Was dein 18-jähriges Ich von deinem jetzigen Leben hält
Stell dir vor, die Tür zu einem alten Café in Bregenz öffnet sich, der Wind vom Bodensee trägt den Duft von frischem Espresso und warmem Apfelstrudel herein. Du setzt dich an einen Tisch am Fenster, nimmst einen Schluck Wiener Melange, und plötzlich sitzt dir jemand gegenüber – du selbst, mit achtzehn. Die Haare etwas länger, die Augen voller Fragen und Ungeduld, die Hände ruhelos auf der Tischkante trommelnd. Dieses jüngere Ich mustert dich. Lange. Schweigend. Und dann beginnt es zu sprechen – nicht laut, sondern mit der Klarheit, die nur die Jugend besitzt, bevor das Leben sie mit Kompromissen weichspült.
Du fragst dich vielleicht, warum dieses Treffen so wehtut und gleichzeitig so lebendig macht. Weil das achtzehnjährige Ich keine Ausreden kennt. Es kennt keine „Ja, aber…“. Es hat noch nicht gelernt, Träume in kleine, handhabbare Portionen zu zerlegen, bis sie kaum noch erkennbar sind. Es sieht dich an und fragt ohne Umschweife: Bist du das, was ich werden wollte? Oder hast du mich verraten?
In diesem Moment spürst du es – die Kluft zwischen dem, was du dir damals erträumt hast, und dem, was du tatsächlich lebst. Nicht immer ist es ein dramatischer Absturz. Oft ist es leiser. Ein Job, der sicher ist, aber nicht brennt. Eine Beziehung, die funktioniert, aber nicht inspiriert. Ein Alltag, der gefüllt ist, aber leer bleibt. Das jüngere Ich nickt traurig. „Ich dachte, du würdest mutiger sein“, sagt es. „Ich dachte, du würdest die Welt umkrempeln, statt dich anzupassen.“
Doch bevor du dich verteidigst, lass uns ehrlich bleiben. Das achtzehnjährige Ich ist kein Richter. Es ist ein Spiegel. Und dieser Spiegel zeigt dir nicht nur, was fehlt – er zeigt dir auch, was noch möglich ist. Denn du bist nicht am Ende angekommen. Du bist mittendrin. Und genau diese Begegnung kann der Wendepunkt sein.
Nimm Hanna Berger aus Innsbruck. Sie arbeitet als Ergotherapeutin in einer kleinen Praxis am Inn. Mit achtzehn wollte sie die Welt bereisen, in Marokko Zirkus lernen, in Kyoto Kalligraphie studieren. Heute sitzt sie in ihrer Mittagspause mit einem Türkischen Kaffee da und scrollt durch alte Fotos. Ihr jüngeres Ich würde sie ansehen und fragen: „Warum bist du stehengeblieben?“ Hanna hat sich diese Frage selbst gestellt. Sie hat angefangen, einmal im Monat einen Workshop zu besuchen – mal Tango in Graz, mal Keramik in Bozen. Nichts Weltbewegendes. Aber genug, um das Feuer nicht ganz erlöschen zu lassen. Ihr jüngeres Ich würde jetzt vielleicht nicht jubeln – aber es würde nicken.
Oder denk an Karim Nowak aus Luzern. Früher Informatik-Student mit der Vision, eine eigene App zu entwickeln, die Menschen hilft, ihre Ängste zu visualisieren. Heute ist er Systemadministrator in einem mittelständischen Betrieb. Stabil. Gut bezahlt. Sicher. Sein achtzehnjähriges Ich würde die Stirn runzeln: „Das war’s?“ Karim hat vor Kurzem angefangen, abends ehrenamtlich Coding-Kurse für Jugendliche zu geben. Kleine Gruppen, in einem Gemeindezentrum mit Blick auf den Pilatus. Es ist nicht die große Revolution. Aber es ist ein Funke. Und Funken reichen manchmal, um ein Feuer neu zu entfachen.
Die häufigsten Vorwürfe deines 18-jährigen Ichs
Es gibt Muster. Dinge, die fast jedes jüngere Ich seinem älteren Gegenüber vorwirft. Hier sind die häufigsten:
Du hast zu früh aufgegeben. Du hast Sicherheit über Leidenschaft gestellt. Du lachst nicht mehr so laut wie früher. Du hast aufgehört, große Fragen zu stellen. Du umgibst dich mit Menschen, die dich klein halten. Du hast vergessen, wie sich Träume anfühlen – echt anfühlen, nicht nur als nette Idee.
Diese Vorwürfe klingen hart. Aber sie sind ehrlich. Und Ehrlichkeit ist der erste Schritt zur Veränderung.
Wie du das Gespräch mit deinem jüngeren Ich führst – eine praktische Übung
Setz dich hin. Nimm ein Blatt Papier. Schreib einen Brief an dein achtzehnjähriges Ich. Sei brutal ehrlich. Schreib auf, was du erreicht hast – und was nicht. Dann dreh den Spieß um: Schreib einen Brief von deinem achtzehnjährigen Ich an dich. Lass es alles sagen. Keine Zensur. Danach lies beide Briefe laut vor. Spür nach, was in dir passiert. Wut? Trauer? Erleichterung? Stolz? Alles zusammen?
