Erfolg

Das Geheimnis der Spiritualität

Apperzeption ist der Begriff für die Reflexion einer Wahrnehmung im Bewusstsein, auch die Einordnung in einen Bewusstseinszusammenhang.

Apperzeption ist also “die Voraussetzung von Geist”. Dies geschieht jedoch meistens unterbewusst. Wenn nun der Bewusstseinsgrad des einzelnen gesteigert wird, so ist der Mensch auch zu einer Steigerung der Informationsimpulse und zu deren Verarbeitung fähig. Der Aufbau des Menschen, seine Leib-Seele-ldentität, lässt erkennen, dass seine Psyche alle Muster und Informationen des Universums enthält.

Sie sind als Spuren im Menschen vorhanden und beschränken sich nicht auf das Wissen und die Erfahrungen der Gegenwart, sondern umschließen mit dem Universum auch die Vergangenheit und die Zukunft, somit die gesamten Erfahrungen der Menschheit und des Kosmos. Im Universum ist “der Mensch” unsterblich.

SIR ISAAC NEWTON (1642-1727), ein Zeitgenosse von Leibniz und ein großer Mathematiker und Physiker, dessen geisteswissenschaftliche Schriften unglücklicherweise kaum bekannt wurden, weil die meisten von ihnen verschollen sind, wendet sich gegen das kirchliche Dogma der Dreifaltigkeit. Er glaubt nur an ein einziges göttliches Wesen, das über allem steht. Newton erkennt im immensen Kosmos die “Geheimschrift” Gottes, die er auch in den kleinsten Teilen vermutet. Er kleidet seine Entdeckung der Differentialgleichung auch in Geheimzeichen, als er sich mit Leibniz in Verbindung setzt.

Newton versucht, durch eine nach innen gekehrte Einbildungskraft die Stärke zu gewinnen, mit der es möglich ist, Gott zu überwinden, ihn zu stürzen, um das Rätsel der “Geheimschrift” zu lösen, das die göttliche Vorbestimmung dem Menschen aufgibt. Mit dieser Stärke hofft Newton auch die Dimensionen zu zerstören, das heisst, die Zeit zu überwinden, das Rätsel des Ursprungs des Kosmos und der Elemente sowie das der Gesundheit und der Unsterblichkeit des Menschen zu lösen.

ETIENNE BONNOT DE CONDILLAC (1715-1780) gilt als Hauptvertreter des Sensualismus. Diese Lehre setzt die menschliche Seele den Empfindungen gleich, ihre Entwicklung ist allein durch die Umwelt bedingt und gewährleistet. Condillac erkennt angeborene Anlagen und Instinkte nicht an, nach seiner Ansicht ist der Mensch allein vom Milieu geprägt.

Alle seine Äußerungen und Reaktionen sind die Produkte . seiner Empfindungen, sein Denken ist eine abgeleitete Form dieser Empfindungen. Der Verstand, die Sprache, das Begehren, die Triebe drücken nur Empfindungen aus. Der Verstand und die Sprache tun dies mit Hilfe von Lautzeichen. Condillac beschreibt seine Philosophie bildhaft.

Er vergleicht den Menschen mit einer Statue, die erst langsam und stückweise zum Leben erweckt wird, weil ihre Sinne nach und nach erwachen.

Mit dem Buch “Systeme de la nature ou le /o/s du monde physique et du monde moral” wurde die bis ins 20. Jahrhundert reichende Grundlage des reinen Materialismus geschaffen. PAUL-HENRIE THIRY, BARON d’HOLBACH (1723-1789), der in Paris dem Kreis der Enzyklopädisten angehörte, legt in diesem Werk sein Verständnis vom Menschen und seiner Umwelt dar.

Er versteht den Menschen als Produkt der Materie. Nur die materielle Erscheinungswelt und ihre Bewegungen sind wirklich. Somit lassen sich Gedanken und Gefühle, falls sie einen materiellen Wert beinhalten, nur als physikalische Bewegungen kleinster Teile erklären. Eine Unterscheidung zwischen der materiellen und der moralischen Natur des Menschen empfindet Holbach als unsinnig und unnütz.

Das sechsbändige Hauptwerk von FRANCOIS MARIE AROUET (1694-1778), der sich VOLTAIRE nannte, beschreibt die psychologisch-historische Untersuchung der Seele im Hinblick auf die gesamte kulturelle Evolution. Voltaire sieht die Weltgeschichte als Entwicklungskampf der Menschen. Er kritisiert sie. Seinen Schriften lassen sich bereits Ansätze seiner Entwicklungsgeschichte des Bewusstseins entnehmen.

