Die Geschichte der Seele – Die Leib-Seele

Lesezeit ca: 9 Minuten

Die Leib-Seele-Problematik der neuzeitlichen Philosophie – auf der Suche nach Erkenntnissen

Infolge der zweifelhaft gewordenen Aussagen der Bibel und infolge der zerbrechenden Herrschaft der Kirche, die jahrhundertelang als unumstößliche Macht galt und deren Lehre eine für jeden Wissenschaftler verbindliche Erkenntnisgrundlage umschloss stellte man auch den die abendländischen Universitäten beherrschenden Aristotelismus in Frage.

Denn immerhin war Aristoteles als vorchristlicher Philosoph keine unangreifbare Autorität, obwohl seine der kirchlichen Glaubensverkündigung entsprechenden Lehren, vor allem seine These von der Erde als Mittelpunkt des Universums, von dieser übernommen wurden. Auf die aristotelische Philosophie stützt sich auch die Seelenvorstellung der Kirche, die von Thomas von Aquin weiterentwickelt wurde.

Die der aristotelischen und kirchlichen Lehre widersprechende heliozentrische Theorie des Kopernikus war jedoch nur einer von mehreren Faktoren, die vor knapp 500 Jahren das Mittelalter zum Einsturz brachten. Entgegen den Vorstellungen von Giovanni Battista Vico (1668-1744) kam es auch nicht zu der Entstehung einer scienza nuova, zu einem völligen Umsturz in den Naturwissenschaften und der Philosophie: “Es gibt einfach keine wissenschaftliche Leistung zwischen 1450 und 1600, die nicht entweder schon lange vorher in der Antike vollbracht wurde oder wenigstens hätte vollzogen werden können. Das Weltbild der sonnenumlaufenden Planeten des KOPERNIKUS ist auch das Weltbild des ARISTARCH, der um 280 v. Chr. lebte.”

Die Renaissance, eine Zeit der wissenschaftlichen Neuerungen und Entdeckungen, ist aus der heutigen Sicht vielmehr als ein Wiedererstarken der Neuplatoniker zu werten. Sie umfasst ein Aufbegehren gegen Kirche und Staat, den privilegierten Trägern des aristotelischen Rationalismus. Die neuplatonische Naturphilosophie ist von der des Pythagoras abgeleitet.

Sie gelangte durch den Islam nach Europa und wurde dort von Wissenschaftlern, Ärzten, Mathematikern und Naturforschern trotz der Gefahr der kirchlichen Verfolgung, der Inquisition, der Kerkerhaft und der Verbannung und trotz der Machtinstrumente der weltlichen Herrscher weiterentwickelt.

Die pythagoreische Philosophie beruht auf einem ganzheitlichen Weltbild, sie geht von der Einheit des Menschen mit dem Universum sowie von der Einheit des Leibes und der Seele aus. Die pythagoreische Geisteshaltung wandte sich gegen den unglaubwürdig gewordenen, seit 1000 Jahren in Europa herrschenden Dualismus der aristotelischen Philosophie, die sich auf das Dogma der Gespaltenheit des Psychischen stützte.

Durch diese Philosophie kam es zu einer extremen Überbewertung der sogenannten Geisteswissenschaften und zu einer Missachtung der praktischen Naturforschung, wogegen sich die pythagoreische Geisteshaltung wehrte. Mit ihr war die neue Grundlage für Berechnungen und Experimente geschaffen, gegen die sich der einseitige aristotelische Rationalismus gewehrt hatte und die jetzt von den Wissenschaftlern der Renaissance genutzt wurde.

Die Entdeckungen und Erfindungen der Renaissance, Schießpulver, Kompass, Räder Uhr Buchdruck und vieles mehr, waren sicher nur Nebenprodukte der im geheimen betriebenen Naturforschung. Jedoch gewannen sie an Wichtigkeit, da nur mit ihrer Hilfe eine Erweiterung der politischen Macht im Sinne von Landentdeckung und -eroberung möglich war, wie z. B. die enorme Ausdehnung des Heiligen Römischen Reiches unter Karl V. (1500-1558). Karl V. war schließlich der Herrscher eines Reiches, in dem die Sonne nie unterging. Fürsten und Staatsmänner begannen folgerichtig ein großes Interesse für die experimentelle Forschung zu zeigen, endlich wurden auch die einst verfolgten Naturwissenschaftler anerkannt.