Viele Menschen berichten, dass dieser einfache Wechsel der Perspektive mehr bewegt als Jahre Therapie. Weil du plötzlich nicht mehr nur dein jetziges Leben siehst – du siehst es durch die Augen dessen, der du einmal warst. Und dieser Blick ist unbestechlich.
Eine Tabelle mit Mehrwert: Wo stehst du wirklich?
| Lebensbereich | Was dein 18-jähriges Ich erwartet hat | Was du heute lebst | Abstand (0–10) | Ein kleiner, sofort umsetzbarer Schritt |
|---|---|---|---|---|
| Beruf / Berufung | Etwas, das brennt | Stabil, aber oft Routine | Beispiel: 7 | 1 Stunde/Woche an alter Leidenschaft arbeiten |
| Beziehungen | Tiefe, Abenteuer, Ehrlichkeit | Funktioniert meist, aber flach | Beispiel: 6 | Einmal pro Woche ehrliches Gespräch ohne Ablenkung |
| Abenteuer / Reisen | Die Welt sehen | Meist Urlaub im Bekannten | Beispiel: 8 | Ein Wochenende spontan woanders verbringen |
| Kreativität | Jeden Tag etwas Neues schaffen | Kaum noch Zeit dafür | Beispiel: 9 | 15 Minuten täglich frei schreiben/malen |
| Körper & Gesundheit | Stark, vital, voller Energie | Okay, aber oft erschöpft | Beispiel: 5 | Jeden Morgen 10 Minuten Bewegung |
Fülle die Tabelle für dich aus. Sei gnadenlos ehrlich. Dann wähle genau einen Bereich und mache den ersten winzigen Schritt. Nicht mehr. Aber konsequent.
Frage-Antwort-Tabelle – häufige Zweifel geklärt
Frage: Ist es nicht normal, dass man mit der Zeit Kompromisse eingeht? Antwort: Ja. Aber es gibt gute und schlechte Kompromisse. Gute bewahren dein Feuer. Schlechte ersticken es.
Frage: Was, wenn mein 18-jähriges Ich total naiv war? Antwort: Naivität ist kein Fehler – sie ist Treibstoff. Sie hat dich damals angetrieben. Vielleicht brauchst du heute genau diese Naivität wieder.
Frage: Wie kann ich etwas ändern, wenn ich Familie, Kredite, Verantwortung habe? Antwort: In kleinen Dosen. Ein Abend pro Woche nur für dich. Ein Kurs. Ein Gespräch. Kleine Veränderungen summieren sich zu großen Wendungen.
Frage: Und wenn ich gar nicht mehr weiß, was ich damals wollte? Antwort: Dann fang an, es neu herauszufinden. Frage dich: Was lässt mein Herz schneller schlagen? Was würde ich tun, wenn Geld und Zeit keine Rolle spielten?
Frage: Lohnt sich das alles überhaupt? Antwort: Ja. Weil das Leben zu kurz ist, um sich mit „es reicht“ zufriedenzugeben.
Ein aktueller Trend, der gerade langsam aus den USA und Teilen Asiens nach Mitteleuropa herüberschwappt, ist die „Future-Self-Journaling“-Methode in umgekehrter Form: Statt nur an das zukünftige Ich zu schreiben, schreiben Menschen gezielt Dialoge mit ihrem jüngeren Ich – oft kombiniert mit geführten Meditationen. Es geht nicht um Nostalgie, sondern um echte Korrektur der Lebensrichtung. Viele berichten von plötzlichen Klarheiten, die sie vorher jahrelang vermisst haben.
Zum Schluss ein Wort von Khalil Gibran
„Euer Leben ist euer Garten, und ihr seid seine Gärtner. Pflanzt die Samen der Träume, die ihr einst hattet – und gießt sie mit der Courage, die ihr heute besitzt.“
Du bist nicht fertig. Du bist nur unterbrochen. Und dieses Gespräch mit deinem achtzehnjährigen Ich? Es ist die Einladung, wieder anzufangen.
Hast du diesen Blick in den Spiegel schon gewagt? Welche Worte hat dein jüngeres Ich dir gesagt? Schreib es in die Kommentare – vielleicht inspiriert es genau den Menschen, der es gerade braucht.
Über mich – Andreas Schulze
Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.
Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.
Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.
Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.
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Mein vollständiges Profil findest du hier: Über Mich & Erfolgsebook
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Kapitel 16: Mikrogewohnheiten – Kleine Routinen, gigantische Ergebnisse
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Kapitel 22: Psychologie des Überzeugens – Meistere Kommunikation
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Kapitel 46: Die Kunst des Gebens – Großzügigkeit als Erfolgsfaktor
-
Kapitel 53: Dein Quantensprung – Durchbrich das scheinbar Unmögliche
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Kapitel 60: Die Frequenz des Erfolgs – Stimme dich auf Sieg ein
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Kapitel 70: Die Kunst der Pausen – Stärke durch Stille
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Texte: © Copyright by Andreas Schulze
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Das ist der Moment
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