In seinen psychologischen Erzählungen “Micromigas” und “Candide ou l’optimisme” wendet sich Voltaire eindeutig gegen Leibniz und dessen Anspruch, dass “unsere Welt die beste aller möglichen ist”.

Voltaire hat diesen selbstsicheren Vernunftglauben zu seiner Zeit wegen des Erdbebens von Lissabon scharf verurteilt und kritisiert. Er veranschaulicht die Leibnizsche Feststellung von der “unendlich kleinen” Bewusstheit, die er in den meisten Menschen erkennt. Die Menschen sind irrational, sie handeln wider alle Vernunft und sind triebgesteuerte Geschöpfe.Voltaire sieht keinen Grund, dies zu beschönigen.

DENIS DIDEROT (1713-1784) verwirklichte mit anderen Gelehrten zusammen die Idee des enzyklopädischen Lexikons. Es sollte alles menschliche Wissen in sich tragen, dabei jedoch vorurteilsfrei sein.

Diderots philosophische Richtung entspricht der Holbachs. Beide sind Materialisten. Auch die 1754 geschaffene Erklärung des Bewusstseins ist streng materialistisch. In ihr leitet Diderot alle psychischen Erscheinungen von Bewegungen der Atome ab. Empfindungen resultieren aus dem Freiwerden und Verschmelzen von Atomen.

Diese befinden sich ständig in Bewegung. Alle Vorgänge im Menschen können so physikalisch erklärt werden. Die Einheit des Bewusstseins entsteht allein durch die Assoziationsfähigkeit der Empfindungen, also der Bewegungen der Atome.

JEAN JACQUES ROUSSEAU (1712-1778), ein bedeutender Kritiker des naturwissenschaftlichen Rationalismus, der mit Diderot zusammen an der Enzyklopädie arbeitete, beschäftigte sich besonders mit der Psychologie des Kindes und des Jugendlichen. In seinen Erziehungsromanen “Emile” und “La nouvelle Heloise” griff er die autoritäre Erziehung an und stellte deren Schwächen bloß.

Ihr wird angelastet, dass sie als Erziehung für eine nach sozialer Rangordnung gegliederte Gesellschaft das Kind einschränkt. Dem Kind ist damit eine volle Bewusstseinsentfaltung nicht möglich. Die Entwicklung der psychogenetischen Pädagogik erfuhr durch Jean-Jacques Rousseau eine neue Richtung. Sie war bahnbrechend für spätere Forschungen auf diesem Gebiet. Rousseaus “Confessions” (“Bekenntnisse”) bedeuten für die Psychoanalyse ein Musterbeispiel für die Wichtigkeit der Lebenserfahrungen eines Kindes bei der Entstehung von Neurosen und Komplexen.

Auch die “Erziehung des Menschengeschlechtes” von GOTTHOLD EPHRAIM LESSING (1729-1781) ist in diesem Zusammenhang zu erwähnen. Die Schrift enthält eine kritische Entwicklungsgeschichte der Menschheit. Von großer Wichtigkeit ist jedoch Lessings Übersetzung und Herausgabe des 1575 erschienenen “Examen de ingeniös para la sciencias”, unter deutschem Titel als “Jüan Huartes Prüfung der Köpfe zu den Wissenschaften” veröffentlicht.

Dieser Jüan Huarte (um 1520-1589) war ein spanischer Arzt. Sein Werk ist ein wichtiger Beitrag zur psychologisch untermauerten Staatslehre, deren Darstellung Lessing für seine “aufgeklärt absolutistische” Zeit als notwendig erachtete. Huarte beschäftigt sich in “Examen de ingeniös para la sciencias” mit der menschlichen Intelligenz und den verschiedenen Begabungen.

Er untersucht die humoralen, modern ausgedrückt: die endikrin-hormonalen, zerebralen, eugenischen und klimatischen Aspekte, die den Menschen beeinflussen und die sein Wesen prägen. Huarte entwirft bereits Versuchsanweisungen zur Feststellung der Intelligenz und der Begabung. Weiterhin fordert er die Bildung einer Prüfungskommission zur Berufsberatung. Von großer Wichtigkeit erscheint ihm eine Zulassungsprüfung für Beamte und Politiker, die nicht nur nach der Intelligenz, sondern auch nach dem Bewusstsein, der moralischen Verantwortung fragt.