Mit der Ausbreitung der pythagoreischen Geisteslehre brach ein neuer Streit unter den Gelehrten über den Begriff der Seele hervor. Diese Auseinandersetzung wurde mit äußerster Heftigkeit geführt, ihre Ausläufer reichen bis in die Gegenwart. Der Grund für diese Wissenschaftsfehde liegt in dem Leib-Seele-Problem.

Für die Aristoteliker und die Rationalisten war das Leib-Seele-Problem schon gelöst. In seiner “Summa theologae” begründet Thomas von Aquin den mittelalterlichen Dualismus von Geist und Körper. Die anima rationalis, die die Gedanken, den Willen und das Gedächtnis umfasst, kann mit dem Leib keine Einheit bilden. Sie ist dem Menschen bei der Taufe von Gott gegeben, Gott erhebt so den Menschen zum wahren Sein.

Die Sinneswahrnehmungen der Umwelt, species sensibiles, werden mit Hilfe des Verstandes in Begriffs- oder Erkenntnisbilder, species intelligibiles, umgesetzt. Das ist jedoch nur möglich, weil die gottgegebene anima rationalis die Strukturen und Muster der Gegenstände der Umwelt enthält. Die Natur, die Sinneswelt sind für den Menschen nur erkennbar und erfahrbar, weil seine ratio die Erkenntnismuster schon beinhaltet.

Auch Rene Descartes (1596-1650), der Begründer der neuzeitlichen Vernunftphilosophie, sieht in der ratio den einzig sicheren Erkenntnisweg. Sinneswahrnehmungen und Vorstellungsbilder der Umwelt können trügerisch sein. Es ist zweifelhaft, ob diese überhaupt der Wirklichkeit entsprechen, da der Mensch ja auch im Traum bildhafte Vorstellungen erlebt, die nicht real sind.

Descartes schloss daraus, dass die gesamte Umwelt, ja selbst unser Körper, nur ein Produkt der Einbildung, also irreal sein könnte. Die menschliche Fähigkeit zu denken, die Gedanken sind jedoch unbezweifelbar und real. Rene Descartes fasst dies in dem Lehrsatz “Cogito, ergo sum!”, “Ich denke, also bin ich!” zusammen. In ihm zeigt sich die Einsichtsfähigkeit der Vernunft. Für Descartes ist dieses “Ich denke, also bin ich!” eine Grundwahrheit, der Kernsatz seiner gesamten Philosophie.

Karl Jaspers kritisiert in seiner Abhandlung “Über die Wahrheit” (1947) die kartesianische Philosophie. Ihr Kernsatz sei zwar interessant, aber unfruchtbar. Er sage letztlich nur aus, dass der Denkende existiere. Für Descartes allerdings hatte er mehr bewiesen.

Wenn die menschliche Vernunft ein zweifelsfreies Erkennen der eigenen Existenz vermochte, dann war sie auch fähig, prinzipiell das Sein zu erkennen. Descartes führt Gott als endgültigen Beweis dafür an. Von ihm, der die letzte Wahrheit verkörpert, stamme die Vernunft. An Gott und somit auch an der ratio zu zweifeln, sei unmöglich, da die Vorstellung von Gott in unserer Vernunft verankert ist, da Gott also existent ist.

Descartes’ Beweisführung entspricht einem Circulus vitiosus, einem Zirkelschluss, und ist somit hinfällig. Er leitet die Existenz eines Phänomens von der Existenz einer entsprechenden Vorstellung ab.

Außerdem fehlt bei Descartes die Überlegung, dass nicht alle Menschen zu den gleichen gedanklichen Vorstellungen fähig sind. Dass es mehr menschliche Unvernunft als Vernunft gibt, wusste jedoch auch Descartes.

Zwar sagte er in seinem “Discours de la methode” (“Abhandlung über die Methode” – damit ist die Methode, mittels der Vernunft philosophische Erkenntnisgrundlagen zu schaffen, gemeint):

“Kein Ding ist in der Welt besser verteilt als der gesunde Menschenverstand”, was gern von seinen Anhängern zitiert wird. Aber die Fortsetzung lautet:

“Denn jeder glaubt, damit so wohl versehen zu sein, dass selbst, wer in allem anderen noch so schwer zu befriedigen (ist), nicht gewohnt ist, mehr davon zu wünschen, als er besitzt.”

