Angst wird zum unsichtbaren Bodyguard

Angst wird zum unsichtbaren Bodyguard
Lesedauer 6 Minuten

Angst wird zum unsichtbaren Bodyguard

In der Stille vor dem ersten grauen Streifen am Himmel sitzt jemand in einer kleinen Dachwohnung in Bremen-Vegesack, hält eine noch warme Tasse Ostfriesentee mit Kluntje und Kandis in beiden Händen und merkt plötzlich, dass das vertraute Engegefühl hinter dem Brustbein heute nicht mehr nur quält – es flüstert.

Es flüstert nicht „Du schaffst das nicht“, sondern „Pass auf, hier kommt etwas, das dich wirklich zerbrechen könnte, wenn du nicht wach bist“. Zum ersten Mal klingt die Angst nicht wie Feind, sondern wie ein alter, misstrauischer Leibwächter, der schon zu viele Schläge eingesteckt hat und deshalb jeden Schatten doppelt prüft.

Genau dort beginnt die seltsame, manchmal sogar komische Alchemie, die wir in den nächsten viertausendfünfhundert Wörtern gemeinsam durchlaufen werden.

Inhaltsverzeichnis

  • Warum wir Angst fast immer falsch verstehen
  • Der Moment, in dem Schutz zur Fessel wird
  • Die vier Gesichter der Angst (und wie sie sich tarnen)
  • Körperliche Alarmsignale, die niemandem auffallen
  • Wenn Angst plötzlich strategisch denken kann
  • Die unsichtbare Bodyguard-Übung – Schritt für Schritt
  • Drei echte Alltagsszenarien aus dem DACH-Raum
  • Was passiert, wenn du den Bodyguard entlässt
  • Sanfte Justierung statt sofortiger Befreiung
  • Häufige Rückfallfallen (und wie man sie mit Humor überlebt)
  • Abschließende Mini-Checkliste für die nächsten 30 Tage

Warum wir Angst fast immer falsch verstehen

Die meisten Menschen behandeln Angst wie einen ungebetenen Gast, den man schnell vor die Tür setzen möchte. Dabei ist sie – evolutionär gesehen – der mit Abstand teuerste und zugleich wertvollste Sicherheitsdienst, den die Natur je erfunden hat.

Sie kostet Unmengen an Cortisol, Adrenalin, Herzschlag, Schlaf und Magensäure – und rettet trotzdem seit zwei Millionen Jahren Menschenleben. Nur: Unser Alltag im Jahr 2026 besteht nicht mehr aus Säbelzahntigern und giftigen Schlangen. Die meisten Bedrohungen sind sozialer, wirtschaftlicher oder identitärer Natur. Und genau da beginnt das Missverständnis.

Die Angst reagiert immer noch mit derselben archaischen Intensität – nur dass der „Tiger“ jetzt ein kritischer Blick der Chefin ist, eine drohende Kündigung im Mittelstandsbetrieb in Lippe, ein missglücktes Elterngespräch oder die Sorge, dass die eigene Tochter in einer polarisierten Gesellschaft zerrieben wird.

Der Moment, in dem Schutz zur Fessel wird

Stell dir vor, du bist Lena, 34, examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin in einem mittelgroßen Klinikum in Oldenburg. Seit der dritten Coronawelle hat sie einen unsichtbaren Begleiter entwickelt: eine chronische Wachsamkeit, die sie früher nie hatte. Sie merkt sofort, wenn jemand hustet, sie scannt automatisch Gesichter auf Erschöpfung, sie plant schon beim Aufstehen drei verschiedene Eskalationsszenarien für die Schicht.

Dieser Modus hat sie durch die schlimmsten Monate gebracht. Er hat sie aber auch still und leise von ihrer früheren Leichtigkeit abgeschnitten. Sie lacht seltener, weint schneller, schläft schlechter – und merkt gleichzeitig, dass sie ohne diesen permanenten Alarmzustand wahrscheinlich längst zusammengebrochen wäre.