IMMANUEL KANTS (1724-1804) Beitrag zur Definition der Seele findet sich u. a. in seinem Hauptwerk “Kritik der reinen Vernunft”. Darin untersucht er die Möglichkeiten und die Grenzen der Vernunft und stellt fest, dass diese letztendlich auf psychische Erfahrungen angewiesen ist.

Fehlen diese Erfahrungen, so verwickelt sie sich unweigerlich in Antinomien (Widersprüche). Aus seiner Skepsis heraus entwickelt er die Lehre von der völligen Unerkennbarkeit der “Dinge an sich”. Das heißt, dass der Mensch den Rahmen seiner psychischen und physischen Erfahrungen nicht verlassen kann. So ist Gott auch nicht erkennbar und seine Existenz nicht beweisbar.

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE (1749-1832) beschäftigte sich auch mit der Psychologie, so, als er bei Johann Kaspar Lavaters (1741-1801) Werk “Physiognomische Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe” mitarbeitete und desweiteren bei seiner Darstellung “Zur Farbenlehre”, in der er die Entdeckungen und Thesen Newtons widerlegen wollte.

Goethes Weltanschauung lehnt sich stark an die von Leibniz an. Goethe war, ebenso wie Leibniz, gleichzeitig Staatsmann, Jurist, Biologe, Physiker und Mathematiker. Er hatte in Straßburg Medizin studiert. Mit der Theologie beschäftigte er sich auf Anregung seines Freundes Herder hin.

Alchemie interessierte ihn in seiner Jugend. In seinem “Faust l und II” vereint er beides, seine dichterischen Fähigkeiten und seine wissenschaftlichen Ansichten und Kenntnisse. Hinzu kommt noch eine eingehende Beschäftigung mit der antiken Mythologie. Goethe meint im Menschen das sensorium commune zu erkennen, das allgemeine Sinnesorgan der Natur. Dieses ist allumfassend und lebendig.

Es entwickelt sich vom Einfachen zum Mannigfaltigen, mit dem Ziel der Höherentwicklung, des Weiterkommens. Formgestaltende Muster versteht Goethe als Symbole, die die “Erscheinung in Idee” verwandeln, “die Idee in ein Bild, und so, dass die Idee im Bilde immer unendlich wirksam und unerreichbar bleibt und selbst in allen Sprachen ausgesprochen doch unaussprechlich bleibe”, wie es in seinen “Maximen und Reflexionen” heißt.

FRIEDRICH VON SCHILLER (1759-1805), in späteren Jahren ein kritischer Freund Goethes, setzte sich eingehend mit der Kantschen Philosophie auseinander, was besonders in seiner 1780 veröffentlichten medizinischen Dissertation “Versuch über den Zusammenhang der tierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen” zu erkennen ist, vor allem aber in seinen “Ästhetischen Briefen”. Schiller geht davon aus, dass der Körper durch die Seele gebildet und geprägt wird.

Er glaubt weiter, daß die ersten Jugendjahre die Gesichtszüge eines Menschen, also sein Äußeres, sowie seinen moralischen Charakter verändern. Schiller sieht den Leib also noch als Ausdruck, als Abbild des Seelischen.

Den gemeinsamen Studien der Theologie und Philosophie der Philosophen GEORG FRIEDRICH WILHELM HEGEL (1770-1831) und FRIEDRICH WILHELM JOSEPH VON SCHELLING (1775-1854) in Tübingen entsprang ein fruchtbares Wirken der Gelehrten, insbesondere zum Thema “Seele”. Gerade ihre während der gemeinsamen Studienzeit geschlossene Freundschaft, die für beide eine starke Bindung bedeutete, bereitete ihr Wirken vor.

Hegels intensiver Beschäftigung mit der Leibnizschen Philosophie folgte seine “Phänomenologie des Geistes”, der grandiose erste Teil des “Systems der Wissenschaft”.

Hegel schuf die Grundlage des späteren materialistischen Rationalismus sowie des dialektischen Materialismus. Grundlage des ersteren ist sein Werk “Wissenschaft der Logik”, des letzteren die von Hegel entwickelte dialektische Methodik in der “Phänomenologie des Geistes”.

Die dialektische Fragestellung war schon Platon bekannt, jedoch hatte er sie noch nicht zur Methode ausgebaut. Bei keinem von beiden steht jedoch als logischer und zwingender Schluss der Materialismus als Endform der dialektischen Methode.

