selbst einen Fuß vor den anderen zu setzen, ohne vorher alle Eventualitäten durchgerechnet zu haben. Heute trägt sie leichte Wanderstiefel, eine winddichte Jacke in Anthrazit und einen kleinen Rucksack, in dem nur Wasser, eine Lampe und der feste Wille stecken, endlich einmal nicht zu fragen.

Neben ihr geht Karim Hassan, 41, Gebäudetechniker aus Innsbruck, der seit fünfzehn Jahren Lüftungsanlagen in Krankenhäusern einbaut und jedes Geräusch kennt, das entsteht, wenn etwas nicht mehr atmen kann. Auch er hat heute nicht um Urlaub gebeten – er hat ihn genommen. Keine Mail an die Chefin, kein Formular, kein „darf ich?“. Er hat einfach die Tür hinter sich zugezogen und ist geflogen.

Beide kennen sich erst seit dem Check-in am Flughafen, und doch gehen sie jetzt gemeinsam den steilen Serpentinenweg hinauf, weil sie gespürt haben, dass manche Dinge nicht aufgeschoben werden können, bis jemand grünes Licht gibt.

Der Moment, in dem du aufhörst zu warten

Mut ist kein Gefühl, das sich einstellt, wenn alle Voraussetzungen perfekt sind. Mut ist die Entscheidung, loszugehen, obwohl die Voraussetzungen nie perfekt sein werden. Die meisten Menschen warten auf ein Zeichen, eine Bestätigung, eine Erlaubnis von außen – von der Familie, vom Chef, vom Partner, von der Gesellschaft, sogar von sich selbst. Sie warten darauf, dass die innere Stimme sagt: „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt.“ Doch diese Stimme sagt es selten. Sie flüstert höchstens. Und das Flüstern wird vom Lärm der Vernunft übertönt.

Lena hat jahrelang gewartet. Sie hat gewartet, bis sie „genug Erfahrung“ hat, bis sie „finanziell sicherer“ ist, bis ihr Ex-Partner „versteht“, dass sie nicht für immer in Regensburg bleiben will. Irgendwann hat sie begriffen, dass das Warten selbst zur größten Fessel geworden ist. Also hat sie den Flug gebucht – ohne jemanden zu fragen. Nicht ihre Mutter, nicht ihre beste Freundin, nicht einmal ihren inneren Kritiker. Sie hat einfach die Kreditkarte auf den Tisch gelegt und „Teneriffa“ getippt.

Karim hat es ähnlich gemacht. Er hat den Schlüssel seines Dienstwagens in die Schublade gelegt, den Koffer gepackt und ist zum Flughafen gefahren. Seine Kollegen wissen bis heute nicht, wo er ist. Er hat keinen Krankenschein geschrieben, keinen Vertretungsplan erstellt. Er hat nur eines getan: Er ist gegangen.

Der Aufstieg – Körper und Seele im selben Takt

Der Weg zum Teide ist kein Spaziergang. Auf 2.300 Metern beginnt der Pfad ernst zu werden. Der Boden wird schwarz, porös, vulkanisch. Jeder Schritt knirscht. Der Sauerstoff wird dünner, die Lungen arbeiten hörbar. Lena spürt, wie sich ihre Waden verkrampfen, wie der Puls in den Schläfen pocht. Sie denkt kurz daran umzukehren – nicht weil sie nicht mehr kann, sondern weil der Gedanke „was, wenn ich es nicht schaffe?“ plötzlich sehr laut wird.

Doch dann sieht sie Karim ein paar Meter vor sich. Er geht langsam, gleichmäßig, ohne Hast. Seine Schultern sind entspannt, obwohl auch er keucht. Als er merkt, dass sie stehen bleibt, dreht er sich um. Kein Vortrag. Kein „komm schon“. Nur ein kurzer Blick und die Worte: „Der Berg fragt nicht, ob du bereit bist. Er lässt dich einfach gehen – oder nicht.“

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Lena atmet tief ein. Der Wind trägt den Geruch von Schwefel und Kälte heran. Sie macht einen Schritt. Dann noch einen. Und plötzlich ist der Gedanke weg. Nicht besiegt – einfach irrelevant geworden.

Die Nacht am Observatorium

Um kurz vor drei Uhr morgens erreichen sie die Hütte am Mirador de Minas de San José. Von hier aus ist der Weg zum Teide-Observatorium nur noch ein letzter, steiler Anstieg. Die Sterne stehen so dicht, dass sie fast greifbar wirken. Kein Licht der Stadt stört mehr. Nur das rote Licht der Stirnlampen und das ferne Leuchten der Teleskopkuppeln.

Im Observatorium öffnet ein Astronom die Tür. Er heißt Javier, kommt aus La Laguna und hat schon hunderte Nächte hier oben verbracht. Er fragt nicht nach Ausweisen oder Buchungen. Er sieht die Erschöpfung in ihren Gesichtern, den Staub an ihren Schuhen, das Feuer in ihren Augen – und lässt sie einfach herein.