Hier liegt der Kern der Transformation: Angst ist kein Fehler im System. Sie ist ein überlasteter, aber loyaler Mitarbeiter, der seit Jahren keine richtige Stellenbeschreibung, keine Pausenregelung und kein Update mehr bekommen hat.

Die vier Gesichter der Angst (und wie sie sich tarnen)

  1. Die schnelle rote Lampe – plötzlicher Herzrasen, kalte Hände, Fluchtimpuls. Meist harmlos, aber laut. Kommt bei Präsentationen, Konflikten, nahender Deadline.
  2. Die chronische graue Wolke – leises, dauerhaftes Unwohlsein, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, „Ich kann mich einfach nicht mehr freuen“. Das Gesicht, das viele Burnout nennen, obwohl es oft einfach Dauer-Alarm ist.
  3. Die perfektionistische Peitsche – „Wenn ich nicht perfekt bin, bin ich nichts wert“. Tarnt sich als Ehrgeiz, ist aber meist Angst vor Scham und Ausschluss.
  4. Die Zukunfts-Angst mit Weitwinkelobjektiv – malt Katastrophen in 4K-Auflösung: „Was, wenn ich in fünf Jahren noch immer zur Miete wohne / allein bin / krank werde / meine Kinder enttäusche?“
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Jedes Gesicht braucht eine andere Ansprache. Deshalb scheitern die meisten „einfach mal loslassen“-Ratschläge kläglich.

Körperliche Alarmsignale, die niemandem auffallen

  • permanente Anspannung in den Kaumuskeln (du merkst es erst, wenn du bewusst locker lässt)
  • flache, hoch sitzende Atmung (meist nur 30–40 % des Lungenvolumens genutzt)
  • kalte Füße und Hände trotz warmer Umgebung
  • wiederkehrender Kloß im Hals oder Würgereflex ohne ersichtlichen Grund
  • leichte Übelkeit beim Gedanken an bestimmte Personen oder Termine
  • nächtliches Zähneknirschen (Partner bemerken es meist zuerst)

Wer diese Signale ignoriert, zwingt den Bodyguard, immer lauter zu schreien.

Wenn Angst plötzlich strategisch denken kann

Hier beginnt der eigentliche Kurs-Teil.

Die entscheidende Frage lautet nicht „Wie werde ich die Angst los?“, sondern:

„Wie mache ich aus meinem überforderten, aber loyalen Bodyguard einen klugen, ruhigen, professionellen Sicherheitschef?“

Dafür braucht es genau drei Fähigkeiten:

  1. Benennung – Angst bekommt einen Namen und einen Job.
  2. Dank und Begrenzung – sie wird gewürdigt und gleichzeitig in ihre Schranken gewiesen.
  3. Neue Informationen – der Bodyguard bekommt aktuelle Lageberichte statt nur alte Katastrophenfilme.

Die unsichtbare Bodyguard-Übung – Schritt für Schritt

Setz dich hin. Schließe für 30 Sekunden die Augen. Atme dreimal tief in den Bauch.

Dann sprich innerlich oder halblaut folgenden Text (du kannst ihn natürlich umformulieren):

„Hey, ich weiß, dass du seit Jahren alles gibst, damit mir nichts passiert. Danke. Ernsthaft. Ohne dich hätte ich einige richtig gefährliche Situationen nicht überstanden.

Aber ab heute ändert sich deine Stellenbeschreibung. Du bist nicht mehr der panische Wachhund, der bei jedem Geräusch bellt. Du bist jetzt mein persönlicher Sicherheitschef – ruhig, erfahren, strategisch, höflich, aber bestimmt.