Auch hier bedient sich Descartes eines Circulus vitiosus, er beweist eine Behauptung durch eine These. Die Ironie dieses Satzes ist jedoch unübersehbar.

Immerhin versteht Rene Descartes die Unvernunft, die Unzulänglichkeit des menschlichen Verstandes nicht mehr als Auswirkung der durch Thomas von Aquin entwickelten Vorstellung einer anima vegetativa, die dem Bösen im Menschen, dem Teufel, entspricht, sondern er untersucht eingehend den Zusammenhang von Leib und Seele im Menschen.

Descartes geht davon aus, dass Denken dem Besitz von Bewusstsein entspricht. Bewusstsein und Psyche sind identisch, wo das Bewusstsein fehlt, ist auch keine Seele. Descartes stellt sich das Bewusstsein als etwas Substantielles vor, er lokalisiert es im Gehirn. Also folgt jeder psychischen Tätigkeit eine Veränderung von Materie, von Substanz im Gehirn. Der Sitz der Seele befindet sich für Descartes in der glandula pinealis, der Zirbeldrüse.

Gott, den Engeln und den Menschen ist eine Seele und ein Bewusstsein gegeben, da nur diese an der göttlichen Gnade teilhaben. Die Tiere, obwohl sie im Besitz eines Gehirns sind und einige auf einer höheren Entwicklungsstufe stehende Tiere auch eine Zirbeldrüse haben, sind lediglich seelenlose, nur zu Reflexen fähige Automaten, denen jegliches Bewusstsein fehlt.

Bemerkenswert ist die Entwicklung des Reflexbegriffes durch Rene Descartes. In neurophysiologischen Untersuchungen erforschte er den animalischen Reflexmechanismus, er benutzte sogar schon den Begriff des “bedingten Reflexes”.

Descartes durchbricht mit seiner Leib-Seele-Forschung erstmals offiziell das Tabu der katholischen Kirche, die sich entschieden gegen neurologische und neurophysiologische Untersuchungen und Experimente am tierischen und menschlichen Körper wandte.

Auf Descartes’ einzigartige Bedeutung als Mathematiker kann leider nicht näher eingegangen werden. Es ist jedoch zu erwähnen, dass er die Grundlage der Analytischen Geometrie schuf. Seine mathematischen und neurologischen Forschungen, besonders die Untersuchungen des Gehirns, weisen stark auf Kenntnisse der pythagoreischen Naturforschung hin.

Eine zeitweilige Zugehörigkeit zu dieser Wissenschaftsschule ist unumstritten, obwohl Descartes in seinem “Discours de la methode” lediglich erwähnt, dass er alchemistische Werke gelesen habe. Er bekennt jedoch, dass es ihm erst nach einem Jahr durch einen Traum möglich war, sich seine Entdeckungen und Erforschungen bewusst zu machen und sie richtig anzuwenden.

Sir Francis Bacon of Verulam (1561-1626) ist der bekannteste neuzeitliche Vertreter der pythagoreischen Wissenschaftsschule. Er befürwortet die Befreiung der Wissenschaften von der Kirche und der Theologie und wendet sich gegen die Vorurteile den Naturwissenschaften gegenüber. Sein Ziel ist die Ausübung einer unbefangenen und uneingeschränkten experimentellen Forschung, durch die die Natur dem Menschen dienstbar gemacht werden kann.

In diesem Zusammenhang ist die Erforschung der Naturgesetze vorrangig und wichtig. Dies legt er in seinem Werk “Novum organon” dar. Bacon sieht alle Wissenschaften in den Seelenkräften vereint. Er unterteilt diese Kräfte in Gedächtnis, Phantasie und Verstand und ordnet ihnen die Geschichte, die Poesie und die Philosophie zu. Nach der pythagoreischen Lehre waren die Sterne die Heimat der Seele. Die psychische Energie des Kosmos hatte in der Seele Gestalt angenommen. Dieser Energie war das psychische wie auch das physische Leben des Menschen zuzuschreiben, ebenso das menschliche Bewusstsein und die Vernunft.