Lena setzt sich vor das große Teleskop. Javier richtet es auf den Orionnebel. Als sie durch das Okular schaut, stockt ihr Atem. Das, was sie sieht, ist kein Bild. Es ist ein lebendiger, pulsierender Raum aus Gas und Licht, der schon existierte, als die Erde noch nicht einmal geboren war. In diesem Moment löst sich etwas in ihr. Kein dramatischer Schrei, keine Tränen. Nur ein leises, tiefes Ausatmen. Als hätte sie jahrelang die Luft angehalten.

Karim steht daneben. Er sagt nichts. Er muss nichts sagen. Auch er hat durch das Teleskop geschaut. Auch er hat gespürt, wie klein und gleichzeitig wie unendlich wichtig ein einziges Menschenleben ist.

Warum wir Erlaubnis suchen – und warum wir aufhören sollten

Die meisten Menschen fragen aus Angst. Angst vor Ablehnung. Angst vor Konsequenzen. Angst davor, nicht gut genug zu sein. Diese Angst ist evolutionär sinnvoll – sie hat uns in Höhlen und Stämmen am Leben gehalten. Doch im Jahr 2026 ist sie meistens nur noch ein alter Reflex, der uns klein hält.

Eine aktuelle Entwicklung aus den USA und Kanada, die gerade mit großer Geschwindigkeit nach Mitteleuropa überschwappt, heißt „Permissionless Action“ – Handeln ohne Erlaubnis. Es geht nicht darum, rücksichtslos zu sein. Es geht darum, die eigene innere Autorität wiederherzustellen. Menschen, die diese Haltung leben, berichten von deutlich weniger Entscheidungslähmung, höherer Lebenszufriedenheit und schnelleren Karrierefortschritten. Nicht weil sie keine Angst mehr haben – sondern weil sie die Angst nicht mehr als Signalgeber für Stillstand akzeptieren.

Tabelle: Die versteckten Erlaubnis-Fragen, die dich blockieren

Versteckte Frage Was sie wirklich bedeutet Wie du sie umformulierst
Darf ich das wirklich wollen? Habe ich die Erlaubnis, ein großes Leben zu leben? Ich entscheide, was ich will. Punkt.
Was denken die anderen? Bin ich es wert, anders zu sein als erwartet? Die Meinung der anderen ist deren Problem, nicht meins.
Was, wenn ich scheitere? Darf ich scheitern und trotzdem weitergehen? Scheitern ist Daten, keine Verurteilung.
Bin ich dafür qualifiziert? Muss ich erst perfekt sein, bevor ich anfange? Ich fange an – und werde dabei qualifiziert.
Ist jetzt der richtige Zeitpunkt? Darf ich jetzt glücklich sein, auch wenn nicht alles perfekt ist? Jetzt ist der einzige Zeitpunkt, den es gibt.

Frage-Antwort-Tabelle – häufige Zweifel im Kopf

  1. Frage: Was, wenn ich andere verletze, wenn ich ohne Erlaubnis handle? Antwort: Mut ohne Rücksicht ist Rücksichtslosigkeit. Mut mit Rücksicht ist Liebe in Bewegung. Frage dich vorher: „Schadet das jemandem aktiv?“ Wenn nein – geh.
  2. Frage: Wie erkenne ich, ob es wirklich mein Weg ist? Antwort: Dein Körper lügt nicht. Wenn du bei dem Gedanken daran gleichzeitig Angst und Sehnsucht spürst – ist es dein Weg.
  3. Frage: Was mache ich, wenn ich hinterher alles bereue? Antwort: Bereuen gehört dazu. Es zeigt, dass du gelebt hast. Die größere Reue kommt immer von dem, was du nicht getan hast.
  4. Frage: Wie fange ich klein an? Antwort: Mit einer winzigen Sache heute. Schreibe eine Mail, die du seit Monaten aufschiebst. Sage Nein zu einer Einladung, die du nicht willst. Buche ein Ticket – irgendwohin.
  5. Frage: Was, wenn mich niemand unterstützt? Antwort: Die meisten Menschen unterstützen erst, wenn sie sehen, dass du es wirklich machst. Fang an – und die Unterstützung kommt nach.
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Der Abstieg – und was bleibt

Bei Sonnenaufgang stehen Lena und Karim wieder am Rand des Kraters. Der Himmel färbt sich erst rosa, dann gold. Der Teide wirkt plötzlich nicht mehr bedrohlich, sondern wie ein alter Freund, der dich angesehen und dann weitergehen lassen hat.

Lena sagt leise: „Ich dachte immer, Mut bedeutet, keine Angst zu haben. Aber das stimmt nicht. Mut bedeutet, Angst zu haben – und trotzdem zu gehen.“

Karim nickt. „Und manchmal bedeutet es, nicht mehr zu fragen, ob du gehen darfst.“

Zitat „Der Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Entscheidung, dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst.“ – Franklin D. Roosevelt (sinngemäß übertragen)

Hat dir der Beitrag unter die Haut gegangen? Dann schreibe mir in den Kommentaren: Welche Erlaubnis suchst du dir selbst heute noch – und welchen ersten Schritt wirst du stattdessen tun? Teile den Text mit jemandem, der gerade am Rand einer Entscheidung steht.

Über mich – Andreas Schulze

Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.

Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.

Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.

Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.

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