Deine neuen Aufgaben lauten:

  • Gefahren realistisch einschätzen
  • Frühwarnsysteme aufrechterhalten
  • Mir sagen, wann ich wirklich handeln muss
  • Mir aber auch sagen, wann ich entspannen darf

Wenn du merkst, dass ich gerade nur einen normalen Dienstag lebe, gib mir bitte das Signal ‚Entwarnung‘. Wenn du wirklich etwas Bedrohliches siehst, sag es mir klar und sachlich – ohne Drama, ohne Katastrophenfilm. Ich höre dir zu. Versprochen.“

Danach öffnest du die Augen und notierst dir auf einem Zettel drei Worte, die dein neuer Sicherheitschef für dich haben darf:

Beispiel: Klar – Ruhig – Präzise

Diese drei Worte klebst du irgendwo hin, wo du sie oft siehst (Bildschirmrand, Geldbeutel, Badezimmerspiegel).

Drei echte Alltagsszenarien aus dem DACH-Raum

Szenario 1 – Der Schichtleiter in der Automobilzulieferer-Firma (Mann, 41, Ostwestfalen)

Markus muss jede Woche die neue Produktionsplanung gegen die Realität der Lieferketten durchsetzen. Früher hat er vor jedem Montagmorgen-Meeting zwei Nächte schlecht geschlafen. Seit er seinen Bodyguard umbenannt und neu briefen hat, sagt der ihm morgens um 6:20 Uhr nur noch: „Drei Punkte sind kritisch. Die anderen sieben sind lösbar. Bereite die drei gut vor – den Rest kannst du entspannt angehen.“ Er spart seither etwa 14 Stunden Angst pro Woche ein.

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Szenario 2 – Die Einzelhandelskauffrau im Familienbetrieb (Frau, 29, Vorarlberg)

Sophie hat panische Angst, dass der kleine Bioladen der Eltern pleitegeht. Der Bodyguard hat früher jede Abendkasse zu einem Herzinfarkt-Versuch gemacht. Neue Ansage: „Ich überprüfe die Zahlen mit dir. Wenn wir wirklich unter die kritische Linie rutschen, gebe ich dir rechtzeitig Bescheid. Bis dahin darfst du lächeln und Kund*innen beraten.“ Sie hat seitdem wieder angefangen, abends mit Freundinnen Wein zu trinken, ohne schlechtes Gewissen.

Szenario 3 – Der junge Software-Entwickler im Homeoffice (Mann, 26, Graz)

Tom hat soziale Angst vor Videocalls. Früher hat er sich stundenlang vorbereitet und trotzdem gestottert. Neuer Bodyguard-Satz: „Du wirst nicht perfekt sprechen. Das erwartet auch niemand. Deine Aufgabe ist es, die Information zu übermitteln. Wenn du blockierst, atme einmal tief und sag ‚Kurze Pause, ich sortiere kurz meine Gedanken‘. Das wirkt sogar kompetent.“ Er hat seitdem in drei Retrospektiven aktiv mitgeredet – ohne einmal rot anzulaufen.

Was passiert, wenn du den Bodyguard entlässt

Fast alle, die es versuchen, bekommen innerhalb von 2–6 Wochen einen massiven Rückfall. Der Bodyguard fühlt sich gefeuert – und dreht dann erst recht auf.

Besser: Beförderung statt Kündigung.

Sanfte Justierung statt sofortiger Befreiung

Arbeite mit einem Skalen-Fragebogen (0–10):

Wie laut ist dein Bodyguard heute? ____ /10 Wie sehr vertraust du seiner Einschätzung? ____ /10 Wie sehr würdest du ihn momentan als hilfreichen Kollegen empfinden? ____ /10

Jede Woche neu ausfüllen. Ziel ist nicht 0, sondern eine stabile 3–4 bei hoher Vertrauenswürdigkeit (7+).