Auf dem Feld der Psychologie fordert Hegel die “Systematik der Forschung”, was oft falsch ausgelegt wurde. Hegel vertritt nicht die Auffassung, dass eine Psychologie der Vernunft die einzig wahre Erkenntnisquelle ist. Unter der “Systematik der Forschung” versteht er vielmehr die menschliche Psyche als Gegenstand der Anthropologie, die Funktionen des Bewusstseins als Gegenstand der Phänomenologie und die Fähigkeiten des Geistes (Anschauen, Vorstellen, Erinnern usw.) als Untersuchungsgebiet der Psychologie.

Hegels These “Alles Wirkliche ist vernünftig, und alles Vernünftige ist wirklich” ist nicht kausal, sondern final zu verstehen. Der selbständige Gebrauch der Vernunft, die eigene Entscheidungsfreiheit sind nicht die Folge einer angeborenen, gegebenen Vernunft, sondern Produkte der geistigen Anstrengung der Individuation. Nur aufgrund dieser ist es dem Menschen möglich, “vernünftige” Erkenntnisse von seinem Leben zu gewinnen. Triebe und Leidenschaften entspringen dem Unterbewusstsein und unterliegen eigenen Gesetzen.

Hegel erkennt als Ziel des absoluten Geistes im Menschen die völlige Bewusstwerdung. Nur ein bewusster Mensch ist nicht mehr der Spielball seiner Leidenschaften und seiner, Triebe.

FRIEDRICH WILHELM JOSEPH VON SCHELLINGS “Identitätslehre” war bahnbrechend für die gesamte moderne empirische Tiefenpsychologie, die Psychiatrie und die Psychosomatik. In ihr beschäftigte er sich ausgiebig mit der Leib-Seele-Problematik. Schelling sieht das Universum als dynamischen Organismus an, der durch den Geist zum Selbstbewusstsein gelangt.

Natur und Psyche, Objekt und Subjekt, Reales und Ideelles sind daher im Prinzip identisch. Bereits 100 Jahre vor C.G. JUNG untersucht Schelling eingehend das Unterbewusste und kennt sogar das kollektive Unterbewusste, “das überall vorhanden ist”, nicht nur das persönliche, das individuelle. Im Unterbewussten sind Ideen existent, die einem kollektiven psychischen Steuerungsmuster entsprechen. – C.G. Jung findet für diese später die Bezeichnung “Archetypen”.

Schelling erforscht auch bereits die psychologische Bedeutung der Mythologie in bezug auf diese Archetypen, die er “gesamtkosmische Informationen” nennt.

Ein Freund Schellings, der Naturphilosoph und Lehrer an der Universität München GOTTHILF HEINRICH SCHUBERT, widmete sich der Erforschung des Unterbewussten in seinem Werk “Symbolik des Traumes”. In “Die Krankheiten und Störungen der menschlichen Seele” schreibt er über den somatischen Magnetismus.

FRIEDRICH NIETZSCHE (1844-1900), von Thomas Mann der letzte große europäische Denker genannt, wollte die Zwänge der Gesellschaft zerstören. “Zerbrecht die alten Tafeln der Werte!” lehrte er. “Ein jeder trägt eine produktive Einzigkeit in sich, als den Kern seines Wesens; und wenn er sich dieser Einzigkeit bewusst wird, erscheint um ihn ein fremdartiger Glanz, der des Ungewöhnlichen.” In dem Satz “Es gibt keine Institutionen, welche Du höher zu achten hättest, als Deine Seele” sagt Nietzsche, was er unter dieser Einzigartigkeit des Menschen versteht.
“Der Wille zur Macht” ist für ihn nicht der Wille der voluntaristischen Psychologie und der Nützlichkeitsmoral seiner Zeit, sondern es ist der Wille zur Höhe, zur Bewusstheit. ”Ich lehre Euch den Übermenschen”, heißt es im “Zarathustra”. “Der Mensch ist etwas, was überwunden werden soll.”

Im Vergleich zu diesem Ideal des Übermenschen erscheint der “Normalbürger”, der nicht nach Bewusstheit strebt, als eine Art Rohform des wahren Menschen. ’Was ist der Affe für den Menschen? Ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham. Und eben das soll der Mensch für den Übermenschen sein: ein Gelächter oder eine schmerzliche Scham.”

Dies ist Nietzsches Antwort auf die “Psychologie der Seele”, wie sie der Bonner Philosoph F.A. LANGE (1828-1875) aus dem Materialismus ableitet. Worum es Nietzsche in seinem Postulat vom Übermenschen ging, ist – modern ausgedrückt – das Bemühen um mehr Erkenntnis, um Bewusstseinserweiterung.

Das gleiche Ziel, jedoch mehr von der Hegeischen Philosophie ausgehend, verfolgte EDUARD VON HARTMANN (1842-1906). Es ist in seinem bekannten Werk “Philosophie des Unbewussten” dargelegt.