Die universale Vernunft war im ganzen Kosmos vorhanden, Vorstellungen von einem Gott, der diese allumfassende Vernunft auf bestimmte Sphären beschränkt, die dem Menschen nicht zugänglich sind, wurden abgelehnt.

Diese universale Vernunft musste folglich in jedem Menschen, überall, in jedem noch so kleinen Teil des Kosmos verwirklicht sein, egal, ob in lebender oder toter Materie. Sie äußerte sich in jeder Naturerscheinung, sie war der Natur immanent.

Die Ziele der experimentellen Naturforschung, deren Vertreter im Rahmen der neuzeitlichen Philosophiegeschichte auch Empiriker genannt wurden, entsprachen denen der rationalistischen aristotelischen Philosophie.

Beide Richtungen wollten mehr über die Ursprünge der Vernunft und über allgemeingültige Weltgesetze erfahren, jedoch beschritten sie grundsätzlich verschiedene Wege.

Die Empiriker versuchten durch Beobachtung, Erfahrung und Erforschung mehr über ihre Umwelt, besonders über den Menschen selbst, zu erfahren. Die Rationalisten wollten mit Hilfe von Denk- und Vorstellungsmodellen und auch von Spekulationen zum gleichen Ziel gelangen. Da die Empiriker die Natur, den Leib und die Seele als kosmische Einheit verstanden, schlossen sie daraus, dass sie allein aus der Beobachtung und Erforschung des Menschen Erkenntnisse über dessen Seele bzw. die universale Seele gewinnen könnten.

Die verschiedenen Ansätze der Empiriker und Rationalisten spalteten die Philosophie, seit der Zeit Bacons und Descartes’ existieren zwei, einander feindlich gesinnte Richtungen. Während Bacon von seinem berühmten Satz “Wissen ist Macht” ausging, ist die Überzeugung der Rationalisten besser in der Aussage “Glauben ist Macht” ausgedrückt. Denn die Rationalisten waren Dogmatiker.

Nikolas de Malebranche (1638-1715), ein Schüler Descartes’, übernimmt einige der Auffassungen seines Lehrers. Auch für ihn ist das Gehirn der Träger der Psyche, außerdem die Steuerungsinstanz für körperliche und geistige Funktionen. Malebranche glaubt nicht an eine Einheit von Leib und Seele. Die Seele ist für ihn Gott nahe, sie verbindet das Göttliche mit dem Weltlichen.

Mit der Welt ist die Seele nur durch die Sinne verknüpft, diese sind leicht zu täuschen und trügerisch. Die wahre Erkenntnis liegt nur bei Gott, das heißt, sie ist nur durch den reinen Geist möglich. Die Vernunft stellt den einzigen Weg dar, diese Erkenntnis zu erreichen. Der Verstand ist ebenfalls ein Teil der Seele. Er muss jedoch erst durch den Willen aktiviert werden. Dieser Wille ist teils von Gott vorherbestimmt, das heißt, ihm sind Ziele vorgegeben, jedoch besteht er außerdem noch aus der Triebhaftigkeit des Körpers, aus bestimmten Leidenschaften.

Baruch de Spinoza (1632-1677) widerspricht Malebranche in seinen Thesen. Spinoza geht von einer universalen Seelenvorstellung aus, sein Grundsatz lautet: “Deus sive natura!” – “Gott ist gleich der Natur!”
Es gibt nur eine einzige Realität, jedoch verschiedene Erscheinungsformen dieser Wirklichkeit, die auch begriffliche Unterscheidungen verlangen. Gott und die Welt, Seele und Körper sind einige Beispiele dafür. Der Leib ist die äußere Erscheinungsform, die Seele die innere Erscheinungsform einer Realität, beide gehören untrennbar zusammen.

Der Leib kann nicht ohne Seele existieren, die Seele nicht ohne Leib. Der eine Begriff ist ohne sein Gegenteil unsinnig, der andere auch. Das menschliche Bewusstsein hat die Funktion eines Spiegels, der die Umwelt nach innen und die Psyche nach außen projiziert.