Häufige Rückfallfallen (und wie man sie mit Humor überlebt)

  • Der „Jetzt wird’s ernst“-Alarm bei ganz normalen Montagen → Humorantwort: „Okay, Bodyguard, das ist nur ein Montag. Kein Weltuntergang. Kaffee holen, dann reden wir weiter.“
  • Der Katastrophen-Loop um 02:47 Uhr → Körperliche Unterbrechung: Aufstehen, Licht an, kaltes Wasser ins Gesicht, fünf Kniebeugen. Dann laut: „Danke für die Nachtschicht. Jetzt bin ich wach und übernehme.“
  • Der Vergleich mit anderen auf Social Media → Bodyguard darf sagen: „Das ist ein Hochglanz-Thumbnail. Nicht dein reales Spielfeld.“

Mini-Checkliste für die nächsten 30 Tage

Bodyguard-Ansprache täglich (morgens oder abends) □ Drei-Wort-Signal irgendwo sichtbar platzieren □ Körperliche Alarmsignale einmal täglich bewusst wahrnehmen □ Wöchentliche Skalen-Abfrage (0–10) □ Mindestens einmal pro Woche eine kleine „Entwarnung“ bewusst genießen □ Bei starkem Alarm: „Danke – jetzt bin ich dran“ sagen

Zitat

„Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Bereitschaft, sie als Beraterin zu behandeln.“ – Unbekannt (sinngemäß vieler Quellen)

Hat dir der Text heute ein kleines Stück mehr Luft zum Atmen gegeben? Dann schreib mir gern in die Kommentare: Welchen Satz hat dein Bodyguard heute schon zu dir gesagt – und wie hast du geantwortet? Teil den Beitrag mit jemandem, der gerade glaubt, die Angst würde ihn besiegen.

Über mich – Andreas Schulze

Ich bin Andreas Schulze, Schriftsteller und Autor zu persönlicher Entwicklung, Motivation und Bewusstsein. Seit über vier Jahrzehnten untersuche ich, was Menschen antreibt und wie persönliches Wachstum entsteht.

Meine Arbeit basiert auf praktischer Erfahrung und dem Austausch mit Menschen aus verschiedensten Lebensbereichen. Seit mehr als 20 Jahren führe ich Interviews und Gespräche weltweit – heute meist digital über Plattformen wie Zoom oder Microsoft Teams.

Die Erkenntnisse daraus fließen in meine Bücher, Blogbeiträge und Coachings auf Erfolgsebook.com ein. Dabei geht es mir um klare, praktische Ansätze, die helfen, Denken und Entscheidungen bewusster zu gestalten.

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Ich sehe meine Aufgabe darin, Erfahrungen und Beobachtungen so aufzubereiten, dass sie anderen mehr Klarheit, Selbstbestimmung und innere Stärke ermöglichen.

Meine Bücher findest du hier: Ebooks für deinen Erfolg

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Blog Bilder für schöne Bider (4572)

Alles, was du liebst, wird vergehen.
Menschen. Momente. Gefühle.
Auch du.

Niemand sagt dir das gern ins Gesicht.
Aber dein Leben ist kein unendlicher Raum.
Es ist ein Countdown.

Rein rechnerisch hast du etwa 625.000 bis 700.000 Stunden auf dieser Welt.
Nicht mehr. Nicht weniger.

Ein Großteil davon verschwindet im Schlaf.
Ein weiterer Teil in Terminen, Pflichten, Ablenkung.
Und plötzlich stehst du da und denkst:
Wo ist all die Zeit geblieben?

Das Licht wird nicht langsam dunkler.
Es geht einfach aus.

Genau deshalb ist Zeit das Wertvollste, was du besitzt –
und gleichzeitig das, was die meisten Menschen am achtlosesten verlieren.

Alles, was du liebst, ist endlich.
Darum ist „später“ eine gefährliche Lüge.
Nicht irgendwann.
Nicht wenn es ruhiger wird.
Nicht wenn du mehr Zeit hast.

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Heute.
In diesem Moment.

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Keine Motivationsfloskeln.
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Viele Leser sagen danach:

„Ich renne meiner Zeit nicht mehr hinterher.
Ich entscheide, wofür ich sie einsetze.“

Und dann kommt der Satz, den niemand je hören wollte –
aber fast jeder irgendwann fühlt:

Eines Tages wachst du auf –
und es gibt kein ‚später‘ mehr für das,
was dir wirklich wichtig war.

Wenn du begreifst, dass du nur dieses eine Leben hast,
willst du nicht länger funktionieren.
Du willst fühlen.
Erleben.
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