Ziele setzen trotz Chaos im Kopf
Stell dir vor, dein Verstand ist ein alter Bahnhof kurz vor Mitternacht. Züge donnern durch, ohne anzuhalten. Ansagen überlagern sich zu einem unverständlichen Rauschen. Menschen hasten in alle Richtungen, Gepäckstücke kippen um, jemand schreit einen Namen, der nicht deiner ist – und mittendrin stehst du, mit einem zerknitterten Zettel in der Hand, auf dem eigentlich dein einziges echtes Ziel stehen sollte. Aber die Tinte ist verlaufen.
Genau dort beginnt die eigentliche Arbeit.
Viele Menschen glauben, sie könnten erst dann klare Ziele setzen, wenn der Kopf endlich ruhig wird. Das ist ein gefährlicher Irrtum. Der Kopf wird selten von allein ruhig. Er beruhigt sich meist erst, wenn du ihm zeigst, wohin der Zug fahren soll – auch wenn im Moment noch sämtliche Gleise blockiert scheinen.
Das innere Stimmengewirr sortieren – der erste realistische Schritt
Du wachst auf und die ersten Gedanken schlagen bereits Purzelbäume: „Eigentlich sollte ich kündigen“, „Ich muss endlich abnehmen“, „Warum habe ich schon wieder nichts geschafft?“, „Die Rechnung muss bezahlt werden“, „Vielleicht doch noch ein Kind?“, „Ich bin zu alt dafür“. Zehn, fünfzehn, zwanzig Stimmen, bevor der Wecker überhaupt zum zweiten Mal klingelt.
Der entscheidende Trick besteht darin, diese Stimmen nicht zum Schweigen zu bringen – das gelingt fast nie –, sondern sie wie Passagiere zu behandeln, die alle in denselben Zug steigen wollen. Du bist der Lokführer. Du entscheidest, welche Richtung der Zug nimmt. Die anderen dürfen mitfahren, aber sie bestimmen nicht die Strecke.
Nimm dir morgens exakt drei Minuten. Leg ein leeres Blatt hin oder öffne eine Notiz-App. Schreibe einfach auf, was gerade am lautesten schreit – ohne Zensur, ohne Reihenfolge. Danach ziehst du einen Kreis um die drei lautesten Rufe. Nur drei. Alles andere bleibt vorerst Gepäck im Wartesaal.
Warum nur drei? Weil dein präfrontaler Cortex – der Teil, der für Planung und Entscheidungen zuständig ist – unter hoher kognitiver Last rapide an Leistungsfähigkeit verliert. Neuere Erkenntnisse aus der kognitiven Psychologie zeigen, dass die meisten Menschen bei mehr als vier gleichzeitigen Prioritäten in einen Entscheidungslähmungszustand kippen.
Die Drei-Gedanken-Regel in der Praxis – zwei konkrete Beispiele
In einer kleinen Wohnung in Leipzig-Neulindenau sitzt an einem regnerischen Vormittag Hannah Berger, 34, gelernte Erzieherin, inzwischen Teilzeit in einer Kindertagesstätte und nebenbei Honorarkraft in der Erwachsenenbildung. Ihr Kopf ist ein Bienenschwarm: „Ich will endlich studieren“, „Ich muss die neue Chefin beeindrucken“, „Die Beziehung kriselt“, „Meine Mutter braucht mehr Unterstützung“, „Ich sollte wirklich zum Zahnarzt“.
Sie schreibt alles auf. Dann kreist sie ein:
- Endlich den Bachelor machen
- Mit dem Rauchen aufhören
- Einmal pro Woche abends wirklich abschalten
Der Rest bleibt auf dem Blatt – sie fotografiert es sogar mit dem Handy, damit es nicht verloren geht –, aber sie gibt ihm für die nächsten vier Wochen keine Energie. Und siehe da: Nach zwei Monaten hat sie sich tatsächlich für ein berufsbegleitendes Fernstudium immatrikuliert, hat den Nikotinersatz aufgebraucht und schafft es dreimal pro Woche, das Handy ab 21 Uhr in den Flugmodus zu setzen. Die anderen Themen haben sich teils von allein sortiert, teils warten sie geduldig.
Weiter nördlich, in Flensburg, sitzt in einem umgebauten Speicher direkt am Hafen Kai-Uwe Petersen, 41, selbstständiger Schiffselektroniker. Sein Chaos klingt anders, aber es ist genauso laut: „Rechnungen stapeln sich“, „Der Auftrag aus Dänemark ist unsicher“, „Ich muss dringend den Van reparieren“, „Meine Tochter sieht mich kaum“, „Vielleicht doch wieder fest angestellt?“.
Er kreist ein:
- Monatliche Liquiditätsplanung einführen
- Jeden Abend 30 Minuten mit der Tochter sprechen
- Den Transporter bis Ende des Monats in die Werkstatt bringen
Vier Wochen später hat er ein simples Excel-Template, das ihn zwingt, jeden Monatsanfang die kommenden sechs Wochen durchzuplanen. Er telefoniert jetzt fast täglich mit seiner Tochter – manchmal nur fünf Minuten, aber konstant. Und der Transporter steht wieder zuverlässig vor der Tür. Die anderen Sorgen haben sich dadurch nicht in Luft aufgelöst, aber sie schreien nicht mehr jede Sekunde.
Warum das funktioniert – die neuropsychologische Erklärung kurz und klar
Wenn du zu viele Ziele gleichzeitig verfolgst, feuert dein Gehirn permanent im sogenannten „default mode network“ – dem Tagträumen- und Grübeln-Netzwerk. Sobald du jedoch drei klare Prioritäten setzt, aktiviert sich das „task-positive network“ stärker. Die beiden Netzwerke hemmen sich gegenseitig. Je klarer die Aufgabe, desto leiser wird das Grübeln.