Hartmann geht davon aus, dass die Verarbeitung von Sinneswahrnehmungen, die Erkenntnis, subjektiv ist, das heißt, bei jedem Menschen unterschiedlich. Demgegenüber muss es aber auch objektive Prinzipien geben, da die menschlichen Anschauungs- und Denkformen mit der Daseinsform der Dinge im wesentlichen übereinstimmen.

Hartmann äußert in der “Philosophie des Unbewussten” die These, dass die subjektive Erkenntnis und die objektiven Prinzipien eins sind, da die unterbewusste universale Weltvernunft in allen Dingen und auch im Menschen manifestiert ist.

KARL JASPERS (1883-1969) schrieb dem Verstehen als psychologischem Erkenntnisweg besondere Bedeutung zu. Er verstand darunter die Ergründung pathologischer Erscheinungen des Psychischen. Seine “Allgemeine Psychopathologie”, entstanden 1913, gehört noch heute zu den Standardwerken der Psychiatrie und der therapeutischen Psychologie.

Auch Jaspers sieht die experimentelle naturwissenschaftliche Methode als aussichtsreichsten Weg, neurophysiologische Prozesse kennen zu lernen und zu verstehen.

Allerdings ist diese These von der Sinnhaftigkeit der Organisation des Psychischen ebenso an Axiome gebunden, also an Annahmen, wie die materialistische Lehre von Darwin, die die Evolution auf einen bestimmten Zweck hin ausgerichtet sieht.

CHARLES DARWIN (1809-1882) glaubt an die Selbsterhaltung als Ursache des Kampfes um das Dasein. In der daraus resultierenden Auslese manifestiert sich die quantitative Fortentwicklung der Arten. Seine Thesen bieten kaum Lösungsmöglichkeiten der Leib-Seele-Problematik an, sie sind rein materialistisch. Seine Lehre lässt die Fragen offen, wer, wenn die Evolution theologisch ausgerichtet ist, diese in Gang gesetzt hat und welches Endziel, welcher Zweck erreicht werden soll.

Ein schlichtes Überleben kann nicht das Ziel und der Sinn des Lebens sein. Aus darwinistischer Sicht wäre der Mensch gar eine Fehlentwicklung der Natur, da er, besonders seit Anfang des 20. Jahrhunderts, diese Natur mit Hilfe seiner einzigartigen Intelligenz, die ihm bisher das Überleben sicherte, systematisch zerstört.

Sein Selbsterhaltungstrieb müsste ihm gebieten, sich blitzartig auf die Primatenstufe der “Affenvettern” zurückzuentwickeln. Wenn das Psychische nicht sinnlos ist, auch in leibgebundener Form einen Sinn hat, muss es folglich auch einen Sinngeber, ein übermenschliches seelisches Wesen geben.

Die Körperlichkeit, die materielle Welt könnte dann nur eine Durchgangsstufe für die menschliche Seele sein, es wäre also wünschenswert, diese so schnell wie möglich zu verlassen, die Welt zu überwinden, wie es Buddha lehrte. Die Beschäftigung mit körperlich-seelischen Phänomenen wäre völlig sinnlos, sie hätte sich erübrigt.

Liegt der Sinn der Evolution aber im Nirwana, dann hat der Mensch die Möglichkeit zu einer schnellen und gründlichen Zerstörung der Welt und seiner eigenen Art schon erreicht.

Hat jedoch die Evolution überhaupt keinen Sinn oder Zweck, dann ist auch das menschliche Leben nichtig. Diese Annahme findet man in der heutigen Zeit häufig, obwohl sie oft unterbewusst verdrängt wird.

Die jahrhundertelange Diskussion der Philosophen über die Seele war immer rein akademischer Natur, sie war nur für eine Oberschicht geschrieben und blieb ohne Auswirkungen auf die Gesellschaft, den Menschen und seine Umwelt.

Erst im 18. Jahrhundert, verknüpft mit den Bemühungen einiger Ärzte, Geisteskranken zu helfen und Irrenanstalten zu reformieren, um menschenwürdige Zustände zu schaffen, gewann die Beschäftigung mit der Seele an Bedeutung. Die Behandlung und Heilung von Geisteskranken erzwang sie.

Im 19. Jahrhundert entstand die Psychiatrie als eigenständige medizinische Disziplin, die Ärzte hatten die Seele entdeckt.

Niemand kann rückwärts leben. Schau nach vorn. Da liegt deine Zukunft.

Ann Landers

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.