Arnold Geulincx (1624-1669) entlehnt seine kritische analysierende Methode der kartesianischen Lehre. Das Zentrum seiner Philosophie ist jedoch das Ich des Menschen. Er erkennt mehrere Bewusstseinsebenen, die sich aus verschiedenen Teilen, dem Willen und der Fähigkeit zu denken, zusammensetzen und sich somit voneinander unterscheiden.

Die letztlich wahre Erkenntnis ist dem Menschen nur durch die Wahrnehmung möglich, das Denken allein reicht nicht aus. Geulincx nimmt an, dass es keine Möglichkeit der direkten somatischen Beeinflussung der Psyche gibt, da die Wahrnehmung des Bewusstseins nicht der sinnlichen Wahrnehmung entspricht.

Der englische Philosoph John Locke (1632-1704) ist neben Bacon ein weiterer wichtiger Vertreter der empirischen Naturwissenschaften und der Psychologie. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit der inneren Wahrnehmung, dem Erleben von Ideen. Diese Ideen stellten psychische Realitäten dar. Überhaupt unterscheidet Locke schon zwischen der Bewusstwerdung psychischer Inhalte und der einfachen Tätigkeit des Bewusstseins. Die Wahrnehmungsreize der Umwelt, rein äußere Reize, die er als “sensations” bezeichnet, erfahren eine Umwandlung in “reflections”, sie werden zu Bewusstseinsinhalten.

Für ein Kind ist diese Tätigkeit des Bewusstseins allein auf die Wahrnehmung äußerer Eindrücke beschränkt, die kindliche Psyche ist zunächst völlig unbelastet, sie arbeitet völlig ohne Reflexion.

Gottfried Wilhelm von Leibniz (1646-1716) nimmt eine herausragende Position in der neuzeitlichen Philosophie ein. Norbert Wiener erklärt ihn zum Schutzpatron der Kybernetik, denn die Philosophie Leibniz’ “kreist um zwei eng verwandte Begriffe – den einer universellen Symbolik und den eines Kalküls der Vernunft!”

Nach dem Muster der Demokritschen Atomtheorie schuf er seine Monadenlehre. Darin setzt er den Mikrokosmos dem Makrokosmos gleich. So ist das Psychische im Menschen für Leibniz mit dem Universum identisch.

Norbert Wiener hat auch aufgezeigt, dass sogar die von Leibniz vertretene Vorstellung einer prästabilisierten Harmonie als universales Grundgesetz bereits kybernetische Züge trägt.

Leibniz lehrte, dass der Kosmos aus einer unendlichen Anzahl energiereicher Teilchen ‘ zusammengesetzt ist. Diese sind sowohl gleichartig als auch individuell verschieden. Statt des Begriffs “Atom” benutzt Leibniz den der Monade. Die Monaden unterliegen bestimmten Naturgesetzen nach den Regeln der statistischen Wahrscheinlichkeit.

Sie bilden den gesamten Kosmos und enthalten das geistige, unzerstörbare und ewige Informationsmuster des Lebens. Jedes Teilchen trägt die Information des gesamten Bauplans des Universums in sich und besitzt die Fähigkeit der Perzeption. (Leibniz versteht unter “Perzeption” die unterbewusste Vorstellung des Musters, nach dem sich die Monaden zusammenfügen.) Da die Monaden alle gleichartig sind, ist auch jedes Teil des Universums identisch aufgebaut und mit den anderen Teilen verwandt, gleichgültig, ob es sich um ein “totes” Kristall, ein Tier oder den Menschen handelt.

Über allem steht jedoch ein formendes Prinzip, das ein zielgerichtetes und vorgegebenes Informationsmuster beinhaltet. Nach diesem teleologischen Bauplan formen sich die Atome zu verschiedenartigen Körpern, um eine höhere, aufeinander abgestimmte Harmonie der Dinge, das Universum, zu schaffen. Leibniz sieht den Menschen als Bindeglied zwischen der atomaren Welt des Mikrokosmos und dem Universum, dem Makrokosmos.

Im Menschen wird die Perzeption in die Apperzeption verwandelt. (Perzeption, lateinisch, “das Empfangende”, meint die Wahrnehmung; Apperzeption ist von dem neulateinischen adpercipere abgeleitet und meint die “Hinzuwahrnehmung”.

Wie gefällt Ihnen dieser Beitrag?
[Gsamt: 0 Durchschnittlich: 0]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.