Der aktuelle Trend, der gerade aus den USA und Australien nach Mitteleuropa schwappt: Micro-Commitment Stacking
In den letzten zwei Jahren hat sich in anglophonen Online-Communities eine Methode durchgesetzt, die inzwischen auch in deutschen Coaching-Kreisen und Start-up-Teams angekommen ist: Man verpflichtet sich nicht auf ein großes Ziel, sondern stapelt winzige, fast lächerlich kleine Commitments, die man unmöglich nicht schaffen kann.
Beispiel:
- Nicht „Ich gehe jeden Tag ins Fitnessstudio“, sondern „Ich ziehe die Sportschuhe an und gehe fünf Minuten spazieren“.
- Nicht „Ich schreibe meine Bachelorarbeit“, sondern „Ich öffne das Dokument und schreibe einen einzigen Satz“.
Der Trick: Sobald du die winzige Hürde genommen hast, rollt meist der innere Widerstand ab und du machst weiter – oft viel mehr als geplant. Das Prinzip heißt inzwischen in vielen deutschsprachigen Kreisen „Mini-Zusage-Stapeln“ und wird gerade in Online-Communities für Menschen mit hoher Unruhe und ADHS sehr intensiv diskutiert.
Tabelle: Chaos-Level und passende Zielstrategie
| Chaos-Level (1–10) | Wie viele Ziele maximal setzen? | Strategie-Bezeichnung | Beispiel-Zusage |
|---|---|---|---|
| 1–3 | 1 | Laser-Fokus | Ein einziges Projekt bis Ende des Monats abschließen |
| 4–6 | 2 | Duale Spur | Beruf + ein privates Vorhaben |
| 7–8 | 3 | Drei-Gedanken-Regel | Studium + Gesundheit + Beziehung |
| 9–10 | 1 + 2 Mini-Commitments | Micro-Commitment Stacking | Nur Schuhe anziehen + 1 Satz schreiben + 1 Glas Wasser trinken |
Frage-Antwort-Tabelle – typische Stolpersteine
| Frage | Kurze, ehrliche Antwort |
|---|---|
| Was mache ich, wenn ich mich nach zwei Tagen schon wieder überfordert fühle? | Reduziere sofort auf ein einziges Mini-Commitment. Lieber 100 % von 1 Sache als 20 % von 10. |
| Ich habe das Gefühl, die wirklich wichtigen Dinge kommen zu kurz. | Genau deshalb kreist du nur drei ein. Der Rest bleibt auf dem Blatt – er verschwindet nicht, er wartet nur. |
| Wie lange halte ich mich an die drei Kreise? | Mindestens 21–30 Tage. Danach darfst du neu priorisieren. Kürzer als drei Wochen ist meist zu kurz. |
| Was, wenn ein echtes Notfallthema dazukommt (Krankheit, Jobverlust)? | Dann wird das neue Thema sofort einer der drei Kreise. Einer der alten rutscht raus. Gnadenlos ehrlich priorisieren. |
| Kann ich die Kreise auch abends machen? | Ja, sogar besser. Morgens ist der präfrontale Cortex oft noch nicht ganz wach. Abends sortierst du klarer. |
| Ich schäme mich, dass ich so wenig schaffe. | Scham ist ein Luxusproblem. Besser heute einen winzigen Schritt als morgen wieder gar nichts. |
Das poetische Geheimnis hinter der ganzen Technik
Ziele sind keine Listen. Ziele sind Versprechen, die du dir selbst flüsterst, während der Sturm tobt. Sie müssen nicht laut sein. Sie müssen nur klarer sein als der Lärm.
Wenn du das nächste Mal das Gefühl hast, dein Kopf sei ein sinkendes Schiff, dann denk an den Lokführer. Nicht alle Passagiere müssen glücklich sein. Aber der Zug muss rollen. In eine Richtung. Irgendwann lernen die lautesten Schreier, dass sie zwar mitfahren dürfen – aber nicht ans Steuer kommen.
Zitat „Der Mensch, der einen Berg versetzen will, beginnt damit, kleine Steine wegzutragen.“ – Konfuzius
Hat dir der Beitrag geholfen, etwas mehr Ordnung in deinen Kopf zu bringen? Dann schreib mir gern in die Kommentare, welche der drei Dinge du als Nächstes kreisen wirst – ich lese jede Antwort.
Über mich – Andreas Schulze
Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.
Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.
Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.
Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.
Meine Bücher findest du hier: Ebooks für deinen Erfolg
Mein vollständiges Profil findest du hier: Über Mich & Erfolgsebook
Willkommen auf meiner Seite – und in deiner Erfolgsgeschichte.

Alles, was du liebst, wird vergehen.
Menschen. Momente. Gefühle.
Auch du.
Niemand sagt dir das gern ins Gesicht.
Aber dein Leben ist kein unendlicher Raum.
Es ist ein Countdown.
Rein rechnerisch hast du etwa 625.000 bis 700.000 Stunden auf dieser Welt.
Nicht mehr. Nicht weniger.
Ein Großteil davon verschwindet im Schlaf.
Ein weiterer Teil in Terminen, Pflichten, Ablenkung.
Und plötzlich stehst du da und denkst:
Wo ist all die Zeit geblieben?
Das Licht wird nicht langsam dunkler.
Es geht einfach aus.
Genau deshalb ist Zeit das Wertvollste, was du besitzt –
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Alles, was du liebst, ist endlich.
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aber fast jeder irgendwann fühlt:
Eines Tages wachst du auf –
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